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Reisen in Kaiser-Wilhelms-Land und Englisch-Neu-Guinea -  Otto Finsch

Reisen in Kaiser-Wilhelms-Land und Englisch-Neu-Guinea (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
437 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6638-9 (ISBN)
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Mit dem Band Reisen in Kaiser-Wilhelms-Land und Englisch-Neu-Guinea von Prof. Dr. Otto Finsch wird die Reihe 'Windrose' mit Band 12 fortgesetzt. Dieses Buch beschreibt die Reise von Herrn Finsch in Asien, Neu-Guinea hauptsächlich. Nach ihm wurde die heute noch bestehende Stadt Finschhafen benannt und auch die Finschküste. Er galt seinerzeit als einer der wichtigsten Forscher auf dem Gebiet der Völkerkunde.

Friedrich Hermann Otto Finsch wurde am 8. August 1839 in Warmbrunn, Schlesien, geboren. Der Kaufmann, Ethnologe, Ornithologe und Forschungsreisende starb am 31. Januar 1917 in Braunschweig. Er wurde vor allem dadurch bekannt, dass er für das Kaiserreich die Kolonie Deutsch-Guinea in Besitz nahm. Nach ihm wurde das Gebiet Finschhafen in Papua-Neuguinea genannt. Die Stadt besteht unter gleichen Namen heute noch. Außerdem auch die Finschküste.

Friedrich Hermann Otto Finsch wurde am 8. August 1839 in Warmbrunn, Schlesien, geboren. Der Kaufmann, Ethnologe, Ornithologe und Forschungsreisende starb am 31. Januar 1917 in Braunschweig. Er wurde vor allem dadurch bekannt, dass er für das Kaiserreich die Kolonie Deutsch-Guinea in Besitz nahm. Nach ihm wurde das Gebiet Finschhafen in Papua-Neuguinea genannt. Die Stadt besteht unter gleichen Namen heute noch. Außerdem auch die Finschküste.

Zweites Kapitel.

 

Astrolabe-Bai.

 

Abreise nach Neu Guinea. French-Inseln. Forestier-Insel. Verkehr mit den Eingeborenen. Fregattvögel und Tölpel. Spärliche Nachrichten über Astrolabe-Bai. Von Miklucho-Maclay. Herrliche Küste. Gelbe Bäume. Der mysteriöse Deutsche. Eine Südsee-Aventure. Berthold und der Marquis de Rays. „Nouvelle France.“ Herr Canar. Eine wahre Robinsoniade. Unter Menschenfressern. In Port Constantin. Erstes Zusammentreffen mit Eingeborenen. Sa-ulo. Vermeintlicher Überfall. Besuch in Bongu. Die Damenwelt. Haartrachten. Anthropologisches über Papuas. Haar wächst nicht büschelförmig. Hautfärbung. Individuelle Verschiedenheit. Bewohner von Bongu. Krankheiten. Pockennarben. Bekleidung und sonstiger Ausputz. Gestrickte Beutel. Das Dorf Bongu. Bauart der Häuser innere Einrichtung. Die Barla. Buambrambra oder Versammlungshaus. Barum, Signaltrommel. Telum-Mul, ein Kunstwerk der Steinzeit. Ahnen, keine Götzen. Beschneidung. Reminiszenzen an Maclay. Eingeführtes Rindvieh. Eine Plage der Eingeborenen. Schweine. Hund rätselhafte Herkunft desselben sowie des Haushuhnes. Plantagen. Urbarmachung. Kulturpflanzen der Papuas zugleich Zeugnis der höheren Gesittung. Genussmittel. Tabak. Cigarren. Betel. Freundschaftszeichen. Zierpflanzen. Keu, gleich Kawa. Eingeführte Kulturpflanzen. Russisch in Port Constantin. Bemerkungen über Tauschhandel. Eisen- und Steinbeil. Fischerei und Kanus. Einfluss des ersten Weißen. Der Mann des Mondes. Erster Landerwerb. Begründung der deutschen Schutzherrschaft. Geringe Bevölkerung. Beschränkte Landeskunde der Eingeborenen. Gutes Einvernehmen mit denselben. Abschieds-„Mun“.

 

In den ersten Tagen des Oktober war die „Samoa“ endlich seeklar und dampfte ihrem Ziele, Astrolabe-Bai, an der Nordostküste von Neu Guinea, entgegen. Wir gingen um die Nordostspitze Neu-Britanniens und näherten uns am zweiten Tage der French- oder Französischen-Gruppe, die aus einer Anzahl kleiner Inseln besteht und gleichsam eine nordwestliche Fortsetzung des unbenannten Archipels bildet, in welchem Willaumez die bedeutendste Insel ist. Wie Neu-Britannien selbst, so sind auch diese Inseln offenbar vulkanischen Ursprungs, ihre kegelförmigen Berge erloschene Krater, die jetzt mit üppiger Baumvegetation bedeckt, hie und da größere kahle Flächen, Plantagen der Eingeborenen zeigen. Auf Forestier-Insel sahen wir größere Bestände Kokospalmen, unter denen es sich zu regen begann. Mit dem Glase erkannte man Menschen, und bald kamen etliche Kanus ab, um leider nur zu bald in weiter Ferne eine beobachtende Stellung einzunehmen. Die Leutchen trauten uns eben nicht, und so gelang es uns nur mit großer Mühe, sie wenigstens so weit heranzulocken, dass wir mittelst eines langen Bambus in allerdings beschränkter Weise in Tauschverkehr treten konnten. Leere Flaschen und Streifen roten Zeuges fanden den meisten Beifall, weniger Glasperlen, und Tabak wurde ganz verschmäht. An Bord wagte sich trotz aller Verlockungen keine der vor Furcht zitternden Gestalten, im Gegenteil, man suchte in unverkennbarer Weise klar zu machen, uns zu entfernen und sie ungeschoren zu lassen. Die Leutchen mochten daher wohl üble Erfahrungen mit den ersten Zivilisatoren gemacht haben, welche kurze Zeit vor uns hier vorgesprochen und „rekrutiert“ hatten, wie die sehr passende Südseebenennung dafür lautet. Denn bekanntlich handelt es sich bei der sogenannten „Labourtrade“, wie das Anwerben von Eingeborenen als Arbeiter kurzweg heißt, nicht immer um Freiwillige.

Die Eingeborenen selbst unterschieden sich im Rassentypus übrigens durchaus nicht von Neu-Britanniern, gingen wie diese völlig nackt, sprachen aber eine ganz andere Sprache. Im Ausputz war mir manches neu, darunter ein Brustkampfschmuck und sehr elegante Armbänder mit einem zweiblättrigen Anhängsel, Formen, die, wie ich später kennen lernte, für die ganze Nordostküste Neu Guineas charakteristisch sind und so die enge Zusammengehörigkeit dieser Völkerstämme bekunden. Die an der Basis mit knochenförmiger Schnitzerei versehenen, im übrigen glatten Wurfspeere, die einzige Waffe, welche diese Eingeborenen mit sich führten, ähnelten ganz denen in Blanche-Bai, aber ihre Kanus waren viel armseliger und für weitere Reisen jedenfalls ungeeignet.

Nach diesem kleinen Intermezzo dampften wir in westlichem Kurs weiter, sichteten die Nordwestspitze Neu-Britanniens mit der Insel Rook und gingen später ganz nahe unter der Nordküste von Crown-Insel hin, ohne irgendeine Spur von Eingeborenen zu bemerken. Alle diese Inseln, wie Rich und Dampier, sind gebirgig, dicht bewaldet und offenbar erloschene Vulkane, die sich in einer Reihe von Neu-Britannien bis zu den Le Maire-Inseln erstrecken. Wie so häufig in diesen Breiten, war die See glatt wie ein Spiegel und nur selten ließen sich schwarze Meerschwalben, (Anous, Sterna anasthaeta), Tölpel oder Fregattvögel (Tachypetes) blicken. Größere Flüge der Letzteren pflegen nicht selten, nach Art unserer Störche weite Kreise beschreibend, in der Luft zu schweben, ein gar hübsches Schauspiel, während Tölpel (Sula fusca) es hauptsächlich auf Treibholzstämme abgesehen haben. Auf solchen ruhend, ähneln sie zuweilen einem Kanu mit Eingeborenen in weiter Ferne so auffallend, dass wir hier, wie für die Folge, öfters getäuscht wurden.

Mächtiger Feuerschein hatte uns schon in der Nacht die Nähe des Festlandes von Neu Guinea angedeutet und zum Abhalten genötigt. Der anbrechende Morgen, des vierten Tages, seitdem wir Mioko verließen, zeigte uns die Küste sehr nahe: Wir befanden uns bereits in Astrolabe-Bai! So heißt eine an 15 Meilen breite Buchtung südlich vom 5. Breitengrade, die im Jahre 1827 von Dumont d'Urville mit der französischen Korvette „Astrolabe“ zuerst gesichtet wurde. Erst 44 Jahre später landete der russische Reisende Nikolaus von Miklucho-Maclay mit dem russischen Kriegsschiff „Vitiaz“ in „Port Constantin“ und brachte mit zwei Begleitern (einem weißen Matrosen und einem Samoaner) 15 Monate hier zu, bis ihn das russische Kriegsschiff „Izumrud“ wieder abholte. Die wenigen, hauptsächlich anthropologischen und ethnologischen Mitteilungen, welche der Reisende veröffentlichte, sind sehr schwer zugänglich, zählen aber mit zu den besten wissenschaftlichen Arbeiten, die wir über Papuas überhaupt besitzen. Eine eingehendere Darstellung des interessanten Gebietes fehlte bis jetzt noch.

Der Anblick der Küste von Astrolabe-Bai überraschte und befriedigte uns alle gar sehr. Das waren nicht die langweiligen, in gleichmäßiges Grün gekleideten Berge, wie wir sie aus dem Bismarck-Archipel gewohnt waren, sondern die Landschaft wurde, je weiter wir in die Bai hineinkamen um so ansprechender. Sie ist rings von hübschen, dicht bewaldeten Bergreihen umschlossen, hinter denen gegen Süden stattliche Gebirgszüge hervorragen, von denen die höchsten an 10000 Fuß hoch sein mögen und wohl zum System des Finisterre-Gebirges gehören. Die in den Schluchten lagernden weißen Wolkenmassen, welche so sehr weißen Schneeflecken ähnelten, gaben diesem schönen Gebirgsbilde einen erhöhten Reiz. Wir passierten die kleine Insel Bilibili, deren Bewohner in großen, kunstvoll gebauten Kanus herbeieilten und in freundlicher Weise Verkehr anzuknüpfen suchten. Aber wir mussten diesmal ihren Versuchungen ausweichen, galt es doch zunächst Port Constantin aufzusuchen, wie sich später zeigte, keineswegs ein Hafen, sondern eine kleine Buchtung, welche wenig Sicherheit gewährt. Vergebens spähten wir nach Siedelungen, aber das mit dichtem Urwald bekleidete Ufer war wie ausgestorben! Wie sich später zeigte, liegen die Dörfer im Dickicht des Urwaldes versteckt und verraten sich dem Kenner meist durch nichts als kleine Gruppen Kokospalmen und eine besondere Baumart, welche sich durch die einfarbig, lebhaft gelbe Belaubung auszeichnet. Diese „gelben Bäume“, welche sich übrigens an der ganzen Ostküste Neu Guineas finden, markieren sich in dem dunklen Grün des Urwaldes sehr auffallend und erregen schon von weitem Aufmerksamkeit. So wurde von unseren Seeleuten die besonders hohe und dichte Gruppe gelber Bäume bei dem Dorfe Bogati oder Bogadschi, welches die Karten deshalb als „gelbes Dorf“ bezeichnen, anfänglich für ein Segel gehalten.

„Wem konnte es angehören?“ war eine Frage, die zu allerlei Betrachtungen führte, denn einem „on dit“ zufolge, durften wir möglicherweise einen Weißen, ja einen Landsmann hier treffen. Es sollte nämlich in Astrolabe-Bai ein deutscher Händler (Trader), „Schmidt geheißen“, leben, von dem man in Mioko aber nichts wusste. Die mysteriöse Existenz dieses Schmidt löste sich später in eine jener hübschen Aventuren auf, die in der Südsee mehr als anderwärts vorkommen und die deshalb hier mitgeteilt werden soll, weil dieselbe so sehr das Leben und den Charakter gewisser hier lebender Weißen kennzeichnet. Im Jahre 1882 hatte ich in Neu-Britannien unter anderen unglücklichen Opfern, welche sich von dem gewissenlosen Schwindler de Rays zur Gründung einer Kolonie in Neu-Irland verleiten ließen, auch einen Deutschen gesehen. Er war mit der ersten Expedition im „Chandernagor“ 1880 herausgekommen, hieß Berthold und stammte aus Berlin. Wie so viele andere, darunter eine Menge Deutsche, hatte sich auch Berthold, trotz der Warnung des deutschen Konsuls in Antwerpen, auf fünf Jahre verpflichtet. Freilich mochten wohl manche der hoffnungsvollen „Kolonisten“ gewisse Gründe haben, um der Alten Welt überhaupt den Rücken zu kehren. Berthold, seines Zeichens ein Kellner, trat als „terrassier cultivateur“ ein. Dieser Kategorie von Kolonisten war bei freier Station ein Monats-„Taschengeld“ von fünf Frank zugesichert. Nach Ablauf von fünf Jahren erhielten sie aber 15 Hektaren Land, die je nach den guten Diensten des...

Erscheint lt. Verlag 31.10.2023
Reihe/Serie Windrose
Windrose
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Forschungsreise • Neu-Guinea • Otto_Finsch • Reisebeschreibung • Samoa • Südsee • Weltreise
ISBN-10 3-7565-6638-2 / 3756566382
ISBN-13 978-3-7565-6638-9 / 9783756566389
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