In den Nebeln der Zeit (eBook)
879 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6293-0 (ISBN)
Lars Burkart ist glücklich verheiratet und stolzer Papa zweier Jungs. Er schreibt seit seiner frühesten Jugend an seinen Geschichten. Lars liebt es zu reisen, ist begeisterter Langstreckenläufer, Iron Man und Taucher. Mit seinen Büchern möchte er unterhalten und den Lesern eine derartige Gänsehaut bereiten, das sie sich davor ängstigen in der Dunkelheit einzuschlafen.
Lars Burkart ist glücklich verheiratet und stolzer Papa zweier Jungs. Er schreibt seit seiner frühesten Jugend an seinen Geschichten. Lars liebt es zu reisen, ist begeisterter Langstreckenläufer, Iron Man und Taucher. Mit seinen Büchern möchte er unterhalten und den Lesern eine derartige Gänsehaut bereiten, das sie sich davor ängstigen in der Dunkelheit einzuschlafen.
Prolog
Prolog
Europäisches Nordmeer; 700 Seemeilen nördlich der Färöer-Inseln
Ein eisiger Wind pfiff aus östlicher Richtung. Es ist zwei Stunden nach Mitternacht. In diesen frühen Stunden ist der Himmel wolkenlos und sternenklar, wie kleine, perfekte Diamanten funkeln sie. Das Wasser ist so glatt, der Mond spiegelt sich, taucht die Umgebung in ein mattes Licht. Am Horizont verschmelzen Wasser und Himmel zu einer pechschwarzen Einheit.
Mit konstant fünfzehn Knoten fuhr das Schiff. In den letzten Stunden war es eine ruhige Fahrt gewesen. Es hatte auch schon ganz anderes Wetter mitgemacht; Sturm und Hagel und meterhohe Brecher, dagegen war es heute eine richtige Erholung. Flach und glatt, wie ein Sonntagsausflug auf einem See.
Eben öffnete sich ein Schott und eine vermummte Gestalt tritt aus den Eingeweiden des Schiffes heraus. Sie ging bis an die Reling, stützte sich mit ihren dick behandschuhten Händen an ihr ab und sieht auf den dunklen Atlantik hinaus. Ihr Blick wanderte von den ruhigen Wassern auf Steuerbord weiter auf das aufgewühlte, schaumige Fahrwasser, das sich Kilometer um Kilometer hinter dem Schiff auftat. Wegen der Kälte trug sie einen dicken Parka, die Kapuze weit ins Gesicht gezogen. Rechts von ihr knatterte die deutsche Flagge leicht im Wind, links hinter ihr hing ein Rettungsring, auf dem der Schiffsname in weißen Lettern stand. „ROSTOCK“. Und noch ein weiteres Stückchen nach links, ganz hinten am Heck befand sich eine fast vier Meter hohe und ebenso breite Kabeltrommel. Ein gewaltiger Stahlträger hielt sie. Mehrere Kilometer Kabel waren auf diese Trommel gewickelt, diese verbanden das Schiff mit dem Herzstück dieser Mission, dem eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit. Gerade eben drehte sich die Trommel quietschend und surrend. Ein beinahe fingerdickes Kabel spannte sich von der Trommel bis zur glatten Wasseroberfläche, zerschnitt es mühelos wie ein Messer die Butter und taucht dann tiefer und tiefer in die schwarzen Wassermassen ab. Mehr als dreitausend Meter geht es so abwärts, hinab in das Norwegische Becken. In eine Tiefe, in der kein Licht vordringen kann, in der absurd aussehende Wesen existieren, dort endet es schließlich in einem Fahrzeug, das nur zu einem Zweck konstruiert wurde, um in diesen Tiefen zu operieren. Einem ROV, einem Remotely Operated Vehicle, oder schlicht gesagt, einem ferngesteuerten Fahrzeug. Auf den ersten Blick mutete dieses ROV wie ein futuristisches Mondfahrzeug an, das aus nichts anderem als einem Skelett zu bestehen schien. Einem Gerippe, wie das Stahlgerüst eines riesigen Wolkenkratzers, jedoch um einiges kleiner. An den einzelnen Streben, die teils quer, teils längs verliefen, waren Kameras befestigt. Acht Stück. Eine für die Vorwärts, eine für die Rückwärtsfahrt, jeweils zwei Stück auf der linken und rechten Seite, dann noch zwei für oberhalb und unterhalb, diese waren mit einem Weitwinkelobjektiv ausgestattet, denn sie hatten ein riesiges Areal zu überblicken. Zahlreiche Lampen tauchten die Umgebung in ein gespenstisches Licht. An seinem Bug waren zwei hydraulisch betriebene Greifarme angebracht, die zusätzlich noch mit winzigen Propellern ausgestattet waren, um sie in jede beliebige Richtung bewegen zu können. Außerdem verfügte das ROV über drei weitere Propeller am Heck, die es vorantrieben, schließlich sollte das Gewicht, welches auf diesem Kabel lastete, so gering wie möglich sein. Brauchte man doch um in einer Tiefe von fünftausend Metern operieren zu können fast zehntausend Meter Kabel. Und genau das war das Problem: je länger es war umso brüchiger wurde es. Vor einem Jahr musste die Mission schon einmal unterbrochen werden, weil das Kabel wie ein Garn einfach gerissen war und das Millionen Euro teure Unterwassergefährt unwiederbringlich in den Fluten versank. Das sollte nicht noch einmal geschehen. Dazu lastete zu viel auf diesem Projekt.
Zuzüglich dieser ganzen Dinge waren noch andere, ebenso wichtige Utensilien mit an Bord. Diverse Instrumente zur Messung der Temperatur, des Salzgehaltes und der Strömung, Sonargeräte und Radar.
Die Person beugte sich ein winziges Stück über die Reling hinaus, nicht viel, nur so weit sie es riskieren konnte nicht in die eisigen Fluten zu stürzen, denn das würde bei einer Wassertemperatur von knapp vier Grad Celsius schon nach wenigen Minuten den sicheren Tod bedeuten. Ein paar Mal atmete sie tief ein und wieder aus, durchsichtige Wölkchen bilden sich vor ihrem Mund. Dann schiebt sie die Kapuze zurück und ein roter Lockenkopf kommt zum Vorschein. Die Gesichtshaut ist pickelig und mit Sommersprossen übersät. Locken und Pickel gehören Patrick Neumann, sechsundzwanzig Jahre und desillusioniert. Er hatte sich damals für die Seefahrt entschieden, weil er die Welt bereisen wollte, ferne und exotische Länder wollte er sehen. Aber so wie sich das bisher gestaltete, entsprach das ganz und gar nicht seinen Vorstellungen. Seit Monaten schon keinen Landurlaub mehr, bei allen war die Moral am Ende und die Luft raus. Bei ihm war es nicht viel anders. Immer nur auf diesen saublöden Bildschirm starren, Tag für Tag, Stunde um Stunde auf etwas Ungewöhnliches warten. Er hatte es satt, er hatte es so satt und Urlaub war dringend nötig.
Er pellte seine rechte aus dem dicken Handschuh und steckte sie hastig in die Tasche seines Parkas. Dort waren seine Zigaretten. In wenigen Minuten beginnt sein Dienst und bis dahin wollte er unbedingt noch eine rauchen. Er zündete sie an, sog ihren Rauch tief in seine Lungen und blies aus. Der Rauch vermischte sich mit den Dampfwölkchen seines Atems und ließ ihn dunkler erscheinen.
Die eisige Luft biss in Nase und Augen, in den Augen fühlte es sich an wie Hitze und Kälte zugleich. Er wusste nicht, wie das sein kann, meinte aber, dass das bestimmt nur in seiner Einbildung so war. Bestimmt war es einfach nur zu kalt um etwas Genaues zu fühlen.
Die Kippe tat gut, auch wenn sie viel zu schnell aufgeraucht war. Schließlich schnippte er sie im hohen Bogen über die Reling und sah ihr zu, wie sie wie eine rot glühende Sternschnuppe ihre Bahn flog und im Wasser dann gelöscht wird. Sein Appetit war noch nicht gestillt, er überlegte noch eine anzustecken, entschied sich aber dagegen. Er kannte das Gefühl nur allzu gut, hatte es doch mehr als einmal selbst erlebt, wenn man dasaß, auf die Ablösung wartete, die Augen vom pausenlosen auf den Monitor starren schon ganz trocken waren und juckten und brannten, wenn einem die rechte Hand, die den Joystick bediente, schmerzte und die Finger der anderen so dick wie Würstchen vorkamen, weil man stundenlang Befehlssequenzen eingegeben hatte. Nein, er wurde erwartet. Es war Zeit zu gehen!
Patrick streckte sich noch einmal, machte sich ganz lang, stellte sich auf die Zehenspitzen, riss die Arme ganz weit nach oben, so weit es ging, drehte sich um und verschwand im Bauch des Schiffes.
Nach einigen Minuten hatte Patrick auf dem Hochsitz, wie es scherzhaft genannt wurde, Platz genommen. Niemand von ihnen, weder Patrick noch einer seiner Kollegen, konnte sich noch genau erinnern, wie sie ausgerechnet auf diesen Namen kamen, schließlich hatte es herzlich wenig mit einem Hochsitz gemein, wie ihn ein Jäger nutzte. Möglicherweise lag es einfach nur daran, dass sie soweit oberhalb des ganzen Geschehens waren. Je nachdem wie tief der ROV getaucht war, konnten das schon mehrere Kilometer sein.
Im Grunde genommen war der Hochsitz nichts anderes als ein ganz normaler Arbeitsplatz. Er verfügte über einen fest an der Wand verankerten Tisch, auf den sich eine Tastatur und gleich daneben ein Joystick befanden. Ein wenig oberhalb der Tastatur, ungefähr auf Augenhöhe waren acht Bildschirme angebracht, die das zeigten, was die acht Kameras des ROV aufzeichneten. Gleich unterhalb dieser Monitore, praktisch mit einem einzigen Blick ersichtlich, gab es noch diverse andere Instrumente, die ihm relevante Informationen gaben. Den Salzgehalt des Wassers, beispielsweise, den pH-Wert, oder die Stärke der Strömung.
„Okay, ich übernehme ab jetzt. Meine Station ist On - Line. Die Temperatur beträgt 2,6 Grad Celsius. Strömung aus Nordost mit 3 Knoten. Höhe über Grund beträgt 104 Zentimeter. Tiefe zurzeit bei 2867 Metern. Kamera 1 bis 8 komplett im On – Modus.“
Patrick drehte sich zu seinem Kollegen um, der schon fast durch die schmale, enge Tür verschwunden war. „Und der Papierkorb ist so leer wie deine Rübe. Machs gut, Mike. Hab einen schönen Feierabend.“ Mike grinste breit und zeigte dabei seine Zähne. Wahrlich kein schöner Anblick. An seinen Zähnen klebte braune Masse. Ein Überbleibsel der Schokoriegel, die er pausenlos in sich hineinstopfte. Darum sprach Patrick in der Übergabe auch den Zustand des Papierkorbes an.
„Und dir wünsche ich einen ruhigen Dienst“. Dann war Mike verschwunden und Patrick allein in dem dunklen Raum.
Er streckte sich noch einmal, die Gelenke in den Knien knackten, dann umfasste er den Joystick mit der rechten und die linke tippte seinen Anmeldecode ein. Für die Zeit während der Übergabe folgte das ROV dem Kurs des Schiffes. Das nahm nie länger als zwei, drei Minuten in Anspruch. Solange liefen auch die Aufzeichnungen auf einen Monitor auf der Brücke auf, der in acht kleinen Fenstern unterteilt war, wie eine Art Splittscreen.
„6, 4, 8, 9, 0, 1, 3“, murmelte er leise vor sich hin, während seine Finger tippten. Wie oft hatte er das in den letzten Monaten schon getan? Er wusste es nicht, hatte längst aufgehört zu zählen. Nachdem er bestätigt hatte, folgte das ROV ausschließlich seinem Kommando. Er manövrierte es durch die dunklen unwirtlichen...
| Erscheint lt. Verlag | 13.9.2023 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Gier • Krieg • Mittelalter • Profit • Vergangenheit • Wissenschaft • Wurmloch • Zeitreisen |
| ISBN-10 | 3-7565-6293-X / 375656293X |
| ISBN-13 | 978-3-7565-6293-0 / 9783756562930 |
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