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NeAndroidGirl (eBook)

Paleofiction
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
202 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7578-4065-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

NeAndroidGirl -  Johannah X. Ray
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NeAndroidGirl ist eine Zeitreise, 45000 Jahre zurück und viele Jahrzehnte voraus. Die Novelle beginnt mit der Situation um die Erforschung einer Bärenknochenflöte, die dem Neandertaler zugeschrieben wird. Die hierbei aus dem Nichts auftauchende Protagonistin ist offenbar eine junge Neandertalerin. Sie besitzt die Fähigkeit, durch die Zeiten bis heute zu wandern, sogar darüber hinaus. Wie sie das macht, erklärt sie dem staunenden Geliebten, dem Entdecker der Neandertalerflöte, nachdem die beiden in der Jetztzeit angekommen sind. Darüber hinaus weiterreisend, gewinnen sie den Blick zurück auf das Heute, das gleichzeitig in Technik verstrickt ist und doch in der Seele Einzelner eine alte Welt der tiefen Menschenbeziehungen bewahrt hat.

Die Autorin ist eine Musik- und Kunstliebhaberin, wendet sich auch gern den Wissenschaften zu. Sie schreibt gegen die Vergänglichkeit an.

Auch hier bestimmt also ein immenser Totenkult das Leben, wie in anderer Form in Çatal Höyük damals. Der Unterschied ist, dass Çatal Höyük, als Stadthügel über viele Jahrtausende gewachsen, in einer offenbar friedlichen Umgebung immer höher wuchs. Hier aber laufen überall Massen von bewaffneten Männern herum. Fern in der Wüste proben sie. Der Wagen des Bauern, sein Eselskarren oder sein Heuwagen, das war alles noch sehr friedlich. Hier aber gibt es Pferde, die in vollem Galopp ein zweirädriges Gefährt ziehen mit einem schwertschwingenden Soldaten drauf. Die Erfindung des Wagens wird offenbar auch benutzt, um Menschen zu töten. Das ist die Sprache dieser Manöver. In der Wüste um die Pyramiden wirbeln die Streitwagen immensen Staub auf.

Wir sind in diesem kriegerischen Land Schmuck-Händler. Ein Trio von Händlern mit Hund. Verschiedene Waren werden von unserem Geisterschiff abgeladen. Keine schwarze überdimensionierte Hand erscheint, kein Mechanismus, der sie erklären könnte. Wir bemerken Menschenmassen mit Aufsehern drumherum. Aufseher und Soldaten marschieren. Das Land erscheint geteilt in Herrschende und Sklaven, ganz undenkbar in der Zeit, aus der wir gerade kommen. Vielleicht 7000 Jahre liegen dazwischen, überschlage ich rechnend. Seegängige Schiffe fahren nach Übersee, mit einer Reihe von Ruderern, und mit Matrosen für das große Segel. Fan-ga-na-y studiert mit Staunen die Zeichenreihen allüberall, die unsnichts sagen, die aber eindeutige Botschaften enthalten, offenbar von den Händlern im Land verstanden. Vielleicht nicht von allen. Spielerisch hatte Fan-ga-na-y mit dem Hirtenjungen Zeichen entworfen, die sich auf die sichtbaren Dinge beziehen. Vielleicht erahnte sie die Möglichkeiten einer Systematisierung der Zeichen, wie sie hier angewendet wird, auf Menschensprache bezogen, oder auf Mehlsäcke?

Und ES taucht wieder aus dem Schiffsboden auf. Wir stehen mit dem Schiff im Hafen. Es greift nach mir, es umfasst mich diesmal, der Griff zieht sich um mich zu, ich bekomme kaum noch Luft. Blauzottl war nicht gleich bei mir während dieses zweiten verstörenden Vorgangs, sie kommt zu spät dazu. Als sie mich im Würgegriff sieht und etwas in den Raum ruft, gibt es wieder die Reaktion, dass alles sich einfach auföst, diesmal neben dem Schiff der Hafen, der nahe Wüstenboden, die Pyramiden, die arbeitenden Menschen. Ich hocke verkrampft, wie gegen diese übergroße Hand kämpfend, wie ein Laokoon, umgeben von Schlangen, plötzlich auf dem Höhlenboden von Divje Babe? Oder irgend einer ebenen Fläche in einem dunklen Raum. Es sei denn, ich erleide gerade wiederum einen Ohnmachtsanfall und ich habe diese Halluzination. Wieder ist nach einigen Sekunden alles wiederhergestellt, meine Vision von Ägypten ist wieder da. Wir sind weiter auf diesem ominösen Schiff. Blauzottl kommt mit verstörtem Blick auf mich zugerannt, legt den Arm um mich und fragt höchst besorgt, ob alles in Ordnung sei. Ich sage gar nichts. Ich muss sie komplett leer angeschaut haben. Sie zuckt heftig mit den Schultern und überlegt. Dann entschließt sie sich. Sie versammelt Fanga-na-y und mich um sich, der Graue ist wie immer dabei, und sagt: "Holen alles Schiff-neu". Wir klauben unsere Lanzen, Werkzeuge, Schmucktaschen, alles was wir bisher gesammelt haben im letzten Jahr, zusammen und verlassen schnellen Schrittes das Schiff, das es offenbar auf mich abgesehen hat. So ist mein subjektives Empfinden. Unter den Händlern und Seeleuten am Hafen bekommt Blauzottl die Informationen, die sie braucht: Morgen geht ein Schiff über das Meer nach Norden. Ich denke mir, das könnte Griechenland sein. Von dort wäre es nicht weit in die Heimat nach Slowenien. Irgend etwas hat dieses ganze Geschehen mit der Höhle Divje Babe zu tun. Wir müssen nur dort erst einmal wieder angekommen sein. Ich muss etwas über diese ungewöhnliche Reise und diese beängstigenden Geschehnissen in letzter Zeit zu wissen bekommen. Etwas spielt mit mir, oder mit uns Dreien, das wird mir immer klarer. Blauzottl und auch Fan-ga-na-y wissen vielleicht etwas, sagen aber nicht alles. Sie organisieren unsere Weiterreise ganz kühl und überlegt, so habe ich es im Gefühl.

Die kalte Nacht im ägyptischen Wüstensand bleibt ohne Vorkommnisse, die folgende längere Seefahrt auch. Das Schiff ist herrlich gebaut, mit großen Seilen über demDeck, die Steven und Heck verbinden und stabilisieren. Segelmannschaft und Ruderer arbeiten Hand in Hand und bringen das Schiff zu erstaunlicher Geschwindigkeit. Die Möven sind entweder echt oder täuschend echte Avatare, anders als in Floridas Disneyworld.

Wir landen eines Morgens zwischen Kriegsschiffen mit Rammsporn in einem Hafen, den ich nicht identifizieren kann. Doch ja, ich kann es ungefähr. Denn überall gibt es die klaren lateinischen Buchstaben des Römischen Reiches. Wir sehen gleich ein für die beiden Frauen überraschend großes, verschachteltes Gebäude, welches wir neugierig wie Touristen betreten. Die beiden kennen keine Kirchen. Drinnen beherrscht eine grün mit Mosaiken ausgeschmückte Kuppel den Raum. Fan-ga-na-y ist begeistert. Ein Hirte breitet seine Arme über Schafen aus, von denen die untere Reihe ihn anblickt, symmetrisch sechs von rechts, sechs von links. Wir erinnern uns an die selige Zeit in Çatal Höyük und unseren Hirten mit seinem Sohn. Etwas von dieser alten Ruhe aus alter Zeit steckt noch in diesem Mosaik. SANCTUS APOLENARIS sehe ich neben dem Kopf des Hirten, in dunklen lateinischen Lettern auf grünem Grund.

Und plötzlich steht ER neben uns. Eine gesichtslose schwarze Gestalt, wie aus dem Boden geschossen, steht neben mir. Ich bin wie gelähmt, weil es kein Gesicht gibt, nur zwei leere Augenhöhlen. Eine sich langsam auf mich zubewegende, nicht sehr große männliche Figur, mit zwei Rockschößen wie von einem Frack, dünnen langen Fingern wie von einem Pianisten, die Haare schütter, zur Seite gekämmt. Die Schwärze ist aber flimmernd. Es ist eher, als wäre die Figur die dreidimensionale Projektionsfäche einer Lasershow in den Farben der Umgebung. Etwas stimmt nicht. Blauzottl sieht dieses fimmernde halbschwarze Ungeheuer, nimmt ihre Lanze, die sie bisher wie einen Spazierstock getragen hat, steigt rittlings drauf, bedeutet uns, dass wir dasselbe machen sollen, nimmt ihren Grauen vor sich, hält ihn mit einer Hand und erhebt sich in die Luft, wir beide hinterher, ich mit dem langen Wanderstab, den ich mir inzwischen zugelegt hatte. Es funktioniert. Wir fliegen. Eine Art Segway-Mechanismus hält uns waagerecht. Unsere Utensilien sind in Taschen an den Lanzen und meinem Stock festgebunden geblieben. Die schwarze Gestalt bleibt unten am Boden. Sie schaut zu uns hoch. Sie kann nicht folgen. Wir fliegen einen Bogen vorbei an dem Hirten mit seinen Schafen in der Kirchenkuppel und frech wwwwwwusch knapp über dem zu uns plinsenden schwarzen Kopf, der seiner Hand hastig den Befehl gibt, nach uns zu greifen. Wir sind zu schnell, und raus jagen wir aus der Kirche. Diesmal taucht meine Höhle Divje Babe nicht in die Wirklichkeit oder Unwirklichkeit hinein.

Wir sind dem opaken Halbschwarzen entkommen. Unter uns liegt bald das weiß-schwarze fraktale Berg-Tal-Gebilde mit seinen tausend Verästelungen, heute genannt "Alpen". Wir folgen einem Flusstal Richtung Norden. Das muss das Rheintal sein, ich bin mir sicher. Bald nach dessen Schwenk nach Westen stürzt sich Blauzottl mit ihrem Fluggerät hinab auf einen Gebäudekomplex an einem Fluss. Wir folgen wie von einem Magneten gezogen. Wir wollen im Hof eines "Klosters" landen. Das sehe ich an der Zahl der Gebäude um eine Kirche herum. Ein Zug von weiß gekleideten Nonnen, viele von ihnen mit einem Kranzgebinde mit glänzenden Kerzen auf dem Kopf, bewegt sich, sanft vor sich her singend, in die Kirche hinein. Einige tragen, auf dem Rücken festgeschnallt, große glänzende Orgelpfeifen, wie einen überlangen, rohrförmigen Rucksack. Die Anführerin blickt weniger überrascht als wohlwollend zu uns nach oben, als sie Blauzottl und Fanga-na-y laut mitsingend über sich und ihren Nonnen erblickt. Vielleicht nimmt sie uns als Engel wahr, vielleicht sogar mich und den Hund? Sie stellt sich später, als wir zusammen mit ihr im Refektorium zum Mahl sitzen, als Hildegard vor. Ab da weiß ich, wo wir sind: Bei Hildegard von Bingen, der Visionärin, Pfanzenkundigen, Musikerin, Klostergründerin.

Wir schweben in die reich blumengeschmückte Kirche hinein, knapp über den Frauen. Wir landen und stellen unsere Fluggeräte im Seitenschiff ab, beim Stab des Christophorus. Die Nonnen mit den Orgelpfeifen schließen ihre Rucksäcke an einen Blasebalg an, der wie ein Krake seine Arme ausstreckt zu den Pfeifen. Zwei kräftige Nonnen beginnen tretend im Wechseltakt den Blasebalg zu bedienen. Die ersten Orgelpfeifentöne erzeugen tiefe Luftgeräusche und bald einen markerschütternden mehrstimmigen Bordun. Dazu wiegen sich die Orgelpfeifenträgerinnen und drehen sich, soweit sie können. Sie sind ja nun an das Blasebalgsystem angeschlossen und nicht mehr sehr beweglich. Der Bordun übertönt den Gesang der übrigen Nonnen und wabert durch den Kirchenraum, ich denke dabei an eine sich drehende Leslie...

Erscheint lt. Verlag 14.6.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Hildegard von Bingen • Marguerite Porete • Musik und Musikinstrumente • Neandertaler • Virtual Reality
ISBN-10 3-7578-4065-8 / 3757840658
ISBN-13 978-3-7578-4065-5 / 9783757840655
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