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Billie B. Shelter in China -  Rafael Robert Pilsczek

Billie B. Shelter in China (eBook)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
192 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7543-6850-3 (ISBN)
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Billie B. Shelter war eine junge Bloggerin aus Berlin. Das B. stand für Bowie. David Bowie. Sie war dreiundzwanzig Jahre alt. Als sie ins Gefängnis von Beijing geworfen wurde. Sie war einundzwanzig Jahre alt. Als der Androgyn in ihr Leben trat. Ein vorzüglicher Kindergärtner auf dem Abenteuerspielplatz am Käthe-Kollwitz-Platz. Sie wurden kein Paar. Weil er über sich zu unsicher war. Sie wurden auch deswegen kein Paar, weil Billie eine sehr merkwürdige Frau war. Sie liebte ihn sehr. Wie Billie als Gefahr für das System in ein chinesisches Gefängnis geworfen wurde und warum sie weiterhin an die große Liebe glaubte, davon erzählt diese temporeiche Geschichte voller Abenteuer und überraschender Ereignisse. Der Roman des Hamburger Schriftstellers Rafael R. Pilsczek ist sein 12. Buch und sein erster Thriller. Ein Buch, das seine Leser gefangen nimmt. Und bis zu seinem Ende nicht wieder loslässt. Eine Sommerlektüre, die am Strand aufgrund seiner Spannung frösteln lässt. Und ein Krimi, der im Winter aufgrund seiner Leidenschaft die Seele wärmt.

Der Schriftsteller und Maler Rafael R. Pilsczek, Jg. 1968, schaut in seinen Werken stets in das Leben einzelner Menschen und zieht daraus Schlüsse auf das Leben selbst. Ein bewusster deutscher Europäer, in jungen Jahren erfolgreicher Reporter und Journalist, der in fast allen renommierten Medien veröffentlicht hat, zieht der Autor ununterbrochen hinaus in die nahe und weite Welt, um ausgehend von seinen Erlebnissen mehr zu erzählen als von Einzelteilen des Lebens selbst. Studierter Philosoph sowie Literatur- und Politikwissenschaftler, war der Autor auf vielen Feldern erfolgreich. Er hat bislang elf Bücher veröffentlicht. Darunter: "Wie ich 10 Tausend Menschen nahe kam" (2014), "Friedenskinder" (2015) sowie das Theaterstück "Kriegskinder" (2016). In dem Doppelwerk "Meine West End Story" (2017-2019) gibt er umsichtige Antworten auf die wohl wichtigste Frage dieser Epoche, ob der Westen an sein Ende gekommen ist. Im Gedicht- und Liederband "Groß werden" (2018) wiederum variiert er das Thema Älter-werden. Der Roman "Mai. Ein junger Mann, der nicht zu halten war" (2019) beschreibt die turbulente Welt nach dem Mauerfall. In seinem Briefroman "Die Anglerin" (2020) erzählt die alte Professorin Renate Szymanski aus ihrem bewegten Leben. "Lance und Joffe. Eine Heldengeschichte" (2021) ist die Familiengeschichte der Biermanskis über drei Generationen und eine Vision davon, wie es wieder Helden in Deutschland bräuchte. Rafael R. Pilsczek, geboren am linken Niederrhein, lebt seit Jahrzehnten in Hamburg. Lesungen führen den Autor seit Jahren durch ganz Deutschland und bis nach Amerika. Als Maler ist er für seine epischen Gemälde bekannt.

Frau Billie B. Shelter


Sie war eine junge Bloggerin aus Berlin. Billie B. Shelter hieß sie. Das B. stand für Bowie. David Bowie. Den, der alles gemacht hatte. Shelter stand für den Schutz, den sie anderen bot. Auch für den Schutz, den sie erfuhr. Sie war dreiundzwanzig Jahre alt. Als sie ins Gefängnis von Beijing geworfen wurde. In das Hochsicherheitsgebäude C34. Wie es offiziell hieß. Das Gefängnis für besondere Gefangene aus dem Westen. Sie war einundzwanzig Jahre alt gewesen. Als der Androgyn in ihr Leben trat.

Ein Albino, der ein vorzüglicher Kindergärtner auf dem Abenteuerspielplatz am Käthe-Kollwitz-Platz war. Sie wurden kein Paar, weil er über sich zu unsicher war. Sie wurden auch deswegen kein Paar, weil Billie eine sehr merkwürdige Frau war. Sie liebte ihn sehr. Und bewahrte sich für diese Liebe auf. Was sie noch außergewöhnlicher machte.

Billie war eine Frau, die jeder vernünftige Mensch an seiner Seite haben wollte. Sie wohnte in einer anderthalb Zimmer großen Wohnung unter dem Dach. Auf dem Dach war ein Taubenverschlag. Er gehörte einem siebzigjährigen Ex-DDRler. Herr Meyer war gefährlich. Das dachten früher viele. Er war in jungen Jahren im Auslandsgeheimdienst der DDR tätig gewesen. Heute war er ein Mann voller Herz. Er richtete Billie eine Ecke neben dem Verschlag ein.

Zwei Sonnenliegen. Ein Tisch. Ein kleiner Kühlschrank mit Softgetränken, den er stets neu auffüllte. Es war ein guter Ort. Auch weil Herr Meyer den Dreck der Tauben täglich wegfegte. Er sorgte dafür, dass das Dach wie das eines Hotels war. Wenn Billie den beißenden Geruch mit Hilfe des Rauches ihrer parfümierten Zigaretten aus Ägypten überdeckte.

So sah Billie hinunter auf den Hackeschen Markt. Dort war es voller Leben. Voller Cafés und Restaurants. Voller Touristen, die an ihrer bunten Kleidung und ihren Einkaufstüten zu erkennen waren. Voll von Berlinern, die soffen. Berlinern, die aßen. Und voll an bestimmten Plätzen, an denen die Huren ihre kurzatmigen Reviere hatten. Der Lärm der S-Bahn bestimmte dort alle. Sie fuhr dort krachend alle sieben Minuten lang. In den Westen und in den Osten.

Billie war berühmt geworden. Und sie war es nicht. Sie hatte in den letzten vier Jahren eine Menge Wirbel ausgelöst. In ihrem Blog schrieb sie über all das Unmenschliche. Das Unmenschliche, das Menschen – und vor allem Männer darunter – sich nur antaten. Besonders ein Beitrag wirbelte das politische Berlin auf. Sie war die Erste. Die Erste, die das Leben des Abgeordneten öffentlich machte. Von einem, der pädophil war. Dann war sie auch an einer weiteren Sache beteiligt. Ein Abgeordneter rauchte Crystal Meth. Auch dieser musste aus dem Parlament ausscheiden.

Auch an einer weiteren Aufdeckung war sie beteiligt. Eine, die es bis in die Abendnachrichten von CNN schaffte. Die Nachricht war die, dass Nazis einen Anschlag auf die Synagoge um die Ecke geplant hatten. Einen Selbstmordanschlag. Wie ihn bis dahin nur Islamisten ausführten. Die Verhinderung sollte vertuscht werden. Billie machte diese Pläne öffentlich. Sie hatte gute Kontakte. Zur Polizei. Zur Staatsanwaltschaft. Zum Verfassungsschutz. Es kostete sie jeweils nur ein Lächeln. Und eine Beharrlichkeit, die ihresgleichen suchte.

Billie war eine Bloggerin, die über Hunde – ihren Hund – schrieb. Sie war zugleich besonders. Sie veröffentlichte nichts Großes über Mode, Kosmetik und all den anderen Dreck. Mit dem junge Frauen weltweit auftraten. Sie entwickelte früh mit ihrem Daten-Spezialisten Matze eine geschlossene Form des Blogs. Sie bestimmte allein, wer dort ihre Beiträge lesen durfte. Ihre Abonnementliste war ihr Geheimnis. Und ihre Stärke. So hielt sie sich insgesamt im Hintergrund. Sie wollte nicht berühmt werden. Sie wollte nicht zum Abschuss durch die Drecksleute frei gegeben werden.

Sie war auch nicht allein. Sie hatte Freunde. Solche, die auf sie aufpassten. Mut war Billies Name. Angst ihr Begleiter. Eine Kraft, die sich in ihr mächtig entfaltete. Wie es viele zum Guten und zu ihrem Schlechten erlebten. Eine Kriegerin. Eine, die sanft war, wenn sie es wollte. Eine solche, die stach, wenn es richtig war. Riss, wie es ein Säbel konnte. Nicht allein das Florett.

Im Reisepass stand ihr wirklicher Name. Sie verwendete ihn nur, wenn es notwendig war. Sie hieß dort Laura Valentina Rodrigues del Martinez. Im Leben als Bloggerin hatte sie einen weiteren Namen für sich gefunden. Marie Antoine Vareille gefiel ihr als weitere Rolle. Sie war darin eine Hugenottin. Eine solche, die von hohem Blut abstammte. Eine derjenigen, die vor den Schergen in Paris erfolgreich in das Berlin der Könige Preußens geflohen waren. Eine Figur, mit der Billie in den wohlhabenden Kreisen Berlins gut ankam. Die, die ihre Villen am Wannsee hatten. Unter diesem Namen veröffentlichte sie Gedichte von Liebe, Verlust und Erbauung. So hatte Billie vorgesorgt. Sie wusste, wo sie wie wem gegenüber auftrat. Bisher ging es gut.

Ihre Kleidung war klug gewählt. Schlaghosen und schwarze Pullover für kalte Tage. Cremeweißes Top an warmen Tagen. Wenn unterwegs, eine Jacke mit vielen Taschen, die ihr der alte Rolf Pils geschenkt hatte. Eine ärmellose, abgetragene Weste. Solche, wie sie alte Kriegsreporter halt in ihren besten Jahren getragen hatten. Ihre Piercings waren aus Titan. Ein Nasenring. Kirsch-rot. Ein silberner Ohrstecker auf der linken und ein goldener auf der rechten Ohr-Seite. Manchmal ein Nietengürtel um die Hüfte.

Ihre pechschwarzen Haare reichten bis zum Lendenwirbel. Sie sah an guten Tagen aus wie die junge Penelope Cruz. An schlechten Tagen sah sie aus wie eine der üblichen Großstadtindianerinnen. Solche, die seit dem Mauerfall Berlin-Mitte überfluteten. Ihre Haut schönste Bronze und ohne Makel. Ihre tiefbraunen Augen schauten so, wie sie es nur wollte. Klar und deutlich. Oder verschlagen. Oder stumm bis zur Unsichtbarkeit. Ihre Figur war schlank. Sie achtete auf sich. Alles an ihr, gesamt gesehen, war in erdbraune Färbung getaucht. Eine Erscheinung, wie sie in Berlin selten war.

Viele von der Straße sahen oft eine weitere Südamerikanerin in ihr. Bauch flach. Brüste fest und klein. Doch: Einen Stand, den keiner ihr nehmen konnte. Durchgedrückter Rücken. Wenn sie ging, dann als Braungurt des Aikido. Stolz und gelassen. Eine Tänzerin, wenn sie es wollte. Acht Jahre klassisches Ballett im Körper. Eine Penthesilea war sie. Eine Frau wie die Amazonen-Königin, die als einzige unter Männern im Troja-Krieg gekämpft hatte. Billie war nur ein Meter fünfundsechzig lang. Eine wie die junge, weltbekannte Madonna. Schuhe aus Schlangenleder oder High Heels mit roter Sohle. Je nachdem.

Einen Hut tragend. Einen Stetson. Wenn es passte. Einen Haarknoten tragend. Einen Dutt, der eine in Stirnnähe zu einem Knoten geflochtene Frisur des Kopfhaars war. Ein passendes Accessoire, wenn sie zu den Empfängen in das Auswärtige Amt ging. Attische Frauen steckten sich das Haar mit handgefertigten Elfenbeinnadeln auf. Die Frisur wurde auch von attischen Männern getragen. Jedoch steckten sich diese das Haar mit goldenen Spangen zusammen. So war Billie ein begehrenswertes Wesen. Billie gleichwohl war wählerisch.

Einsam in der Wahl und sehr selten wählend. Im Grunde ohne Wahl bis jetzt.

Der Haarknoten war typisch für Athen. In anderen Stadtstaaten wie Sparta und Zypern waren wieder andere Haartrachten getragen worden. Billie kannte die Geschichte der Antike. Sie fühlte sich ihr verbunden. So sah sie sich stets nicht allein als gegenwärtige Frau. Sie sah sich als eine Frau, die in die Geschichte Europas eingeordnet war. Der Frauen, die für Frauen kämpften. Vielleicht war Billie sogar ein Teil aller Geschichten der Welt. Die vom Kampf für das Gute erzählten.

Keine Sonnenbrille trug sie. Auch wenn diese sie noch geheimnisvoller gemacht hätte. Niemals trug sie diese Krücke von Frauen, die stark in die Welt hinaus sehen wollten, ohne erkannt zu werden. Billie war da anders. Sie bot, was sie war. Klaren Blick behaltend. Eine, die mit offenem Visier auftrat. Kommt nur her. Ich habe keine Angst. Sagte sie damit.

Besonders war ihre Haltung zu Tattoos. Sie war dafür. Zugleich trug sie welche, die sie niemals bei Gleichaltrigen gesehen hatte. Sie hatte eine Stilrose von einem Cover von Depeche Mode auf dem rechten Oberschenkel. Sie hatte sich die Zunge der Rolling Stones auf ihren linken Bizeps mit einer Nadel und blutroter Tinte einstechen lassen, also ohne Maschinenhilfe. In der Armbeuge des linken Arms stand das Lied der Lieder verewigt: Yesterday von den Beatles. Und an der Verse hatte sie ein Statement: Schlicht und einfach den Namen St. Vincent. Einer New Yorker Sängerin und Gitarristin, die Billie sehr mochte. Sie hatte sie einmal sehr lange interviewt.

Dazu kamen noch die Wörter (Norah) Jones und, selbstredend, der neue Star (Billie) Eilish. Wobei Billie für sich wusste, dass ihre Namenswahl – Billie Shelter – älter als das Auftauchen dieses Stars in der Welt war. Überhaupt nannte sie sich Billie Shelter zum einen nach Billie The Kid. Jung sein. Rebellisch.

Mörderisch gut. Zum anderen nach dem Song der Rolling Stones. Gimme Shelter. Gib mir Schutz. Das war stark. Ein...

Erscheint lt. Verlag 27.9.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-7543-6850-8 / 3754368508
ISBN-13 978-3-7543-6850-3 / 9783754368503
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