Sargatos (eBook)
301 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6225-1 (ISBN)
56 Jahre alt, verheiratet. Seit 37 Jahren berufstätig
56 Jahre alt, verheiratet. Seit 37 Jahren berufstätig
Eine unerwartete Begleitung
Anna beobachtete, wie Angela ihr Stabfeuerzeug aus der Tasche zog. Sie zündete das Grablicht an, für das sie trotz der vielen Kränze, die auf dem Grab lagen, ein passendes Plätzchen gefunden hatte. Danach verstaute Angela das Feuerzeug wieder in ihrer Tasche.
Einige Stunden zuvor waren Annas Eltern beerdigt worden und nun stand sie mit Angela und Sophie am Grab ihrer Eltern. Der Friedhof war leer und der Tag ging zur Neige.
Anna war mit ihren Gedanken bei ihrer Mutter und deren letzten Worte, die sie im Krankenhaus zu ihr gesprochen hatte: „Deine Zeit rückt näher. Du musst bald gehen, Anna. Vergiss das Licht nicht. Bitte, denk an das Licht.“ Anna dachte immerzu darüber nach, was ihre Mutter gemeint haben könnte. Und jetzt, nachdem Angela das Stabfeuerzeug verstaut hatte, dachte Anna, dass sie es haben musste. Sie sagte aber nichts. Was sollte sie Angela auch antworten, wenn diese wissen wollte, was sie mit dem Feuerzeug vorhatte? Anna wusste es selbst nicht.
Jonas und Lena waren durchgefroren. Die Kleidung, die sie anhatten, war den winterlichen Verhältnissen in keiner Weise angepasst. Sie trugen immer noch die sommerlichen Sachen aus einer anderen Welt. Aus Sargatos. Lena machte sich gleich auf den Weg ins elterliche Schlafzimmer, um Jonas etwas von ihrem Vater herauszusuchen. Dies würde zu Hause bei Jonas wohl weniger Aufsehen erregen als die Klamotten, die er momentan trug.
Jonas machte sich gleich daran, einen Blick in das magische Buch zu werfen, das auf Lenas Couchtisch lag. Er nahm einen Kandiszucker und schlug das Buch auf bis zu den Seiten, die vorher unleserlich gewesen waren und auf denen nun weitere Reime zu entziffern waren:
Ring der Weisheit sei bereit.
Weite dich, es ist die Zeit.
Ring der Würde, Ring der Macht.
Nimm den an, der dich mitgebracht.
Bei Licht und auch in finsterer Stunde.
Hilf ihm und allen mit im Bunde.
Gib Kraft und schließe dich ganz sacht.
Die Prophezeiung wird vollbracht.
Jonas kramte den Ring hervor und betrachtete ihn näher. Er war schlicht. Nichts ließ erahnen, dass er irgendwelche Mächte oder Kräfte in sich trug.
Lena kam herein. „Und? Was kannst du lesen?“, fragte sie neugierig, während sie näherkam.
„Ich habe den Ringvers gelesen, aber es tut sich nichts.“ Jonas versuchte, sich den Ring überzustreifen, um Lena zu zeigen, dass der immer noch nicht passte.
„Vielleicht musst du den Reim ja laut aufsagen, damit etwas geschieht.“ Lena wollte den Reim ja schließlich auch hören. Während Jonas den Reim vorlas, tat sich aber immer noch nichts.
„Wahrscheinlich musst du ihn aufsagen, wenn wir wieder drüben angekommen sind.“ Lena zuckte mit den Schultern.
„Na toll!“ Jonas klang genervt. „Dann muss ich ihn auswendig lernen?“
„Meine Güte, Jonas. Das sind acht Zeilen. Das wirst du ja wohl noch hinbekommen!“ Lena verstand seine Aufregung nicht.
„Aber sicher nicht mehr heute.“ Jonas gähnte. „Was würdest du davon halten, wenn wir uns eine Pizza bestellen? Ich weiß zwar, dass du gerade gestern eine hattest“, er zwinkerte ihr zu, „aber es kommt mir so vor, als wäre das bereits Wochen her.“
„Gute Idee. Mir läuft allein bei dem Gedanken an eine Pizza, das Wasser im Mund zusammen.“ Sie grinste und schnappte sich ihr Telefon.
Während sie die Bestellung durchgab, las Jonas noch einige Male den Ringvers durch und blätterte schließlich zum nächsten Reim. Lena hatte sich inzwischen zu ihm gesellt. Sie war bereits umgezogen und nahm sich ebenfalls einen Kandiszucker.
„Mhmm, lecker. Es gibt nichts Besseres. Lies bitte laut vor, Jonas.“ Sie sah, dass er bereits dabei war, den nächsten Reim zu lesen. So fing er von vorne an. Diesmal laut:
„Ihr werdet den Westen zu dritt begehen.
Das zweite Mal in magischer Welt.
Zu dritt könnt ihr das Leuchten sehen.
Zu dritt werdet ihr einbestellt.
Drei ist die Zahl, denkt stets daran,
mit der man Sargatos verlassen kann.“
„Hendrik und Katharina hatten diesen Michael dabei, als sie das zweite Mal hinübergingen.“ Lena dachte über den Reim nach.
„Ja, und der ist umgekommen.“ Jonas seufzte.
„Das heißt aber nicht, dass die dritte Person, die wir mitnehmen, sterben wird. Außerdem kämen wir dann wohl auch nicht mehr zurück.“
„Ich würde sehr gerne diesen Hendrik kennenlernen. Auf die Bekanntschaft von Kati bin ich nicht ganz so scharf.“ Jonas trank einen Schluck.
„Ja, das geht mir auch so. Auch würde mich interessieren, wie Hendriks Leben dort verlaufen ist.“
„Na ja, vielleicht haben wir noch die Möglichkeit, seine Bekanntschaft zu machen.“ Jonas las den nächsten Reim vor:
„Die Magier des Alten Kreises,
halten euch an zu dieser Reise.
Vier Tore wurden einst geschaffen.
Im Süden tratet ihr vormals ein,
den Ring euch zu beschaffen,
soll stets euer Begleiter sein.
Am Tor des Westens werdet ihr stehen.
Die Dritte nun an eurer Seite.
Sie wird nicht nur nach vorne sehen,
sie sieht auch in die Weite.
Begebt euch rasch zu Tardons Haus,
um Pentelamms Erbe zu empfangen
und durch die Höhlen von Komeen
zum Tor des Ostens zu gelangen.“
Jonas blätterte weiter. „Seltsam, man könnte meinen, der Reim ginge weiter, aber hier fängt ein neuer an.“
„Keiner ahnt, wer sie erschaffen,
keiner ahnt, wie alt sie sind.
Sie harren aus und immerdar,
bereiten sie den Weg geschwind.
Schienen aus einer anderen Zeit,
führen euch fort, führen euch weit.
Gebt acht nur, wie die Weichen stehen.
Ihr wollt die dunkle Welt nicht sehen!“
Das ist der letzte, lesbare Reim.“ Jonas blätterte einige Seiten um, fand aber nichts weiter vor. „Ich hatte mir mehr erhofft.“
„Ich auch.“ Lena war enttäuscht. „Aber es ist trotzdem alles äußerst rätselhaft. Die Höhlen von Komeen. Das hört sich irgendwie gefährlich an. Und was bedeutet Pentelamms Erbe? Oder: Die Dritte nun an eurer Seite? Und was sollen das denn für Schienen sein?“ Lena war mit den neuen Hinweisen total überfordert.
„Ach, weißt du, Lena, ich bin total im Eimer und habe jetzt ehrlich gesagt, keine Lust mich mit irgendwelchen Rätseln zu befassen. Das Einzige worüber wir uns im Moment Gedanken machen sollten, ist, wer mitkommen soll. Wir brauchen jemanden, der uns begleitet.“
„Ja, stimmt. Darüber habe ich mir ja noch gar keine Gedanken gemacht.“ Lena dachte an Lisa. Sie ließ die Idee jedoch wieder fallen. Sie hielt Lisa für wenig geeignet.
„Wie wäre es mit Tom?“, fragte Jonas. Er mochte Tom. Sein Freund und Nachbar. Lena kannte ihn auch.
„Ich weiß nicht“, sagte sie nach einer Weile. Sie blätterte im Buch und zeigte Jonas den Reim, der sie etwas stutzig machte. „Hier, sieh mal. ‚Die Dritte nun an eurer Seite. Sie wird nicht nur nach vorne sehen. Sie sieht auch in die Weite.‘ Ist das nicht ein Hinweis darauf, dass wir eine weibliche Person mitnehmen sollten?“ Lena sah Jonas zweifelnd an.
Er überlegte einen Moment und schüttelte langsam den Kopf. „Ich denke nicht. Das ist, meiner Meinung nach, der Hinweis auf eine Person, die hellseherische Fähigkeiten besitzt, und die wird wohl kaum aus unserer Welt kommen. Vielleicht ist Sania damit gemeint, wer weiß, ihre Großmutter Nana war Seherin. Vielleicht hat Sania die gleiche Gabe.“
„Aber sie hat doch nicht dieses Mal im Nacken.“ Lena bezweifelte seine Folgerungen.
„Vielleicht entwickelt sich ihre Gabe noch und das Mal wird erst später sichtbar.“ Jonas war überzeugt, dass es so sein könnte. Er war fest entschlossen, Tom mit herüber zu nehmen. Tom war sportlich und hatte eine gute Auffassungsgabe. Genau die Person, die für dieses Abenteuer nötig war.
„Komm schon, Lena“, drängelte Jonas, als er Lenas zweifelnden Gesichtsausdruck sah. „Wer sollte das denn sein? Kennst du jemanden, hier aus unserer Welt mit einem Mal im Nacken?“
Lena seufzte und gab schließlich nach. „Wie du meinst.“
„Gut.“ Jonas lächelte zufrieden. Er nahm gleich sein Handy zur Hand und wählte Tom an.
Während die zwei sich verabredeten, sah sich Lena die Reime nochmal an. Als sie den Ringvers las, musste sie schmunzeln. Sie dachte darüber nach, dass Jonas noch nicht einmal Lust hatte, sich diese acht Zeilen zu merken.
„Ich kann mich erst morgen früh mit ihm treffen.“ Jonas hatte sein Gespräch beendet. „Hoffentlich ist er dazu zu bewegen, mit zum Tor zu kommen. Ich denke, ich hätte Probleme, wenn mir jemand von einer anderen Welt erzählen würde. Tom wird sicher denken, ich bin komplett durchgedreht.“ Jonas musste lachen und Lena stimmte ein.
Am kommenden Morgen machte sich Jonas gleich, wie verabredet auf den Weg zu Tom. Er war müde. Bis spät in die Nacht hatte er mit Lena noch zusammengesessen. Beide mochten sich nicht trennen. Sie redeten und redeten. Es gab soviel zu verarbeiten. Nur wenige Stunden Schlaf hatte er sich gegönnt. Aber das war ihm egal. Er war begierig...
| Erscheint lt. Verlag | 13.8.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Nicht nur ein Abenteuer | Nicht nur ein Abenteuer |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Schlagworte | Abenteuer • Fantasie • Jugend • Magie • Magier • Portal • Prophezeiung • Sehung • Trilogie • Zauber |
| ISBN-10 | 3-7565-6225-5 / 3756562255 |
| ISBN-13 | 978-3-7565-6225-1 / 9783756562251 |
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