Alpengold 407 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-5046-2 (ISBN)
Lauris Albacher lebt mit seiner Mutter auf einem armseligen Hof in St. Johann. Licht in sein Leben bringen seine hübsche Verlobte Regine und seine Schnitzerei, die er neben der Hofarbeit mit Feuereifer betreibt. Manchmal träumt er davon, berühmt zu werden. Und diese Chance bietet sich ihm eines Tages tatsächlich. Durch Zufall verschlägt es einen Geschäftsmann, der in Innsbruck mehrere Kunstgewerbe- und Antiquitätenläden betreibt, und seine Tochter in den verschlafenen Ort. Dieser Mann bietet Lauris an, nach Innsbruck zu kommen und für seine Geschäfte Figuren zu schnitzen.
Lauris macht sich die Entscheidung nicht leicht. Doch schließlich verlässt er sein Heimatdorf und hofft, es in der Großstadt zu Ruhm und Ansehen zu bringen. Als gemachter Mann will er in sein Dorf zurückkehren und seine geliebte Regine zum Traualtar führen ...
Alle Wünsche dieser Welt
Ihre Liebe musste viele Kämpfe überstehen
Von Hanni Birkmoser
Lauris Albacher lebt mit seiner Mutter auf einem armseligen Hof in St. Johann. Licht in sein Leben bringen seine hübsche Verlobte Regine und seine Schnitzerei, die er neben der Hofarbeit mit Feuereifer betreibt. Manchmal träumt er davon, berühmt zu werden. Und diese Chance bietet sich ihm eines Tages tatsächlich. Durch Zufall verschlägt es einen Geschäftsmann, der in Innsbruck mehrere Kunstgewerbe- und Antiquitätenläden betreibt, und seine Tochter in den verschlafenen Ort. Dieser Mann bietet Lauris an, nach Innsbruck zu kommen und für seine Geschäfte Figuren zu schnitzen.
Lauris macht sich die Entscheidung nicht leicht. Doch schließlich verlässt er sein Heimatdorf und hofft, es in der Großstadt zu Ruhm und Ansehen zu bringen. Als gemachter Mann will er in sein Dorf zurückkehren und seine geliebte Regine zum Traualtar führen ...
Lauris Albacher hatte seinen Kopf tief über die Holzfigur in seinen Händen gebeugt und war dabei, dem Gesicht der Mutter Maria einen Ausdruck zu geben. Er war so in seine Arbeit vertieft, dass er nicht die leisen Schritte gehört hatte, die hinter ihm erklungen waren. Rosa Albacher, seine Mutter, hatte die Werkstatt betreten und sah dem Sohn nun über die Schulter.
»Es ist schon die zweite Muttergottes in dieser Woche. Hast du die erste verkauft?«
Der Sohn legte die kleine Holzfigur aus den Händen und schüttelte den Kopf.
»Sie steht noch ausgestellt im Souvenirladen, Mutter. Um diese trübe Jahreszeit sind kaum Touristen in St. Johann. Der Sepp macht so gut wie kein Geschäft. Aber wenn erst der Winter kommt und all die vielen Skifahrer, dann finden meine Sachen bestimmt guten Absatz.« Zufrieden glitt sein Blick über die Figuren, die in allen Größen vor ihm auf dem hölzernen Regal standen. Doch der Blick der Mutter war alles andere als zufrieden.
»Ich brauche Geld, Lauris!«, erwiderte seine Mutter. »Sonst weiß ich net, was ich in den nächsten Tagen auf den Tisch bringen soll.«
Lauris stand auf. Er war sehr groß und breitschultrig und hatte die dunklen Augen der Mutter. Sie standen in einem merkwürdigen Kontrast zu den hellblonden Haaren, die ihm wirr in die Stirn fielen.
Das Gesicht der alten Frau war müde und traurig. Die Albacherbäuerin hatte den frühen Tod ihres Mannes vor drei Jahren nicht überwinden können. Es hatte immer Not geherrscht, solang sie zurückdenken konnte, aber seit der Bauer nicht mehr war, erschien ihr diese Not viel schlimmer.
Lauris ahnte die Gedanken der Mutter. Er gab sich einen Ruck und ging auf seinen Schrank zu. Dort hatte er in einer Zigarrenkiste ein paar Scheine liegen. Es war sein eisernes Sparvermögen, und er hatte es zurückgelegt, um sich Holz und Werkzeug kaufen zu können. Doch jetzt wollte er es der Mutter geben.
Die alte Frau schüttelte den Kopf.
»Dein Erspartes nehme ich net, Bub«, sagte sie leise. »Ich hab noch die Kette oben im Schlafzimmer. Dein Vater hat sie mir zur Hochzeit geschenkt. Die Krämerin will sie mir abkaufen. Von dem Geld können wir gut ein paar Wochen leben.«
Davon wollte Lauris nichts wissen. Er drückte der Mutter die Scheine in die Hand.
»Ich leg sie zurück, wenn der Sepp was für mich verkauft hat«, sagte er und nickte aufmunternd. »Nimm das Geld nur und geh einkaufen.«
Er sah der Mutter durch die trübe Fensterscheibe nach.
Seit er zurückdenken konnte, hatte sie sich plagen müssen. Einen Knecht oder eine Magd hatten sie sich nie leisten können. Die Eltern hatten jede Arbeit selber gemacht, und er war ihnen schon von klein auf zur Hand gegangen. Eine richtige Kindheit, so wie die anderen Buben in seinem Alter, hatte er nicht gehabt.
Der Albacherhof brachte nicht viel ein, es reichte nur zum notdürftigen Leben. Das meiste Vieh hatte man verkaufen müssen, und seitdem der Vater tot war, hielten sie sich nur noch ein paar Ziegen und Hühner. Der große Stall war verwaist.
Mit dem Holzschnitzen hatte Lauris angefangen, als er noch keine fünfzehn Jahre alt gewesen war. Mit geschickten Händen hatte er so manches kleine Kunstwerk angefertigt, und allmählich war man auf ihn aufmerksam geworden.
Der Rieder-Sepp, dem der Andenkenladen im Dorf gehörte, hatte ihm angeboten, seine Sachen für ihn zu verkaufen. Zu keinem hohen Preis natürlich, denn der Sepp wollte ebenfalls daran verdienen. Aber es waren doch immer ein paar Scheine, die ihm gehörten und mit denen er die Not auf dem väterlichen Hof etwas lindern konnte.
Insgeheim träumte der junge Bursch davon, einmal ein richtiger Künstler zu werden. Seinen eigenen Laden wollte er haben und einen Namen bis weit über die Grenzen von St. Johann hinaus. Wenn die Mutter einmal nicht mehr war, würde er den Hof zum Verkauf anbieten.
Er hätte es jetzt getan, aber er wusste, dass es ihr das Herz gebrochen hätte. Trotz aller Not und Sorgen hing sie an dem kleinen Besitz, über den die reichen Bauern im Dorf nur mitleidig lächelten.
Gerade als Lauris seine Arbeit wieder aufnehmen wollte, sah er über das Feld eine schlanke Gestalt kommen. Zwei blonde Zöpfe, zu einer Krone um den Kopf gesteckt, leuchteten in der Nachmittagssonne. Das Madl trug eine Reisetasche und winkte schon von Weitem.
Lauris stand auf und ging ihr entgegen. Als sie näher gekommen war, schloss er sie in seine Arme. Zwei dunkelblaue Augen in einem leicht gebräunten Gesicht strahlten den Mann an.
»Aus unserem Dorf hat mich einer im Auto mitgenommen. Deswegen bin ich heut früher dran«, sagte sie lachend, und Lauris konnte dem roten Mund nicht widerstehen.
Regine Petzer war aus Fieberbrunn gekommen. Jedes Wochenende kam sie, um die beiden freien Tage mit dem geliebten Mann und seiner Mutter auf dem alten Hof zu verbringen.
Seit einem Jahr war Regine mit Lauris Albacher verlobt, und eigentlich hätten die Hochzeitsglocken schon längst läuten sollen. Aber das Geld, das kaum für Mutter und Sohn reichte, würde eine dritte Person nicht satt machen. Und dass seine Frau nach der Hochzeit weiterhin arbeitete, das wollte Lauris auf keinen Fall.
Daher hielten sie es bisher so, dass sie sich nur am Wochenende sahen und dann Pläne für ihre Zukunft schmiedeten.
Regine hielt den Mann etwas von sich ab und betrachtete ihn forschend.
»Ich möcht wetten, du hast wieder die halbe Nacht über deiner Schnitzerei gesessen. Du siehst müde aus.«
Lauris strich zärtlich über ihre Wange.
»Der Winter ist bald da, Regine, und es ist meine einzige Chance, Käufer zu finden. In diesen Herbstmonaten habe ich kaum etwas verkauft. Ich muss vorarbeiten, und außerdem ist die Arbeit auf dem Hof auch noch da. Die Mutter arbeitet eh viel zu viel.«
Er nahm ihre Tasche, und Regine hängte sich an seinen Arm.
»Es wird Zeit, dass ich für immer hierherkomme und auf dich aufpasse«, sagte sie scherzend.
Lauris blieb stehen. Seine dunklen Augen blickten sie ernst an.
»Du weißt, dass ich mir nix sehnlicher wünsche, als dass du für immer bei mir bist. Aber es fehlt halt an allen Ecken und Enden. Einmal werde ich einen Namen haben und ein eigenes Geschäft. Es wird nicht mehr lange dauern, Regine, ich fühle es.«
Seine Augen begannen zu glänzen, und das Madl wusste, dass er wieder in seine Zukunftsträume versunken war. Träume, die doch nie in Erfüllung gehen würden. Davon war sie jedenfalls überzeugt. Wenn er auch hübsche Arbeiten machte, es war nicht leicht, berühmt zu werden.
Regine war ein Madl, das mit beiden Beinen auf der Erde stand und sich nichts vormachte. Sie liebte Lauris Albacher, seit sie ihn auf einer Hochzeitsfeier zum ersten Mal gesehen hatte. Und sein Herz gehörte seit jenem Tage ihr.
Dass er arm war, störte sie nicht. Sie kam auch aus kleinen Verhältnissen und arbeitete als Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft. Gern hätte sie auch nach der Hochzeit weitergearbeitet, wäre Lauris endlich dazu bereit gewesen, sie zu heiraten. Doch er war der Ansicht, dass es Sache des Mannes sei, die Familie zu ernähren, und von diesem Standpunkt ging er nicht ab.
»Ab Dezember können wir uns jeden Tag sehen, Lauris«, sagte Regine nun. »Ich hab drüben meine Arbeit gekündigt und in St. Johann eine Stelle gefunden.«
»Hier bei uns?«, fragte Lauris erstaunt.
»Ja. Der Kofler-Hannes will mich einstellen. Er ist ein entfernter Verwandter von uns und hat seine Frau durch einen Unglücksfall verloren. Nun ist er mit seiner kleinen Tochter allein und hat sich nach einer Magd umgesehen. Eigentlich wollte er eine ältere Frau haben, aber die Mutter hat mit ihm gesprochen. Ich habe ihn noch nie gesehen.«
Lauris kannte den Koflerbauern. Er war nur einige Jahre älter als er. Ein stiller und ernster Mann, der über den Tod seiner Frau nicht hinweggekommen war.
Die Koflerbäuerin war im vergangenen Frühjahr auf der Dorfstraße von einem Pferdewagen angefahren worden und bald darauf im Krankenhaus gestorben. Seitdem sah man den Bauern kaum noch, und die kleine Kathi wuchs mutterlos auf. Er tat schon recht daran, sich eine Frau...
| Erscheint lt. Verlag | 8.8.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Alpengold |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen-Krimi • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Familiensaga • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heimat • Heimatromane • hermann-broch • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • Mira • Modern • Patient • Roman-Heft • romantisch • Schwarzwald • Serie • steingruber • Toni-Hüttenwirt • waidacher |
| ISBN-10 | 3-7517-5046-0 / 3751750460 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-5046-2 / 9783751750462 |
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