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Unzerbrechlich (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
501 Seiten
tolino media (Verlag)
978-3-7394-8137-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Unzerbrechlich -  A. R. Stone
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Die Welt, wie sie es einmal war, existiert nicht mehr. Die Ausbeutung und der daraus folgende Klimawandel verwandelten den blauen Planeten in eine endlose Wüste. In der Stadt Arcadia verbirgt sich, in einer schützenden Atmosphäre, das letzte Stück fruchtbare Erde, wo die gehobene Gesellschaft sicher lebt. Um die Bevölkerung zu überwachen, implantiert die Regierung allen Bewohnern Mikrochips. Jeglicher Widerstand gegen das Regime wird im Keim erstickt. Ava ist ein junges Mädchen, das außerhalb der schützenden Kuppel mit ihrer Großmutter in den Slums leben muss. Über ihre verstorbenen Eltern hat Ava keine Erinnerungen, auch die Todesumstände und ihre Herkunft sind für sie noch ein Rätsel. Eines Tages erkrankt Avas Großmutter und dem Mädchen bleibt keine andere Wahl, als in die streng überwachte Hauptstadt einzudringen. Dadurch lernt sie, dass sie besondere Fähigkeiten besitzt.

Der immer weiter fortschreitende Klimawandel hat mich dazu bewegt, den Roman Unzerbrechlich zu schreiben, in der eine Zukunft skizziert wird, die aufgrund einer unwirtlichen Atmosphäre von Hungersnot und Unterdrückung gekennzeichnet ist.

Der immer weiter fortschreitende Klimawandel hat mich dazu bewegt, den Roman Unzerbrechlich zu schreiben, in der eine Zukunft skizziert wird, die aufgrund einer unwirtlichen Atmosphäre von Hungersnot und Unterdrückung gekennzeichnet ist.

Kapitel 1 - Wüste


1        Es war so sengend heiß, dass die Luft über dem Wüstenboden flimmerte. Der Wind wehte um die hohen Dünen, formte neue Wege und erschuf auf grausame Weise ein Labyrinth, das niemand so leicht verlassen konnte.

Zwei vermummte Gestalten hockten in der ockerfarbenen Einöde, mit der Hoffnung, dass die Sonne sie übersah. Es wirkte willkürlich, wie sie auf Knien den sandigen Boden mit den Händen fortschaufelten. Sie waren mit zusammengeflickten Mänteln gekleidet. Ihre Gesichter halb bedeckt mit einem Bandana, die Augen geschützt durch eine verdunkelte Fliegerbrille, welche mit einem zerrissenen Stofffetzen zusammengehalten wurde.

»Endlich!«, rief eine der beiden Personen. Die Frau war wesentlich älter als ihre Begleiterin und dennoch freute sie sich wie ein kleines Kind, als ihre dürren Finger durch den Sand hindurch auf etwas Festes stießen. Sie zog sich das Tuch von der Nase und verschaffte sich so mehr Freiheit. »Du hast dich auch diesmal nicht getäuscht!« Angespornt durch den Fund, grub sie atemlos weiter.

»Ava«, gab die alte Frau im nächsten Augenblick fassungslos wieder. Der Sand verschluckte ihre Schritte und rann zurück in das ausgegrabene Loch. Sie zog mit solch einer Kraft an dem verschütteten Stück Metall, dass sie auf den Rücken fiel. Ihre Enkelin reichte ihr die Hand und half ihr auf. Gemeinsam bestaunten sie die weiß lackierte Platte, die bereits an den Bruchstellen verrostet war.

Boeing 747. Der schwarze Aufdruck war so weit verblasst und abgetragen, dass man nur noch die Umrisse erahnen konnte.

»Ava, du hast ein Flugzeugteil gefunden!« Ihre Großmutter umarmte sie überschwänglich und lachte.

»Ein Flugzeug?«, fragte das Mädchen irritiert und ließ die feste Umarmung zu. Ava konnte nur ahnen, wie wertvoll das Stück Blech sein musste. Es war knapp ein Meter breit und lang. Sie würden es verdecken und zu zweit direkt zum Werthof bringen.

»Hast du es vergessen? Der Metallvogel?« Die alte Frau gab ihre Enkelin frei und zählte an den Fingern ab, wie lange es her sein musste. »Wie alt bist du noch einmal, Rahel?«, sprach sie nachdenklich mit sich selbst. War es wirklich schon so lange her? Hatte Ava nicht erst gestern das Laufen gelernt?

Es war zu heiß, um wirklich nachzudenken.

Die alte Frau legte die Hand über ihre Schutzbrille und sah sich um. »Hier muss vor unserer Zeit solch ein Flugzeug abgestürzt sein. Ich bin mir sicher, wir finden noch mehr. Vielleicht war dieser Ort sogar ein Friedhof für ausgemusterte Maschinen?«

Rahel fantasierte wild weiter. »Kannst du noch etwas wittern?«, fragte sie.

Ava schloss die Augen und atmete die trockene Luft ein. Der Wind war so warm, er taugte nicht mal dazu, ihren Schweiß zu kühlen. Während der Ruhe nahm sie den Schmerz auf ihrer Haut wahr. Obwohl sie gegen die direkte Sonneneinstrahlung geschützt war, brannte ihr Körper. Durch die Arbeit am Tag waren die Spitzen ihrer dunkelblonden Haare hell gebleicht. Der Wind spielte mit ihrem Pferdeschwanz, wehte ihr Bandana auf und enthüllte ihr gebräuntes Gesicht.

Der heiße Sand knisterte, während Rahel nervös atmete. »Und?«, fragte sie und betrachtete ihre Enkelin, die regungslos dastand.

»Nein«, gab Ava schließlich nüchtern von sich und öffnete die Augen. »Aber ein Sturm zieht auf.«

»Was?« Avas Großmutter sah sich um. Sie ließ die karge Gegend auf sich wirken, doch weder regte sich etwas noch verdunkelte sich der Himmel durch einen entfernten Sandsturm.

»Wir sollten langsam zurückkehren, wenn wir es rechtzeitig nach Hause schaffen wollen.« Mit ihren siebzehn Jahren war Ava ein schlaues und vorsichtiges Kind. Ihre Großmutter lächelte bedrückt. War Ava das? Noch ein Kind? Die ernste Miene ihrer Enkelin verriet etwas anderes.

Ehe sie sich aufrafften, schlug ihnen plötzlich ein scharfer Wind entgegen. Er wirbelte den feinen Sand auf, sodass sie gleich wieder ihre Halstücher aufsetzten. Rahel fügte sich der Vermutung ihrer Enkelin. Sie nutzte die Gelegenheit, in der Ava den Schrott mit einer geflickten Decke schnürte, und orientierte sich.

Das Mädchen beobachtete ihre Großmutter und schmunzelte. »Deinem Hintern nach«, sagte sie und wies mit einer Kopfbewegung in die entgegengesetzte Richtung.

Irritiert drehte sich Rahel. Sie kniff ein wenig die Augen zu, um besser sehen zu können. Doch sie erblickte nur weitere Sanddünen. Ehe sie sagen konnte, dass sich Ava irrte, funkelte etwas in der Ferne. Es musste ein Fenster sein, welches das Sonnenlicht reflektierte. Erst jetzt wurde Rahel deutlich, wie weit sie sich von den Slums entfernt hatten.

Schließlich bückte sie sich, um Ava unter Mühe zu helfen, ihre Beute fortzubringen. Immerzu sackten die beiden mit den Füßen in den weichen Sand und zogen sie schwer heraus, als hätten sie Gewichtsmanschetten um ihre Knöchel gebunden. Der Sand war so fein, dass er in ihren Schuhen steckte und auch überall sonst. Er scheuerte und tat weh wie der Sonnenbrand. Ein ewiges Leiden, so wie ein fehlender Arm. Man lernte, damit zu leben.

»Nana? Wenn es dir zu schwer ist, kann ich vorangehen«, sprach Ava. Sie hob die Platte höher an und hoffte so, ihre Großmutter entlasten zu können.

Die alte Frau lächelte. »Nein. Ich halte das schon aus.« Mit den Jahren hatte sich ihr Körper an die Arbeit in der Wüste gewöhnt. Es war mühsam, in der unendlichen Sandlandschaft noch Schrott zu finden. Die Wege wurden weiter, der Radius, in dem sie etwas fanden, zunehmend größer.

Viel zu oft kehrten Menschen nicht zurück, weil sie sich verlaufen hatten. Der größte Fehler war es, sich im Ödland alleine auf seine Sinne zu verlassen. Sobald man keine Anhaltspunkte mehr hatte, an denen man sich orientieren konnte, verlor das Auge die Übersicht. Genau zwanzig Schritte schaffte man geradeaus. Dann sah man sich in der Dürre um. Hatte der vertrocknete Grasstrauch schon zuvor da gestanden? Man überlegte und dachte nach, was bei der brütenden Hitze unmöglich war. So orientierte man sich neu und wanderte für Stunden im Kreis, bis man seinem Schicksal erlag.

Mit dem Anhaltspunkt in der Ferne konnte das den beiden nicht passieren. Ava und ihre Großmutter bahnten sich ihren Weg durch den unebenen Wüstensand und kamen ihrem Ziel immer näher.

Es waren alte Bauten, die sich aus dem Nichts erstreckten und meterhoch in den Himmel ragten. Eng beieinander, schief, zertrümmert und zum Teil verlassen. Einige von ihnen waren umgestürzt und blockierten unzählige Gassen.

Die Betonanhäufungen der Slums ähnelten einem Theater. Die Wohntürme waren wie aufgereihte Sitzplätze im Halbkreis, die Etage für Etage, Reihe um Reihe tiefer in den Sand reichten. Bis die Dächer der Wohntürme an vorderster Front vom Boden verschluckt wurden.

Vor ihnen auf der Bühne tat sich das Wertvollste dieser Welt auf, eine unermesslich große Glaskuppel. Sie nannten sie Arcadia.

Die Hauptstadt erinnerte an ein überdimensionales Gewächshaus. Die Kuppel glänzte in der Sonne und verbarg vor ihr das letzte Stück fruchtbare Erde.

Der Sand unter ihren Füßen wurde fester, bis Ava und ihre Großmutter auf verwehten Asphalt traten. Eine der letzten Straßen.

Wasteland. Das verschmierte Graffiti in ausgeblichenem Schwarz begrüßte sie, noch ehe sie die Ortschaft betraten. Zumindest benannten die Bewohner der Slums die Stadt auf diese Weise. Das Ortsschild selbst war ein poröses Brett und schaukelte im Wind an einem Pfahl, wie ein Mann, der gehängt wurde.

Während die beiden die schwere Metallplatte weiter voran schleppten, bemerkten sie in der Ferne die ersten Menschen.

Als diese Ava und ihre Großmutter entdeckten, standen sie vom Boden auf. Sie hielten die Hand vor die Stirn und beobachteten sie. Wie abgesprochen, festigte sich ihr Griff um das Metall.

»Deine Waffe ist für den Notfall geladen?«, fragte Rahel und ließ die Fremden nicht aus den Augen.

»Ja«, antwortete Ava. Ihr Revolver war an ihrem Steiß versteckt. Mit einer Kugel im Lauf. Das sollte reichen. Misstrauisch bahnten sie sich ihren Weg weiter. Es war nie gut, wenn man mehr besaß als andere.

Die drei Gestalten trugen geflickte lange Leinenroben, die vom Wüstensand verdreckt waren. Ihnen fehlte es an Schutzbrillen. Sie waren jung, vielleicht so alt wie Ava. Ihre Münder waren mit einem leichten Schal vermummt, der im Wind wie Fahnen wehte.

Je mehr sich Ava und ihre Großmutter den Gestalten näherten, umso deutlicher wurde der Zorn in ihren Gesichtern. Es lag nicht an dem Schrott, den sie bei sich trugen, sondern weil die Jungen so lange gesucht und nichts gefunden hatten. Es war frustrierend.

Der Jüngste unter ihnen stampfte aufgebracht voran ins offene Feld.

»Bleib hier! Ein Sturm zieht auf!«, rief ihm Ava zu. Der Junge ignorierte sie und ging stur weiter. Ava wollte ihn noch einmal warnen, doch ihre Großmutter zog sie mit sich, sodass ihr keine Wahl blieb, als zu folgen.

»Nana?«, hauchte Ava und verstand nicht, wie sie ihn gehen lassen konnte.

»Bemüh dich nicht, du hast genug getan«, sagte die alte Frau. »Sie hätten dich nicht gewarnt.« Rahel sah dem Jungen nach, dessen Freunde ihn nicht abhielten. Es fiel ihnen schwer, abzuwägen, ob sie Avas Warnung vertrauen konnten. »Sheeps sind gierig und unbelehrbar.«

2        Vermummt bis auf die Augen eilten vereinzelt Menschen zwischen den hohen Ruinen. Jeder von ihnen warf einen Blick auf die verhüllte Platte. Niemand sprach es aus, doch sie wussten, es musste etwas Wertvolles sein. Der eine oder andere hegte einen düsteren Gedanken,...

Erscheint lt. Verlag 23.2.2020
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Abenteuer • Apokalypse • Dystopie • Endzeit • Klimakatastrophe • Klimawandel • Postapokalyptisch • Roman • schreckensvision • Science Fiction • Unterdrückung • Utopie • Weltuntergang
ISBN-10 3-7394-8137-4 / 3739481374
ISBN-13 978-3-7394-8137-1 / 9783739481371
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