Perry Rhodan Neo Paket 32: Aphilie (eBook)
1600 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-9683-5 (ISBN)
1.
Perry Rhodan
T minus zwei Stunden
»Nein. Auf gar keinen Fall. Unter keinen Umständen. Bist du völlig verrückt geworden?«
Perry Rhodan blickte seine Frau überrascht an. Er hatte mit Widerspruch gerechnet, aber nicht in dieser Heftigkeit. Wobei Thora Rhodan da Zoltral nicht unrecht hatte. Was er vorhatte, war gefährlich. Sogar für seine Verhältnisse. Dennoch sah er keine andere Möglichkeit.
»Willst du nicht wissen, was unter dem Schirm vor sich geht?«, fragte er zurück.
»Natürlich will ich das! Aber ich will auch, dass du überlebst, verdammt noch mal!«
Dem konnte sich Rhodan anschließen. Aber ohne Risiko kamen sie nicht weiter. Die PERLENTAUCHER war gerade erst im Solsystem eingetroffen. Genauer: Das Raumschiff stand vor dem undurchdringlichen, schwarzen Energieschirm, der das komplette System umschloss.
Andere terranische Schiffe untersuchten das Phänomen bereits seit Monaten und hatten keine sichere Methode gefunden, es zu durchdringen oder Informationen aus dem Systeminnern zu erhalten. Nichts gelangte hinein, nichts heraus.
Es gab indes einen plausiblen Grund, warum man vermuten konnte, dass ausgerechnet Rhodan der Vorstoß gelingen konnte, an dem alle anderen gescheitert waren.
»Ich gebe ja zu, dass es gefährlich ist«, räumte er ein. »Aber wir wissen nicht, was da drinnen vorgeht. Möglicherweise sind Milliarden Menschen in Not, wer weiß? Wenn ich ihnen helfen kann und es aus Angst nicht versuche ...«
»Spiel nicht den Messias oder Erlöser!«, fuhr Thora ihn an. »Das bist du nicht. Auch wenn du mehr erlebt hast als die meisten: Du bist ein Mensch wie jeder andere!«
Rhodan verkniff sich den Hinweis, dass seine Erfahrung nicht der einzige Unterschied zu anderen Menschen war. Die Tatsache, dass sein Körper nicht alterte, war ebenfalls relevant. Sie war sogar der maßgebliche Grund für ihren Streit.
»Es gibt nun mal nur zwei Personen an Bord«, sagte Rhodan ruhig, »die diesen Vorstoß überstehen können. Du möchtest nicht, dass ich gehe. Und ich möchte nicht, dass du gehst.« Auf einmal erkannte er die einzig sinnvolle Möglichkeit, ihren Konflikt beizulegen. »Werfen wir eine Münze.«
Thora sah ihn durchdringend an, dann nickte sie. Sie griff in die Brusttasche ihrer Bordkombination und zog einen silbern glänzenden arkonidischen Chronner hervor.
Rhodan hob eine Braue. Es gab keinen Grund, an Bord eines terranischen Raumschiffs Bargeld mit sich herumzuschleppen – überdies noch arkonidisches. Niemand zahlte mit solchen Münzen. Die Geldstücke wurden seit Jahrtausenden fast nur noch zu Repräsentationszwecken geprägt.
»Du wusstest, dass ich das vorschlagen würde«, folgerte er.
Sie nickte. »Seit ich die Ergebnisse der Erkundungssonde gesehen habe. Und anders bist du nicht aufzuhalten, wenn du dir Irrsinn in den Kopf gesetzt hast. Kopf oder Zahl?«
»Kopf«, sagte Rhodan.
Thora schnippte den Chronner in die Höhe, fing ihn in der Luft und brachte ihn klatschend auf ihrem Handrücken zur Ruhe. Sie zog die obere Hand weg und offenbarte die sichtbare Münzseite: das Profil des Imperators Reile.
Rhodan vermied vorsichtig jeden Anflug eines Lächelns.
»Na gut«, grollte Thora. »Das wäre geklärt. Du gehst.« Wieder sah sie ihn durchdringend an. »Eins noch: Dieser Plan stammt doch nicht von dir. Das ist selbst für dich zu irrsinnig. Wer steckt dahinter?«
Rhodan schwieg. Er hatte seine Entscheidung gefällt. Er trug die Verantwortung. Er würde die Schuld niemand anderem zuzuschieben.
»Hab ich's mir doch gedacht!« Thora nickte energisch, machte auf dem Absatz kehrt und eilte zur Tür.
»Wo willst du hin?«, rief Rhodan ihr hinterher.
»Ich suche Santo Okal«, antwortete sie, »und breche ihm die Arme.«
Zuvor – T minus sechs Stunden
Es war eine Besprechung in kleiner Runde: Neben Perry Rhodan nahmen nur Nilofar Abbasi, der Kommandant der PERLENTAUCHER, und der Techniker Santo Okal teil. Abbasi war die Stimme der Vernunft. Okal die der Unvernunft, und als solche unverzichtbar.
Der junge Techniker hatte einen katastrophalen Ruf an Bord der PERLENTAUCHER. Fortwährend schlug er irrwitzige Verfahren vor, wie man die Prozesse des Raumschiffs optimieren könnte. Sie waren in den seltensten Fällen ernst gemeint, aber leider so überzeugend und todernst vorgetragen, dass sogar erfahrene Techniker ihn beim Wort nahmen und unversehens Katastrophen auslösten.
»Es war alles Okals Idee!«, war zum geflügelten Wort an Bord geworden.
Okal stand meist daneben und wunderte sich, wie jemand so verrückt sein konnte, seine Vorschläge wörtlich zu nehmen. Oder warum jemand die Anregungen eines gerade erst sechsundzwanzig Jahre alten Anfängers aufgriff, der überdies noch deutlich jünger aussah.
In ihrer aktuellen Lage aber brauchte Rhodan verrückte Ideen. Alles Vernünftige hatte man bereits vergeblich probiert.
Außerdem passte verrückt ohnehin gut zum Ablauf der vergangenen Monate. Allein die Art, wie es sie ins Solsystem verschlagen hatte, war irrwitzig: Vor Kurzem noch hatte sich die PERLENTAUCHER in der Großen Magellanschen Wolke befunden. Von dort sollte ein unbegreifliches Transportsystem, eine sogenannte Catron-Kapillare, das Raumschiff in die Milchstraße zurückbringen, genauer: zur terranischen Kolonie Rumal.
Das hatte grundsätzlich funktioniert, nur leider nicht – wie geplant – in Nullzeit. Erst im November 2112 war die PERLENTAUCHER aus der Kapillare aufgetaucht, obwohl an Bord nur wenige Minuten vergangen waren. Zu diesem Zeitpunkt war die Erde bereits seit fünf Monaten unerreichbar.
Weitere Zeit ging durch unvermeidbare Reparaturen am Schiff verloren, und als der Leichte Kreuzer Anfang Dezember hatte aufbrechen können, musste ein Teil der Besatzung in medizinischer Behandlung auf Rumal zurückbleiben. Selbst der eigentlich unverwüstliche Oxtorner Omar Hawk war derzeit nicht einsatzbereit. Ras Tschubai hatte die Rückreise bereits lädiert angetreten, aber John Marshall und Hawk hatten sich danach noch einige Stunden bester Gesundheit erfreut – bis sie plötzlich zusammengebrochen waren.
Rhodan hatte nicht auf ihre Genesung warten können. Er wollte herausfinden, was mit der Erde geschehen war. Das Solsystem hatte sich in einen Energieschirm gehüllt, der keinerlei Kontakt mit der Außenwelt zuließ. Keine Raumfahrzeuge flogen aus oder ein. Keine Funksprüche drangen heraus. Es wurden keine Waren mehr über die Transmitterstraße nach Olymp transportiert.
Nicht mal das Licht der heimatlichen Sonne fand seinen Weg in den Raum zwischen den Sternen. Wo sich Sol mit ihren Trabanten befinden sollte, stand eine perfekte Kugel aus abgrundtiefer Schwärze im All.
Schon wenige Tage nach der jähen Abschottung des Solsystems, Ende Juni 2112, waren die ersten Raumschiffe einer Hilfsflotte eingetroffen. Die Menschheit war ein Dreivierteljahrhundert zuvor zu den Sternen aufgebrochen. Nun kehrte sie zu ihrer Wiege zurück. Die heimatliche Erde und ihr Sonnensystem waren in Gefahr, und die Menschen – Ertruser, Oxtorner, Siganesen und all die anderen Kolonisten – wollten helfen.
Nur: Wie? Der Schirm war undurchdringlich. Erkundungssonden, die man hineingeschickt hatte, waren verschollen. Der Kontakt zu ihnen war aber keineswegs abrupt abgerissen. Stattdessen war die Intensität ihres Funksignals in kurzer Zeit bis zur Nulllinie gesunken. Es deutete also nichts darauf hin, dass sie zerstört worden, sondern eher darauf, dass sie in ein Dämpfungsfeld geraten waren. Was sie in diesem Feld vorgefunden hatten, blieb ein Rätsel.
Raumsonden, die man nicht in den Schirm, sondern nur in dessen unmittelbare Nähe geschickt hatte, kamen ohne verwertbare Ergebnisse zurück. Mehr als Großaufnahmen eines schwarzen Nichts hatten sie nicht zu bieten.
Die Wissenschaftler der Hilfsflotte hatten allerdings entdeckt, dass das Konstruktionsmaterial der Forschungssonden gelitten hatte: Sowohl die Metall- als auch die Kunststoffkomponenten wirkten stark beansprucht, teils sogar spröde, als hätten sie Jahrzehnte im All verbracht statt nur Minuten oder Stunden. Es gab allerhand Hypothesen, welche Art Strahlung einen solchen Alterungsprozess auszulösen vermochte. Aber keine davon ließ sich bei Messungen am Schirm nachweisen.
Zwei tollkühne Piloten, die sich im Selbstversuch dem Schirm genähert hatten, waren verschollen. »Wir haben gemessen, wie ihre Lebenserhaltungssysteme aussetzten«, stand im Verlustbericht ihres kommandierenden Offiziers, »kurz bevor die gesamte Sendeleistung ihrer Funksysteme abgedämpft wurde, genau wie bei den Sonden. Die Ursache ist unklar.«
»Altersschwäche«, behauptete Okal mit einem Blick auf denselben Bericht.
»Wie kommen Sie auf diesen Quatsch?«, ergrimmte Abbasi. »Die Piloten waren beide keine vierzig.«
»Beim Abflug«, erwiderte Okal. »Aber wenn das Material der Sonden in der Schirmnähe gealtert ist, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass den Piloten nicht dasselbe passiert ist.«
»In den Berichten steht nicht, dass die Sonden gealtert seien, sondern dass sie so abgenutzt waren, als ob sie Jahrzehnte unterwegs gewesen wären.«
»Ja, habe ich gelesen.« Okal lächelte nachsichtig.
Auf Abbasis Stirn trat eine Ader hervor. Rhodan intervenierte, schon aus Sorge um die Gesundheit des Kommandanten.
»Wir sollten Okals Hypothese nicht blind verwerfen«, sagte er, »zumal sie leicht zu überprüfen ist. Ich bin schon einigen absonderlichen Zeitphänomenen begegnet. Wir können doch...
| Erscheint lt. Verlag | 15.12.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Perry Rhodan Neo | Perry Rhodan Neo |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Bundle • Neo • Paket • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-9683-0 / 3845396830 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-9683-5 / 9783845396835 |
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