Das Erbe der Greiffenbergs - Hoffnungsvolle Aussichten (eBook)
383 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7517-5980-9 (ISBN)
Bei Feinkost Greiffenberg werden die Karten neu gemischt. Pauline, die das Familienunternehmen erfolgreich durch stürmische Gewässer gesteuert hat, steht vor einer schweren Entscheidung: gehen oder bleiben? Soll sie das, wofür sie so hart gekämpft hat, aufgeben? Währenddessen eröffnet sich ihrem Bruder Ferdinand eine Chance, auf die er schon lange gewartet hat. Doch wenn er sie ergreift, bringt er sein Glück mit Christina in Gefahr. Als Antonia, die jüngste Schwester, einen geheimnisvollen Fremden kennenlernt, der im Bootshaus der Greiffenbergs wohnt, ist die Familie alarmiert. Denn es wird schnell klar, dass er etwas verbirgt ... Aber was? Und warum?
<p><strong>Isabell Schönhoff</strong> ist das Pseudonym einer deutschen Drehbuch- und Romanautorin, die sich mit romantischen Komödien einen Namen gemacht hat. Mit ihrer neuen Reihe erfüllt sie sich einen Herzenswunsch: eine bewegte Familiengeschichte an ihrem Lieblingsort, Prien am Chiemsee.</p>
1. Silvesternacht
Antonia beugte sich weit über die steinerne Balustrade, sah durch den Sucher ihrer alten Canon und drückte den Auslöser – genau in dem Moment, als der weiße Sternenregen in den Chiemsee zu fallen schien. Um kurz vor Mitternacht waren sie hinausgegangen, auf die Terrasse der alten Greiffenberg-Villa, denn von hier aus hatte man einen perfekten Blick auf das große Silvesterfeuerwerk. Ihre gesamte Familie hatte sich hier draußen versammelt, um dem bunten Spektakel beizuwohnen und vor dieser Kulisse gemeinsam ins neue Jahr zu rutschen. Vor wenigen Sekunden hatte es begonnen, das neue Jahr. Noch ein paarmal spannte Antonia den Film und drückte auf den Auslöser. Die richtige Belichtungszeit zu finden war nicht einfach bei der Dunkelheit. Trotzdem hoffte sie, dass einige gelungene Schüsse dabei sein würden, wenn sie morgen früh im Entwicklungsbad Gestalt angenommen hatten. Sie brauchte dringend Material für ihre Bewerbungsmappe. Im Sommer hatte sie ihr Abitur gemacht und sich danach lange nicht entscheiden können, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Ihr Freund Hendrik war für ein Jahr nach Costa Rica entschwunden, und ihre beste Freundin Cara hatte ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kindertagesstätte in Regensburg begonnen. Sie selbst hatte sich erst einmal finden müssen. Die Geschehnisse der letzten beiden Jahre hatten ihr förmlich den Boden unter den Füßen weggerissen. Doch langsam ging es ihr besser, und mit zunehmender Erholung hatte sich auch herauskristallisiert, wohin die Reise gehen sollte. Also, beruflich gesehen. Ein Kunststudium beginnen, an der Akademie der Bildenden Künste in München. Dort angenommen zu werden wäre ein Traum, und wenn sie sich etwas für das neue Jahr wünschte, dann, dass es keiner bliebe.
»He, Toni! Frohes Neues!«, hörte sie ihren Bruder Ferdinand sagen. Im nächsten Moment spürte sie seine Hand auf ihrer Schulter. Sie nahm die Kamera herunter, drehte sich zu ihm um und schenkte ihm ein kurzes Lächeln. »Wünsch ich dir auch, Bruderherz.«
»Komm mal her, Kleine!«, sagte er, obwohl er wusste, dass sie es hasste, so genannt zu werden. Er legte seine Arme um sie und drückte sie so fest an sich, dass sie fast keine Luft mehr bekam. Sie ließ es über sich ergehen. Weil es Ferdinand war. Und Silvester.
»Hoffen wir mal das Beste, was?«, sagte er launig und ließ sie endlich wieder los.
»Schlimmer als letztes Jahr kann es jedenfalls nicht werden«, meinte sie.
»Nein. Sicher nicht!« Plötzlich sah er ungewohnt ernst aus. Noch einmal hob sie ihre Canon hoch, nahm das Gesicht ihres Bruders ins Visier und sagte: »Lach mal, Ferdi!«
Er lächelte, aber nur ein wenig, und sie drückte genau im richtigen Moment ab. Das ist gut geworden, dachte sie.
Immer mehr Feuerwerksraketen flogen gen Himmel und entfalteten dort oben ein buntes Lichtermeer. Ganze Salven wurden abgefeuert, von der Herreninsel aus, und der Wind trug das Knallen und Zischen zu ihnen herüber.
Antonia schaute zu dem Rest der Familie hin. Ihre Mutter Therese und Oma Elsa lagen sich gerade in den Armen und schienen sich gar nicht mehr loslassen zu wollen. Sie hatten einiges gemeinsam durchgemacht im vergangenen Jahr, und wenn die Ereignisse irgendetwas Gutes gehabt hatten, dann, dass die beiden dadurch eng zusammengewachsen waren.
Antonia wandte den Blick nach rechts und entdeckte ihren Vater Ludwig. Er stand mit dem Rücken an die steinerne Brüstung gelehnt, ganz allein und mit vor der Brust verschränkten Armen. Gedankenverloren sah er zu seiner Familie hin. Wie sie alle miteinander anstießen, sich in die Arme fielen und sich gegenseitig Glück wünschten. Antonia fragte sich, was er in diesem Moment dachte. Ob er lieber woanders wäre. Oder sich wünschte, alles rückgängig machen zu können. Welchen Vorsatz er wohl für das neue Jahr hatte? Hatte er überhaupt einen? Er kam ihr so selbstbewusst vor, als wäre er vollkommen im Reinen mit sich. Wusste er eigentlich, was er angerichtet hatte? Mit einem Ruck löste er sich von der Balustrade, schritt zu ihrer Mutter hinüber und legte seinen Arm um ihre Taille, als würde sie ihm gehören.
Ferdinand folgte Antonias Blick. »Totgesagte leben länger!«, sagte er leise, und dann beobachteten sie, wie ihre Mutter ihr neues Lächeln anknipste. Ein Lächeln, das sie irgendwie traurig aussehen ließ. Beinahe noch trauriger als damals, im April vor fast zwei Jahren, als Ludwig von einem Segeltörn auf dem Chiemsee nicht mehr nach Hause gekommen war und die Hoffnung, er könnte noch am Leben sein, stündlich schwand. Bei einem Sturm war er mit seiner Plätte in Seenot geraten. Eineinhalb Jahre lang hatte es kein einziges Lebenszeichen von ihm gegeben. Und dann, eines Sonntagmittags, hatte er plötzlich vor der Haustür gestanden. Einfach so, als wäre nichts gewesen, hatte er den Klingelknopf gedrückt und war hereinmarschiert in die gute Stube. Er hatte unter einer schweren Depression gelitten und war deshalb ein anderer Mensch gewesen. Das war der Grund, weshalb er nicht heimgekommen war, nachdem er über Bord gegangen war und wie durch ein Wunder überlebt hatte. Es musste ihm wirklich verdammt schlecht gegangen sein. Dass er sich die ganze Zeit nicht gemeldet hatte, obwohl er sich ja hätte denken können, dass sie alle krank vor Sorge gewesen waren, das war für sie noch immer schwer zu begreifen. Zunächst hatte er zurückgezogen in einer Berghütte im Zillertal gelebt. Einer einfachen Behausung, die einer gewissen Senta Hübner gehörte. Dass die dort in der Zeit auch gewohnt hatte und schon länger seine Geliebte gewesen war, damit war Ludwig erst auf hartnäckiges Nachfragen hin herausgerückt. Antonia fragte sich, ob ihre Mutter ihm diesen Betrug je verzeihen würde. Und auch, ob sie selbst es könnte.
Früher war Ludwig nicht nur ihr Vater gewesen, sondern auch fast so etwas wie ihr bester Freund. Sie hatte etwas verbunden – ein ganz besonderes Band. Nachdem er verschwunden war, wäre sie beinahe daran zerbrochen. Doch seit er zurück war, sprachen sie nur noch wenig miteinander. Das, was sie einmal gehabt hatten, gab es nicht mehr, weil … er seit seiner Rückkehr ein anderer war. Vielleicht nur in ihrem Kopf. Oder sie selbst war es, die eine andere geworden war. Am Ende war es auch egal, denn es änderte ja nichts daran, dass es nicht mehr so wie vorher war und dass es vermutlich auch nie wieder so werden würde.
Das Feuerwerk hatte inzwischen seinen Höhepunkt erreicht. Immer schneller hintereinander wurden die Raketen abgefeuert, und mehrmals war es sekundenlang taghell. Und dann war es auch schon vorbei. Ganz still war es auf einmal. Nur aus dem Inneren der Greiffenberg-Villa ertönte leise ein Wiener Walzer. Der war bereits eben gelaufen, als sie alle hinausgegangen waren. Ferdinand hatte ihn anscheinend auf Dauerschleife bei Spotify. Er hatte sein Handy mit der nagelneuen Bluetooth-Bose-Box im Wohnzimmer verbunden. Ludwig hatte sie von Therese zu Weihnachten bekommen. Ein gutes Geschenk, wenn man die Lage der beiden bedachte. Nicht zu persönlich, aber auch nicht so, als hätte man sich absichtlich gar keine Gedanken gemacht. Ludwig hingegen hatte tief in die Tasche gegriffen und ihrer Mutter einen Diamantring von Cartier geschenkt. Gold. Null Komma zwei Karat. Sie hatte ihn noch kein einziges Mal getragen.
»He, Toni! Frohes Neues!« Pauline prostete ihr zu.
»Dir auch!«, rief sie und mimte ein Anstoßen mit einem nicht vorhandenen Glas. Sie war vor lauter Fotografieren noch gar nicht dazu gekommen, sich eines vom Tablett zu nehmen. Pauline tat das nun für sie. Dann nahm sie die Hand ihres Freundes Leopold und zog ihn mit sich, zu ihr hinüber.
»Viel Glück!« Sie drückte ihr das Glas in die Hand und stieß mit ihr und Ferdinand an.
»Ja, auch von mir!« Leopold nickte ihnen lächelnd zu und tat es ihr gleich. »Wird sicher ein spannendes Jahr für dich!«, prophezeite er und trank.
»Wieso?«, fragte sie.
»Weil du jung bist und die Welt dir zu Füßen liegt.«
»Euch doch auch!«
Leopold und Pauline blickten sich an. »Na ja«, sagte ihre Schwester. »Für dich ist es noch mal etwas anderes.«
»Weil …?«
»Weil bei dir noch alles offen ist. Noch nichts eingeloggt. Beruflich. Privat. Und überhaupt.«
»Ja, das muss ein super Gefühl sein«, mischte sich nun Ferdinand ein. »Nichts ist unmöglich! Alles ist drin. In jeder Beziehung.« Er betrachtete sie einen Augenblick. »Hm, oder sagen wir mal, fast alles. Herzchirurgin wirst du wohl nicht. Dafür fehlt es dir dann doch an der nötigen Menge … Gehirn.«
»Sagt ja genau der Richtige!« Sie rollte mit den Augen.
»Aber jetzt mal im Ernst! Ist das nicht megageil? Ich beneide dich.« Ihr Bruder boxte ihr sanft auf den Solarplexus.
»Ja. Schon irgendwie«, erwiderte sie nachdenklich. »Aber irgendwie auch nicht.«
»Wieso?«, wollte Pauline wissen.
»Irgendwie ist es auch beängstigend. Eben weil alles möglich ist.«
»Fast alles«, erinnerte sie Ferdinand.
»Ich hab Angst, mich falsch zu entscheiden.«
Pauline nickte. »Verstehe ich. Ging mir damals auch so. Aber nichts ist in Stein gemeißelt. Man kann sich ja auch wieder umentscheiden. Vor allem, wenn man so jung ist wie du. Und … Schau mich an. Ich hab’s auch getan.« Sie deutete auf Leopold und grinste ein wenig. »Mich umentschieden. Ich hab einen Umweg genommen.«
Sie spielte auf ihre Trennung von Sebastian an, dem Vater ihrer Zwillinge, der ihr das Leben jahrelang zur Hölle gemacht hatte. »Aber am Ende ist alles so gekommen, wie es sein soll!« Sie ging einen Schritt auf Leopold zu und küsste ihn auf den...
| Erscheint lt. Verlag | 30.8.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Chiemsee-Saga | Die Chiemsee-Saga |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Alm • Bayerisches Meer • Behinderung • Berge • Bestseller 2024 • Bomann • bücher für frauen • Chiemsee • Club • dramatisch • Erbe • Familiengeschichte • Familienunternehmen • Feinkost • Fraueninsel • Geheimnis • Generationenroman • Gier • Glamour • High Society • idyllisch • Intrigen • Liebe • Prien • Saga • Seestrand • Segeln • Tabea Bach • Tegernsee • Unfall • Urlaubsbuch • Verrat • Villa • Zurück ins Leben • Zusammenhalt • Zwillinge |
| ISBN-10 | 3-7517-5980-8 / 3751759808 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-5980-9 / 9783751759809 |
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