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Narrenbraut -  Katharina Maier

Narrenbraut (eBook)

Die Erste Tochter 3
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
601 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6249-7 (ISBN)
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(CHF 3,90)
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Ein Planet. Eine Frau. Ein Kampf. Myn steckt fest. Zu spät erkennt sie, dass sie sich zu leicht und zu schnell in ein Schicksal gefügt hat, für das sie nicht gemacht ist. Warum nur kann sie sich nicht in das Leben einer Ehefrau pressen wie jede andere gute Singisin auch? Während der Planet Singis unter der Regentschaft seines neuen Alleinherrschers scheinbar zur Ruhe kommt, sucht Myn, die Tochter einer verurteilten Ketzerin, verzweifelt nach einer Überlebenstaktik. Doch als der frischgekrönte Feldherr des Wy ihren geliebten Bruder zwangsweise für seine Weltraumarmee rekrutiert, zerbricht etwas in ihr. Die Angst vor dem Tod hat sie in eine ungewollte Ehe getrieben. Doch jetzt? Myn scheint, dass es Schlimmeres gibt als den Tod. Die Mutter ermordet, sie selbst verschachert, ihre Familie zerrüttet ... Ihre Fügsamkeit hat nichts davon verhindert. In Myn beginnt sich ein Drache zu regen, der nach Freiheit brüllt. Und dann gibt es da auch noch die Liebe ... In 7 Bänden erzählt 'Die Erste Tochter' von einer fremden Welt und von einer Frau und drei Männern, die diese Welt für immer verändern. Teil 3: Eine Frevlerin findet sich wieder

Katharina Maier ist zwischen den bewaldeten Hügeln der Oberpfalz geboren. Was das Schreiben angeht, hat alles angefangen mit einem Märchen über eine Taube und eine weiße Hirschkuh, die sich ineinander verliebten und sehr glücklich wurden. Heute schreibt sie Sachbücher über Literatur im weitesten Sinne und Future-Fantasy-Geschichten von epischer Länge, in denen mal mehr Future und mal mehr Fantasy steckt. Katharina Maier lebt in Augsburg.

Katharina Maier ist zwischen den bewaldeten Hügeln der Oberpfalz geboren. Was das Schreiben angeht, hat alles angefangen mit einem Märchen über eine Taube und eine weiße Hirschkuh, die sich ineinander verliebten und sehr glücklich wurden. Heute schreibt sie Sachbücher über Literatur im weitesten Sinne und Future-Fantasy-Geschichten von epischer Länge, in denen mal mehr Future und mal mehr Fantasy steckt. Katharina Maier lebt in Augsburg.

Morgen

Der Blick der Frau ruhte auf dem halb entblößten Körper des schlafenden Mannes. Er lag auf dem Bauch, das Gesicht ihr abgewandt. Die dünnen, cremefarbenen Decken waren bis fast unter seine Hüfte gerutscht und malten so ein beinahe klischeehaftes Tableau. Die Frau saß nackt auf dem Bett, den Zipfel einer der Decken über ihren Schoß gelegt. Ihr wildes Feuerhaar mischte sich mit dem cremigen Weiß, eine Farbkombination, die ihr Freude gemacht hätte, hätte sie ihren Blick lange genug von der Rückenlinie ihres Bettgefährten abgewandt. Vor den Fenstern überzog eine dicke Wolkenschicht den Himmel, die das Sonnenlicht silbern auf die Welt sickern ließ. Es war ein gedämpfter Tag, und der Frau erschien das passend. Sie wusste, sie hätte abgestoßen sein sollen, angewidert sogar, und sie sollte sich beschmutzt fühlen. Für den Bruchteil eines Augenblicks letzte Nacht hatte sie das auch getan. Doch der junge Mann in ihrem Bett hatte etwas an sich, das ihr das Herz weitgemacht hatte, so wenig sie es rational nachvollziehen konnte. Und sie war eine rationale Frau, Pektay Fno, immer schon gewesen. Dass sie auch leidenschaftlich war, änderte nichts daran. Deswegen saß sie jetzt nackt auf ihrem Bett und versuchte zu analysieren, was letzte Nacht passiert war. Sie war ausgezogen, einen Jüngling zu verführen, und jetzt war ihr etwas in die ausgebreiteten Hände gefallen, von dem sie nicht wusste, ob sie es haben wollte.

Ein Teil von ihr wünschte, sie hätte auf den jungen Sar gehört, der sie vielleicht warnen hatte wollen. Oder auch nicht. Ein wenig hatte sie das Gefühl, dass sie nicht so recht wusste, wem sie da gestern Abend begegnet war, doch gewiss nicht dem leichtherzigen, blitzeäugigen Glanzjungen, als den sie Ftonim Sar kennen und ein klein wenig lieben gelernt hatte. Genug jedenfalls, um ihn mehr als einmal in ihr Bett zu lassen. Und was sollte sie nun mit dem jungen Nordler anfangen, den Ftonim so krallenbewehrt gehütet hatte wie ein Frn-Weibchen ein Nest voller Neugeborener? Wusste Ftonim es, dieses Geheimnis, das sie alle verbrennen konnte?

Pektay schürzte die Lippen. Das Herz hämmerte ihr zwischen den Rippen, und sie mochte das Gefühl nicht. Es bedeutete nie etwas Gutes. Ihr Blick glitt langsam von der Wurffalte der cremefarbenen Decke aus empor und wurde eingefangen von schläfrig geöffneten Augen, die dieselbe Farbe hatten wie das silbrige Halblicht vor ihrem Fenster. Pektay spürte, wie sie rot wurde. Sie hatte noch nie ein Problem mit Nacktheit gehabt, aber unter diesem Blick fühlte sie sich auf eine völlig ungekannte Art und Weise entblößt.

»Habe ich dir tatsächlich erzählt, was ich glaube, dass ich dir erzählt habe?«, fragte er. Seine Stimme war rau, aber ansonsten machte er nicht den Eindruck eines Mannes, der die Mengen an Alkohol konsumiert hatte, wie er es letzte Nacht getan hatte. Wie ungerecht.

»Mhm«, antwortete sie unverbindlich.

Er richtete sich ein wenig auf und stützte den Kopf in die rechte Hand. Die Decke rutschte noch ein Stückchen weiter. Pektay hatte ein wenig Schwierigkeiten, den Augenkontakt aufrechtzuerhalten, von dem sie wusste, dass sie ihn nicht brechen durfte.

»Warum bist du dann noch hier?«, fragte er ruhig.

»Das hier ist mein Haus«, wandte sie sachlich ein. Ihre Wohnung, genauer gesagt, die über ihrer Buchhandlung im Herzen der singisischen Hauptstadt lag. Ihre Stadt, ihre Wohnung, ihr Bett. Er war ein Fremder hier – in so vieler Hinsicht.

Der junge Nordler zuckte mit den Schultern, viel zu gelassen. »Gut, also: Warum bin ich noch hier?«

»Ich weiß es nicht.«

»Hm«, machte er.

»Hm«, machte sie.

Eine Weile sahen sich die beiden einfach nur an.

»Du hättest längst die Wystreiter rufen können«, meinte er schließlich nüchtern. Pektay schnaubte.

»Und zusehen, wie sie einen weiteren Neoly den Flammen und der Menge zum Fraß vorwerfen? Durch meine Schuld? Nur über meine Leiche!«

Er sah sie immer noch so an, als läge nicht sein Leben in ihren Händen. Als wäre sie lediglich ein interessantes Rätselspiel, das es zu entschlüsseln galt. Sie seufzte unter diesem Blick.

»Du bist Lys’ Sohn«, sagte sie leise. »Zumindest hat sie dich großgezogen, und ich weiß, dass sie dich über alles geliebt hat. Das hätte sie nicht getan, wäre etwas Schlechtes in dir.«

»Ich liebe meine Schwester.«

Es klang jetzt, im silbrigen Licht des gedämpften Tages, nicht weniger welterschütternd als in der Dunkelheit der letzten Nacht. Pektay verzog keine Miene.

»Na und? Das tun viele.«

»Pektay«, sagte er, halb bittend, halb vorwurfsvoll. Bis dahin war sie sich durchaus nicht sicher gewesen, ob er sich an ihren Namen überhaupt erinnerte.

»Was?«, fragte sie und es schlich sich ein wenig von der Hysterie in ihre Stimme, von der sie nicht gewusst hatte, dass sie sie empfand. »Willst du, dass ich dich aus meinem Haus werfe? Willst du, dass ich dich verfluche und voller Abscheu vor deiner Berührung zurückweiche? Willst du, dass ich die Streiter rufe und den Wyorden, damit sie dich aus dieser Welt brennen?«

Endlich senkte er den Blick. Auf einmal sah er so jung aus, wie er war.

»Natürlich nicht.«

Pektay machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen einem Schnauben und einem Seufzen lag, und strich ihm vorsichtig das Haar aus dem Gesicht. »Warum kannst du dann nicht einfach akzeptieren, dass ich nichts davon tun werde?«

Er blickte auf, und seine Verletzlichkeit traf sie mitten ins Herz. Sie wollte es nicht, aber es war schon zu spät, und sie wollte es doch. Verdammt, dachte sie. Wenn sie sich schon vergaffte, warum dann nicht in einen der vielen Männer, die ihr ihr Herz schenkten, weil es frei war? Pektay beugte sich vor. Ihr Haar fiel um ihre bloßen Brüste, und sie lächelte ihn an.

»Warum bleibst du nicht und wir frühstücken zusammen? Ich werde dir nichts kochen, das sage ich dir gleich, aber wir können uns etwas kommen lassen. Und danach kann ich dir zeigen, dass mir ganz egal ist, wen du liebst.«

In jeder anderen Situation hätte dieser Satz furchtbar geklungen, und vielleicht tat er das sogar jetzt, doch er zauberte ein strahlendes Lächeln auf die Züge des jungen Nordlers. Oh Göttin, dachte Pektay. Vairrynn lehnte sich ihr zu und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.

»Danke«, sagte er, und Pektay hatte das Gefühl noch nie ein ehrlicheres Wort aus dem Mund eines Mannes gehört zu haben.

»Bitte«, entgegnete sie mit einem sinnlichen Lächeln, das er erwiderte.

»Ich kann nicht bleiben«, meinte er, noch mit diesem Lächeln auf den Lippen.

Sie runzelte verwirrt die Stirn, ein wenig gekränkt auch.

»Da gibt es jemanden, bei dem ich sein muss«, erklärte er.

»Ah, ich verstehe. Die Schwester.«

»Ja. Die Schwester«, entgegnete Vairrynn und schlug die Decke zurück.

Pektay beobachtete ihn sinnend, während er seine Kleider zusammensuchte. Plötzlich war sie kein Abstraktum mehr, diese Liebe zu seiner Schwester, und auch kein verdammenswerter Frevel, den sie zu übersehen bereit war, weil sie eine aufgeklärte und großmütige Singisin war; vielmehr spürte sie auf einmal die Gegenwart der anderen Frau wie eine dritte Person im Zimmer, und ihre Nackenhaare stellten sich auf. Sie überlegte, ob er letzte Nacht überhaupt an sie, Pektay, gedacht hatte, während er in ihren Körper eindrang, und die Frage weckte ein ehrgeiziges Feuer in ihr.

»Kommst du wieder?«, fragte sie schnurrend.

Vairrynn, der gerade dabei war, sein Hemd von ihrem kleinen, mit Nachtfaltern besetzten Lüster zu klauben, blickte überrascht zu ihr herüber. »Wenn du das möchtest …«

Pektay, die sich dekorativ auf die cremeweißen Decken drapiert hatte, lächelte hintersinnig. »Ich werde hier auf dich warten.«

Vairrynns Augenbrauen rutschten nach oben.

In meiner Hochzeitsnacht tat ich kein Auge zu. Sobald der Morgen zu dämmern und Licht durch die Fenster zu sickern begann, erhob ich mich und ließ meinen schwer atmenden Ehemann in dem Bett zurück, von dem ich mehr als je zuvor hoffte, er würde nicht erwarten, dass ich es Nacht für Nacht mit ihm teilte. Mynrichwy Nuggr. Das war jetzt mein Name. Nicht länger Neoly, vielleicht auch nicht mehr Myn. Mir war, als bestände ich aus Glas, und ich bewegte mich äußerst behutsam. Was würde wohl passieren, wenn ich zerbrach?

Unbehaglich fuhr ich mir über die Arme und bereute es sogleich; ich hatte vergessen, dass ich nackt war, und jetzt hatte ich das Gefühl, meinen Ehemann auf meiner bloßen Haut zu spüren. Es schüttelte mich. Eilig griff ich nach dem braun-gold melierten Seidenkleid, das Ftonim mir geschenkt hatte, und zog es über. Sofort fühlte ich mich besser, als würde es mich zusammenhalten und verhindern, dass ich in tausend Stücke zersprang. Ich musste unbedingt daran denken, dem jungen Sar zu danken, sobald es mir wieder gestattet sein würde, ihn zu sehen. Einen Augenblick lang erlaubte ich mir den Luxus, ihn zu vermissen. Es fühlte sich so vertraut an, dass es tröstlich war. Dann holte ich tief Atem und machte mich bereit, mein neues Leben zu beginnen.

Ich hatte einige Kleider für mich in Juffgams Schrank gefunden – eine Geste, die vielleicht nichts anderes bedeutete als Rücksichtnahme von Seiten meines Ehemannes, mich jedoch nichts Gutes ahnen ließ. Alle waren sie Hauptstadtmode und, mehr noch, in der eigenartig schweren Schlichtheit gehalten, die typisch für meine neue Familie war. Für die Großen Alten Nuggrs schien selbst Prunk funktional zu sein – ein Mittel, um ihren Reichtum und...

Erscheint lt. Verlag 14.9.2023
Reihe/Serie Die Erste Tochter
Die Erste Tochter
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Außerirdische • Diversität • Emanzipation • Familiendrama • Liebesgeschichte • Telepathie • Weltraum
ISBN-10 3-7565-6249-2 / 3756562492
ISBN-13 978-3-7565-6249-7 / 9783756562497
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