Götterdämmerung in der schönen neuen Welt (eBook)
236 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-06859-0 (ISBN)
Stefan Thiel ist römisch-katholischer Priester im Bistum Dresden-Meißen in einer Pfarrei bei Leipzig und in Leipzig zuständig für die überlieferte lateinische hl. Messe. Zehn Jahre war er auch Gefängnisseelsorger in einem Jugendgefängnis. Da er ein Konvertit ist, der früher evangelisch-lutherischer Pfarrer war (Konversion 2002) durfte er 2006 mit Erlaubnis von Papst Benedikt XVI. zum Priester geweiht werden, obwohl er verheiratet ist und drei Kinder hat. Geboren wurde er am 26. Januar 1968 in Berlin, hat vor seinem Theologie-Studium, das er mit einer Diplomarbeit über das kontemplative Gebet abgeschlossen hat, in Berlin Vorderasiatische Archäologie und Islamwissenschaften studiert und 1993 in Leipzig seine Frau Karen geheiratet, die aus Leipzig stammt. 2021 wurde sein autobiographischer Roman 'Jäger des verlorenen Paradieses' veröffentlicht, der historische Roman 'Die Braut und das Lamm' (2020) ist bei Amazon erhältlich.
Stefan Thiel ist römisch-katholischer Priester im Bistum Dresden-Meißen in einer Pfarrei bei Leipzig und in Leipzig zuständig für die überlieferte lateinische hl. Messe. Zehn Jahre war er auch Gefängnisseelsorger in einem Jugendgefängnis. Da er ein Konvertit ist, der früher evangelisch-lutherischer Pfarrer war (Konversion 2002) durfte er 2006 mit Erlaubnis von Papst Benedikt XVI. zum Priester geweiht werden, obwohl er verheiratet ist und drei Kinder hat. Geboren wurde er am 26. Januar 1968 in Berlin, hat vor seinem Theologie-Studium, das er mit einer Diplomarbeit über das kontemplative Gebet abgeschlossen hat, in Berlin Vorderasiatische Archäologie und Islamwissenschaften studiert und 1993 in Leipzig seine Frau Karen geheiratet, die aus Leipzig stammt. 2021 wurde sein autobiographischer Roman "Jäger des verlorenen Paradieses" veröffentlicht, der historische Roman "Die Braut und das Lamm" (2020) ist bei Amazon erhältlich.
1. Im Paradies
Grünliche Dämmerung. Schwerelos tauchte er durch das trübe Wasser. Von oben glitzerten Lichtstrahlen durch die Fluten, aber er tauchte immer tiefer nach unten, wo es dunkler und unheimlich war. Oh, wie liebte er dieses Gefühl, durch das Wasser zu gleiten, völlig mühelos, als ob er fliegen könnte, völlig unbeschwert von Taucheranzügen oder Atemgeräten. Richard drehte sich im Schwimmen, um in der Höhe die wogenden Gewässer des breiten Stromes zu beobachten, die vom geheimnisvollen Licht des Vollmondes erfüllt jede Welle erkennen ließen. Und er ahnte die Kraft des Flusses, der alles mit sich reißen konnte. Doch hier unten in der Tiefe war alles ruhig und voll Frieden. Er liebte es immer, von unter der Wasseroberfläche nach oben zu schauen, als seien die Wellen, die das Bild der Überwasserwelt verzerrten, ein Tor in eine andere, unbekannte Welt. Aber nun war ja die wirklich neue zu entdeckende Welt unter ihm in der Tiefe des Flusses. Für einen Moment überlegte Richard, ob die Ruhe des Wassers, das Fehlen der reißenden Strömung hier unten den tatsächlichen physikalischen Bedingungen im Rhein entsprach oder ob diese Welt so programmiert war, um es den Usern einfacher zu machen, diese Map zu erforschen? Rasch drehte er sich mit ein paar Schwimmbewegungen wieder auf den Bauch, um solche Gedanken zu verscheuchen, denn er wollte sich nicht selbst die perfekte Illusion dieser Welt zerstören.
„Hey,“ kam ihm dann aber doch der Gedanke wieder, „diese Welt ist so, wie immer ich es will! Ich verstehe zwar nicht, wie die Programmierer es geschafft haben, virtuelle Welt und menschliches Gehirn so perfekt miteinander zu verbinden, aber ich bin hier, um es einfach zu genießen! Ich kann machen, was immer ich will, treffen, wen immer ich will. Es gibt keine Regeln und keine Grenzen, außer, was ich selber bestimme!“
Leider war Richard viel zu sehr Kopfmensch und Forscher, als dass er sich jemals so hätte fallen lassen können, vollkommen aufgehen können in dieser virtuellen Wirklichkeit. Die Massen der einfachen Leute heute konnten das, die manchmal wochenlang, ach was, monatelang oder sogar für den Rest ihres Lebens nicht mehr aus dieser „Matrix“ herauskamen, sich künstlich ernähren und von Robotern pflegen ließen, um nur noch in der künstlichen Wirklichkeit, der „Virtual Reality“, die unbegrenzten Möglichkeiten eines Lebens in Freude und Lust zu genießen.
Wie Richard hier Unterwasser atmen konnte, so konnte er, wenn er wollte, jederzeit virtuellen Alkohol trinken oder jede erdenkliche Droge nehmen mit allen süßen Rauschwirkungen so lange er wollte und ohne schädliche Nebenwirkungen, ohne den „Morgen danach“, überhaut ohne Auswirkungen auf den Körper, da sich ja alles allein in seinem Kopf abspielte. Wie absolut lebensecht sich dabei das schwerelose Schwimmen Unterwasser hier anfühlte! Die feinen Nebel des aufgewirbelten Flussbodens, die schroffen Felsenriffe, die vor ihm aus der Tiefe auftauchten und den ganzen Grund des Rheins in ein wildes Zackengewirr zerspalteten, alles war so liebevoll und detailliert gestaltet, dass er sich regelrecht zwingen musste, anzuerkennen, dass dies nicht die Realität war.
„Was immer ich will, kann ich tun!“ dachte er und erinnerte sich wieder, was der besondere Reiz war, diesen Tauchgang zu unternehmen: Welcher Mann hatte nicht schon einmal Phantasien, wie es wäre mit einer Meerjungfrau? Es gab keine Regeln, keine Moral in dieser Welt. Alles war nichts als eine schöne Phantasie, auch wenn sie sich noch so real anfühlte. Jeden geheimsten Wunsch konnte man sich erfüllen, ohne etwas bereuen zu müssen. Jedes Wesen, das er sich nur dachte, würde erscheinen und ihm zu Willen sein!
Um ein Riff in der Mitte seines Blickfeldes, das mit seiner schlanken Spitze bis in die dichtere, heller dämmernde Wasserflut hinaufragte, kam in genau diesem Moment in anmutig schwimmender Bewegung solch ein Wesen, wie Richard es sich erträumte – und es war unbestreitbar real mit Fleisch und Blut. Zarte blasse Haut bedeckte schlanke Arme und Schenkel eines jungen Mädchens, das nackt im Wasser tollte, Kreise drehte, Saltos schlug und spielend die Spitzen ihres unglaublich langen blonden Haares zu fangen versuchte, das ihr bis weit über den runden Po reichte. Eine Nixe mit Fischschwanz wäre natürlich auch schön anzusehen gewesen, aber da hätte er nicht gewusst, wie das gehen sollte, was er vorhatte. Er spürte die Erregung steigen, sein Herz klopfen und ihm wurde heiß in dem angenehm warmen Wasser. Er sah an seinem erregten, nackten Körper herab. Kurz überlegte er, ob er nicht sich selbst auch eine andere Gestalt hätte geben können, wo bei ihm doch jedes Glied seines Körpers etwas zu kurz geraten war. Aber das konnte er ja beim nächsten Mal probieren. Diese Gebilde seiner Vorstellungskraft würden ihn ja auf jeden Fall nicht auslachen!
„Linda, bist du allein?“ hörte er eine Mädchenstimme.
Die große, anmutige Nixe, die da vor Richards Augen schwamm und wie ein schwedisches Topmodel aussah, antwortete: „Mit dir, Gunda wäre ich zu zweit.“
Da kam auch schon das zweite Mädchen um den spitzen Felsen getaucht. Sie war kleiner, schlank und doch kurvenreich. Das gleiche lange blonde Haar war bei ihr etwas kürzer und umrahmte ein etwas rundlicheres Gesicht wie das einer osteuropäischen Schönheit. Auch ihre Nase sah der kleinen Nase der ersten so ähnlich, dass sie Schwestern sein mussten, war nur etwas größer, aber so unbeschreiblich süß, dass Richard der Atem stockte.
„Lass sehn, wie aufmerksam du bist!“ rief Gunda und versuchte Linda zu erhaschen.
„Mich kriegst du nicht!“ erwiderte diese lachend und entzog sich Gundas Hand, die nach ihr griff, mit ein paar kräftigen Schwimmstößen. Sie neckten sich und versuchten weiter sich spielend zu fangen.
„Ihr wilden Schwestern!“ vernahm Richard eine dritte Stimme.
„Hilde, schwimm! Linda versucht zu entkommen: hilf mir die Fliehende zu fangen!“ rief Gunda, als Hilde auch schon von weiter oben im Wasser herabgetaucht kam und zwischen die Spielenden fuhr: „Was treibt ihr hier? Nennt ihr das: 'euren Schatz bewachen'?“
Sie schien die Älteste der Schwestern zu sein, wobei alle erst zwischen achtzehn und Anfang zwanzig sein konnten. Hilde war nicht so groß wie Linda, und auch nicht ganz so schlank. Die Rundung ihres Beckens mit der schlanken Taille darüber machte Richard ganz verrückt. Ihr Gesicht mit einem fast quadratischen Umriss und einer geradezu idealen Nase sah aus wie die junge Sharon Stone in einem Abenteuerfilm der 1980er Jahre, den Richard liebte. Als er in ihre großen blauen Augen blickte, war er sofort verliebt. Mit lautem Gekreisch fuhren die beiden anderen Schwestern auseinander. Hilde versuchte erst die eine, dann die andere zu erhaschen, doch sie entschlüpften ihr immer wieder und vereinigten sich schließlich, um gemeinsam auf Hilde Jagd zu machen. Wie Fische tauchten sie von Riff zu Riff, scherzend und lachend. Richard sah dem Spiel der Rheintöchter mit steigendem Wohlgefallen zu.
„Hey, wie schön ihr seid“, wagte er endlich zu rufen. „Lasst mich mitspielen!“
Sofort drehten sich alle drei Mädchen zu ihm und kamen scheu herüber geschwommen. „Wer bist du? Was willst du?“ fragte Hilde mit großen Augen?
„Störe ich euer Spiel? Ich bestaune nur still eure Schönheit. Ich würde einfach gerne mit euch hier so herum tollen! - Ich bin Richard, Richard Alba von über dem Wasser.“
„Ein Mann, und er ist verliebt!“ staunte Gunda ihn an. Richard wunderte sich, wie unschuldig die Mädchen wirkten, wie Kinder, obwohl sie doch erwachsene Frauen waren, als wären sie die ersten Menschen im Paradies. Die Meerjungfrauen kicherten. „Der lüsterne Kauz!“ sagte Gunda und stemmte die Arme in die Hüften.
„Was?“ dachte Richard verwirrt, doch da kamen die Schwestern noch näher herangeschwommen, umringten ihn, sodass ihre Arme, ihre Schenkel, ihre Brüste, ihre in der sanften Strömung des Flusses wallenden Haare seine Haut berührten und ihn die Erregung in nie gekanntem Ausmaß durchfloss.
Linda prustete vor Lachen, als sie den nackten Mann betrachtete: „Seht meines Freiers Pracht!“
Richard schlang die Arme um sie, doch sie tauchte blitzschnell nach oben weg und hielt sich in einiger Entfernung an der Zacke einer Klippe fest.
„Willst du mich lieben, so liebe mich hier!“ Ihre Schwestern lachten.
„Also wollt ihr doch mit mir spielen“, lachte Richard nun auch und tauchte Linda hinterher, die sich jedoch immer weiter hinter immer neue Kliffe und Felsenriffe zurückzog, bis Richard es aufgab und sich Gunda zuwendete, die ihm ohnehin bester gefiel. „Du bist noch viel schöner als jene Scheue, bleib doch bei mir!“
Gunda schwamm nun genau über ihm: „Bin ich dir nun nah genug?“
„Noch nicht...
| Erscheint lt. Verlag | 22.11.2023 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Literatur ► Krimi / Thriller / Horror | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Apokalypse • Christenverfolgung • Künstliche Intelligenz • Neue Weltordnung • Opern-Nacherzählung • Richard Wagner • Ring des Nibelungen • Roboter • Science-fiction • Technologisierung • Thriller • Transhumanismus |
| ISBN-10 | 3-384-06859-9 / 3384068599 |
| ISBN-13 | 978-3-384-06859-0 / 9783384068590 |
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