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Haus der Engel (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
338 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6411-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Haus der Engel -  Urs Zingg
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Colin Mackenzie, einst der jüngste und brillanteste Detective Inspector der Kriminalpolizei Edinburgh, findet sich nach einem tragischen Schicksalsschlag am tiefsten Punkt seines Lebens wieder. Als einfacher Streifenpolizist in Falmouth, Cornwall, muss er wieder ganz unten beginnen. Doch dann wird eine Frauenleiche an die raue Küste gespült, ihr Körper geziert von einem meisterhaft gestochenen Vogel-Tattoo auf der Brust. Was zunächst wie ein tragischer Unfall erscheint, entpuppt sich rasch als der düstere Auftakt zu einer Serie von grausamen Morden. Die Wurzeln dieses Albtraums reichen tief in längst vergangene Zeiten zurück, und drohen, Colin in einen Abgrund aus Ohnmacht und tödlicher Gefahr zu ziehen. Wird er die dunklen Geheimnisse lüften können, bevor es zu spät ist?

Urs Zingg, Jahrgang 1963, verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Söhnen, lebt in der Umgebung von Bern. Seine berufliche Karriere startete er als Journalist. Heute arbeitet er als Coach mit jungen Menschen, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und Unterstützung für den Start in die Ausbildung benötigen Bereits sein Erstlingswerk «Verloren», ein spannender Entwicklungsroman aus dem Jahr 2022, erzielte einen erfreulichen Verkaufserfolg.

Urs Zingg, Jahrgang 1963, verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Söhnen, lebt in der Umgebung von Bern. Seine berufliche Karriere startete er als Journalist. Heute arbeitet er als Coach mit jungen Menschen, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und Unterstützung für den Start in die Ausbildung benötigen Bereits sein Erstlingswerk «Verloren», ein spannender Entwicklungsroman aus dem Jahr 2022, erzielte einen erfreulichen Verkaufserfolg.

1 Absturz


Colin wurde wach und blinzelte in die Sonne. Sie stand tief und hatte sein Zimmer bereits so stark aufgeheizt, dass es darin stickig war. Ungewöhnlich früh für diese Jahreszeit.

Ein langes, arbeitsfreies Wochenende stand ihm bevor. Er drehte sich auf den Rücken, verschränkte seine Arme hinter dem Kopf und sah zum Fenster hinaus. Nur ab und zu holperte ein Fahrzeug über das Kopfsteinpflaster an seiner Wohnung vorbei. Ein lauer Wind liess die Blätter tanzen und zwischen ihnen hindurch nahm Colin in der Ferne das Glitzern des Wassers wahr. Schiffe segelten an diesem klaren Vormittag aus dem Hafen auf den Ärmelkanal hinaus. Colins Appartement lag in einer Sackgasse im Norden von Falmouth.

Er musste aufstehen, die Wohnung aufräumen, putzen und den Einkauf erledigen, da morgen seine beiden Kinder zu Besuch kommen sollten. Colin las da ein Wäschestück zusammen, räumte dort eine schmutzige Tasse in den Geschirrspüler.

An Weihnachten, also vor fünf Monaten, hatte er seine Kinder das letzte Mal gesehen. Nun hatten sie Schulferien und es war geplant, dass sie eine Woche bei ihm bleiben würden. So viel Zeit hatte er seit Ewigkeiten nicht mehr mit ihnen verbracht. Was sollte er seinen Kindern denn bieten, wenn die Tochter bereits in der Pubertät war und alles doof fand, während der Sohn, der eben erst in der ersten Klasse gestartet war, noch an Zauberer und Feen glaubte?

Amy, seine 14-jährige Tochter, war nicht mehr das zarte, anhängliche Mädchen, das sich früher an Colins Hals klammerte, wenn sie Angst vor den Monstern hatte, die angeblich unter ihrem Bett ihr Unwesen trieben. Ihre unzähligen Plüschtiere waren nach und nach in der Truhe am Fussende zur letzten Ruhe gebettet worden. Einzig ihr Lieblingsstück, Paddington, ein Rauhaardackel mit trüben Knopfaugen, speckigem Fell und kahlen Stellen am Bauch, den sie herumschleppte, seit sie laufen konnte, verteidigte seinen Platz auf ihrem Kopfkissen.

Colins Gedanken wurden durch das Klingeln seines Handys unterbrochen. Am anderen Ende war Chief Inspector Cooper.

«Hallo Colin, habe ich Sie an Ihrem freien Tag geweckt?» Wie immer, klang der Chief förmlich. Colin ahnte bereits, was folgen würde.

«Tom hat mich eben angerufen, er liege mit Grippe im Bett. Wie so oft sind wir unterbesetzt. Und die nächsten Tage gibt es hohes Verkehrsaufkommen wegen der Feiertage.» Sein Vorgesetzter räusperte sich. Mit festerer Stimme fuhr er fort: «Wir benötigen jeden Mann. Selbstverständlich könnten Sie Ihre Freitage nachholen.»

Colin biss sich auf die Lippen, dachte einen Moment an die zu erwartende Enttäuschung seiner Kinder, sagte aber trotzdem zu. Er war erst seit kurzer Zeit bei der Verkehrspolizei von Falmouth und wollte den Chief in dieser schwierigen Lage nicht hängen lassen. Colin wusste, wie wichtig es war, sich innerhalb eines Teams aufeinander verlassen zu können, einander den Rücken zu stärken und füreinander einzustehen.

Am Nachmittag stand er mit seinem Streifenwagen auf dem Parkplatz vor dem McDonald’s im Norden der Stadt und beobachtete das dichte Verkehrsaufkommen auf der A39 Richtung Truro. Am Morgen hatte er noch mit Giulia, seiner Ex-Frau, telefoniert. Lange hatte er gezögert, sie anzurufen, da er wusste, sie würde ihm wieder Vorwürfe machen, wie unfähig er als Vater sei, dass ihm sein Job seit jeher wichtiger sei als seine Kinder, und er nicht erstaunt sein müsse, dass seine Tochter Amy sich zunehmend von ihm entfremde.

Er würde zum Gegenangriff ausholen, ihr vorwerfen, wie undankbar sie sei. Er habe mit seiner Rackerei ihr und den Kindern finanzielle Sicherheit geboten. Wie die Bälle bei einem Tennismatch würden die Vorwürfe hin- und herfliegen. Sie würden lauter werden und schliesslich würde Colin das Telefonat beenden. Giulia traf zumeist punktgenau Colins Achillesferse.

Gott, wie er dieses Gezänk hasste.

An diesem Morgen geschah jedoch etwas Merkwürdiges: Colin meinte, bei Giulia ein gewisses Verständnis für seine schwierige Situation herauszuhören. Sie sagte, man könne ja den Besuch der Kinder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Lewis habe sich zwar auf das Wiedersehen mit seinem Vater gefreut, sie werde es ihm aber erklären. Colin solle sich jetzt auf seine Arbeit konzentrieren und seine berufliche Zukunft nicht wieder in den Sand setzen.

Keine Vorwürfe, keine Szene. Er konnte sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal nach einem Telefonat mit seiner Ex-Frau so gelöst gefühlt hatte. Während er seinen Instant-Kaffee angoss, trällerte er eine Melodie vor sich hin.

 

Nun beobachtete Colin den trägen Verkehr. Sonst gab es für ihn nichts zu tun und es schien einer dieser Tage zu werden, an denen die Zeit sich wie zähflüssige Lava dahinzog. Sein Magen knurrte. Ausser dem Instantkaffe und einem trockenen Brötchen hatte er heute noch nichts gegessen. Er stieg aus seinem Wagen, schlenderte zu McDonald‘s, wo er die Angebote studierte, kurz zögerte und sich schliesslich einen Cheeseburger bestellte. Es war ihm bewusst, dass er sich gesünder ernähren sollte, dass ihm dieses Junkfood nicht gut bekam. Früher hatte er exzessiv Sport getrieben; dreimal die Woche hatte er gejoggt und regelmässig sein Training im Boxstudio absolviert.

Zu Beginn ihrer Ehe hatten sich Giulia und er einen stillen Wettstreit geliefert, wer die raffinierteren, gesünderen Gerichte auf den Tisch zaubern konnte. Als die Kinder die Phase der Breinahrung hinter sich hatten, wurde aus Mangel an Zeit und Phantasie sowie um die verwöhnten Geschmackspapillen des Nachwuchses nicht zu arg zu strapazieren, vermehrt auf Convenience-Food umgestellt. Die fatale Kombination zwischen fettigem Essen, wenig Bewegung und fortschreitendem Alter hatten bei Colin Hamsterbacken und einen kleinen Bauchansatz entstehen lassen. Seit Längerem hatte er jeglichen Versuch aufgegeben, je wieder an sein früheres Kampfgewicht anzuschliessen. Giulia dagegen schien diese Ernährung nichts anzuhaben. Seit Jahren hatte sie ihre gertenschlanke Figur beibehalten.

Colin setzte sich auf die Motorhaube, packte den Burger aus, sah ihn mit gerunzelter Stirn an und biss, trotz seinen Gewissensbissen, hinein. In diesem Moment knackte es im Polizeifunk.

«Wagen 5, hören Sie mich?»

Colin würgte den Bissen hinunter.

«Hier Wagen 5, ich höre.»

«Hallo Colin», meldete sich Karen Evans vertraute Stimme. Sie schien heute Dienst zu haben. «Ich habe gehört, dass du kurzfristig einspringen musstest. Du Ärmster. Und dies an deinem freien Wochenende.»

«Tja, dafür bot der Chief mir eine saftige Gehaltserhöhung an.»

Sie brachen in Gelächter aus, denn im Präsidium nannten sie den Chief hinter vorgehaltener Hand wegen seines Geizes nur den Schotten.

«Es ist eben eine Meldung hereingekommen. Bei Mawnan, unterhalb der Klippen, hat der Hund eines Spaziergängers eine tote Frau aufgespürt, die dort womöglich im unwegsamen Gelände abgestürzt ist. Könntest Du hinfahren? Der Besitzer des Hundes heisst Walker. Ein Gerichtsmediziner ist unterwegs.»

Colin schlang den Rest des labbrigen Brötchens hinunter und setzte sich hinters Steuer. Mit eingeschalteter Sirene jagte er ein Stück über die A39 und bog dann nach drei Meilen südwärts Richtung Küste ab. Die Strassen über Land wurden enger, kurvenreicher und waren von Hecken gesäumt. Colin fuhr zügig, war aber jederzeit bremsbereit, sollte in einer unübersichtlichen Kurve aus der Gegenrichtung ein Fahrzeug auftauchen.

Das Wetter hatte umgeschlagen. Im Westen zogen dunkle Wolken auf. Böiger Wind liess Staub wie Mini-Tornados über die ausgedorrten Felder tanzen und einer zerfurchten Baumrinde gleich breiteten sich die Äcker bis zum Horizont aus. Im Radio hatten sie Gewitter und Starkregen angekündigt, was für die ausgetrockneten Felder ein Segen gewesen wäre. Colin dagegen hoffte, das Unwetter würde sich noch einen Augenblick gedulden, bis sie die Leiche untersucht und abtransportiert haben würden.

Colin stoppte das Polizeifahrzeug oberhalb der Klippen. Vorsichtig trat er an die Kante heran, hielt sich mit beiden Händen an der Abschrankung fest und blickte hinunter. Am Strand entdeckte er einen Hund, der wie wild hin- und herrannte. Aus dieser Distanz konnte Colin nur schemenhaft erkennen, dass es ein grosser Hund sein musste. Der Wind trug bruchstückhaft Gebell zu ihm hoch. Den Besitzer des Hundes konnte er nicht entdecken.

Vorsichtig stieg Colin den Pfad zwischen den Klippen hinunter. Am Strand sah er eine Gestalt hinter einem Felsbrocken kauern, das graue Haar strähnig und vom Winde zerzaust. Als der Mann Colin bemerkte, pfiff er den Hund zu sich, worauf dieser angeschossen kam und sich zu Füssen seines Besitzers hinlegte. Colin kannte sich mit Hunden nicht gut aus, wusste aber, dass dies ein Irish Setter sein musste.

«Sie müssen Mr. Walker sein», sagte Colin.

«Genau», erwiderte Mr. Walker knapp.

«Dann hat Ihr Hund die Leiche gefunden?»

Der grausige Fund schien Mr. Walker nahezugehen. Sein Gesicht wirkte fahl, die Arme hingen schlaff an seinen Seiten. Während Mr. Walker sich schwerfällig erhob, hielt Colin dessen Arm und stützte ihn.

«Jeden Morgen um dieselbe Zeit drehen wir unsere Runde. Cora liebt es, im Meer zu baden. Heute ist sie aber nicht wie gewohnt schnurstracks in Wasser gerannt, sondern dort drüben hinter den Felsen verschwunden.»

Mr. Walker drehte sich um und deutete auf eine Ansammlung von wie durch Titanen zufällig hingeworfenen Felsbrocken.

«Ich habe Cora gerufen. Normalerweise gehorcht sie aufs Wort. Als sie aber nicht auftauchte und immerfort anschlug, bin ich hingelaufen. Da lag dann diese Tote … Ein schrecklicher Anblick.»

...

Erscheint lt. Verlag 17.9.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Cornwall • Engel • Ermittlerteam • Gerichtsmedizin • Killer • Kommissar • Schuld • Scilly-Inseln • Seriennmörder • Tattoo
ISBN-10 3-7565-6411-8 / 3756564118
ISBN-13 978-3-7565-6411-8 / 9783756564118
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