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Die Melodie des Moores -  Simone Pohlmann

Die Melodie des Moores (eBook)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
330 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7578-4938-2 (ISBN)
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4,99 inkl. MwSt
(CHF 4,85)
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Leonora fühlt sich zerrissen zwischen zwei Welten: der magischen Welt, in der sie geboren wurde, und der Welt der Menschen, in der sie aufgewachsen ist. Als sie an ihrem siebzehnten Geburtstag ein geheimnisvolles Tor findet, das sie in ihre ursprüngliche Heimat führt, gerät sie in eine lebensbedrohliche Situation. Zum Glück wird sie von Lennart gerettet, einem Bauernjungen, der ihr Herz im Sturm erobert. Doch ihre gemeinsame Zukunft steht unter keinem guten Stern, denn Leonoras Schicksal ist eng mit dem des mysteriösen Schwarzalben Theoron verbunden. Wird sie ihre Liebe zu Lennart opfern müssen, um ihrer wahren Bestimmung zu folgen? Wagemutig begibt sich Leonora auf ein Abenteuer, bei dem sie nicht nur die Aufgabe hat, Frieden in einer ihr unbekannten magischen Welt zu stiften, sondern auch ein Familiengeheimnis zu ergründen und dadurch sich selbst zu finden. Eine magische Geschichte voller Abenteuer, Romantik und schwieriger Entscheidungen.

Simone Pohlmann, studierte Modedesignerin, leitet bei einer Hamburger Modefirma erfolgreich ein Produkt Managementteam. Sie wurde 1978 in Hamburg geboren und lebt, zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern, in einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein. Auf ihrem Instagram-Kanal freiheit_des_schreibens bloggt sie Kurztexte zu verschiedenen Themen. Bücher waren ihre erste große Liebe und ein Zufluchtsort, an dem sie verweilen und in ihre Traumwelten eintauchen konnte.

Kapitel 1


Einsam und verloren


Charlotte


Mitten in der Nacht erwacht Charlotte durch ein ungewohntes Geräusch. Ihr Herz klopft jetzt schneller, Adrenalin schießt durch ihre Blutbahnen und sie ist plötzlich hellwach. Von draußen vernimmt sie ein leises Wimmern. Hastig zieht sie ihren Bademantel über, greift nach dem Besen in der Ecke und öffnet die Terrassentür. Charlotte blinzelt in den Garten und geht langsam dem Geräusch entgegen.

»Rosa, bist du das?«, ruft die kleine, zerbrechliche Frau, die bis zum Verschwinden ihrer Tochter Rosa viel Energie und Lebensfreude hatte.

Allmählich gewöhnen sich ihre Augen an die Dunkelheit und sie kann die Umrisse der Pflanzen im Garten erkennen. Sie tastet nach dem Lichtschalter, der die Gartenbeleuchtung anschaltet und sieht einen kleinen Korb, der geschützt unter einem Strauch steht. Das scheint der Ursprung des kraftlosen Wimmerns und Weinens zu sein, vermutet Charlotte, während sie sich Schritt für Schritt der Trage nähert.

Eine kleine sandfarbene Decke aus Leinen, bestickt mit den Worten: »Leonora, die Erste« liegt in dem Korb. Darin eingewickelt strampelt ein entzürntes Baby, das nun nicht mehr leise wimmert, sondern mittlerweile einen lauten Schreianfall hat.

Charlotte beugt sich tief über den Korb. Verwundert betrachtet sie das kleine, perfekte Gesicht des Kindes. Charlotte ist sich nicht sicher, ob sie vielleicht noch träumt? Wer hat dieses kleine hilflose Baby in ihrem Garten abgestellt?

Sie nimmt das Kindchen aus seinem Bett, um es zu beruhigen, doch leider vergebens. Es schreit sich immer weiter in Rage und bekommt einen hochroten Kopf. Während sie das Baby in den Armen wiegt, um es zur Ruhe zu bringen, fällt ihr Blick auf einen Briefumschlag. Auf dem Papier steht mit der kunstvoll verschnörkelten Handschrift ihrer Tochter geschrieben: Für Charlotte.

Sie nimmt den Brief mit zitternden Händen aus dem Umschlag, atmet den schmerzhaft vermissten, zarten Geruch ihrer Tochter ein und beginnt mit einem mulmigen Gefühl im Bauch zu lesen.

Liebe Mama,
es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht an dich denke oder mir dein geliebtes Gesicht in Erinnerung rufe. Ich kann nur erahnen, welchen Schmerz ich dir zugefügt habe, als ich, ohne dir ein Wort zu sagen, aus unserem gemeinsamen Leben verschwunden bin. Könnte ich eine Sache aus meiner Vergangenheit rückgängig machen, dann wäre es diese. Ich vermisse dich unendlich. Wenn du diesen Brief in deinen Händen hältst, hast du Leonora gefunden, meine kleine Tochter. Heute ganze sechs Monate alt. Sie ist etwas Besonderes, achte gut auf sie und beschütze sie, denn ich kann es leider nicht mehr. Ich hoffe, wir drei können uns eines Tages wiedersehen, im Moment aber wäret ihr mit dem Wissen um meinen Aufenthaltsort in großer Gefahr. Bitte nimm dich ihrer an und liebe sie so, wie du mich geliebt hast.

Deine Rosa

Charlotte nimmt Leonora mit ins Haus. Sie hält sie in den Armen und versucht, sie in den Schlaf zu wiegen, aber das Kind ist nicht zu beruhigen. Erst Stunden später schlafen beide vollkommen erschöpft ein.

**

Ryak


Es ist kalt und seit Ryak das Weltentor passiert hat, regnet es in Strömen. Tapfer trägt sein Pferd ihn durch den Wald, zurück zum Schloss. Er hat es aufgegeben, sich die Tränen wegzuwischen, die sich mit den Regentropfen auf seinem Gesicht vermengen. Reue überkommt ihn. Er kann es immer noch nicht fassen, dass er seinen kleinen Liebling in der Welt der Menschen zurücklassen musste. Wie konnte er sich nur so sehr geirrt haben, hätte er doch nur auf seinen Freund gehört.

Zuerst sah es so aus, als ob Ryak einen Sieg davontragen würde und seinen Feind empfindlich schwächte. Aber unter den Zivilisten, die während des Angriffs starben, den er befohlen hatte, befanden sich auch die Gemahlin und die kleine Tochter des Königs der Schwarzalben. Anstatt den Krieg zu beenden, heizte dieser Schicksalsschlag den feindlichen Hass nur noch weiter an. Der Schwarzalbenkönig rächte sich grausam an Rosa. Und obwohl Ryak ihm denselben Schmerz zugefügt hatte, fühlte er keine Genugtuung, sondern fühlte nur Scham darüber, dass er zwei Familien zerstört hatte. Die seines Erzfeindes und seine eigene.

Zerfressen von Schuldgefühlen denkt er an jenen Tag zurück, an dem er den fatalen Entschluss traf, der ihn in diese ausweglose Situation brachte. In seinen Gedanken sieht er sich noch in seinem Arbeitszimmer sitzen. Müde, den Kopf auf den Arm gestützt, saß er an dem schweren Holztisch, um seinen Regierungsgeschäften nachzugehen. Mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages hatte sein Arbeitstag begonnen und er hatte einen Bericht nach dem anderen gelesen, um sich einen Eindruck über die Lage im Königreich zu verschaffen.

»Ryak, wann hast du angefangen zu arbeiten?«, war er von Thore, seinem Berater und besten Freund aus Kindertagen, gefragt worden.

»Schon seit einigen Stunden, ich habe einiges nachzuholen.« Angestrengt hatte er sich die Augen gerieben und erwidert: »Warum fehlen schon seit zwei Monaten die Steuereinnahmen von Altenglan?«

»Die Dorfbewohner haben sich den Schwarzalben angeschlossen und verweigern seitdem die Steuerzahlungen.«

»Wie können sie sich unseren Steuereintreibern widersetzen?«

»Die Soldaten der Schwarzalben schützen sie.«

»Und Bargum?«

»Ebenso.«

»Verdammt, warum hat mich niemand darüber unterrichtet?« Er war wütend aufgestanden und hin und her gelaufen. »Was unternehmen wir, damit Nebelschütz sich nicht auch noch den Rebellen anschließt?«

»Wir haben dort Soldaten stationiert, bis jetzt ist es aber ruhig. Wir haben alles unter Kontrolle.«

»Das nennst du Kontrolle? Wir haben zwei Dörfer verloren! Das ist inakzeptabel. Seit Monaten verwehren uns die Schwarzalben ihre Gefolgschaft und kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Wenn das so weitergeht, werden sie noch unser ganzes Reich übernehmen. Dafür haben meine Eltern nicht alles geopfert.«

Sein Freund hatte ihn nur schweigend angesehen.

»Schau mich nicht so an! Ich will dein Mitleid nicht. Wir müssen ihre Entschlossenheit brechen und Stärke zeigen, sonst greifen sie uns immer weiter an und treiben uns in die Enge.«

»Ryak, du hast jetzt eine Familie, wenn wir in den Krieg ziehen, könntest du alles verlieren.«

»Wenn wir untätig bleiben, könnten wir ebenfalls alles verlieren. Ich möchte den Konflikt endgültig beenden. Gerade, weil ich meine Familie beschützen möchte.«

»Wir könnten Altenglan zurückerobern und gleich danach Bargum.«

Es war ein guter Vorschlag gewesen, vielleicht hätte er auf Thore hören sollen, doch er hatte nur den Kopf geschüttelt.

»Wir stellen den Schwarzalben ein Ultimatum!«

»Die werden sich totlachen, warum sollten sie darauf eingehen?«

»Also gut«, hatte sein Berater niedergeschlagen zurückgegeben, »was schlägst du vor?«

Ryak erinnerte sich genau, wie er zum großen Fenster gegangen war, um nachzudenken. Mehrere Minuten vergingen, bis er sich seinem Freund wieder zuwenden konnte.

»Wir greifen den Ring rund um die Burg an, damit rechnen die Schwarzalben sicher nicht. Wir könnten sie mit einem Überraschungsangriff empfindlich schwächen.«

»Das kannst du nicht ernst meinen, dort halten sich sicher jede Menge Zivilisten auf, das entspricht nicht unserem Ehrenkodex!«

»Die Schwarzalben haben sich damals auch an keinen Ehrenkodex gehalten, was meine Eltern das Leben gekostet hat, und jetzt greifen sie uns erneut an. Ich bin zu allem bereit, um den Konflikt zu unseren Gunsten zu beenden. Um sich zu verteidigen, werden sie ihre Soldaten aus den Dörfern abziehen, dann können wir wieder für Ordnung sorgen.«

»Gleiches mit Gleichem zu vergelten, macht deine Eltern nicht wieder lebendig!«

»Wir sind zwar befreundet, aber jetzt gehst du zu weit!«

Die Wut, die er damals auf Thore verspürt hatte, war längst verraucht. Sein Freund hatte nur versucht, ihn vor einer großen Torheit zu bewahren, indem er sagte: »Ich werde den Angriff nicht befehlen!«

»Dir wird nichts anderes übrig bleiben.«

Sie hatten sich gegenübergestanden, wie zwei Nebelwölfe, darauf wartend, dass einer von ihnen einlenkte.

»Na schön, ich werde dem Hauptmann den Angriff befehlen … aber sag später nicht, ich hätte nicht versucht, dich davon abzuhalten.«

Thore verließ damals den Raum ohne ein weiteres Wort und Ryak wünschte sich, sein Freund hätte sich hartnäckiger geweigert. Vielleicht wäre dann alles anders gekommen.

**

Charlotte


Als Charlotte früh morgens erwacht, tritt die Sonne hervor und wirft ihre Strahlen durch das Fenster, direkt auf das schlafende Kind. Die roten Haare stehen wie Stroh von dem kleinen Kopf ab und ein...

Erscheint lt. Verlag 11.7.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7578-4938-8 / 3757849388
ISBN-13 978-3-7578-4938-2 / 9783757849382
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