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Lügen lügen nicht (eBook)

eBook Download: EPUB
2023 | 2. Auflage
400 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-01211-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Lügen lügen nicht -  Nina M. Dorman
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Exzessiv, luxuriös, sorglos. Das Leben von Orasia ist perfekt. Die Achtzehnjährige ist reich, beliebt und attraktiv. Sie kann sich alles kaufen, was sie will und sie kann tun, was sie will. Doch ein Schicksalsschlag stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf und sie muss sich fragen, ob Geld wirklich alles ist, was zählt.

Nina M. Dorman ist eine deutsche Autorin. Schon in ihrer Kindheit schrieb sie Geschichten und hat seitdem einige Kurzgeschichten und zwei Romane veröffentlicht. In ihrem Roman >Lügen lügen nicht< schreibt sie über den Prozess des Erwachsenwerdens, wie ihn jeder auf die eine oder andere Weise erlebt.

Nina M. Dorman ist eine deutsche Autorin. Schon in ihrer Kindheit schrieb sie Geschichten und hat seitdem einige Kurzgeschichten und zwei Romane veröffentlicht. In ihrem Roman >Lügen lügen nicht< schreibt sie über den Prozess des Erwachsenwerdens, wie ihn jeder auf die eine oder andere Weise erlebt.

Teil 2

Eine veränderte Orasia verlässt Jonas Grundstück. Sie schaut nicht zurück, sondern geht im leichten Nieselregen die Straße entlang Richtung Stadt. Der Himmel ist grau, doch die Luft ist erstaunlich warm und man kann den Regen förmlich riechen.

Orasia trägt noch das gleiche Kleid, mit dem sie am letzten Abend hergekommen ist. Es ist ihr egal. Sie wird nass, ihre Haare kleben an ihrem Kopf und ihre Schminke wird langsam von ihrem Gesicht gewaschen. Auch das ist ihr egal. Sie fühlt sich gut, richtig gut. Besser als je zuvor eigentlich. Sie ist ganz unten angekommen. Ab jetzt kann alles nur noch besser werden.

Am vorherigen Abend wurden ihre Schritte noch durch ihre Wut beflügelt. Jetzt, wo sie kein festes Ziel mehr hat, fällt ihr erst auf, wie weit sie eigentlich gelaufen ist. Im Hinterkopf hat sie den ungenauen Plan, ihren Schmuck zu verkaufen, aber sie hat keine Ahnung wo. Bisher hat sie noch nie irgendetwas, das sie besessen hat, wieder verkauft. Wenn überhaupt, dann hat sie es höchstens weggeworfen.

Orasia richtet ihren Blick auf die Steinplatten des Gehwegs unter ihren Füßen. Wenn sie nicht sieht, wie weit oder nicht weit sie schon gelaufen ist, kommt es ihr nicht ganz so anstrengend vor. Sie versucht, sich abzulenken und denkt darüber nach, was gewesen wäre, wenn ihre Eltern keine Betrüger geworden wären. Sie hätten ein kleines, beschauliches Leben führen können. Orasia wäre ein ganz normales Mädchen gewesen, das auf eine ganz normale Schule gegangen wäre und es hätte ihr nichts ausgemacht, weil sie nichts anderes gekannt hätte. Sie hätte einen ganz normalen Namen gehabt, nicht so einen extravaganten, wie ihre Eltern ihr unbedingt hatten geben müssen. Vielleicht hätte sie Tina geheißen, oder Stefanie. Stefanie Förster. Steffie. Das klingt wie ein schöner Name für ein durchschnittliches Mädchen. Durchschnittlich hübsch, nicht künstlich perfektioniert. Sie wäre nicht reich gewesen, hätte vielleicht nur in einem kleinen Einfamilienhaus in einer Kleinstadt gelebt, aber etwas Wichtiges wäre ihr selbst überlassen gewesen: Sie hätte selbst entscheiden können, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Sie hätte sich vermutlich nicht operieren lassen und wäre trotzdem ganz hübsch gewesen. Nicht so eine Barbie wie jetzt. Ihre Eltern haben das für sie entschieden, als sie noch gar nicht in der Lage dazu war. Und sie hätte sich dazu entschließen können, die Schule zu beenden und einen ordentlichen Beruf auszuüben, was sie jetzt vermutlich vergessen kann. Sie hat kein Geld, um sich eine Ausbildung finanzieren zu können und ganz davon abgesehen, wer würde sie jetzt noch nehmen?

Sie wäre eine glückliche, junge Frau gewesen, wenn ihre Eltern nicht gelogen hätten und wenn sie selbst nicht gelogen hätte. Ihr ist klar, dass sie ihren Eltern nicht an allem die Schuld geben kann. Viele der Entscheidungen, die sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie jetzt ist, hat sie selbst getroffen. Wichtige Dinge wie Bildung hat sie nie priorisiert, weil sie sie gar nicht gebraucht hätte, wenn sie ihr Leben lang reich geblieben wäre. Sie hatte so viele Freiheiten, dass sie damit nicht umgehen konnte. Wäre alles anders verlaufen, hätte sie sich auf wichtigere Dinge konzentrieren müssen, als auf Partys, Sex und Shopping. Vielleicht wüsste sie jetzt schon, was Liebe ist, hätte einen Freund und wäre so glücklich mit ihm, dass sie ihn irgendwann heiraten und mit ihm Kinder kriegen würde.

Aber die Realität sieht nun mal anders aus und damit muss sie klarkommen. Erstmal muss sie jetzt sehen, wie sie überlebt, sich ein eigenes Leben aufbauen und um Anerkennung und Respekt kämpfen.

Es regnet immer stärker und in der Ferne ist leises Donnergrollen zu hören. Schützend hält sich Orasia Jonas Plastiktüte über den Kopf und läuft auf eine überdachte Bushaltestelle am Ende der Straße zu. Der Riemen ihrer großen Tasche schneidet in ihre Schulter ein und ihre Handtasche schlenkert so stark an ihrem Handgelenk, dass sie immer wieder gegen ihren Oberschenkel schlägt. Das Wasser, das sich auf den Steinen des Gehwegs sammelt, spritzt unter ihren Schritten an ihren nackten Beinen empor und hinterlässt Spuren von Schmutz auf ihrer Haut.

Etwas außer Atem kommt Orasia an dem Haltestellenhäuschen an und ist nun doch froh, dem Regen kurz entfliehen zu können. Mittlerweile hat sich auch die Luft drastisch abgekühlt und Orasia fröstelt in ihrem dünnen Kleid. Sie will sich auf einen der Plastiksitze setzen, aber diese sind mit Kaugummis vollgeklebt. Ein Anflug von Ekel überkommt sie. Sie hat sich entschieden, sich mit ihrer Situation abzufinden und das Beste daraus zu machen. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Aber wäre sie noch reich, müsste sie bei Regen nicht zitternd in einer Bushaltestelle Schutz suchen. Jetzt kann sie sich nicht mal mehr den Bus leisten, früher wäre sie niemals Bus gefahren. Sie hätte ein Taxi oder ihr eigenes Auto genommen und alle hätten sich darum gerissen, ihr einen Regenschirm zu halten oder ihr eine Jacke zu leihen. Jetzt hätte sie alles für einen Regenschirm oder eine Jacke gegeben. In ihren Taschen wird sie nichts von beidem finden. Jegliche Kleidung, die sie aus der Villa mitgenommen hat, ist zwar sehr schön und sexy, aber wenig funktional. Doch dann fällt ihr ein, dass Jona ihr ja Klamotten geschenkt hat.

Wirf sie nicht weg, du wirst sie brauchen, hatte er gesagt.

Wenn es typische Männersachen sind, legt Orasia keinen Wert darauf, sie zu tragen.

„Ach, was soll´s, kann ja nicht schaden“, sagt sie zu sich selbst und späht in die Tüte.

Darin liegen, ordentlich gefaltet, alte Klamotten von Jona. Manche hat sie bereits an ihm gesehen. Trotzdem sehen sie noch gut aus. Ein angenehmer Duft strömt aus der Tüte. So hat es auch gerochen, wenn Carla gewaschen hat.

Orasia zieht die Kleidungsstücke nach und nach hervor und begutachtet sie: Eine schwarze, dicke Strumpfhose (vermutlich von seiner Mutter), dicke Socken, feste Schuhe, ein warmer Pullover, eine Hose und das Beste: Eine dicke Jacke, die auch noch wasserdicht zu sein scheint. Jona muss gewusst haben, dass sie die Klamotten, die sie selbst mitgenommen hat, nicht nach Funktionalität ausgewählt hat.

Die Sachen sind eigentlich ein bisschen zu groß für Orasia, aber das ist im Moment nicht wichtig. Sie zieht die braune, gefütterte Jacke über und sofort wird ihr wärmer. Auch die Strumpfhose, die sie rasch unter das Kleid ziehen kann, ist angenehm warm. Sie wirft sich die große Kapuze über den Kopf und zieht sie tief ins Gesicht. Jetzt ist ihr warm, sie wird nicht mehr so nass und erkennen kann man sie auch nicht mehr.

Es will einfach nicht aufhören zu regnen. Orasia läuft eine Straße nach der anderen entlang. Außer ihr ist kaum jemand draußen zu sehen. Entweder wegen des Wetters oder weil die meisten Arbeiten und zur Schule gehen müssen. Im Gegensatz zu Orasia. Sie ärgert sich, dass sie ihr Abitur jetzt nicht machen kann. Sie war so nah dran. Nur noch ein paar Monate, dann hätte sie es in der Tasche gehabt. Damit hätte sie bestimmt schnell eine gute Arbeit gefunden. Aber wahrscheinlich wäre sie ohnehin zu dumm, um die Prüfungen zu bestehen. Gerade jetzt, wo niemand mehr ihre Noten mit Geld aufbessern kann.

In jede Querstraße, an der sie vorbeikommt, macht Orasia ein paar Schritte und sieht sich um, um festzustellen, ob sie hier irgendwo ihren Schmuck loswird. Die Stadt kam ihr noch nie so riesig vor. Überall Wohnhäuser und massenhaft Läden, nur nicht der, den sie sucht. Die prall gefüllten Taschen fühlen sich von Meter zu Meter schwerer an und ihre Füße wollen irgendwann auch nicht mehr weiterlaufen. Sie ist so viel Bewegung nicht gewohnt. Als sie noch etwas jünger war hat sie sich durchaus in vielen Sportarten versucht, weil ihre Eltern irgendwann aufgeschnappt hatten, dass das förderlich für ihr Kind wäre. Aber nach anfänglicher Begeisterung hat Orasia aus dem einen oder dem anderen Grund jedes Mal recht schnell wieder damit aufgehört.

Die erste Sportart, die sie ausprobieren sollte, war Tennis gewesen. Dazu ließ ihr Vater einen Teil des Gartens kurzerhand in einen Tennisplatz umfunktionieren. Ein LKW brachte eine Ladung roten Sand und jemand kam, um ihn zu verteilen und festzuklopfen, weiße Linien aufzumalen und ein Netz in den Boden zu rammen. Ein schickes Dress und ein teurer Tennisschläger wurden gekauft und ein noch sehr viel teurerer Trainer engagiert. Als nach gut zwei Monaten die Phase mit dem Tennis dann vorbei war, wurde der Tennisplatz wieder entfernt und der Rasen sorgfältig vom Gärtner erneuert.

Als nächstes sollte Orasia Golf spielen. Natürlich bekam sie auch hierfür ein entsprechendes Outfit und die besten Golfschläger geschenkt, die ihr Vater in die Finger bekommen konnte. Tatsächlich war sie sogar gar nicht schlecht darin, aber es hat ihr...

Erscheint lt. Verlag 2.9.2023
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Allein • Amerika • Angst • Anstrengung • Arbeit • Arm • Armut • arrogant • Arroganz • Ausbildung • beliebt • Berufung • Betrüger • Eingebildet • einsam • Eltern • Entführung • Familie • Freundschaft • Geld • Geschwister • Gier • Größenwahn • Karriere • Kriese • Kriminalität • Leben • Lebensziel • Liebe • Loyalität • Lüge • Luxus • Macht • Mut • Mysteriös • Neu • Normalität • Rätsel • Reich • Reichtum • Roman • Schönheit • Schule • Seele • Selbstbewusstsein • Selbstfindung • Snob • Studium • tussi • Verbrecher • Verschwendung • Verschwörung • Verständnis • Wahnsinn • Wert • Ziel • Zukunft • Zwillinge
ISBN-10 3-384-01211-9 / 3384012119
ISBN-13 978-3-384-01211-1 / 9783384012111
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