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Das Böse hinter den Schatten (eBook)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
661 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6624-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Böse hinter den Schatten -  Marcel Salberg
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Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Holger Kardinal Lenstorf, wird in einer abgelegenen Kirche in den italienischen Alpen tot aufgefunden. Die Gegenstände neben der Leiche geben Rätsel auf. Dennoch scheint der Fall schnell gelöst. Die angehende Kommissarin Valentina Cipolla aber äußert Zweifel und stößt auf Widerstand: weder ihre Vorgesetzten noch der Vatikan zeigen Interesse an der tatsächlichen Todesursache. Als Cipolla die Ermittlungen fortführt, wird sie nach Neapel versetzt. Bald darauf geschieht dort ein weiterer Mord. Wie sich zeigt, steht die Tat im Zusammenhang mit dem Tod des Kardinals. Die Spuren führen in die Bretagne, nach Rom und Berlin. Trotz Verbots folgt Cipolla diesen, wird verraten und vom Dienst suspendiert. Ein geheimnisvolles, antikes Schriftstück und der Suizid eines Ministers liefern schließlich Hinweise auf eine geheime Loge. Diese hat Staaten als auch Religionen unterwandert und macht sich daran, die politische Ordnung in Europa zu beseitigen. Kann der verheerende Plan noch vereitelt werden? Ein Wettlauf beginnt.

Marcel Salberg ist das Pseudonym eines am Bodensee lebenden Autors. Seine Ideen holt er sich auf ausgedehnten Spaziergängen mit seinem Hund sowie auf Reisen.

Marcel Salberg ist das Pseudonym eines am Bodensee lebenden Autors. Seine Ideen holt er sich auf ausgedehnten Spaziergängen mit seinem Hund sowie auf Reisen.

Prolog



Italien: Die Abtei von San Michele


Holger Lenstorf hastete keuchend voran. Er hielt den Kopf gesenkt und sah nur selten nach oben zum Portal, durch das grelles Tageslicht strahlte. Nur so glaubte er den Blicken der Touristen zu entgehen, die mit vorsichtigen Schritten an ihm vorbei über die Scalone dei Morti, die Treppe der Toten, dem Ausgang zustrebten. Erstaunt und neugierig zugleich musterten manche den hageren Mann, der in großer Hast die steile Treppe erklomm, als sei der Teufel höchstpersönlich hinter ihm her. Trotz der Hitze, die die Temperaturen außerhalb der dicken Mauern des Klosters auf fast dreißig Grad hatte steigen lassen, trug er einen Anzug aus schwarzem, recht schwerem Stoff. Nichts an seiner Kleidung verriet, dass er ein Mann der Kirche war.

Holger Kardinal Lenstorf hetzte weiter. Seine Beine schmerzten und wurden von Stufe zu Stufe bleierner, aber er fand nicht die Ruhe, einen kurzen Augenblick inne zu halten, um neue Kräfte zu sammeln. Das Wissen um seine Schuld, das ihn seit vielen Jahren quälte, trieb ihn unerbittlich voran und hinauf zur Basilika. Gleich einer Krone aus Stein thronte sie über dem trutzigen Klosterkomplex, der vor Jahrhunderten als eindrucksvolles Zeugnis christlichen Glaubens auf dem Gipfel des Pirchiriano errichtet worden war. Endlich langte Lenstorf auf der Terrasse vor der Basilika an. Von hier aus bot sich ein atemberaubender Blick auf das Tal und die umliegenden Berge. Aber für all das hatte er keine Augen. Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Ziel.

Im Innern der Basilika herrschte Stille: eine Stille, die Lenstorf augenblicklich ruhiger werden ließ. Hier oben in der Kirche, am höchsten Punkt des Bergs, glaubte er Gottes Nähe tatsächlich zu spüren. Lenstorf schloss die Augen und verharrte einige Sekunden regungslos. Er genoss diese Ruhe. Nach einer Weile löste er sich aus seiner Starre. Wie lange war er nicht mehr hier gewesen? Es mochten vielleicht vierzig Jahre sein. Damals hatte er die Abtei als junger Priester besucht. Die Erinnerungen erschienen ihm auf seltsame Weise fremd und waren doch so vertraut. Viele Bilder waren in Vergessenheit geraten, andere hingegen hatten sich umso mehr in sein Gedächtnis gebrannt: so auch die beiden Seitenschiffe, die durch verschiedenartig gestaltete Pfeiler vom Mittelschiff getrennt wurden und in drei Apsiden endeten, von denen die mittlere die größte war.

Lenstorfs Blick wanderte nach oben. Die beiden Emporen über den Seitenschiffen waren nur zwei von mehreren Verstecken, die er noch von früher im Gedächtnis hatte, falls man ihn überraschen sollte. Aber das war eher unwahrscheinlich, denn nachts war die Kirche verschlossen und für niemanden zugänglich.

Er drehte sich um. Bis ins kleinste Detail kannte er die Geschichte dieser Abtei. So wusste er auch, weshalb der Chor von asymmetrischer Form war und wessen Gebeine die Sarkophage bargen, die dort entlang den Wänden aufgereiht standen. Langsam schlenderte Lenstorf durch einen der Seitengänge. Erst nachdem er sich vergewissert hatte, dass niemand außer ihm in der Kirche war, ging er durch das Mittelschiff vor bis zum Altar. Dort machte er das Kreuzzeichen und sprach ein Gebet, ehe er sich abwandte, um die Gemälde an den Wänden zu betrachten. Diese zeigten neben Szenen vom Leben und Tod Jesu Christi auch Darstellungen von Heiligen. „Verzeiht mir meinen Frevel“, sagte Lenstorf leise, „ich war verblendet - eine Täuschung, die mich den falschen Weg einschlagen ließ. Ich flehe Euch an: Vergebt mir…“ Jäh erstarrten seine Lippen. Ein hastiges Kreuzzeichen, dann stürzte Lenstorf hinüber zum Beichtstuhl. Er hatte den Vorhang kaum hinter sich zugezogen, als das Geräusch der Eingangstür erklang, die geöffnet und wieder geschlossen wurde. Unmittelbar danach hörte Lenstorf die schlurfenden Schritte des Paters, der seinen Rundgang durch die Kirche begann. Dabei kam er seinem Versteck bedrohlich nahe. Lenstorf wagte kaum zu atmen. Nur langsam entfernten sich die Schritte. Was folgte, war das leise Klappen der Tür und das gedämpfte Rasseln von Schlüsseln, die einander berührten. Unmittelbar darauf ertönte das Scharren eines Schlüssels, der ins Schloss geschoben wurde. Sogleich hallte ein scharfes, zweimaliges Knacken durch den Kirchenraum: für Lenstorf die Gewissheit, dass er allein war. Doch erst als der Klang der Schritte draußen verebbt war, verließ er sein Versteck. Die Stille lag nun wie ein schwerer, bleierner Mantel über der Basilika. Diese Stille war eine andere als jene vorhin: Sie besaß nun etwas Bedrückendes, ja vielleicht auch Unheilvolles.

Holger Lenstorf setzte sich auf eine der Bänke im Mittelschiff. Mit einem Mal schien alle Kraft aus seinem Körper gewichen. „Ihr Heiligen, steht mir bei“, flüsterte er und sah mit nervösen Augen nach allen Seiten, als lauerte im Verborgenen jene Kreatur, der er heute die Stirn bieten wollte. Nur wenige Stunden noch, dann würde er mit dem beginnen, was er für seine heilige Pflicht hielt.

Draußen brach die Dämmerung herein. Lenstorf streckte sich und griff nach seiner Tasche, die neben ihm stand. Den ganzen Weg hier herauf hatte er sie fest an seinen Körper gepresst und die Umklammerung erst gelockert, als er am Altar angelangt war. Lenstorf stand auf. Einsam hallte das verhaltene Tappen seiner Schritte durch den Kirchenraum. Er ging zum Altar und lehnte die Tasche an den kunstvoll behauenen Klotz aus Stein. In Demut kniete er nieder und sprach ein flüchtiges Gebet. Schnell stand er wieder auf und nahm die Kerzenhalter und Vasen vom Altar. Alles geschah ohne einen Laut, bis ein helles Klicken die Stille zerriss…

Lenstorf fuhr unwillkürlich zusammen, als die Verschlüsse der Tasche aufschnappten. Wie erstarrt stand er für Sekunden da und lauschte angespannt in die Stille. Er hatte nicht daran gedacht, wie laut sie in der Weite des Kirchenraums hallen würden. Ärgerlich über seinen Leichtsinn schimpfte er leise mit sich selbst. „Hab´ Vertrauen. Es gibt keinen Anlass für deine Angst, denn Gott ist bei dir“, sagte er dann mit tonloser Stimme und flüsterte: „Dank seiner Gnade wird es gelingen!“ Energisch, als hätte er schlagartig all seine Energie zurückgewonnen, schlug er den Deckel der Tasche zurück und ließ seine Hand hinabtauchen. Nacheinander entnahm er einige Gegenstände, die in Tücher eingeschlagen waren. Mit zitternden Händen befreite er sie aus dem weichen Stoff und fand dabei das kleine Stück Papier, auf dem in roter, altertümlich wirkender Schrift beschrieben war, wie alles aufzustellen sei. Hastig eilten Lenstorfs Augen über die Zeilen. Leise wiederholte er jedes Wort, während er die Gegenstände auf dem Altar platzierte. Lenstorf hatte sein Werk kaum vollendet, als er eine unbekannte Kraft zu spüren glaubte, die sich seiner zu bemächtigen suchte. War es nur Einbildung? Täuschte ihn die Angst, die ihm den Schweiß auf die Stirn trieb und ihn am ganzen Körper zittern ließ? Es war kalt geworden, eisig kalt…

Lenstorfs Augen glitten über den Altar. Ein letztes Mal prüfte er die Anordnung der Gegenstände. Bewundernd verweilte sein Blick auf dem kleinen, nur handgroßen Kreuz. Es war aus Gold und mit zahlreichen Edelsteinen besetzt, die trotz des nur fahlen Lichts in der Kirche hell strahlten. Zusammen mit dem kleinen Bild des heiligen Michael symbolisierte es das Gute, wohingegen die übrigen Gegenstände dem Bösen zuzuordnen waren: neben dem Fuß einer Ziege eine kleine Figur aus schwarzem Marmor, die einen hockenden Bock mit Flügeln darstellte. Das teuflische Wesen hielt sie gespreizt, als wollte es sich gleich in die Luft erheben. In seinen Körper hatte der unbekannte Künstler Symbole geschnitzt, deren Bedeutung Lenstorf nicht kannte. Für Sekunden verharrten seine Augen auf dem spitzen, von vier Hörnern umrahmten Gesicht, ehe sie sich den schwarzen Kieselsteinen zuwandten, die in einem Kreis um die Gegenstände lagen. Zwischen ihnen standen vier Kerzen, deren Farbe dem von dunklem Blut glich.

Noch einmal verschwand Lenstorfs Hand in der Tasche. Diesmal förderte sie eine Packung Streichhölzer und ein kleines, bauchiges Fläschchen zu Tage, das geweihtes Wasser enthielt. Demütig senkte Lenstorf den Kopf und sprach ein weiteres Gebet. Dann hob er die Stimme. Noch während sich seine Augen auf das Bild des Erzengels hefteten, sagte er: „Dieser Wahnsinn muss ein Ende finden. Der Glaube und unsere heilige Kirche sind in großer Gefahr. Heiliger Michael…“ Er hielt inne: War sein Plan nicht anmaßend? Lenstorf wankte. Die Entschlossenheit, die ihn bis hierhergeführt hatte, war auf einmal wie weggeblasen. An ihre Stelle trat das Gefühl von Unsicherheit: durfte er den Erzengel überhaupt um Hilfe bitten? Nie zuvor hatte er über diese Frage nachgedacht. „Heiliger Michael, ich bin nur ein einfacher Diener Gottes“, flüsterte Lenstorf. Seine Augen suchten die des Erzengels. Ein Gefühl tiefer Erleichterung durchströmte ihn, als er in ihnen den Ausdruck von Güte zu erkennen glaubte - eine Güte, die kein irdischer Maler einem Gemälde je hätte verleihen können. Mit kraftvoller Stimme sprach Lenstorf weiter: „Ich weiß, meine Absicht ist verwegen, ja vielleicht auch frevelhaft, aber ich sehe keinen anderen Weg. Seine Kräfte wachsen unaufhaltsam. Niemand kann sagen, was geschehen wird, wenn er…“ Lenstorf verstummte. Er wagte den Gedanken nicht auszusprechen.

Die Schatten der Nacht verscheuchten das fahle Licht der Dämmerung und tauchten die Abtei und die umliegenden Berge in schwarze Finsternis. Die Zeit war gekommen, mit dem Ritual zu beginnen. Lenstorf entzündete die Kerzen und besprengte den Kreis und alles in ihm mit geweihtem Wasser. Gleichzeitig murmelte er Worte, die fremd und geheimnisvoll klangen. Anschließend zog er mit dem...

Erscheint lt. Verlag 29.10.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Bundestag • Bundeswehr • Geheimloge • Korruption • Spannung • Vatikan • Verschwörung
ISBN-10 3-7565-6624-2 / 3756566242
ISBN-13 978-3-7565-6624-2 / 9783756566242
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