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Scharfschütze am Monte Cassino: "Manchmal höre ich sie heute noch schreien!" (eBook)

Ein Kriegsveteran bricht sein Schweigen
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
220 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-5890-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Scharfschütze am Monte Cassino: "Manchmal höre ich sie heute noch schreien!" -  Wolfgang Wallenda
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"Manchmal höre ich sie heute noch schreien!", sagte Josef Altmann mehr als 50 Jahre nach der Schlacht um den Monte Cassino und verlor sich in seinen Gedanken. Instinktiv zuckte er zusammen, duckte sich zur Seite und suchte scheinbar Deckung vor einer imaginär heran rauschenden Granate. Als Angehöriger des Regiments 361 erlebte der ehemalige Fremdenlegionär die erbarmungslosen Kämpfe an der Gustav-Linie und rund um den Monte Cassino. Der Krieg hatte eine unfassbare Grausamkeit erreicht und der Tod schlug täglich gnadenlos zu. Altmann wird im Schnelldurchlauf zum Scharfschützen ausgebildet und sofort an der Front eingesetzt. Er erkennt im Zielfernrohr die Gesichter seiner Opfer. Die Hände beginnen zu zittern, das Herz rast. Gänsehaut überzieht seinen Körper. Angst, Elend, der Verlust seiner engsten Kameraden und die Schreie der Sterbenden lassen ihn, entgegen seiner anfänglichen Zweifel, abdrücken. Ohne Pathos, frei von Heldentum und erschreckend realitätsnah erzählt Josef Altmann seine Geschichte. Dieses Buch ist ein schonungsloser Tatsachenbericht und soll als Mahnmal gegen Kriege dienen.

Bereits der Debüt-Roman des Autors wurde zum kleinen internationalen Erfolg. Es folgten rund 40 Romanhefte, die Wallenda für zwei Großverlage schrieb. In seinen Komödien: "Heimatkrimi - Der Tod kommt aus dem Jenseits" oder "Der etwas andere Detektiv" behandelt er in einer perfekten Mixtur aus Humor und Spannung brisante Themen wie Migration, Rassismus und Homosexualität. Die Fachwelt meint hierzu: Ein explosives Meisterwerk an Gags, gepaart mit Spannung, sowie einem Schuss Herzgefühl. Ein großes Lesevergnügen. Zwischen den Zeilen gelesen, ist es dem Autor gelungen, ernste Themen, wie Homosexualität, Migration oder Rassismus locker zu verpacken. Herzzerreißend lustig ist die Slapstick-Komödie: "Wenn Oma mal ´ne Tüte raucht" (Co-Autor: Matthias Wallenda) Schwierige Zeitgeschichte behandelt W. Wallenda in seinen Büchern über den Zweiten Weltkrieg. Der Autor hierzu: Der Zweite Weltkrieg war eines der dunkelsten Kapitel der Menschheit. Es darf nie wieder einen Holocaust oder Genozid, wie z.B. in Ruanda, geben. Wie vergesslich die Menschheit ist, zeigen u.a. die traurigen Beispiele des blutigen Bürgerkriegs in Jugoslawien, der in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ganz Europa in Atem hielt oder der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. JEDER KRIEG IST EIN VERBRECHEN! NIE WIEDER KRIEG! NIE WIEDER NAZIREGIME! NIE WIEDER HOLOCAUST! NIE WIEDER VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT! WIR DÜRFEN NICHT VERGESSEN, SONDERN MÜSSEN AUS DER GESCHICHTE LERNEN!

Afrika, Mitte März 1943

Zwischen den Fieberschüben, die mich abwechselnd mit Schüttelfrost und glühender Hitze plagten, lag ich wach, zumindest wenn man diesen Zustand überhaupt als Wachsein bezeichnen konnte. Ich befand mich irgendwo zwischen der Realität und einem dahinsiechenden Delirium. Es roch nach Urin und Kot, nach Karbol, Eiter und Tod. Die Luft war tagsüber stickig und heiß. Nachts hingegen kroch eisige Kälte in die unbeheizten Räume und man fror trotz zweier Wolldecken. Wenn es an der Front rumste, hörte man die Detonationen der Granaten bis hierher. Sie übertönten dann das permanente Stöhnen der Schwerverwundeten.

Eine Krankenschwester tupfte mit einem feuchten Tuch über meine Stirn. Ein Arzt notierte etwas auf ein Blatt Papier und gab es einem hinter ihm stehenden Sanitätssoldaten. Er murmelte dabei etwas, das ich nicht verstand, dann ging er weiter. Der Blick, den mir der Sani zuwarf, verhieß nichts Gutes. Die Krankenschwester versuchte, mir Tee einzuflößen. Vorsichtig half sie mir, den Kopf anzuheben.

„Nur etwas nippen“, hörte ich sie sagen.

Die braune Brühe war lauwarm. Ich benetzte erst die Lippen und wollte dann gierig den Becher leeren. Doch kaum hatte ich zwei kleine Schlucke gemacht, nahm sie den Becher weg und stellte ihn zur Seite.

„Sie müssen langsam trinken“, mahnte sie und stand auf. „Ich komme gleich wieder.“

Sie ging zum nächsten Krankenbett. Ihr Körper wurde augenblicklich zur Silhouette. Ich sackte wieder weg.

Es war nicht das erste Mal, dass ich in Afrika war.

Ich stamme aus einer Artistenfamilie. Meine Eltern besaßen einen kleinen Wanderzirkus, mit dem wir von Mai bis Oktober quer durch Europa reisten. Nach den mehr oder weniger erfolgreichen Tourneen kehrten wir im Spätherbst ins Saarland zurück. Dort lag unser Dorf, das zugleich das Winterquartier war.

Ursprünglich stammen wir aus dem Elsass. Meine Großmutter war Französin, Großvater Deutscher. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges zogen sie im Sommer 1918 mehr notgedrungen als freiwillig zu meinem Großonkel ins Saarland im Deutschen Reich. Seither sind wir Deutsche. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und lernte auf unseren Reisen als dritte Fremdsprache englisch.

Da wir mit dem Zirkus ständig unterwegs waren, war ich nie in die Hitlerjugend eingetreten, was ich damals als sehr nachteilig empfand. Wenn wir gastierten und auftraten, saßen immer wieder junge Burschen in der HJ-Uniform unter den Zuschauern. Ich beneidete meine Altersgenossen darum und wäre selbst liebend gern in so eine Uniform geschlüpft. Vor allem, wenn wir vor oder nach den Vorstellungen ins Gespräch kamen und sie mir von den Abenteuern erzählten, die sie in der HJ erlebten. Die Älteren durften sogar schießen.

Ich wusste damals nicht, dass sie vom Naziregime bereits in jungen Jahren zu Soldaten erzogen wurden. Es standen sowohl körperliche als auch ideologische Schulungen auf dem Tagesprogramm der Hitlerjugend. Aus den Kindern von heute wurden bereits die Soldaten von morgen geformt. Ein Leitspruch der HJ lautete: „Was sind wir? Pimpfe! Was wollen wir werden? Soldaten!“

Meine Eltern waren sehr liberal eingestellt und vermieden es, über Politik zu sprechen. Großvater hingegen schwärmte für Adolf Hitler und dessen Auftreten, während Großmutter sich verständlicherweise mehr zu Frankreich hingezogen fühlte und das politische Geschehen in Deutschland mit Argwohn betrachtete.

Ich stand stets in der Mitte davon und interessierte mich nicht wirklich für Politik. Es war etwas anderes, das mich anzog. Es war das Militär. Fasziniert von Uniformen aller Herrenländer und mit jeder Menge Abenteuerlust im Bauch hatte ich damals nur ein Ziel: Ich wollte Soldat werden. Ich war durch das Reisen und die Auftritte im Zirkus trotz meines jungen Alters bereits sehr selbstbewusst und weltoffen. Für mich war das Soldatentum gleichgesetzt mit Heldentum, Einsätzen in fernen Ländern und Abenteuer pur.

Seit ich ein Kleinkind war, trainierte ich meinen Körper. Meine beiden älteren Brüder und ich schwangen auf Trapezen herum und halfen beim Auf- und Abbau des großen Zeltes mit. Ich war meinem biologischen Alter weit voraus und man schätzte mich stets zwei, drei Jahre älter als ich tatsächlich war. Diesen Umstand machte ich mir 1938 während einer Tour durch Elsass-Lothringen zunutze.

Für die Wehrmacht war ich eindeutig zu jung. Dort sah ich auch keine Möglichkeit, durch Fälschen meiner Papiere vorzeitig aufgenommen zu werden. Ich konnte mir nicht vorstellen, die deutsche Bürokratie betrügen zu können. Deshalb geisterte mir das Anmustern in einer anderen militärischen Einheit immer mehr im Kopf herum. Eine Truppe, die damals schon sagenumwoben war, hatte es mir angetan.

Die Légion étrangère.

Es hieß, in der Fremdenlegion wird jeder genommen und nicht lange nach seinen Papieren befragt. Sie war der richtige Ort für Abenteurer und das Tor zur großen weiten Welt. Und wenn jemand mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, würde er dort eine neue Identität erhalten. Man musste sich nur für fünf Jahre verpflichten.

Naiv wie ich war, manifestierte sich dieser Gedanke in meinem Kopf und so stur wie ich war, setzte ich mein Vorhaben kurze Zeit später auch in die Tat um.

Als wir in Metz gastierten, stromerte ich tagsüber durch die Stadt. Ich fand ein Werbebüro der Fremdenlegion und wusste, was zu tun war. Ich hatte eine Entscheidung gefällt und mein Entschluss stand fest. Nachdem wir mit dem Zirkus weitergezogen waren und das Zelt aufgebaut war, packte ich meine wenigen Sachen, hinterließ meiner Familie einen Brief, reiste zurück nach Metz und bewarb mich im Büro der Légion étrangère.

Ich fand in der Legion alles, nur nicht das, wonach ich gesucht hatte. Es war eine harte und entbehrungsreiche Männerwelt. Wir saßen in einem Fort mitten in der Wüste Marokkos und der Alltag war stumpf, langweilig und trist. Das Wasser roch nach Blech, war warm und brachte immer wieder den einen oder anderen von uns auf die Krankenstation.

Dort lag man des Öfteren mit Malaria, Durchfall oder wenn man sich in einem der billigen Araber-Bordelle mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hatte.

Unter den Legionären war Gewalt an der Tagesordnung. Es wurde viel Alkohol getrunken und Homosexualität war, wohl auch aufgrund der Abgeschiedenheit des Kasernenlebens, weit verbreitet. Mitunter kam es untereinander zu Vergewaltigungen.

Wer zu schwach war, zerbrach in der Legion. Wer in einer Gruppe mit falschen Kameraden landete, hatte nichts zu lachen. Die körperlich Starken regierten und die Schwachen fügten sich, außer sie waren eiskalt und schnell mit dem Messer. Dann fürchtete man sie.

Die militärische Hierarchie wurde streng eingehalten und Disziplin großgeschrieben. Es gab bereits für allerkleinste Vergehen drakonische Strafen. Hierzu reichte es unter anderem schon aus, wenn man eine ungepflegte Ausrüstung oder Uniform trug oder beim Küchendienst, zu dem man regelmäßig eingeteilt wurde, schlampig Kartoffeln schälte.

Auch wenn man im alltäglichen Kasernenleben zerstritten und verhasst miteinander umging, im Einsatz war alles anders. Kaum marschierte man aus dem Tor in die Wüste hinaus, hielten alle zusammen. Die Truppe stand wie ein Mann. Jeder gab für den anderen sein Leben. Nationalität oder Religion spielten hier keine Rolle. Der Deutsche stand neben dem Spanier, dem Italiener, dem Russen und dem Schweden. Die Muslime kämpften neben den Juden und diese neben den Christen.

Ohne Ausnahme hielten wir uns an den sieben Punkte umfassenden Ehrenkodex der Fremdenlegion.

1. Legionär, du bist ein Freiwilliger, der Frankreich mit Ehre und Treue dient.

2. Jeder Legionär ist dein Waffenbruder, gleich welcher Nationalität, Rasse oder Religion. Du bezeugst ihm jederzeit engste Verbundenheit, so als wäre er dein leiblicher Bruder.

3. Du respektierst deine Traditionen und bist deinen Vorgesetzten treu ergeben. Disziplin und Kameradschaft sind deine Stärke, Mut und Treue deine Tugenden.

4. Deinen Status als Fremdenlegionär zeigst du durch tadelloses, immer elegantes Äußeres, dein Benehmen ist würdevoll und zurückhaltend. Deine Kaserne und deine Unterkunft sind immer sauber.

5. Als Elitesoldat trainierst du unerbittlich, du behandelst deine Waffe, als wäre sie dein höchstes persönliches Gut, du bist ständig bestrebt, deine körperliche Verfassung zu verbessern.

6. Der erteilte Befehl ist heilig, du führst ihn, unter Respektierung der Gesetze und international geltender Konventionen, bis zu seiner Erfüllung aus - sollte es nötig sein, unter Einsatz deines Lebens.

7. Im Kampf agierst du umsichtig und mit kühlem Kopf sowie ohne Hass, du achtest deine besiegten Feinde. Deine gefallenen und verwundeten Kameraden, sowie deine Waffen lässt du niemals zurück.

Wenn wir durch die Wüste marschierten und ein Lied sangen, zitterten die Bewohner der umliegenden Dörfer vor lauter Angst. Frankreich zeigte Macht durch...

Erscheint lt. Verlag 13.10.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2. Weltkrieg Buch • 2. Weltkrieg Italien • alliierte Angriffsoperationen • Anti-Kriegsroman • Aufwühlende Gesellschaftsromane • Augenzeugenbericht • authentische Kriegserfahrung • autobiografischer Kriegsroman • Biografische Romane über Frauen • Buchempfehlungen Deutsche Geschichte • Bücher über Flucht und Neuanfang • Epoche zweiter Weltkrieg • Erinnerungen 2. Weltkrieg • Fremdenlegion • Fronterfahrung • Fronterfahrung WW2 • Gegenwartsliteratur • Geschichtslektüre für Männer • Gustav-Linie • Historische Belletristik des 20. Jahrhunderts • historischer Tatsachenroman Krieg • Krieg • Krieg & Militär • Kriegsberichte • Kriegserfahrungen • Kriegserlebnisse • Kriegsromane • Kriegsromane mit biografischem Bezug • Kriegstrauma • Kriegstraumata • Kriegsverletzungen • Landser • Landser Tatsachenbericht • Militärgeschichte • Montecassino • Monte Cassino • Psychologische Folgen Frontdienst • realistischer Kriegsbericht • Scharfschütze • Schlachten Zweiter Weltkrieg • Schlacht von Monte Cassino • Soldat Erinnerungen • Veteranenberichte • Veteranenerinnerungen Zweiter Weltkrieg • Weltkriegsschilderung aus erster Hand • Zeitzeugenbericht • zeitzeugen zweiter weltkrieg • Zweiter Weltkrieg
ISBN-10 3-7583-5890-6 / 3758358906
ISBN-13 978-3-7583-5890-6 / 9783758358906
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