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Ausnahmemensch (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023 | 3. Auflage
300 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-03639-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ausnahmemensch -  Frank Ramson
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Der erste Fall für Ermittlerin Joan Sophistique vom SAI in Paris ist der des Unternehmers Roland Schmid, dem bandenmäßiger Handel mit Drogen in nicht geringer Menge vorgeworfen wird. Der Schmuggler Henrik Veenstra gelangt in den Besitz eines Diamanten, den er für fünf Millionen Dollar verkaufen will. Schmid will den Stein haben, seinen Erzfeind allerdings nicht dafür bezahlen ... Diese Geschichte enthält drei Erzählperspektiven. Welche davon soll Ihre sein? Die von der Ermittlerin Joan Sophistique im Rahmen der Handlung gesungenen Lieder 'Gnadenloser Karneval' und 'Wankende Welt' wurden von der Musikgruppe 'Hannahs kleines Tanzorchester' in der Besetzung mit Anna Haentjens am Gesang und Matthias Wichmann an der Gitarre musikalisch vertont und sind im Handel erhältlich.

Frank Ramson ist als Sänger, Liedtexter und Komponist aktiv und Gründer der Musikprojekte "Elmshorn, Elmshorn - Eine Hommage an die Krückaustadt" (2019) und "Hannahs kleines Tanzorchester" (2023). Er ist der Sprecher der im September 2022 erschienenen "Spurensuche"-App "Reise durch das jüdische Elmshorn."

Frank Ramson ist als Sänger, Liedtexter und Komponist aktiv und Gründer der Musikprojekte "Elmshorn, Elmshorn - Eine Hommage an die Krückaustadt" (2019) und "Hannahs kleines Tanzorchester" (2023). Er ist der Sprecher der im September 2022 erschienenen "Spurensuche"-App "Reise durch das jüdische Elmshorn."

Joan Sophistique

Paris, 16. September 2000

»Guten Morgen, Joan.«

Mein Kollege Jean-Pierre Couchant begrüßt mich um vier Uhr in unserem Büro. Er stellt mir einen sauberen Kaffeebecher an die Kopfseite seines Schreibtischs und deutet auf die silberne Thermoskanne mit schwarzem Verschluss.

»Ist frisch. Bedien dich, Partnerin.«

An ihm sieht auch alles frisch aus, wie er da sitzt. Die schwarzen Haare gewaschen und gestylt, Hemd und Hose gebügelt. Sein herbes Rasierwasser hängt schwer in der Luft.

Meine Diensthose und die Stiefel dagegen sind schmutzig, meine Bluse ist durchgeschwitzt, die blonden Haare zerzaust. Ich fühle mich wie durchgekaut und wieder ausgespuckt.

»Jetzt nicht«, sage ich schroff und bleibe vor Jean-Pierres Schreibtisch aus glänzend lackierter Fichte stehen, der penibel aufgeräumt aussieht und auf dem noch kein Trinkbecher seinen kreisförmigen Abdruck hinterlassen durfte. Meiner sieht aus, als wäre ich Kreismeisterin des nervösen Kaffeetrinkens und zu beschäftigt oder zu faul, um den Tisch ab und an mal abzuwischen oder aufzuräumen.

»Was ist denn mit dir los …?«, fragt er erstaunt, greift zur Kanne und schenkt mir den Becher bis zum Rand voll. »Morgens ist das wie eine warme Dusche von innen, sagst du sonst immer. Ich weiß doch, was du magst.«

Für sechs Uhr heute Morgen wurde ein Zugriff unserer Einheit der Nationalpolizei mit Unterstützung durch den Zoll angesetzt. Vorab haben wir über Wochen hinweg Volkan Djurkov observiert, Unternehmer im Im- und Export und Hauptverdächtiger der Gruppe, die den Ermittlungen zufolge mit Drogen und Waffen handelt sowie im illegalen Glücksspiel aktiv ist.

»Wie siehst du überhaupt aus, Joan?«

Jean-Pierre ist nicht nur mein Partner, sondern auch mein bester Freund. Jetzt guckt er mich mit seinen großen braunen Augen erwartungsvoll und zugleich verwundert an. Wie auf eine väterlich besorgte Art und Weise. Mir wird ganz anders.

»Lacoste will uns sprechen. Komm …«, sage ich. Den Becher, den er mir hingestellt hat, rühre ich nicht an.

Jean-Pierre runzelt irritiert die Stirn und meint: »Du glaubst doch nicht, dass der Chef so früh schon hier ist. Du kannst ja mal nachsehen. Ich rufe gleich drüben beim Zoll an. Wir müssen bald los.«

Ich trommle mit den Fingern auf dem Tisch und beuge mich zu ihm vor. Mir ist gerade sehr danach, ihn zu ohrfeigen. Doch dafür ist jetzt nicht der richtige Moment. »Falsch. Lacoste sitzt nebenan.«

Ich überquere den Gang zum Büro des Leiters unserer Einheit und trete ein.

Gilbert Lacoste ist ein gelassen auftretender Frühsechziger mit einem schmalen Kinn, lichtem Haupthaar und spitz zulaufenden, ergrauten Koteletten. Über die Jahre wurde es in unserer Abteilung zur Gewohnheit, dass man ihn nicht mit Namen, sondern nur mit Chef anspricht. Ich mache das nicht, denn für mich ist ein Mensch mehr als sein Rang.

Lacoste blickt auf und wir nicken uns zu, bevor er damit fortfährt, eine Notiz in eine Akte einzutragen. Er sieht noch älter und faltiger aus als sonst. Blass. Wie um den Schlaf gebracht.

Ich schlurfe über den Teppich, tipple mit meinen Fingern auf dem halbhohen Beistellschrank, auf dem eine vertrocknete Palme neben einem gerahmten Bild unseres Polizeipräsidenten steht, und setze mich dann doch auf einen Stuhl vor dem Schreibtisch von Lacoste. Einen Moment darauf folgt Jean-Pierre mit der Thermoskanne in der einen Hand und seinem Kaffeebecher in der anderen.

»Guten Morgen, Chef«, säuselt er und raunt mir »Deinen konnte ich leider nicht mitbringen. Eine Hand zu wenig …« zu. Er stellt die Kanne neben einen Becher voller Stifte auf dem Schreibtisch ab und setzt sich neben mich.

Lacoste klappt die Akte zu, legt sie in das Ablagefach neben dem Bildschirm seines Computers und greift nach der Kanne. Er gießt sich Kaffee ein und sagt: »Guten Morgen, Jean-Pierre. Wie war das Spiel?«

Jean-Pierre ist Fan des Pariser CS Belleville, der am Vorabend ein Heimspiel in der Amateurliga ausgetragen hat.

»Großartig. Tolle Stimmung, ein spannendes Spiel bis zum Ende – was will man mehr?«

»Soso. Bis zum Ende.«

Lacoste stellt die Kanne wieder ab und sieht mich an. »Und, Joan …?«

Mir gehen viel zu viele Gedanken auf einmal im Kopf herum. Und Wut. Ich muss sachlich bleiben. Darf nicht durchdrehen. Hitze steigt in mir auf. Unwohlsein. Abscheu. Atmen.

»Mir geht’s beschissen«, platzt es aus mir heraus.

Jean-Pierre klappt die Kinnlade herunter, auch Lacoste wirkt verblüfft.

»Ich fühle mich benutzt, betrogen und würdelos behandelt. Gestern Nacht habe ich an meinem Verstand gezweifelt.«

Lacoste sieht mich mitfühlend an, sagt aber nichts dazu.

»Was ist denn passiert? Kann man irgendwie helfen?«, erkundigt sich Jean-Pierre mit einer Alles-wird-gut-Attitüde, die ich ihm am liebsten um die Ohren hauen möchte. »Hast du dich etwa endlich dazu durchgerungen, mal eine Frau abzuschleppen? Freut mich für dich. Es muss nicht immer gleich die große Liebe sein. Kein Grund, sich schmutzig zu fühlen.«

Er sieht erst Lacoste und dann wieder mich an. Dass er in die sexistische Richtung abdriftet, ist neu. Ich könnte kotzen. Ihm den Schädel einschlagen. Beides.

»Ist natürlich nur meine Meinung. Aber warum packst du das hier vor dem Chef aus? Was willst du uns damit sagen?«, ergänzt er.

»Zur Sache«, sagt Lacoste in für ihn ungewohntem, durchdringendem Ton, der keinen Widerspruch duldet. »Heute sollte ein vom Zoll unterstützter Zugriff unserer Einheit in der Halle des Verdächtigen Djurkov stattfinden. Das hat sich erledigt. Die Halle ist leer.«

Jean-Pierre steht mit angespannter Muskulatur vom Stuhl auf und schnauft mehr, als dass er atmet. In Sekunden rötet sich seine Stirn und er sieht aus, als ob er nicht wüsste, wohin er all das entladen sollte, was gerade in ihm hochkocht.

»Unfassbar. Wie kann das sein? Wer hat die Halle leer geräumt?« Er wischt sich mit der Hand über Hals und Nacken und streift die Innenfläche an seinem Hemd ab, ehe er sich von Lacoste die Kanne reichen lässt, um heißen Kaffee in seinen Becher nachzugießen.

So, wie er aussieht, braucht er den gerade nicht. Jean-Pierre ist so aufgebracht, dass er danebenzielt und eine Kaffeepfütze auf dem Tisch hinterlässt. »Mist.«

Lacoste reicht ihm eine Serviette, mit der er den Fleck hektisch aufwischt.

»Danke, Chef. Also. Ich will wissen, was seit gestern Abend rund um die Halle und das Außengelände beobachtet wurde. Und ich will wissen, ob telefoniert wurde und mit wem. Ich werde herausfinden, wie es dazu kommen konnte.« Er sieht erst Lacoste und dann mich ernst an, bevor er die Kanne abstellt und die Serviette in den Büromülleimer feuert. Anschließend streicht er seine Krawatte glatt und setzt sich wieder hin.

Ich richte meinen Blick auf ihn. »Du wirst herausfinden, wie es dazu kommen konnte? Das glaubst du doch selbst nicht!«

Jean-Pierre stockt für einen kurzen Moment der Atem. Lacoste zuckt nicht mit der Wimper.

»Wie war das …? Ich bin der Teamleiter unserer Einheit und du hältst dich jetzt mal zurück. Was fällt dir ein, Joan?«

Obwohl ich ihm seine Aufgebrachtheit beinahe abkaufen würde, klingt Jean-Pierres Stimme merklich brüchig und unsicher. Er zittert und versucht zugleich, es zu überspielen und es Lacoste und mich nicht merken zu lassen. Das gelingt ihm jedoch nicht besonders gut.

»Ich habe den Eindruck, dass ich nicht gründlich genug mit dir gewesen bin und dass du schlampig arbeitest, Joan. Vielleicht ist durch dich etwas an Djurkov durchgesickert. Was hast du angestellt? Sag, was du gestern gemacht hast.« Er sieht Lacoste an und dann wieder mich. »Das kommt dabei heraus, wenn du dich wie ein dummes Kind aufführst. Störrisch. Unreif. Der Chef weiß schon genau, warum er dem Erwachsenen von uns das Steuer in die Hand gibt. Also?«

Jean-Pierre schnauft und sieht mich ungeduldig an, aber ich warte mit meiner Antwort. Unser Chef nimmt seinen Kaffee und wartet ab, bis sich die Augenpaare von Jean-Pierre und mir auf ihn gerichtet haben.

»Eins nach dem anderen. Ich habe sie Ihnen zur Seite gestellt, weil ich Joans Potenzial erkannt habe, Jean-Pierre. Ich dachte, dass Sie mit Ihren Stärken als Mentor der Richtige wären, um mit ihr ein erfolgreiches Team für die Zukunft zu bilden. Daraus wird aber nichts mehr.«

Mir wäre jetzt doch nach einem Becher Kaffee, auch wenn der Mistkerl ihn gekocht hat. Ist allerdings ein schlechter Zeitpunkt, ihn zu holen.

Ich sehe Lacoste an. »Kann ich mir einen Becher von Ihnen borgen?«

Er greift in ein Fach seines Schreibtischs, holt einen Becher hervor und schenkt mir Kaffee...

Erscheint lt. Verlag 8.11.2023
Mitarbeit Sonstige Mitarbeit: Simona Turini
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte Analogmodem • Antiheldin • Ausnahmemensch • Diamant • Drama • Drogenfahndung • Ehrlichkeit • Frankreich • Heist • Heldin • Innenministerium • Kreuzfahrt • Liebe • musikalisch • Mut • Sängerin • spannend • Verachtung • Verrat
ISBN-10 3-384-03639-5 / 3384036395
ISBN-13 978-3-384-03639-1 / 9783384036391
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