Liadan (eBook)
Buchschmiede von Dataform Media GmbH (Verlag)
978-3-99152-594-3 (ISBN)
Catalia Pavlo ist eine aus Österreich stammende Autorin, die mit ihren facettenreichen Geschichten die Fantasyherzen höher schlagen lässt. Catalia hat Anfang 2020 ihren Debütroman "Liadan" auf den Markt gebracht, der es in die Bestsellerlisten geschafft hat. Catalia hat selbst zwei Kinder und schreibt seit 2023 Kinderbücher und gestaltet die liebevollen Illustartionen selber.
Eins … Cajus
»Ich liebe dich, Bruderherz, aber du bist so ein Spießbürger. Die Nacht ist noch jung und ich lechze nach Liebe.«
Janes liebkoste den Hals des Freudenmädchens, das sich eng in dessen Schoß geschmiegt hatte, während Cajus sich seinen dunklen Baumwollumhang über den Rücken warf. Er hatte genug von den üblen Gerüchen der abgestandenen Getränke und des in Kohle geräucherten Essens, genug vom Pferdemistgeruch, der von der Straße hereingetragen wurde und vom nassen Wachhund, der sich neben seinem Tisch niedergelassen hatte.
»Es war ein langer Tag, wir sollten die Heimreise antreten.«
Die Frau, deren Rock so weit nach oben gerutscht war, dass selbst ein Blinder das Weiß ihres Unterrockes hätte sehen können, fing zu kichern an, während sein Bruder ihr etwas ins Ohr flüsterte.
»Janes«, mahnte Cajus.
»Bitte nicht schon wieder dieses Miesepeter-Gesicht. Du hast mein Wort, Brüderchen. Ich werde in den frühen Morgenstunden sittsam und artig in meinem Bettchen liegen. – Hab ich jemals zuvor mein Versprechen gebrochen?«
»Hast du je eins gehalten? – Bevor der Hahn im Morgengrauen kräht, will ich dich in deinem Bett sehen.« Cajus’ Blick schweifte angespannt durch den Raum, dann richtete er bedrohlich den Finger auf Janes. »Und sei gewiss, sollte ich dich dort nicht vorfinden, erhältst du eine Tracht Prügel.«
»Hmmm, ich könnte ewig an diesem Hals lecken. Ist das Honigseife?«, murmelte Janes der Maid in den Nacken.
Cajus rollte mit den Augen und stampfte zum Ausgang, von wo er noch einen letzten flüchtigen Blick auf seinen Bruder warf.
Draußen wehte ihm der warme, samtige Duft des Spätsommers, gemischt mit einer Prise Pferdemist und Brennholz, entgegen. Die untergehende Sonne tauchte den Wald, der sich neben der Straße zum Gasthof wie eine goldbraune Mauer auftürmte, in ein dämmriges Zwielicht. Wohltuende Stille umgab ihn, die einzig und allein vom Knirschen der Hufe seiner Stute auf bunt zusammengewürfeltem Laub und vom Spiel des Windes, der Zweige und Äste zum Tanzen brachte, unterbrochen wurde. Cajus trieb sein Pferd geschwinder an. Der Weg bis zur Burg schien endlos. Er wollte endlich aus dem Laubwald hinaus, denn mit ihm kamen die Erinnerungen.
Der Lärm unten am Tor weckte ihn aus einem leichten Schlaf. Der Morgen ließ noch auf sich warten, was ihm der Blick aus dem Fenster bestätigte. Er warf sich Mantel und Hose über und eilte mit dem unguten Bauchgefühl, das ihm schon seit Stunden den Tiefschlaf raubte, zur Zugbrücke. Auf dem Weg dorthin spähte er in Janes’ Zimmer, welches er verlassen vorfand. Schon aus der Ferne war es ihm möglich, dem Streitgespräch zwischen den Wärtern und dem jungen Mann, der sich am anderen Ende der Brücke aufhielt, zu lauschen. Als wiederholt der Name seines Bruders fiel, beschleunigte Cajus seinen Gang.
»Was will der Knabe?«
Die beiden Wachmänner verbeugten sich ehrfürchtig vor dem Prinzen. Sie deuteten mit dem Finger auf den jungen Mann neben dem heruntergekommenen Karren, der von einem verwahrlosten Ochsen gezogen wurde.
»Der Wein muss dem Jungen zu Kopf gestiegen sein. Vielleicht hat ihn auch sein Geist verlassen.«
»Prinz Cajus!« Der Bursche gestikulierte nervös mit den Händen auf und ab. »Ein Unglück ist geschehen. Euer Bruder!«
»Mach, dass du wegkommst, du Tölpel! Du schreckst noch jeden hier aus dem Schlaf!«, schimpfte der Wachmann.
»Lasst die Brücke herunter.«
»Mit Verlaub, Eure Hoheit, aber das ist nur ein verwahrloster Lump. Der König wäre mit Sicherheit nicht erfreut, wenn …«
»Das war keine Bitte.«
Cajus beobachtete den Jungen, der mit verängstigter Miene über die Brücke auf ihn zu stolperte.
»Prinz Cajus, ich – aua!«
»Du Tölpel sprichst Seine Hoheit mit Eure Hoheit an, hast du verstanden«, sagte der Wachmann, der dem Burschen gleich darauf einen weiteren unsanften Schubser gab.
Mit einem schiefen Seitenblick zum Wachmann fuhr der Junge fort. »Eure Hoheit, was Schreckliches, ich, am Fluss, der Prinz, er ist, sie hat ihn. Mein Ochse, er, er war durstig, ich, ich konnte nicht schneller da sein, mein Ochse, er humpelt.«
Cajus legte seine Hand auf dessen Schulter.
»Langsam, Junge, was willst du mir sagen?«
»Am Flussufer, nicht weit des Sonnwendhügels, da – da liegt der Kronprinz – tot.«
Cajus’ Augen weiteten sich. Sein Herz pochte bei diesen Worten so kräftig, dass er einen Schritt zurücktrat.
»Bist du dir da sicher?«
Der Bursche nickte und senkte den Blick, als erwartete er die schlagende Hand des Prinzen.
»Warte hier«, befahl Cajus ihm und stürmte in den Stall, wo er nach Janes’ Hengst Ausschau hielt. Als er diesen nicht auffand, sattelte er sein Pferd, warf sich auf dessen Rücken und galoppierte zum Tor zurück.
»Steig auf, Junge, du kommst mit mir.«
»Bitte vergebt mir, Eure Hoheit, ich hatte schreckliche Angst. Ich wollt nicht derjenige sein, der König Täve seinen toten Sohn bringt. Er hätt mich wahrscheinlich köpfen lassen. Ich wollt den Wachmännern nur erklären, wo sie ihn finden. Es war alles diese Hexe, sie war über ihn gebeugt, und als sie mich gesehen hat, is sie weggerannt.«
»Welche Hexe?«
»Na diese Prinzessin von Alandria. Ich hab gehört, dass man sie auch die Hexe von Alandria nennt.«
»Bist du dir sicher? Du hast Prinzessin Liadan von Alandria dort gesehen?«, fragte Cajus, wobei das üble Bauchgefühl in seinem Magen immer kräftiger zu gären schien.
»Ganz sicher. Ich hab die Königstochter schon einmal zu Gesicht bekommen und ich versichere Euch, die vergisst man nicht so schnell. Bitte um Vergebung, Prinz Cajus, das war unpassend. Na jedenfalls war ich mit meinem Onkel, möge seine Seele in Frieden ruhen, in Alandria. Er hat dort auf dem Markt seine Waren verkauft und getauscht. Die Prinzessin war an diesem Tag, begleitet von zwei Wachen, in der Stadt. Überall standen die Leute, um einen Blick auf sie zu werfen, höchstwahrscheinlich auch wegen der Geschichte mit dem Fürsten, den sie heiraten sollte und vergiftet hat. Letztendlich hat sie ein paar Worte mit meinem Onkel gewechselt und ihm dann einen seiner Stoffe abgenommen. Sie war überaus großzügig mit der Bezahlung. Mein Onkel hat dann ewig lang damit geprahlt.«
»Komm zum Punkt, Junge.«
»Bitte vergebt mir, das war erneut unpassend. Ich hab sie wiedererkannt. Ich weiß ganz sicher, dass sie es war, die ich gesehen hab.«
Mit jedem Hufschlag, der sie dem Sonnwendhügel näherbrachte, hämmerte Cajus’ Herz stärker gegen seine Brust. – Bitte lass es nicht Janes sein, wiederholte er in Gedanken immer und immer wieder. Bitte lass den Jungen sich geirrt haben. Er muss sich einfach getäuscht haben. Janes war nicht tot, er war nicht tot.
»Sag, Junge, was genau hast du noch gesehen?«
»Die Prinzessin war über Prinz Janes gebeugt, der blutverschmierte Dolch lag neben ihr auf dem Boden. Sie drückte etwas auf die Wunde an seiner Brust. Eine grün schimmernde Masse, wahrscheinlich Gift. Als sie mich sah, sprang sie auf, stolperte zu ihrem weißen Schimmel und ritt davon. Ich rief ihr noch nach, sie solle stehenbleiben, aber natürlich hat sie nicht auf mich gehört. Ich habe versucht …« Die Stimme des Jungen brach. »Es tut mir aufrichtig leid, Prinz Cajus. Dort hinten ist die Stelle.«
Der Bursche deutete auf eine Birke, deren Äste sich müde nach unten beugten. Daneben stand der gewaltige braune Hengst von Prinz Janes.
»Ich hätte ihn in meinem Karren mitnehmen sollen, doch ich hatte zu große Angst vor König Täve. Was, wenn mich jemand mit dem toten Kronprinzen im Wagen erwischt hätte? Ich war verwirrt, wäre ich vielleicht früher da gewesen, dann … Ich war so langsam, mein Ochse, er ist am Bein verletzt, ich habe …«
»Schon gut, Junge. Warte hier, ich werde allein gehen.«
Cajus rührte sich nicht von der Stelle. Er konnte nicht atmen, sich nicht aus seiner Starre lösen. Die Welt um ihn herum wurde dunkel. Er blinzelte den brennenden Schleier weg, der sich über seine Augen legte. Jeder Herzschlag war ein Donner, der seinen Körper erzittern ließ. Er starrte das totenbleiche Gesicht an, das zu einer ängstlichen Fratze mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund verzerrt war. Verflucht sollten die Götter sein! Wie konnten sie ihm so böse mitspielen? Die Lähmung löste sich und er stürzte neben der kalten, entseelten Gestalt, die einst sein Bruder war, zu Boden....
| Erscheint lt. Verlag | 31.8.2023 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| ISBN-10 | 3-99152-594-1 / 3991525941 |
| ISBN-13 | 978-3-99152-594-3 / 9783991525943 |
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