Im Schatten eines Mangobaumes (eBook)
342 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-5752-7 (ISBN)
Anton Antreich wird am 23. Mai 1928 in Niederösterreich geboren, erlebt dort seine Kindheit und Schulzeit ehe er in den Krieg einrücken muss. Nach seiner gelungenen Flucht aus der Gefangenschaft baut er sein weiteres Leben auf, interessiert sich für Autos und Frauen, bekommt insgesamt drei Kinder, arbeitet in unterschiedlichen Berufen. Er geht nach Vorarlberg und dann nach Afrika. Immer kümmert er sich um die Wohnungen und baut und adaptiert wie je nach momentanen Anforderungen von Familie und Geschäft. Im Jahre 2023 ist Anton Antreich 95 Jahre, an vielem interessiert, mit vielen Ideen und einem Lebenswillen, seinen Hundertsten Geburtstag feiern zu wollen.
Mein Fußballverein in Langenlebarn
Zurück zu den schönen Sachen, die nun auf mich warteten, einmal Urlaub machen, sich mit den Freunden vergnügen, es wurde eine aufregende Zeit für mich. Das nächste Wochenende ging's schon los, ein Fußballspiel am Sonntag und am Samstag davor der Sportlerball. Rudi und ich wurden von unseren Jahrgängerinnen eingeladen, damit sie uns ein paar Tanzschritte zeigen konnten. Wir übten die ersten Schritte, zu Marsch und einem Englisch-Walzer, den ganzen Samstagnachmittag wurde geprobt, am Abend dann der Ball. Unsere Tänzerinnen sagten, für den Anfang reiche es. Gut, dachten wir, aber nur mit ihnen, bei anderen würden wir uns ganz schön blamieren. Sie sprachen uns Mut zu, wir würden das schon schaffen. Die Aufregung bekämpften wir mit etwas Alkohol, welcher noch sehr rar war und dann ging's rein ins Vergnügen. Wir durften aber nicht zu spät nach Hause, denn am nächsten Tag gab’s ja ein Match, sagte unser Sektionsleiter vom Verein.
Ich hatte ein Problem: für den Ball hatte ich keinen Anzug, aber Mama hatte gleich eine Lösung. Zu Kriegsende hatte ein Schleppkahn auf der Donau festgemacht, die Dorfbewohner entdeckten, bevor die Russen kamen, dass er mit Stoffballen beladen war. Sie bedienten sich reichlich an dem Beutegut und von so einem Stoff hatte Mama für mich etwas aufgehoben für einen Anzug, daher ging ich einige Tage vorher zum Dorfschneider. Er musste mir einen Anzug verpassen und damit ging ich auf den Ball.
Ich hatte ja gar nichts mehr zum Anziehen, als ich heimkam, die alten Sachen waren viel zu klein.
Nun gab es auch Einladungen bei meinen Freunden, die Eltern freuten sich, dass wir alle wieder beisammen waren, aber einige von früher fehlten, sie waren gefallen oder vermisst. Da fiel mir Alfred ein, den ich beim Rückzug verloren hatte, ich musste zu seinen Eltern gehen und ihnen das erzählen oder vielleicht hatten sie schon Nachricht von ihm oder er war schon zu Hause. Ich fuhr nach St. Andrä-Wördern und fragte mich zur Familie Stadler durch, sie waren zu Hause. Ich stellte mich vor und fragte nach ihrem Sohn, da bekam ich die traurige Antwort, er sei in einem russischen Lazarett an einer Lungenentzündung gestorben. Ich war erschüttert, das zu hören. Nun erzählte ich ihnen von der Zeit, die wir beisammen gewesen waren und von der Nacht, als wir uns aus den Augen verloren hatten. Es war für sie ein kleiner Trost, denn Alfred war schon über ein Jahr tot.
Meine Cousins sind alle heimgekommen, auch Adolfonkel, der Berufssoldat, die anderen Onkel, die schon älter waren, sind nicht an der Front gewesen, sie sind im Hinterland verwundet worden.
Jeden Tag gab es etwas Neues, ich lernte neue Freunde kennen, auch die Mädchen wurden nun für mich interessant, bisher hatte ich ja keine Gelegenheit gehabt. Einen Teil unserer Jugendzeit hatten wir mit Ausbildung und Krieg versäumt, jetzt gab es Unterhaltungen mit Tanz, fast jedes Wochenende, es hatte immer jemand Geburtstag, der natürlich gefeiert wurde. Mit Alkohol musste ich mich erst vertraut machen, für uns Jugendliche gab es beim Militär keinen und wenn doch, tauschten wir ihn gegen Essen ein.
Eine alte Erinnerung an den ersten Rausch bei der Musterung war immer noch in meinem Unterbewusstsein vorhanden, da ging es mir sehr schlecht, ich war ein paar Tage krank gewesen. Da hatte ich zu mir gesagt, so ein Zeug würde ich nicht mehr trinken. Also war ich bei diesen Festen immer vorsichtig, aber um so richtig in Stimmung zu kommen und nicht abseits zu stehen, trank ich ab und zu mit.
Die Tage vergingen, es war schön, wieder zuhause zu sein, meine Familie sorgte sich um mich, aber das konnte nicht so weitergehen, ich musste mich um Arbeit umschauen, denn ohne Geld konnte ich mir auch nichts kaufen und meinen Eltern wollte ich nicht länger zur Last fallen. Als ich so herumhorchte wegen einer Arbeit, mein früherer Meister brauchte jetzt niemanden, denn sein Sohn war auch zurückgekommen und der Lehrling, den ich im letzten halben Jahr ausgebildet hatte, war schon im letzten Lehrjahr. Arbeit hatten sie auch nicht viel, so musste ich woanders suchen. Als der Sektionsleiter vom Fußballklub das hörte, fragte er mich, ob ich nicht bei ihnen im Flughafen bei der amerikanischen Besatzungsmacht arbeiten wolle. Er war der Chef von zwanzig Installateuren, die im Fliegerhorst beschäftigt waren. Ich zu den Amis? Warum nicht, die Russen hatten ja einen Teil von Wien, Niederösterreich und Burgenland als Besatzungstruppen besetzt. Die Amis brauchten einen Flugplatz, um schnell nach Wien zu kommen, denn Wien war in vier Teile aufgeteilt worden. In jedem war eine andere Besatzungsmacht, es gab Engländer, Franzosen, Russen und Amerikaner. Die Amis hatten einen Korridor, das war die Bundesstraße 19, von Wien über Klosterneuburg bis Langenlebarn zum Flughafen.
Leopold, mein neuer Chef, sagte, ich solle am Montag mit ihm kommen, er werde zum Obersten Boss der Amis gehen und ihm mitteilen, dass er einen gelernten tüchtigen Installateur und Fachmann in seinem Team brauche. Wir beide, ich bekam am Tor einen Passierschein, damit ich rein durfte, gingen zum Chef, einem großen, beleibten Mann mit einer Zigarre im Mund. So typisch amerikanisch saß er am Tisch als wir eintreten durften, Leopold hat gleich einen Dolmetscher mitgebracht, einen Österreicher, der lange Jahre in Amerika gelebt hatte und nun diesen guten Posten hatte. Er erklärte nun unseren Wunsch, der Oberst oder so was ähnliches, welchen Rang er hatte, wusste ich noch nicht, schaute mich an und nickte, ich verstand nicht viel Englisch, das war ein Fehler, denn ich wollte es nicht lernen in der Schule, aber das hieß so viel wie „okay", ich durfte anfangen.
Es waren die Amis, die mich gefangen genommen hatten, und nun war ich bei ihnen angestellt, es war nur noch ein Fragebogen auszufüllen, dann wäre alles in Ordnung. Als ich ihn ausfüllte, stand auch drauf, welcher Jugendorganisation ich angehört hatte im Hitlerreich. Ich war zu ehrlich und schrieb DJ, das war für deutsche Jugend die Abkürzung. Ich dachte mir nichts dabei, aber diese zwei Buchstaben hätten mich fast um den Posten gebracht. Als das erledigt war mit dem Fragebogen, konnte ich gleich anfangen.
Es war ein toller Job, Leopold stellte mich bei allen Arbeitskollegen vor, ich war natürlich der Jüngste, aber mich störte das nicht, er machte mit mir einen Rundgang um den ganzen Flughafen, ich sah ihn wieder, aber es war nur mehr die Hälfte intakt, denn einen Teil der Kasernen hatten die Deutschen beim Rückzug gesprengt, auch einen Hangar, aber die Hauptgebäude standen noch, darunter das Wirtschaftsgebäude, wo sich die Küchen befanden. Ich sollte mit einem anderen Arbeitskollegen die erste Zeit diese kontrollieren. Alles, was zu reparieren war, an den WC-Anlagen, Waschräumen und Wasserentnahmestellen, war unsere Aufgabe, aber als erstes sollte ich jeden Morgen in der Küche nachschauen, ob alles funktionierte.
Ich wurde Otto zugeteilt, der wusste schon, was Leopold mit der Küche meinte, wir marschierten vor Arbeitsbeginn gleich dahin, unser Arbeitsgerät war ein Hektor, eine Stahlfeder und eine Werkzeugkiste. In der Küche sagte Otto, schau unter der Abwasch nach und warte, bis ich komme. Er kam mit zwei Tellern, auf denen lagen Donuts-Ringe, und einer großen Tasse mit Kakao, in dem der Löffel im Zucker steckte. Das sei einmal das Frühstück, ich sollte essen und trinken, soviel ich konnte. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, ich berichtete ihm, hier sei alles in Ordnung. Er sagte, das sei nicht wichtig, wir kämen da ja nicht wegen der Arbeit her, sondern wegen des Essens und das jeden Tag, der erste Weg war in die Küche, dann in die anderen Objekte. Zwischendurch kamen wir bei der Bar vorbei, da schauten wir unter der Theke ob alles in Ordnung war, dafür gab es ein Bier aus dem noch nicht leeren Fass, mittags ging's in die Mannschaftsküche, wenn alle Soldaten und Unteroffiziere gegessen hatten und noch viel übrig war, konnten die Zivilangestellten sich anstellen und ein viergängiges Menü haben, als Abschluss gab es noch einen Kaffee. Es waren viele Zivilangestellte in den Küchen, Bars, Büros, aber auch in den Werkstätten und viele waren aus Langenlebarn, darunter auch Fans, die kannten mich vom Fußball spielen.
So ging es jeden Tag immer dieselbe Tour, bald spürte ich, wie meine Kräfte wieder kamen, der Hosengürtel zu eng wurde, die Hungerzeit war nun vergessen, sogar Schokolade gab’s, wenn ein Soldat guter Laune war, schenkte er welche her. Nach zwei Wochen bekam ich eine Hiobsbotschaft, mein Boss kam zu mir und sagte, die amerikanische Dienststelle habe mich entlassen, ich müsse nach Haus gehen. Ich war außer mir, was hatte ich getan? Nichts, war die Antwort, aber du sollst bei der Hitlerjugend gewesen sein, laut Fragebogen. Nun wusste ich von dem Fehler, den ich gemacht hatte. Leopold meinte zu mir: „Wir gehen jetzt zum Obersten Boss und klären das." Als wir wieder mit unserem Dolmetscher aufkreuzten, erklärten wir dem Herrn Oberst, dass ich bei dem Jungvolk gewesen war, das so ähnlich gewesen war wie die Pfadfinder und keine politischen Handlungen durchgeführt hatte und außerdem zu dieser Zeit noch ein Schuljunge gewesen war. Er...
| Erscheint lt. Verlag | 28.11.2023 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| ISBN-10 | 3-7583-5752-7 / 3758357527 |
| ISBN-13 | 978-3-7583-5752-7 / 9783758357527 |
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