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Der Waffenmeister (eBook)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
114 Seiten
tolino media (Verlag)
978-3-7546-3091-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Waffenmeister -  Reimon Nischt
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Was haben ein Waffenmeister während der Wikingerzeit und ein Kühlschrank in der Zukunft gemeinsam? Sie geben beide vor, etwas zu sein, was sie nicht sind. Der Waffenmeister ist ein Androide einer fremden Zivilisation, der in Menschengestalt das Leben der Wikinger begleitet und mit seinen Eingriffen, es gerechter zu machen, zwischen die Fronten gerät. Der Kühlschrank kann sprechen und besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit Bücher so vorzulesen, daß die Zuhörer seinen Geschichten gebannt lauschen. Das erstaunt auch seinen Besitzer, der sich fragt, was es mit diesem Talent auf sich hat. Der Roman verwebt die beiden unterschiedlichen Geschichten auf spannende Weise.

Reimon Nischt absolvierte ein Ingenieurstudium und war danach als Konstrukteur, Kinomacher und freiberuflicher Fotograf tätig. Gegenwärtig arbeitet er als Softwareentwickler in einer mittelständischen Firma. Seit dem Jahr 2001 hat er das Schreiben für sich entdeckt.

Reimon Nischt absolvierte ein Ingenieurstudium und war danach als Konstrukteur, Kinomacher und freiberuflicher Fotograf tätig. Gegenwärtig arbeitet er als Softwareentwickler in einer mittelständischen Firma. Seit dem Jahr 2001 hat er das Schreiben für sich entdeckt.

1

 

Mit der aufgehenden Sonne kam die Insel in Sicht. Olav stand am Bug seines Schiffes und konnte den Blick nicht abwenden. Diese Insel war seine Heimat. Dort kannte er buchstäblich jeden Baum und Strauch und als Junge hätte er sich niemals träumen lassen, daß sie eines Tages für ihn zu eng werden könnte. Doch seit dem Erreichen des Mannesalters verspürte er ein nie zuvor gekanntes Fernweh. So war er vor mehr als einem Jahr mit einer Handvoll Männer aufgebrochen, unbekannte Meere zu befahren und fremde Länder zu entdecken. Nun ging ihre Reise zu Ende.

Sein Blick verschwamm durch die von Tränen benetzten Augen. Mit dem Handrücken wischte er sie trocken. Niemandem, der Olav mit seiner Axt eine Schneise durch gegnerische Mannen hatte schlagen sehen, wäre in den Sinn gekommen, ihn sentimental zu nennen. Doch der Anblick dieser Insel ließ alle Härte seines Wesens schwinden.

Inzwischen war die Insel so deutlich zu sehen, daß Olav Details ausmachen konnte. Er erkannte die Landzunge wieder, hinter der eine Bucht lag, die von einer aus Holz erbauten Burg beschützt wurde, die seinem Vater, dem Jarl der Insel, gehörte. Die Insel war, verglichen mit der Welt, die er gerade bereist hatte, winzig. Auch mit der Bezeichnung Jarl ging man etwas zu großspurig um. Jarl nannte sich hier jeder, wenn ihm auch nur eine Bucht gehörte. Nach den Maßstäben der südlichen Länder wäre sein Vater nur ein kleiner Burgherr. Doch sein Reichtum verlieh ihm hier die Macht, die eines Fürsten würdig war. 

Der tiefe Ton eines Horns schallte von der Insel herüber. Die Wachtposten hatten das Schiff entdeckt und verkündeten ihre Ankunft. Als sie in die Bucht einfuhren, schien es Olav, daß alle Inselbewohner am Ufer versammelt waren, um die kleine Schar von Abenteurern willkommen zu heißen. Unter den Anwesenden erblickte er seinen Vater, der, zusammen mit Vagar, dem Waffenmeister, und seinem Bruder Sigvald, in vorderster Reihe stand.

Olav durchsuchte die Menge nach einem bestimmten Gesicht. Schließlich fand er Gunnel, die Tochter des Schmieds, in der hintersten Reihe stehen. Er suchte ihren Blick und nachdem sie sich für wenige Sekunden in die Augen gesehen hatten, nickte sie ihm zu und ging davon. Olav war über ihren Weggang erstaunt und konnte sich keinen Reim darauf machen. Sollte sie nach über einem Jahr immer noch schmollen, daß er sich für das Abenteuer der Ferne und gegen die Enge der Heimat entschieden hatte? Gunnel mußte doch einsehen, daß er die Welt zu erkunden hatte, bevor er sich auf der Insel niederlassen konnte. Seine Entscheidung war nicht gegen sie gerichtet gewesen.

Seine Leute warfen Taue an Land und nachdem das Schiff festgemacht hatte, sprang Olav von Bord. Sein Vater kam auf ihn zu, reichte ihm die Hand und nahm ihn in die Arme. Anschließend drückte Sigvald ihn fest an seine Brust und schlug ihm so hart auf die Schultern, das Olav sich wünschte, eine von den eisernen Rüstungen zu tragen, wie es bei den Rittern im Süden Sitte war. Doch für einen Seefahrer waren solche Dinge nur unnützer Tand.

Nachdem der letzte Seefahrer von Bord gegangen war, verkündete sein Vater mit dröhnender Stimme, daß ein Fest zu Ehren der Heimkehrer stattfinden solle, was alle Anwesenden jubeln ließ.

 

Olav lief barfuß durch das warme Gras. Eine Wohltat für seine Füße, die lange auf diese Liebkosung hatten warten müssen.

Von Sigvald hatte er erfahren, daß Gunnel inzwischen verheiratet war. Obwohl er gewußt hatte, daß sie eines Tages einen Mann ehelichen würde, der die Schmiede ihres Vaters übernehmen sollte, versetzte es ihm doch einen Stich. Schließlich waren er und Gunnel zusammen aufgewachsen. Olav erinnerte sich noch recht gut an den Tag, als er zu seinem Vater in einer offiziellen Angelegenheit, wie es geheißen hatte, bestellt worden war. Sein Vater war ohne Umschweife zum Thema gekommen.

„Nimm dir das Mädchen für eine Nacht. Mehr kann sie nicht erwarten, außer vielleicht einen Bastard als Erinnerung an dich. Ich weiß zwar nicht, was dir an dem dürren Huhn gefällt, aber es sind ja deine Rippen, die du dir stößt. Du wirst die Tochter eines Jarls heiraten, der keine männlichen Erben hat. Das ist deine Bestimmung. Ich denke, wir sind uns einig.“

Nach diesen Worten wäre Olav am liebsten vor Scham im Boden versunken. Wie konnte sein Vater nur so über Gunnel reden. In manch einsamer Nacht auf dem Schiff hatte Olav an Gunnel denken müssen und bereut, daß sie es nie miteinander getan hatten.

Dank dieser Fahrt war Olav zu einem stattlichen Vermögen gelangt. Sie hatten Schiffe gekapert, Lösegelder erpreßt und, wenn es sich anbot, Handel getrieben. Er hatte die nötigen Mittel beisammen, die eine Brautwerbung erforderten. Doch soweit, daß er sich binden wollte, war er noch nicht.

Das Fest zu Ehren der Heimkehrer hatte bis in die Morgenstunden gedauert. Olav war zeitig gegangen und hatte die Arena den Trinkern und Essern überlassen. Während er übermütig wie ein kleiner Junge durch das Gras lief, schliefen die anderen noch ihren Rausch aus.

„Grüß dich, Olav.“

Eine helle Stimme riß ihn aus seinen Betrachtungen, eine Stimme, die er kannte.

„Sei auch du gegrüßt, Gunnel.“

„Du bist während deiner Abwesenheit förmlich geworden.“

„Und du hast geheiratet.“

„Was hast du erwartet? Mein Vater suchte einen Nachfolger für die Schmiede. Das hast du schon immer gewußt.“

„Ja. Ich soll demnächst auch auf Brautschau gehen.“

„Mädchen und Zweitgeborene haben ähnliche Schicksale.“

„Mach dich nicht über mich lustig.“

„Verbiete mir doch nicht meine einzige Freude. Mein Mann ist lieb und gut, doch necken kann ich nur dich. Er hat keinen Sinn dafür.“

„Du hättest auf mich warten sollen.“

„Wie oft hast du dich deinem Vater widersetzt?“

„Er ist der Jarl, das ist etwas anderes.“

„Ist es nicht. Ich habe meinem Vater gehorcht und du gehorchst deinem. Du bist als Held zurückgekehrt. Beweise deinen Mut und brenne mit mir durch. Hole deine Mannschaft zusammen und laß uns heute Nacht davon segeln.“

Gunnel schaute Olav fest an. Er erwiderte nichts und wich ihrem Blick aus.

„Das habe ich mir gedacht. In unseren Träumen tragen uns Flügel durch die Lüfte, doch wenn wir erwachen, stellen wir ernüchtert fest, daß wir an die Erde gebunden sind.“

Verlegen lächelnd zog Olav eine kleine Schatulle aus seiner Brusttasche und reichte sie der jungen Frau. Gunnel entnahm der Schachtel eine aus Silber gefertigte Kette und besah sich die filigrane Arbeit. Olav erkannte an ihrem Gesichtsausdruck, wie sehr ihr das Geschenk gefiel.

„Danke, daß du an mich gedacht hast. Doch ich bin jetzt verheiratet. Ein Geschenk von einem anderen Mann anzunehmen und dazu noch ein so schönes, wäre nicht schicklich. Ich werde dich immer in guter Erinnerung behalten.“

Gunnel gab ihm die Kette zurück. Sie deutete einen Knicks an, den die feinen Damen im Süden so gut beherrschten und lief, ohne sich umzudrehen, davon.

Olav sah ihr nach. Gunnel hatte recht, was die Kette betraf und in allem anderen auch. Ihre gemeinsame Zeit war endgültig vorbei. Das konnte er auch an Gunnels kleinem Bäuchlein sehen, welches von baldigem Nachwuchs kündete.

 

Olav begab sich zum Waffenmeister, der ihm bereits in jungen Jahren das Kämpfen mit den unterschiedlichsten Waffen beigebracht hatte. Der alte Vagar war immer noch ein stattlicher Mann, obwohl er bereits mehr als 40 Sommer gesehen hatte.

„Sei gegrüßt Vagar, mein Freund und Lehrmeister. Auf dem Fest hat es keine Möglichkeit einer richtigen Begrüßung gegeben. Wie wäre es jetzt mit einer Lektion für den Heimkehrer?“

„Olav, der Eroberer, sieht nach den Alten und Gebrechlichen. Du hast in der großen, weiten Welt alle Gegner bezwungen und bist gekommen, mich ebenfalls zu bezwingen. Dein Lächeln verrät dich.“

„Keineswegs. Ich habe einiges dazugelernt. Wenn man dem Tod in die Augen sieht, kann man nicht rufen: Haltet ein, ich ergebe mich!“

„Das ist wohl wahr. Schwerter oder Äxte?“

„Schwert und Schild. Mit der Axt habe ich schon so viele Häupter gespalten, daß es eine Weile reichen sollte.“

„Hört, hört. Das klingt ja recht bescheiden.“

Olav legte ein Lederwams an und nahm ein schlichtes Schwert von der Wand, an der noch wenigstens zwanzig weitere in unterschiedlichen Größen und Formen hingen. Das Schwert lag gut in seiner Hand.

Die beiden Männer nahmen auf dem Übungsplatz Kampfaufstellung ein. Olav führte den ersten Angriff aus. Sein Schwert prallte auf Vagars Eichenschild, daß es Holzsplitter hagelte. Der Alte schlug schnell zurück. Olav hatte gerade genug Zeit, sein Schild zur Abwehr hochzureißen.

Der Tanz der Schwerter begann. Die beiden Männer schlugen aufeinander ein, als gäbe es kein Morgen. Der dumpfe Klang von Eisen gegen Holz wurde vom Wind über die Bucht hinaus davongeweht. Olav wußte wieder, warum er Vagar niemals zuvor besiegt hatte und die Chance, daß es ihm jetzt gelang, immer unwahrscheinlicher wurde. Er schaffte es nicht, mit der nie erlahmenden Ausdauer seines Lehrmeisters mitzuhalten.

Wie zum Beweis wurde Olavs Schild von einem furchtbaren Schlag halbiert. Doch der junge Kämpfer reagierte reflexartig, sprang dem Waffenmeister entgegen, rollte vor ihm ab und ehe Vagar zum Schlag ausholen konnte, stieß ihm Olav die Schwertspitze gegen die Brust.

„Vorbei, alter Mann.“

Vagar senkte sein Schwert und strahlte über das ganze Gesicht.

„Du hast mich besiegt. In der Fremde bist du zu einem Kämpfer geworden. Doch mit dieser tollkühnen Rolle...

Erscheint lt. Verlag 7.1.2022
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Abenteuer • Dystopie • Science-fiction
ISBN-10 3-7546-3091-1 / 3754630911
ISBN-13 978-3-7546-3091-4 / 9783754630914
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