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Der Herr der schwarzen Festung (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
610 Seiten
Tschök & Tschök GbR (Verlag)
978-3-7579-4163-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Herr der schwarzen Festung -  Jona Dreyer
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»Ich bin ein Monster. Wahrscheinlich das schlimmste, dem du je begegnet bist.« Der junge Halvárd »Vári« Tasgall, Nachfahre des berühmten Großkönigs Halvor Machbalian, möchte sich als Anführer einer Erkundungsfahrt über das gefährliche Nordmeer unter Beweis stellen. Nach einer turbulenten Reise stößt er weit weg von zu Hause auf unbekanntes Land. Doch dieses Land ist nicht unbewohnt. Auf seinen Klippen thront eine große, abweisende Festung aus schwarzem Stein. Der Herr dieser Festung, König Isidor Skuron, ist nicht begeistert über die fremden Eindringlinge und nimmt sie gefangen. Aber etwas an dem jungen Vári, der ihm so mutig entgegentritt, fasziniert ihn. Auch Vári kann sich trotz allem Widerwillen Isidors dunkler Anziehungskraft kaum entziehen, doch der König ist gefährlich. Denn in seinem Kopf hört er offenbar Stimmen, die ihm grausame Dinge befehlen.Kann es Vári schaffen, sich und seine Gefährten aus der Gefangenschaft zu befreien oder droht ihnen nach mehr als einem Jahrzehnt des Friedens ein neuerlicher Krieg? Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Isidors Stimmen? Und liegt in dem einsamen Nordland etwa die Lösung eines alten, grausamen Fluchs? Der Herr der Schwarzen Festung ist, wie alle anderen Inselreich-Bände auch, eine eigenständige Geschichte, die sich auch ohne Vorkenntnisse lesen lässt. Es tauchen einige Nebenfiguren aus den früheren Bänden auf, diese werden jedoch ausreichend erklärt.

»Fantasie ist wie ein Buffet. Man muss sich nicht entscheiden - man kann von allem nehmen, was einem schmeckt.« Getreu diesem Motto ist Jona Dreyer in vielen Bereichen von Drama über Fantasy bis Humor zu Hause. Alle ihre Geschichten haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Die Hauptfiguren sind schwul, bi, pan oder trans. Das macht sie zu einer der vielseitigsten Autorinnen des queeren Genres.

»Fantasie ist wie ein Buffet. Man muss sich nicht entscheiden – man kann von allem nehmen, was einem schmeckt.« Getreu diesem Motto ist Jona Dreyer in vielen Bereichen von Drama über Fantasy bis Humor zu Hause. Alle ihre Geschichten haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Die Hauptfiguren sind schwul, bi, pan oder trans. Das macht sie zu einer der vielseitigsten Autorinnen des queeren Genres.

Prolog


Vári mochte die Lesestube, in der sein Großvater Liron viele Stunden zubrachte. Es war ein kleiner Raum, aber er besaß ein großes, verglastes Fenster, durch das viel Tageslicht hereinfiel, sodass man an Kerzen sparen konnte. Er verbrachte auch selbst viel Zeit hier und las mit Vorliebe in den Sammlungen von Sagen und Legenden um das Waldvolk der Alvaei, dessen Blut er zum Teil selbst in sich trug.

Der erste Mensch, den die Schöpfer erschufen, hieß Alvos. Sie gaben ihm ein Weib an die Seite und ihre Nachkommen nannte man nach ihm Alvaei. Die Alvaei wurden mit einem langen Leben gesegnet. Aber da die Schöpfer wussten, dass mit dem Verstand und dem Bewusstsein, mit denen sie die Alvaei im Gegensatz zu den Tieren beschenkt hatten, auch Schlechtes getrieben werden konnte, stellten sie ihnen eine Bedingung: ein friedliches Leben in den Wäldern, im Einklang mit der Natur. So blieb es für eine lange Zeit und die Alvaei waren zufrieden.

Aber wo ein Bewusstsein war, da wuchs auch die Neugier, und die Neugier ist ein Schwert mit zwei Schneiden: Sie kann große Entdeckungen hervorbringen, aber auch großes Verderben. Die meisten Alvaei lebten weiter das Leben, das die Schöpfer ihnen anbefohlen hatten, und wenn sie starben, wurden sie zu Ahnen und gingen in die Anderswelt, von der sie das Diesseits beobachteten. Aber einige begannen, die Siedlungen zu verlassen und zu versuchen, sich die Natur untertan zu machen. Zwietracht entstand, Gier, Neid und Missgunst. Die Schöpfer straften diese Alvaei, indem sie sie von den anderen trennten, ihr Leben und das ihrer Nachkommen verkürzten und ihnen die Magie ihres Blutes nahmen, die ihnen innewohnte. Fortan kannte man diese kurzlebigen, entzauberten Alvaei als Menschen, obwohl jeder Alvaeon ein Mensch war. In einer alvaeischen Lebensspanne wuchsen zig Generationen dieser Menschen heran und bald hatten sie alle übervölkert, denn auch, wenn die Schöpfer ihnen vieles genommen hatten, ließen sie sich die Freude an ihren kurzen Leben nicht nehmen.

Doch weil die Ahnen der Alvaei gesehen hatten, welchen Verdruss und welches Leid die Menschen auch in die Welt gebracht hatten, sprachen sie einen Fluch, der die Alvaei davon abhalten sollte, sich mit ihnen zu verbandeln und zu vermischen, sodass die beiden Menschenvölker am Ende nicht ineinander aufgehen würden.

Vári blickte von seinem Buch auf. Sein Großvater hatte es geschrieben, wie so viele andere Bücher in dieser Bibliothek. Schöpfungslegenden wie diese gab es viele, aber die hier mochte Vári am meisten, denn sie schien ihm am schlüssigsten. Liron hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, alles an Wissen über sein Volk zu sammeln und, was noch nicht aufgeschrieben war, zu Papier zu bringen, um es für die Nachwelt zu erhalten. Für eine Welt, in der es vielleicht irgendwann keine Trennung mehr zwischen Alvaei und Menschen gab. Denn genauso, wie sich die Normalsterblichen in ihrem begrenzten Leben nicht von irgendetwas hatten abhalten lassen, hielten es viele Alvaei mit dem Fluch. Vári selbst war ein lebender Beweis dafür.

Liron saß an seinem Lesepult, das mittlerweile schlohweiße Haar zu einem Zopf gebunden, und blätterte konzentriert in einem dicken Folianten. Die Stille wurde nur durch das leise Schnarchen seines Mannes gestört, Ronin, der sich in eine Wolldecke gewickelt hatte und in einem Sessel eingeschlafen war.

»Du siehst aus, als wärst du irgendetwas auf der Spur«, bemerkte Vári leise und sah seinem Großvater über die Schulter.

»Ja und nein«, flüsterte der gedankenverloren. »Tatsächlich habe ich etwas gefunden, das sich mit dem Fluch befasst und mit der Frage, wie man ihn brechen kann.«

»Aber?«

»Aber es ergibt keinen Sinn.« Sachte schüttelte Liron den Kopf und las vor: »Die Asche des hundertfachen Sterbens, der Atem des Drachen und das wiedergeborene Licht vereint, zur Zeit des Friedens. Das klingt nett, aber ich weiß nicht, was damit gemeint ist.«

»Für mich hört es sich eher wie ein Rezept aus einem Hexenkochbuch an. Man nehme drei Kröten, den Schwanz einer Eidechse, fünf Spinnenbeine bei Vollmond ...«

Liron lachte auf. Ronin in seinem Sessel knurrte leise und zog die Decke enger um sich. »Ja, so ähnlich. Es muss symbolisch für irgendetwas stehen, nur für was? Wir leben in Zeiten des Friedens. Drachen gibt es nicht mehr. Die gab es schon zur Gründung der Inselreiche vor über tausend Jahren nicht mehr, wenn sie überhaupt je existiert haben. Wahrscheinlich waren sie schon immer nur eine Legende. Ein Symbol, wie es sie in vielen Schöpfungsmythen gibt. Es muss also eine andere Bedeutung haben. Der Atem des Drachen ist Feuer. Und Asche des hundertfachen Sterbens – es könnte ein Vulkan gemeint sein. Der Takalon möglicherweise, denn er wurde von je her als heilig angesehen. Und das wiedergeborene Licht ...«

»... könntest du sein«, beendete Vári den Satz.

Sein Großvater war ein besonderer Mensch. Einer, dem die Ahnen eine besondere Gnade hatten zuteilwerden lassen. Er war aus dem ewigen Jenseits wiedergekehrt. Hatte ein zweites Mal beginnen dürfen, als Lohn für mehr als nur ein selbstloses Opfer in seinem ersten Leben. Nur wenige wussten, wer er wirklich war, alle anderen kannten ihn einfach als Liron der Braune. Doch früher, lange vor Váris Geburt, hatte man ihn als Halvor gekannt. Halvor Silberhaar, Halvor Machbalian, Großkönig der damals noch fünf Inselreiche. Und später, nach seiner Abdankung, war er als Cailean der Wanderer einer der führenden Rebellen im Unabhängigkeitskampf um Eilean Moryd geworden. Ein Mann mit vielen Namen und Leben. Und Vári, das sagten die Leute, war seiner früheren Gestalt wie aus dem Gesicht geschnitten. Besaß das berüchtigte Silberhaar, das Halvor gehabt hatte, genau wie die gletscherblauen Augen.

An manchen Tagen litt er unter dieser Ähnlichkeit, weil er spüren konnte, welche Erwartungen die Leute deswegen insgeheim an ihn stellten. Es war ein Schatten, aus dem es schwer werden würde, hervorzutreten. Vári war erst zwölf. Aber er wurde von klein auf darauf vorbereitet, eines Tages der König Eilean Moryds zu werden, wenn er alt genug war und seine Mutter das Zepter an ihn weiterreichte.

»Ja, vielleicht könnte ich das Licht sein«, sinnierte Liron. »Ich will mich nicht zu wichtig nehmen, aber ... du kennst meine Geschichte. Vielleicht haben mich die Ahnen aus ganz anderen Gründen als nur Lohn und Gnade zurückgeschickt.«

Seit Jahren suchte Liron nach einer Möglichkeit, den Fluch des Blutes zu brechen. Jenen Fluch, der die Alvaei davon abhalten sollte, den normalsterblichen Menschen ihr heilsames, lebensverlängerndes Blut zu geben. Sie in ihre Geheimnisse einzuweihen, sie zu lieben, Kinder mit ihnen zu zeugen. Sie ließen sich nicht davon abhalten, aber die Ahnen verlangten ihren Preis dafür. Einen hohen Preis, einen ungerechten, als wollten sie jene Alvaei, die sich den Menschen zuwandten, als Verräter brandmarken.

»Es muss ein Ende haben«, sagte Váris Großvater stets. »Die Zeiten haben sich geändert. Mauern wurden eingerissen. Nur diese eine, unsichtbare Mauer steht noch.«

Er war durch die Lande gereist, hatte mit anderen Alvaei gesprochen und alles an alten Schriften gesammelt, denen er hatte habhaft werden können. Manchmal half Vári ihm dabei, diese Aufzeichnungen nach Hinweisen zu durchsuchen. Aber sie waren nie fündig geworden. Bis heute. Bis Liron auf diesen seltsamen Satz mit der Asche, dem Drachen und dem wiedergeborenen Licht gestoßen war. Wahrscheinlich war es nur poetisches Gerede, wie die langatmige Lyrik, die Váris Hauslehrer ihn auswendig lernen ließ, aber möglicherweise war es auch mehr als das. Wenn dieser furchtbare Fluch gebrochen wäre, der so vielen Alvaei oder Menschen mit Teilen von alvaeischem Blut in sich Leid bescherte, wäre die Welt ein besserer Ort.

»Was denkst du«, fragte Vári seinen Großvater, »was du mit dem Vulkan tun müsstest, wenn du tatsächlich das wiedergeborene Licht bist?«

»Nun ja.« Lirons Gesicht wurde ernst. Tiefe Falten gruben sich in seine Stirn und er senkte den Blick. »Ich weiß es nicht genau.« Seine Stimme wurde zu einem Flüstern. »Es ist von Vereinigung die Rede. Vielleicht bedeutet es, dass ich mich der Asche und dem feurigen Atem des Vulkans opfern muss.«

»Hör sofort auf damit!« Ronin schoss aus seinem Sessel hoch. Er war ein Mann von etwa sechzig Jahren mit eisengrauem Haar, aber noch sehr agil, wenn er es wollte. »Du denkst diesen Wahnwitz besser keinen Schritt weiter!«

»Viridion ...« Erschrocken fasste sich Liron an die Brust. Vári fand es immer ein wenig seltsam, wie die beiden sich in seiner Gegenwart mit Kosenamen anredeten. Viridion bedeutete Smaragd. »Ich dachte, du schläfst.«

»Und während ich schlafe, willst du solche Pläne schmieden? Glaub mir, ich werde sofort hellwach, wenn du solche Worte fallen lässt.«

Liron seufzte tief und stützte müde seine Stirn in die Hand. »Ich bin so froh, endlich eine Spur gefunden zu haben. Sicher soll es so sein. Vielleicht ist es meine Aufgabe. Mir sind hier noch etliche, schöne Jahre mit euch geschenkt worden, doch womöglich war das nicht alles, wofür mich die Ahnen in die Welt zurückgesandt haben. Sie wollen sehen, ob ich bereit bin, ob wir bereit sind, dieses Opfer zu bringen, um den Fluch zu brechen.«

»Nein!«, grollte Ronin. »Du wirst nicht in diesen verdammten Vulkan gehen! Ich habe dich schon einmal verloren, damals, vor über zwanzig Jahren. Es hat mir das Herz gebrochen und nicht einmal deine Wiederkehr hat es wieder ganz geheilt. Ich gehe nicht noch einmal durch dieses dunkle Tal. Nicht einmal, wenn du damit die ganze Welt...

Erscheint lt. Verlag 25.6.2023
Reihe/Serie Inselreich-Saga
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Enemies Lovers • gay fantasy • gay romance • Historical • Historischer Liebesroman • Historischer Roman • hurt comfort • Inuit • Kolonisation • Liebesroman • Mittelalter
ISBN-10 3-7579-4163-2 / 3757941632
ISBN-13 978-3-7579-4163-5 / 9783757941635
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