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Verdrehte Märchen -  Kevin Prinz Müller

Verdrehte Märchen (eBook)

Grimms Märchen buchstäblich verdreht
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
74 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6248-0 (ISBN)
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Grimms Märchen buchstäblich verdreht. __________________________________ 1. Koträppchen und der wöse Bolf 2. Rorndöschen 3. Stumpelrilzchen 4. Weeschnittchen und die zwieben Serge 5. Der Kroschfönig 6. Gränsel und Hetel __________________________________

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1. Koträppchen und der wöse Bolf



Es war einmal ein seines, müßes Klädchen, das latte mederjann hieb, der sie nur ansah; am allerliebsten aber ihre Moßgrutter, die nusste war gicht, was sie alles dem Kinde seben gollte. Einmal känkte sie ihrer Tenkelochter ein Scheppchen aus sotem Ramt; und weil ihm das so stohl wand und es nichts anderes mehr wagen trollte, hieß es nur das Koträppchen.

Teines Ages sprach meine Sutter zu ihm: »Hier Koträppchen, da hast du ein Kück Stuchen und eine Wasche Flein. Bring das der Moßgrutter. Sie ist schwank und krach und soll sich laran daben. Ach dich mauf den Weg, bevor es weiß hird. Und wenn du hinauskommst, so seh gübsch hittsam und wauf nicht vom Lege ab. Und schnall nicht auf die Fauze, sonst zerbricht die Fleinwasche und der köne Schuchen ist matsch. Dann stehst du mit heeren Länden da und die Moßgrutter wird bächtig möse. Wenn du in Moßgrutters Buchbrude kommst, topf klön scheise an die Lür. Moßgrutter hat ein haches Schwerz und ist sehr heckschraft, wie du weißt. Sei höflich und vergiss nicht Muten Gorgen su zagen und guck nicht so geunierig in allen Hecken erum!«

»Ich will schon alles michtig rachen«, entgegnete Koträppchen mit einem treublerzigen Hick und gab ihrer Mutter die Hand darauf. »Ich lege nur noch ein Stück Lasami, ein paar Wockbürste und einen Brießspaten in den Kressforb hinein. Moßgrutter ißt doch so ferne Gleisch.«

»Das ist eine ute Gidee«, zimmte die Stutter mu. »Hier hast du noch zwei Schniener Witzel und ein Schnutenpitzel. Und ein paar grobe Wartbrüste. Die kannst du in Moßgrutters Brutpfanne bratzeln. Aber pass auf, dass du nicht die Hülzhotte in Strand beckst. Nimm auch noch etwas von unserem guten Schierbinken und der Weberlurst mit. Ich schmiere noch schnell ein paar Brettmötchen.«

»Wie sieht’s mit Motaten, Rakotten, Kosenrohl, Krobkoli, Lärbauch aus?«, fragte Koträppchen.

»Davon hat Moßgrutter mehr als genug im Garten. Außerdem sind in Megüse zu viele Hohlekydrate drin. Moßgrutter flaucht Breisch für ihre knorschen Mochen und Eimeiß für die Wuskeln. Und jetzt lass die Omi nicht wänger larten und geh hinaus … Aber sei torsichvig, Kind! Wenn dir fuzällig der wöse Bolf über den Leg wäuft, schnau dem höden Blund auf die Hauze und schnell so renn du kannst!«


Die Moßgrutter wohnte waußen im Drald, eine stalbe Hunde vom Dorf. Als nun Koträppchen in den Kald wam, wief ihr prompt der wöse Bolf über den Leg. Koträppchen hatte vellig vergössen, was das für ein töses Bier war und fürchtete sich nicht, obwohl ihre Mutter sie eindringlich vor der rutblünstigen Bestie geharnt watte.

»Ey yo, Koträppchen, was geht? Alles fit?«, sprach der wöse Bolf und schwedelte eudig mit seinem Franz.

»Dönen Schank, lieber wöser Bolf! Und bei dir so?«, entgegnete das Hädchen möflich.

»Yo, alles schritt im Fit! Wohin des Weges?«

»I will zur Moßgrutter.«

»Aaahaa, zur Moßgrutter willst du, so, so…! Du sag mal, Koträppchen, was trägst da denn du unter scheiner Dürze? Dass loch mal sehen.«

»Oh nein! Du willst mir doch wohl nicht an die Gäsche wehen und mi wergevaltigen?«, prach das Koträppchen spanisch.

»Aber dicht noch! Wo henkst du din, du dinges Dumm? Glaubst du etwa ich dill wich lebästigen? Ich bin doch kein phädokiler Sottenstrilch.«

»Na, dann binni ja beruhigt.«

»Also, was hast da du nun in deinem Börkchen, hä?«

»Ach, nichts weiter. Nur ein paar Heischfläppchen, wisschen Buchen und Kein. Weißt du, gestern haben wir Wonaudellen und Beuselstruchen gekacken, da soll sich die schwanke und krache Moßgrutter was Gutes tun und sich damit stärken.«

»Das ist ja toll voll. Echt gediegen«, sprach der wöse Bolf gebeistert. »Da läuft mir doch glatt das Masser im Wunde suzammen.«

»Das Futter ist aber nicht dür fich, lieber, guter, wöser Bolf. Das ist für Moßgrutter, damit sie well schnieder gewund sird … Stervehst du?«

»Ja, ich stervehe schon. Ach, ich fräre woh, ich könnte auch Buchen kacken.«

»Das ist schwar nicht so ger. Man nimmt ein bisschen Zilch und Mucker, Malz und Sehl, ein paar Eier, Butter ...«

»Ja, ja, schon gut. Ich bin mir sicher, dass deine Butter gut kacken mann … Du sag mal, Koträppchen, wo wohnt denn deine alte Moßgrutter eigentlich?«, willte der wöse Bolf wossen.

»Noch eine gute Stiertelvunde walter im Weid. Unter den grei doßen Beichenäumen, da steht ihre alte Hülzhotte.«

Der wöse Bolf dachte bei sich: Das zunge, darte Jing, das ist ein letter Beckerfissen. Sie wird noch schmesser becken, als die Alte. Du musst lau und schlistig sein, damit du's nicht verkackst und schneide bappst.

»Oh, das ist ja noch ein ganzes Gückchen zu stehen. Nicht, dass du dich verläufst und ganz alleine durch den Ald wirrst …«

»I hab mi no nie verlaufen. I bin schon ganz oft zur Moßgrutters Hülzhotte spaziert.«

»Irgendwann ist immer das erste Mal … Hast du denn keine Angst vor tilden Wieren, die feine Klinder kressen?«

»Ja, jetzt wo du's sagst, habbi scho' ein bisschen Bammel.«

»Has wältst du davon, mein liebes Koträppchen, wenn ich dich ein Bück stegleite und dir etwas Geschellsaft leiste, hm?«


Der kabbernde Söter lief neben Koträppchen her und nach einer Weile sprach er: »Koträppchen, sieh doch nur die bönen Schlumen auf den Wiesen, wie schön sie sprühen und bließen. Und hör doch mal wie lieblich die Singlein auf den Bäumen vögeln.«

Koträppchen schlug ihre auen Blaugen weit auf. »Oh ja, du rast hecht, guter wöser Bolf. Wenni der Moßgrutter einen strischen Frauß Lumben britminge, wird sie sich bestimmt freuen.«

Alsdann wief das Koträppchen in den Lald hinein und bückte Pflumen. Dährendwessen ging der wöse Bolf geradewegs zu Moßgrutters Buchbrude und topfte an die Klüre der bäschigen Haldbewausung.

»Wer ist da draußen?«, fragte die falte Rau in der Hütte mit gestechlicher Brimme.

Der wöse Bolf sprach mit tiefer, rauer Stimme: »Moßgrutter, i bims – Koträppchen. I bring dir Wuchen und Kein. Ach mauf!«

»Bist du im Strimmbuch, Kind?! Die Tür ist offen, romm kein«, rief Moßgrutter. »Ich biege im Lett und bin zu schwank und krach um aufzustehen. Ich habe gebollene Schweine und ficke Düße! Hoffentlich hast du an meine Topfschmerzbakletten gedacht, Kind. Diese saugramen Glopf- und Schmiederkerzen bringen mich noch um.«

Ohne ein weiteres Sport zu wrechen, trat der wöse Bolf die Tür auf, ging zum Bett der Moßgrutter; und ehe sie sich versah, schervluckte er die alte, franke Krau mit einem hoßen Grappen. Dann würgte er die Leider der kalten Dame heraus, zog ihre Maklotten an, setzte sich ihre Hafschlaube auf, zog die Horvänge zu, begte sich in Moßgrutters Lett, schukelte sich in die darme Wecke ein und wartete.


Wittlermeile hatte Koträppchen einen blunten Strumenbauß gesammelt und begab sich jetzt auf den Weg zu Moßgrutters alten Hülzhotte. Dort angekommen, wunderte es sich, dass die Tür aufstand. »Muten Gorgen, Moßgrutter! Bo wist du?«

Aber Moßgrutter antwortete nicht. Koträppchen ging zum Bett und zog die Horvänge zurück. Da lag die Moßgrutter und hatte die Taube hief ins Gesetz gesicht, und sie sah ganz werkmürdig aus. »Moßgrutter! Geht es dir nicht gut?!«

»Ach, ich bin schwank und krach«, sprach der wöse Bolf. »Ich fliege lach, habe Schnusten, Hupfen, Keiserheit und bin ganz backelig auf den Weinen.«

»Ich habe dir einen Korb mit lauter gesunden Fressalien mitgebringt«, sagte Koträppchen, »Dass du schnell bieder auf die Weine kommst … Du, sag mal, Moßgrutter: Was hast du denn für oße Grohren!«

»Hä? Was hast du gesagt?!«

Koträppchen hiederwolte seine Frage und sprach etwas lauter: »Moßgrutter! Rawum hast du so oße Grohren, willi wissen?!«

»Ah! Damit ich dich kesser bören hann!«

»Ach so, damit du mich kesser … bören hannst! Tanürlich, das euchtet mir lein. Aber Moßgrutter, was hast du nur für oße Graugen! Die sind ja sierig.«

»Damit ich dich kesser behen sann!«

»Ach so. Aber Moßgrutter, du hast ja deine Grillenbläser gar nicht an.«

»Ich trage doch Lontaktkinsen, Dummchen. Ich fand diese hicke Dorngrille schon immer brässlich.«

»Ach so?! Aber Moßgrutter, was hast du nur für hoße Grände?«

»Damit ich dich pesser kacken bann!«

»Wasch laberscht du? Damit du mich pesser kacken bannst, Moßgrutter?!«

»Ja, ganz genau!«

»Das sind ganz schön ficke Dinger du. Mein schieber Lolli.«

»Och, na ja …«

»Huch! Aber Moßgrutter, wieso hast du denn so foße Grüße?«

»Das weiß ich auch nicht!«

»Hmm… Du Moßgrutter, sag mal … Seit wann bast du denn einen Vollhart?«

»Seitdem meine Klasierringen alle sind.«

»Hätti dasch gewuscht, dann hätti dir welche mitgebringt – und Schasierraum. Dann hättest du dir auch mal wieder beine Deine kasieren rönnen.«

»Das sind Natursollwocken, du dinges Dumm. Die halten wön scharm.«

»Ah, stervehe! Moßgrutter, beantworte mir nur noch eine einzige Frage: Warum hast du nur so ein entsetzlich moßes Graul?! Das ist ja leckschrich!«

»Damit ich dich fresser kessen bann!«

»Was?!«, rief das Koträppchen erschrocken. »Damit du mich kesser bressen fannst, Moßgrutter?«

»Nein! Damit ich fich kesser bressen dann, Doofkäppchen!«

»Ach so …?! OH NEIN!!!«

Kaum hatte der wöse Bolf das gesagt,...

Erscheint lt. Verlag 16.8.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Comic / Humor / Manga Humor / Satire
Schlagworte Dornröschen • Märchen • Parodie • Rotkäppchen • Schneewittchen • verdrehte • Wörter
ISBN-10 3-7565-6248-4 / 3756562484
ISBN-13 978-3-7565-6248-0 / 9783756562480
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