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DER BLONDE ECKBERT - Peter Stühl

DER BLONDE ECKBERT

eine Novelle

(Autor)

Buch
44 Seiten
2023
jürgensendesign (Verlag)
978-3-939240-59-4 (ISBN)
CHF 16,80 inkl. MwSt
Ludwig Tiecks Märchen »Der blonde Eckbert« gilt als erstes Kunstmärchen der Romantik und gehört heute zu den berühmtesten Werken der deutschen Frühromantik. Gelegentlich wird es sogar als dasjenige literarische Werk betrachtet, mit dem die Epoche der Romantik ihren Auftakt nimmt. 1797 wurde es vom Verleger Carl August Nicolai in Berlin erstmalig veröffentlicht. Tieck selbst gab es zusammen mit weiteren seiner Märchen, darunter »Ritter Blaubart« und »Der gestiefelte Kater«, unter dem Titel »Volksmärchen« heraus. 1812 erschien es erneut in Tiecks damals populärer Märchensammlung »Phantasus« (1812–1816).

Der »Phantasus« setzt sich aus Kunstmärchen und sogenannten »Naturmärchen« zusammen. Obwohl Ludwig Tieck zu den wichtigsten Autoren der Romantik gehört, ist diese Sammlung im heutigen Leserbewusstsein weitgehend in Vergessenheit geraten. Sie spielt nur noch in der wissenschaftlichen Tieck-Forschung eine größere Rolle. Immerhin sind die Naturmärchen einem größeren Lesepublikum vertraut als die Kunstmärchen, da sie auf bekannten Sagen und volkstümlichen Stoffen basieren. Zu ihnen gehört zum Beispiel »Der getreue Eckart und der Tannenhäuser« (1799, im »Phantasus« veröffentlicht 1812).

»Der blonde Eckbert« spielt im Mittelalter im Harz. Die beiden Hauptfiguren, Ritter Eckbert und seine Frau Bertha, werden in der Mitte ihres Lebens von einer Schuld aus der Vergangenheit eingeholt. Sie büßen dafür mit dem Tod. In der Binnenhandlung erzählt Bertha von dem begangenen Unrecht. Die Rahmenhandlung schildert, wie sie und ihr Mann zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Konzept des Fantastischen spielt in dem Text eine zentrale Rolle. In der erzählten Handlung verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität unaufhörlich, und ganz bewusst spielt der Autor mit Elementen wie Rahmen- und Binnenhandlung, unterschiedlichen Erzählperspektiven, eingeschobenen Darstellungen von Traumhandlungen, Doppelgängermotiven und Fantasievorstellungen der Figuren. Während es den Lesenden anfangs noch relativ leicht fallen mag, die verschiedenen Wirklichkeitsebenen auseinanderzuhalten, nimmt die Verwirrung mit fortschreitender Handlung zu und wird schließlich zu einem kaum unterscheidbaren Chaos aus realen Geschehnissen, die sich mit Ängsten und Wahnvorstellungen des Protagonisten Eckbert vermengen und in seinem Delirium und Tod münden. In einem Feuilletonbeitrag der FAZ bezeichnet Gerhard R. Koch das Märchen als »veritable[n] Psychothriller« und bescheinigt ihm, dass es »wie wenige andere thematisch und noch mehr erzähltechnisch in schwärzesten Horror« (Koch 35) münde. Dies macht das Märchen ungewöhnlich modern und auch für Leser des 21. Jahrhunderts spannend.


Quelle: Der blonde Eckbert • Märchen von Ludwig Tieck • Lektürehilfe
https://www.inhaltsangabe.de/tieck/der-blonde-eckbert/

Seine Märchen und Erzählungen machten Ludwig Tieck (1773–1853) zu einem der bedeutendsten Dichter der Frühromantik in Deutschland. Er prägte diese Bewegung zudem selbst als Verfasser programmatischer Texte sowie als Übersetzer und Herausgeber. In Teilen der Forschungsliteratur wird sein Märchen »Der blonde Eckbert« (1797) als Beginn der literarischen Epoche der Romantik betrachtet. Ludwig Tieck wurde am 31. Mai 1773 als Sohn eines Seilermeisters in Berlin geboren. Als ältestes von drei Kindern wuchs er in einem protestantischen Elternhaus auf und besuchte bis 1792 das Friedrichswerdersche Gymnasium, wo er Wilhelm Heinrich Wackenroder kennenlernte. Die beiden verband bis ins Erwachsenenalter eine Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft. Nach einigen Jahren des Theologiestudiums in Göttingen, Halle und Erlangen kehrte Tieck 1794 nach Berlin zurück, um hier als freier Schriftsteller zu leben. Er lernte u. a. den Verleger Friedrich Nicolai kennen und brachte seine ersten Erzählungen und Romane heraus (»Peter Lebrecht«, 1795, »William Lovell«, 1795/96, »Abdallah«, 1796). Mit dem 1798 veröffentlichten Künstlerroman »Franz Sternbalds Wanderungen« prägte Tieck den romantischen Roman entscheidend. Er beeinflusste damit Dichter wie Novalis und Eichendorff. So wird hier zum ersten Mal das romantische Bild des Mittelalters sichtbar, später ein charakteristisches Motiv romantischer Literatur: ein Bild, das nicht auf historischer Recherche, sondern auf der Sehnsucht nach einer vorindustriellen Welt und auf Überhöhung und Verklärung beruht. In den Jahren 1799 bis 1800 lebte Tieck in Jena, wo er die Brüder August und Wilhelm Schlegel kennenlernte. Deren theoretische Arbeiten beeinflussten seine literarischen Werke. Jena war zu dieser Zeit ein Zentrum der Frühromantik. Hier lebten ihre wichtigsten Dichter und Philosophen: die Gebrüder Schlegel, Clemens Brentano, Novalis, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Schelling. Mit allen pflegte Tieck Kontakt, doch als sich der Kreis bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder zerschlug, kehrte er Jena den Rücken und begann eine Zeit der Wanderschaft. Die folgenden Jahre führten ihn u. a. nach Dresden und Hamburg, Prag, Rom, Berlin und England. Einziger Fixpunkt in dieser Zeit, eine Art Pol, um den Tieck pendelte, war das Gut des Grafen Finckenstein bei Frankfurt an der Oder. Bei diesem Gönner hielt sich Tieck zwischendurch immer wieder auf, bis der Graf im Jahr 1818 verstarb. Tieck zog daraufhin mit seiner Familie und der Tochter des Grafen, mit der ihn eine Liebesbeziehung verband, nach Dresden. 1825 erhielt Tieck eine Stelle als Dramaturg am Dresdner Hoftheater. Hier entstanden einige seiner größten Novellen, darunter »Der Alte vom Berge« (1828) und »Des Lebens Überfluss« (1839). Überhaupt kann man die Dresdner Jahre als die literarisch produktivsten Tiecks bezeichnen, in denen er nicht nur bedeutende eigene Werke verfasste, sondern auch als Shakespeare-Übersetzer und Herausgeber verschiedener Schriften Kleists tätig war. 1841 begann sein letzter Lebensabschnitt: Er ging nach Berlin, wohin ihn Friedrich Wilhelm IV., der Monarch, der später als »Romantiker auf dem Thron« bekannt wurde, berufen hatte. Tieck war Gründungsmitglied des neu geschaffenen Ordens »Pour le Mérite« für Wissenschaften und Künste. In Berlin verbrachte Tieck seine letzten Lebensjahre zwar als geachteter und renommierter, dennoch aber unglücklicher Mann. Denn durch den Tod zahlreicher naher Angehöriger und durch eigene Kränklichkeit vereinsamte er zunehmend und verließ das Haus immer seltener. Bedeutende Werke entstanden in dieser Zeit nicht mehr. Ludwig Tieck starb am 28. April 1853 und wurde auf dem Dreifaltigkeitskirchhof in Berlin-Kreuzberg an der Bergmannstraße beigesetzt. Biografie von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. © Inhaltsangabe.de. Veröffentlicht am 14. Juli 2015. Zuletzt aktualisiert am 27. September 2022.

Vergessen und wieder gefunden Zum 250. Geburtstag eines großen Dichters Hochbetagt und einsam geworden, starb er in seiner Geburtsstadt Berlin am 28. April 1853. Seine beiden Töchter, seine Schwester, Bruder, Frau, seine Lebensbegleiterin wie sein einzig geliebter Freund starben vor ihm. Ja, viele seiner Dichterfreunde sah er scheiden und in die geistige Welt eingehen, die sie so freudig und glühend im Leben besungen und versucht hatten, in ihrer Dichtung herüberzuzaubern. Er war es, der eine nie vorher gekannte Saat warf und sie blühen sah! Er war es, der durch diese Gabe einen immer größer werdenden Kreis von Künstlern anlockte. Eine neue Welt erstand durch ihn, der heute zu den beinahe Vergessenen zählt! Aus einfachen Lebensverhältnissen geboren, strebte er früh, die Welt auf seine Art zu entdecken. Sein Interesse für all die herrlichen Gebiete der Kunst dehnte sich über die Landesgrenze hinweg; manche Orte in England, Frankreich, Italien durchwanderte er, studierte die Formen der Architektur, die Farbenwelt der Malereien von Dürer und Raffael. Er übersetzte Shakespeare und auch Cervantes! Ja, viele Bühnenstücke, Lustspiele, Satiren, Dramen, Erzählungen, Legenden, Novellen, Märchen und Gedichte flossen lebensvoll aus seiner Feder. Er eroberte als Schaffender wie als Anreger, als Übersetzer wie als Herausgeber dem deutschen Schrifttum weites Neuland; und die ihm nahestanden, ließen sich anregen, wo sie schaffendes Leben verspürten. Keiner hat so wie er die Gewalten der Erde und Gewässer, Planzen und Tiere, der Menschen, die lichten und dunklen Felder unseres Seelenlebens in seine Prosa bauen können! Eine nie vorher dagewesene Zauber- wie Märchenwelt schöpfte er aus den Lebensquellen des Elementenreiches! Innig schildert er in einem unvollendeten Werke den Tod des „himmlischen Jünglings". Dieser fand in Rom sein Sterbebett vor seinem letzten Gemälde „Die Verklärung Christi, das auch Elias in den Wolken zeigt. In dieser unvollendeten Dichtung „Sternbalds Wanderung" legt er Zeugnis ab, von seiner eigenen Seelenwanderung. Kurze Zeit nach Herausgabe dieses Schriftstückes sollte er Novalis gegenüberstehen: verehrend, achtend, ihn liebend. Nach dessen Tod ist er es, der die dichterischen Werke seines Freundes herausgibt. Er sah ihn, und - wie spricht er von ihm? Er spricht wie diese Züge des Frühdahingegangenen ihn erinnern an Johannes den Täufer, wie ihn einst Dürer gemalt. Der so Schaffende und Erkennende ist Ludwig Tieck. Rudolf Steiner erzählte von ihm in seinem am 3.Juni 1923 (GA 276) gehaltenen Vortrag, eindrücklich ja, mahnend: „Letzten Donnerstag war der 150.Geburtstag Ludwig Tiecks. [...] Ludwig Tieck, der heute leider nur mehr wenig bekannt ist, war in gewisser Beziehung doch ein treuer Schüler Goethes. [...] Ludwig Tieck hat als junger Mensch das Erscheinen des „Werthers", das Erscheinen des ersten „Faust" erlebt. Ludwig Tieck hat in Jena mit Novalis, mit Fichte, mit Schelling, mit Hegel zusammen nach den Weltätseln gestrebt. Ludwig Tieck hat den Hauch des ganzen goethisch-klassischen Strebens aus unmittelbarster Nähe gefühlt. Ich möchte sagen: Gerade an Ludwig Tieck ist wahrzunehmen, wie geistiges Leben noch wirkte [...], denn Tieck ist nicht nur derjenige, der Shakespeare in Deutschland eigentlich eingeführt hat neben Schlegel, sondern Ludwig Tieck ist eine Persönlichkeit, an der man sehen kann, wie sich das ungeheure Ringen und Streben Goethes in einem bedeutenden Zeitgenossen spiegelt, der gerade das Ernste, das Hohe, das Wiürdige der Kunst wie ein gewaltiges, menschlich-kulturelles Ideal empfindet." (1) Und beim Weiterlesen hier, kann man empfinden, wie Rudolf Steiner seine Stimme erhebt und weitere Seiten über den Dichter in eindringlicher Begeisterung entfaltet: „,Oh, dieser Ludwig Tieck hat auf der einen Seite schon gefühlt, was es heißt, ganz auf die Spitze der eigenen Persönlichkeit gestellt zu sein und auf der anderen Seite den geistigen Wesenheiten ausgeliefert zu sein, die in aller Natur als Elementargeister, als Elementargötter leben.“ Liest man weiter und nimmt die Worte ernst, dann kann man nicht anders, als sich aufzumachen zu Ludwig Tieck! Welcher Reichtum weht uns dann an! Wie ärmlich und ausgetrocknet erscheint uns unser Leben heute. Ein treffliches Bild malt Otto Heuschele in seinem Buch „Frühe Romantik“ (2) „[Sie sind] alle aufgebrochen zu ihrer großen Wanderung, dem fernen unerreichbaren Ziele zu, das sie mit vielen Namen benennen, ohne es zu kennen: Die Heimat, da alles Getrennte vereint, da die Widersprüche der Erde versöhnt, die Gegensätze des Lebens ausgeglichen sind. [..] Reinen Herzens treten sie in die Welt, und wo sie nahen, da scheint die Erde unberührt und jung. [...] Ihre Dichtungen, die von Tieck, Wackenroden, Schlegel, A.v.Achim, Novalis u.a., sie führt uns zu unserem eigenen Selbst, zu dem, was unsterblich ist in uns, zur großen unvergänglichen Natur, zu der Geschichte, zum Wirken und Walten des Geistes durch die Jahrhunderte hin." Andrea Hitsch Quellen: (1) Rudolf Steiner. 1982: Das Künstlerische in seiner Weltmission, GA 276, vierter Vortrag, Dornach Schweiz, Rudolf Steiner Verlag 2. Otto Heuschele (Hrsg). 1949: Frühe Romantik - Wege zur Dich- tungarlsruhe, Verlag Stahlberg

Erscheinungsdatum
Zusatzinfo Zeichnungen: Bettina Müller
Verlagsort Dornach
Sprache deutsch
Maße 115 x 180 mm
Gewicht 78 g
Themenwelt Literatur
Schlagworte Harz • Romantik • Waldeinsamkeit
ISBN-10 3-939240-59-1 / 3939240591
ISBN-13 978-3-939240-59-4 / 9783939240594
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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