Ludwig - Der einzig wahre König. Ein König Ludwig Roman (eBook)
270 Seiten
tolino media (Verlag)
978-3-7579-5830-5 (ISBN)
Die Autoren leben in NRW und wollen mit ihren Leser*innen durch die Zeit reisen, um die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu erleben.
Die Autoren leben in NRW und wollen mit ihren Leser*innen durch die Zeit reisen, um die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu erleben.
Russland, 20. Jahrhundert
Verdammt, so wie es aussah, war er im Alexanderpalast angekommen und nicht, wie gewünscht, im Katharinenpalast. Wenn er aus dem Fenster schaute, konnte er die korinthischen Säulen am Eingang sehen. Um ihn herum herrschte eine ungewöhnliche Stille und doch musste Anastasia in der Nähe sein, sonst wäre er nicht genau hier gelandet. Etwas benommen schüttelte er den Kopf. Genau wie beim letzten Mal bekam er durch den Strom wieder Kopfweh und ihn schwindelte es ein wenig. Leise und so unauffällig wie möglich schlich er den langen Gang hinunter. Überall standen riesige Topfpflanzen oder Statuen. Wuchtige Ölbilder mit gewichtig dreinblickenden Gesichtern zierten die Wände. Wer bist du, Wicht, und was schleichst du hier ungebeten herum, schienen sie ihm zuzurufen. In einem Anfall von Aufmüpfigkeit streckte er den Ölgötzen die Zunge heraus. »Bäh!« Noch während er sich über seinen kleinen Anfall von Ungezogenheit freute, vernahm er Schritte, die aufgrund ihres harten, hallenden Klanges auf sich nähernde Männer schließen ließen. Ratlos suchend blickte er sich um. So imposant die Topfpflanzen auch waren – groß genug, um sich dahinter zu verstecken, waren sie nicht. Gott sei Dank fiel ihm eine Tür ins Auge, die nicht ganz ins Schloss gedrückt worden war. Er betete, sie möge zu einem leeren Raum führen und verschwand rasch hinter ihr.
Eine Gruppe von vier jungen, elegant gekleideten Männern, die erregt miteinander sprachen, kam den Gang hinunter, auf dem er gerade noch gestanden hatte.
»Aber wie soll das laufen, wenn keiner von uns dabei ist, Dmitri?«
Der mit Dmitri angesprochene Mann warf selbstbewusst den Kopf in den Nacken.
»Darum musst du dich nicht sorgen, Pawel. Iliodor hat bereits alles in die Wege geleitet. Der Gussewa hat er versprochen, dass die Heiligen sie dafür belohnen werden, wenn sie die Welt von diesem Teufel befreit. Dafür wird sie das Schwein gerne abstechen. Und da das Attentat in seinem Heimatort verübt wird, sind wir von jeglichem Verdacht befreit. Was können wir dafür, wenn ein verwirrtes Weib im religiösen Wahn glaubt, die Welt von dem Teufel befreien zu müssen?«
»Ja aber, was, wenn sie unter Druck doch verrät, dass Iliodor sie in unserem Namen angestiftet hat?«
Verächtlich und ohne Ehrfurcht vor dem teuren Bodenbelag spie Dmitri aus. »Mach dir mal bloß nicht in die Hosen. Erstens weiß sie überhaupt nichts von uns und zweitens: Wer glaubt einer verwirrten Messerstecherin, die einen heiligen Bruder der Mönche, wie Iliodor einer ist, beschuldigt? Nein, dieses Mal ist Rasputin dran. Der entkommt uns nicht noch einmal. Aller guten Dinge sind drei und dies ist der dritte Versuch. Nur, dass es dieses Mal nicht bei dem Versuch bleiben wird!«
Marcel wich tiefer in das Zimmer zurück und tastete nach einem Stuhl. Er wollte sich gerade setzen, als ihm spitze Krallen in den Hosenboden fuhren. »Aua!« Mit einem erschrockenen Fluch sprang er postwendend wieder auf.
Das leise Klappen der hinter einem Bücherregal gut versteckten Tür ging in seinem Schmerzenslaut unter. Eine vorwurfsvoll dreinschauende Anastasia kam auf ihn zu. »Du hast dich auf Ahmar gesetzt! Kannst du nicht besser achtgeben, auf wem du dich niederlässt?!« Ihre blauen Augen blitzten Marcel an und sie bückte sich, um die Katze auf den Arm zu nehmen. »Mein armer Milyy, was hat der ungehobelte Kerl dir angetan?«
»Hallo? Was ich ihm angetan habe? Er hat mir seine Krallen in meinen empfindlichen ... in mein armes Hinterteil geschlagen! Das tat verdammt weh!« Mitleidheischend sah er Anastasia an. Sie war wesentlich älter als bei ihrem letzten Zusammentreffen, er schätzte sie so auf dreizehn, vielleicht auch vierzehn Jahre. Da sie recht zierlich war, konnte er das nicht so genau bestimmen, obwohl sich an den entscheidenden Stellen die ersten Rundungen bemerkbar machten. Bei seinem ersten Besuch hingegen war sie höchstens acht Jahre alt und noch kindlich pummelig gewesen.
Anastasia besaß ein weiches Herz, und so wich ihr anfänglicher Ärger schnell einem anteilnehmenden Mitgefühl. »Du musst tüchtig rubbeln, dann vergeht der Schmerz schneller«, ließ sie ihn altklug wissen. »Wo warst du denn so lange? Ich habe eher mit dir gerechnet.«
»Mit mir gerechnet?«, echote Marcel. »Aber du wusstest doch gar nicht, dass ... «
Anastasia fiel ihm ins Wort. »Natürlich wusste ich es. Vom Starez – also ich meine, von Rasputin.«
Sofort dachte Marcel wieder an das Gespräch, dessen Zeuge er unfreiwillig geworden war.
»Ana – du musst ihn warnen, deinen Starez. Sie wollen ein Attentat auf ihn verüben. Eine Frau wird versuchen, ihn abzustechen! Ich habe gehört, wie ein Mann namens Dmitri das mit seinen Kumpanen besprochen hat.«
Anastasia erbleichte. Hatte sie gerade noch ein angenehm ziehendes Kitzeln im Magen verspürt, als er sie Ana genannt hatte, so war bei seinen weiteren Worten das freundliche Kitzeln einem dumpfen Druck gewichen. »Dmitri? Schon wieder? Ich wusste, er würde nicht aufgeben, nachdem er das letzte Mal gescheitert ist. Ich muss den Lehrer warnen!« Achtlos setzte sie den protestierenden Ahmar aus zu großer Höhe ab, so dass er mit einem empörten Miau und einem in die Höhe gereckten Schwanz davonschoss. In düstere Gedanken versunken wollte sie aus dem Zimmer eilen, doch Marcel hielt sie am Ärmel fest. »Ana – warte. Du musst mir unbedingt vorher einen Gefallen tun: Ich brauche dringend eine Statue aus dem Bernsteinzimmer. Die mit der Kugel und dem Stab in der Hand.« Flehend sah er sie an.
»Ach ja, der Starez hatte mir gesagt, dass du mich darum bitten würdest. Sicher ist es ihm recht, denn durch dich wird er ja von dem geplanten Attentat erfahren. Ich habe sie bereits in meinem Zimmer und werde sie dir schnell holen. Gehe durch den Geheimgang und halte dich an der Biegung rechts. Am Ende findest du eine niedrige Tür, die auf Druck nachgeben wird. Vergiss nicht, sie wieder zu schließen! Dann durchquerst du den Salon, in dem das Gemälde mit dem finster dreinblickenden Mann im roten Mantel hängt, und folgst dem Gang linksseitig bis zur Treppe. Am Ende der Treppe gelangst du zu einer Tür, durch die du das Flachdach betreten kannst. Wir treffen uns dort oben, ich beeile mich. Dann kannst du mir auch erzählen, ob es etwas Neues von deiner französischen Freundin gibt.« Sie lächelte ihn an. Erstaunt hob Marcel die Augenbrauen. »Woher weißt du, dass sie Französin ist? Nein – lass mich raten: Der Starez hat es dir gesagt?«
Wieder lächelte Ana.
»Bis gleich.« Dann huschte sie davon und Marcel machte sich auf den Weg zum Dach. In dem muffigen Geheimgang war ihm wohler zumute als auf der hellerleuchteten Galerie. Hier konnte man ihn wenigstens nicht entdecken. Langsam folgte er Anas Wegbeschreibung. Als helle Stimmen durch die dünne Wand an seine Ohren drangen, hielt er kurz inne und lauschte.
»Ich mache mir ebenfalls Sorgen, Kinder. Aber wir müssen jetzt für euren Vater stark sein. Dieser Krieg wird ganz furchtbar werden und er braucht alle Unterstützung, die wir ihm geben können. Zusätzlichen Kummer kann er nun wirklich nicht gebrauchen, also kommt mit euren Problemen zu mir, oder noch besser, löst sie selbst. Und du, Olga, hör’ endlich auf zu weinen, davon wird nichts besser. Nimm dir ein Beispiel an dem hellen Gemüt deiner Schwester Anastasia. Trotz ihrer Rückenschmerzen ist sie immer guter Dinge und steckt andere mit ihrer sonnigen Laune an. Wo steckt der kleine Imp überhaupt schon wieder?«
Marcel ging weiter, ehe er die Antwort hören konnte. Er wollte schließlich nicht, dass Ana auf ihn warten musste.
Anastasia hatte inzwischen die Statue unter ihrem Bett hervorgeholt und musterte sie kritisch. Dann atmete sie tief ein und blies kräftig gegen die Staubschicht. Den Rest wischte sie achtlos an ihrem weißen Kleid ab. Auf dem Weg zur Treppe, die zum Obergeschoss führte, lief sie ausgerechnet Dmitri und seinen Freunden über den Weg.
»Na, wenn das nicht der kleine Shivzik ist ... Was treibst du dich denn hier herum? Und was hast du da bei dir? Zeig her«, verlangte er und streckte gebieterisch die Hand aus.
Mit hoch erhobenem Kopf und verächtlichem Blick begegnete Anastasia ihm mit der stolzen Haltung einer echten Zarentochter.
»Das geht dich überhaupt nichts an. Lasst mich sofort durch!«
Die Männer lachten und schlossen den Kreis enger.
»Ser’yezno? Was ist denn das für ein Benehmen für solch ein hohes Töchterlein? Wenn du so weitermachst, wird dich niemand heiraten wollen und du wirst eine alte Jungfer!«
Alle lachten und Dmitri zog sie an den Haaren. Heftig schlug sie seinen Arm weg. »Lass mich durch, sonst ...«
»Sonst was?«, höhnte Dmitri. »Läufst du zu deiner Mamulja und heulst ihr vor, dass Dmitri böse war zu ihrem Prinzesschen?«
Anastasia wurde weiß vor Wut. »Nein, sonst ...« Dann trat sie ihm mit voller Wucht gegen das Schienbein und rannte die Treppe hoch.
Fluchend rieb er sich die heftig schmerzende Stelle. »Aua, du verdammtes Luder! Dir werde ich schon noch Respekt beibringen. Na warte, wenn ich dich kriege ...!«
Atemlos stürzte Anastasia durch die Tür auf das Dach. Sie musste Marcel unbedingt die Statue bringen, koste es, was es wolle.
Die aufschlagende Tür knallte so laut, dass Marcel sich sofort zu ihr umdrehte.
»Ana, was ist ...«
Doch da sah er bereits die Kerle, die ihr folgten.
»Na, sieh an, ist wohl doch nicht mehr so klein, unsere Zarina. Ein heimliches Stelldichein – wenn das die Mama wüsste!« Drohend trat Dmitri zwischen Ana und Marcel. Die...
| Erscheint lt. Verlag | 3.10.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Timer-Trilogie |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Schlagworte | Kaiserin Elisabeth • König Ludwig II • Krimi • Mord • Romanow • Science Fiction • Spannung • Thriller • Verrat • Zarenfamilie • Zeitreise |
| ISBN-10 | 3-7579-5830-6 / 3757958306 |
| ISBN-13 | 978-3-7579-5830-5 / 9783757958305 |
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