Das Mädchen mit den grünen Augen (eBook)
228 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-3186-9 (ISBN)
Der Autor ist promovierter Diplomkaufmann, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Viele Jahre war er Partner einer der großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Er lebt in Düsseldorf und hat einen Sohn und eine Tochter. In seiner Freizeit spielt er Golf und beschäftigt sich mit der byzantinischen Numismatik sowie der Kreation neuer Kochrezepte und der Auswahl der dazu passenden Weine. Nach dem im Vorjahr erschienenen Erstlingswerk 'Die Schlinge' ist dies sein zweiter Thriller, dessen Handlung wieder weitgehend in Düsseldorf spielt.
Ein Jahr später
Es war ein schöner sonniger Tag in Düsseldorf. Da in ihrer Praxis für Physiotherapie gleich zwei Kunden ihren Termin abgesagt hatten, entschloss sich Hanna Haller, ein paar Einkäufe zu erledigen. Sie bat ihre Kollegin, die Stellung zu halten, nahm ihre Einkaufstasche und machte sich auf den Weg. In der Apotheke holte sie sich eine Salbe für die rissige Haut an ihren Händen, und beim Bäcker kaufte sie eine große Tüte Brötchen für das Frühstück, die sie einfrieren und nach und nach auftauen würde. Dann ging sie in die Metzgerei. Sie war dort Stammkundin und kannte die Inhaberin schon seit vielen Jahren. Da sich kein anderer Kunde im Laden befand, war sie einem Schwätzchen nicht abgeneigt.
»Mein Sohn kommt mit seiner Familie, da muss ich selbstverständlich sein Lieblingsgericht machen, Rouladen mit Speck und Gurken gefüllt. Er sagt, sie schmecken nirgendwo so gut wie bei mir. Na, es liegt sicher auch an der Qualität Ihres Fleisches.«
»Danke, das freut mich. Sie wissen ja, das Fleisch kommt von zwei Bauernhöfen aus der Nachbarschaft. Das ist sicher viel besser als Fleisch aus einer der großen Fleischfabriken, wohin die Tiere von weit her transportiert werden. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen der Rouladen.«
»Danke, sie werden bestimmt so gut, dass mein Sohn wiederkommt.«
Sie lachte und bezahlte die Rouladen.
»Tschüss und machen Sie´s gut.«
»Ja, tschüss, und alles Gute.«
Hanna Haller öffnete die Ladentür und trat heraus.
Als sie auf der Stufe vor der Tür stand, explodierte ihr Hals, und eine hohe Blutfontäne spritzte aus der Schlagader über das Schaufenster. Halb gegen die Ladentür gelehnt sackte ihr Körper zusammen.
Es waren nicht viele Passanten auf der Straße. Zwei schrien entsetzt auf und blieben vor Hanna stehen, andere rannten weg und suchten rasch Deckung. Die Metzgerin stürzte zur Tür und hielt sich die Hand vor den Mund. Sie beugte sich zu dem blutüberströmten Körper herunter und rang um Fassung. Es dauerte einige Momente, bis sie in der Lage war, in den Laden zurückzugehen, um den Notarzt und die Polizei zu rufen.
Die Polizei war sehr schnell da und spannte rundherum Flatterband. Der Notarzt kam etwas später, sagte nach einem Blick auf den leblosen Körper, die Frau sei tot und entfernte sich wieder, denn er wurde schon wieder dringend an einem anderen Ort gebraucht, und hier konnte er tatsächlich nichts mehr ausrichten.
Da wahrscheinlich ein Tötungsdelikt vorlag, riefen die Streifenpolizisten die Spurensicherung und befragten die Zeugen des Ereignisses. Das waren die Metzgerin, ein junges Paar und ein alter Mann mit schlohweißem Haar, die zufällig am Ort des Geschehens gewesen waren, und die die Ankunft der Polizei abgewartet hatten.
Keiner hatte einen Angriff auf Hanna Haller bemerkt oder einen Schuss gehört.
Im Aluminiumrahmen der Ladentür fand die Spurensicherung ein Projektil. Das war alles, sonst fand man nichts. Immerhin war damit klar, dass die Tote erschossen worden war, aber weder vor den Nachbarhäusern noch auf der anderen Straßenseite fand man eine Patronenhülse. Die Spusi machte reichlich Aufnahmen von der Toten und der unmittelbaren Umgebung, dann wurde der Körper der toten Hanna Haller in einen Aluminiumsarg gelegt und abtransportiert.
*
Das große Besprechungszimmer der Kriminalpolizei machte einen düsteren und heruntergekommenen Eindruck. Zwei fast vertrocknete Grünpflanzen auf der Fensterbank verstärkten diesen Eindruck noch. Der Raum war groß, aber das Mobiliar uralt, der große Tisch in der Mitte war mit Flecken übersät, und die hölzernen Stühle wackelten, eine bessere Beleuchtung und ein neuer Anstrich waren dringend nötig, aber die Politiker vergoldeten lieber ihre eigenen Büros, als dass sie Mittel für die Renovierung des Polizeipräsidiums genehmigten.
Um den in die Jahre gekommenen Holztisch saßen Kriminalhauptkommissar Mads Müller, Kriminalkommissar Theo Trappke und die beiden Kommissaranwärterinnen Stefanie Steppenfeld und Jule Berghaus, als der Leiter der Mordkommission Kriminalrat Carl Krone eintrat. Jule Berghaus hatte fünf Pappbecher mit Kaffee besorgt und schob ihm einen Becher hin. Sie und Stefanie Steppenfeld verdankten ihre Anwesenheit der katastrophalen Personalsituation. Zwanzig Prozent der Planstellen waren nicht besetzt, weitere dreißig Prozent der Beamten waren für Sonderaufgaben abgeordnet, krank oder auf Weiterbildungskursen, die vornehmlich dem Kampf gegen Rassismus galten. Nur weil Krone gedroht hatte, sich wegen dieser Situation an die Presse zu wenden, hatte der Polizeipräsident die beiden jungen Frauen von der Polizeischule kurzerhand der Mordkommission zugeordnet. Krone hatte mit den Zähnen geknirscht und sie in einer internen Besprechung als »unser letztes Aufgebot« bezeichnet, aber ihm war damit der Wind aus den Segeln genommen. Auch der Polizeipräsident konnte sich das Personal nicht aus den Rippen schneiden.
Krone war Anfang fünfzig, mittelgroß und noch einigermaßen schlank, seine einstmals blonden Haare fingen an, grau zu werden. Sie schienen immer die gleiche Länge zu haben, offenbar ging er häufig zum Friseur. Wie immer trug er einen grauen Anzug mit passender Krawatte. Er war hier nicht nur der Älteste, sondern auch der Vorgesetzte und wollte auch äußerlich auf Abstand achten. Darum siezte er auch seine Mitarbeiter, die sich untereinander duzten. Er wurde als ruhig, sachlich und unvoreingenommen geschätzt.
Müller und Trappke waren beide mittleren Alters, alte Hasen der Polizeiarbeit, aber auch desillusioniert und ohne Hoffnung auf weitere Karriereschritte. Trappke hatte eine Stirnglatze und drumherum sehr kurz gehaltene Haarreste. Jahraus, jahrein trug er dieselben Jeans und immer gleiche Holzfällerhemden. Ein neues Paar Schuhe kaufte er erst, wenn die alten kaputt waren.
Müller war zwar auch eher nachlässig gekleidet, aber er bemühte sich doch um gelegentliche Abwechslung und versuchte, mit der Mode zu gehen. Er hatte volles schwarzes Haar, das über den Nacken und den Ohren hing, so dass er ständig den Eindruck erweckte, ein Friseurbesuch sei dringend nötig. Aber er war stolz auf seine Haarpracht, von der er glaubte, sie verliehe ihm ein jugendliches und kraftvolles Aussehen.
Die beiden Kommissaranwärterinnen Steppenfeld und Berghaus waren vom Typ her ganz ähnlich. Beide waren mittelgroß und schlank, noch sehr jung, hatten eine makellose Haut und sahen ausgesprochen attraktiv aus. Beide machten einen sportlichen, durchtrainierten Eindruck. Während Berghaus blond war, hatte Steppenfeld die seltene Kombination von dunklen Haaren und hellblauen Augen. Beide trugen ebenfalls Jeans, die aber im Gegensatz zu denen der beiden Kommissare neu, sauber und fleckenlos waren. Die Jeans und der Pullover saßen bei der Steppenfeld merklich knapper als bei der Berghaus. Schlank wie sie war, musste sie die Kleidungsstücke von vornherein eine Nummer zu klein gekauft haben. Bei ihren männlichen Kollegen galt sie als scharfe Schnitte. Beide Frauen waren voller Enthusiasmus für ihren Beruf, sie sahen sich ganz am Anfang ihrer Karriere und hofften, durch Leistung und Einsatzbereitschaft weit nach oben zu kommen.
Krone prüfte wie immer den Sitz seiner Krawatte, ehe er anfing.
»Schön, dass alle da sind, und wir keine weiteren Ausfälle haben. Wie Sie wissen, gab es einen Todesfall in der Steinstraße. Das Opfer ist Hanna Haller, Physiotherapeutin, 54 Jahre alt, geschieden, wohnt im Haus ihrer Mutter. Ein Sohn lebt in Ingolstadt. Sie ist polizeilich bisher nicht in Erscheinung getreten, nicht einmal Verkehrsverstöße sind aktenkundig. Sie wurde vermutlich durch den Schuss aus einer Büchse getötet. Wir haben ein Projektil gefunden, das die KTU gerade untersucht. Da niemand den Schuss gehört hat, muss er aus einer großen Entfernung abgegeben worden sein.«
Er machte eine Pause.
»Auf eine Obduktion können wir verzichten?«
Mads Müller war vielleicht nicht das hellste Licht auf der Torte, aber er sah unverschämt gut aus und war deshalb zum Polizeisprecher ernannt worden. Er war es, der immer im Fernsehen erschien, wenn die Polizei etwas zu sagen hatte. Die beiden jungen Frauen taten so, als ignorierten sie ihn, tatsächlich aber warfen sie ihm immer wieder verstohlene Blicke zu, was natürlich alle bemerkten. Es hieß auch, er könne sehr gut kochen. Frauen liebten das. Ein ausgezeichneter Amateurkoch als Lebensgefährte war ein Statussymbol wie ein SUV oder eine Rolex.
»Ja, die Todesursache ist völlig klar. Wir verzichten auf eine Leichenöffnung. Ich schlage vor, wir sehen uns jetzt alle den Tatort an.«
Von der Fahrbereitschaft bekamen sie zwei Autos und fuhren damit zum Tatort. Krone und Müller saßen in einem neueren VW Golf, Trappke und die beiden Frauen in einem älteren Skoda.
Sie kamen fast gleichzeitig an. Das Flatterband war entfernt worden, das Fenster war geputzt, nur auf dem Boden erinnerte noch eine dunkle Stelle daran, dass hier eine Blutlache gewesen war. Im Aluminiumrahmen der...
| Erscheint lt. Verlag | 25.8.2023 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-7568-3186-8 / 3756831868 |
| ISBN-13 | 978-3-7568-3186-9 / 9783756831869 |
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