Aether Gazette Sammelband 1 (eBook)
172 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7526-4055-7 (ISBN)
Horacio Stamford ist der Stammautor der Aether Gazette und den Lesern unseres Blattes bereits als Schlagzeilenschreiber bekannt. Er lebt in der fiktiven Welt der Aether Gazette und sie können hier etwas über ihn erfahren. Horacio Stamford wurde als Sohn ärmlicher Eltern in Brunswick, geboren. Dort wuchs er die meiste Zeit in einem Kinderheim auf und verdiente sich seine ersten Sporen in der Arbeitswelt in einem Textilwerk in Penne. Aber schon immer war das Schreiben für ihn ein Traum und so versuchte er, im Verlagshaus Schallermann und Söhne, mit Reportagen unterzukommen. Doch wurden seine Geschichten dort rundweg abgelehnt, da Schallermann und Söhne zu Obrigkeitsergeben handelten und keine Kritik am System in ihrer Postille abdrucken wollten. Frustriert kehrte er schließlich Penne den Rücken und machte sich in einem Viehtransport auf nach Berlin. Dort fiel er dem Inhaber und Herausgeber der Aether Gazette auf, der ihn nach anfänglichen Boten- und Lehrjahren als Stammautor seiner Zeitung einsetzte. Horacio Stamford lebt zurückgezogen und vermeidet allzu häufigen Kontakt mit Menschen. Allerdings pflegt er einen immensen Kontak in das Dämonenreich und hat dort mit einigen illustren Persönlichkeiten zu tun.
Das grosse Rennen
von Horacio Stamford
Die Straßen Berlins waren gut gefüllt an diesem Nachmittag. Überall hörte man die Geräusche von Pferdekutschen, Dampfflügler schwirrten durch die Lüfte und Menschen eilten durch Trassen und Gassen.
Nur an einer Stelle war es ruhig. Dort befand sich der Dampfflügler von Kate. Sie und Ox standen gelangweilt vor ihm herum.
»Ox!«, sagte Kate mit einer herrischen Miene und drehte ihren Kopf zu einem 2,20 Meter großem Mann um, der auf dem Kopf einen Bowler trug.
Der Riese war verwirrt, blickte sich erschrocken um und sah dann Kate an. »Hm?«, fragte er, ohne sich um Worte zu bemühen.
Seine Erscheinung konnte man durchaus als imposant beschreiben. Er trug ein weißes Heizerhemd, das sich im Lauf der Arbeit an vielen Stellen rußgeschwärzt hatte. Die schwere Lederhose mit den typischen Natron-Nieten an den Seiten wurde mit grauen Hosenträgern gehalten.
Und zu guter Letzt hatte er natürlich die von Amts wegen vorgeschriebenen schweren Stiefel angezogen, die vorn mit einer Naht aus Aluminium und Kupfer versehen waren. Dazu besaßen sie, als zusätzliche Sicherheit, Kappen aus Oxydstahl.
Die obligatorische Schweißerbrille hatte er auf die Stirn gesetzt.
»Erzähl mir noch einmal: Wie viele Fahrgäste hatten wir bisher?«, fragte die robuste, doch gleichzeitig zierliche Frau mit der Fliegerkappe und einem Che-de-Roi-Kleid, wie es bei den weiblichen Fahrern eines Dampfflüglers üblich war.
Ox sah Kate verwirrt an. Angestrengt überlegte er, was sie wohl mit ihrer Frage bezwecken wollte. Dann öffnete er den Mund und murmelte »Hrr. Hrr.«
Kate neigte leicht den Kopf, kniff die Augen zusammen und fragte erneut: »Hm. Und gestern?«
»Hrr.«, sagte Ox nur. Ihm wurde unbehaglich zu Mute, denn er konnte sich schon denken, was als Nächstes folgen würde. Und so kam es auch.
Als Kate ansetzte und ihren Satz mit »Hm, und …«, begann, unterbrach sie Ox mit seiner knorrigen Stimme: »Also wirklich Kate. Einmal in der Stunde fragst du mich, wie viele Fluggäste schon bei uns waren. Wir hatten gestern keinen, wir hatten vorgestern keinen … und heute auch noch keinen … und wenn du mich noch tausendmal fragst.«
Dabei schüttelte der Hüne seinen Kopf, so dass ihm sein Bowler fast herunterfiel.
Kate sah ihn durchdringend an und schwieg. Sie schwieg lange. Dann machte sie einen Schritt auf ihn zu und Ox erschrak. Doch sie blickte ihm nur von unten her in die Augen und sagte: »Manchmal wünschte ich mir schon, dass Doktor Stein dir dein Sprachzentrum nicht wieder gerichtet hätte.«
Ox kroch eine kleine Träne ins Auge und gekränkt erwiderte er: »Das ist gemein, Kate.«
Ein leichtes Mitgefühl stieg in ihr auf, doch dann übernahmen sehr schnell wieder ihre Hexensinne das Kommando. Kühl antwortete sie: »Ja, ich weiß. Aber du hast mir besser gefallen, als du nur ›Hrr. Hrr.‹ gesagt hast. Da hast du weniger Widerworte gegeben.«
»Als ich mich dazu entschieden habe, die verbrecherische Laufbahn aufzugeben, was ja irgendwie auch ein Verdienst von Mister Holmes war, da hast du mir eine Chance gegeben. Das vergesse ich nicht. Aber trotzdem darfst du nicht erwarten, dass ich jetzt zu allem ja und amen sage.«
Kate starrte ihn verwundert an und in diesem Moment begriff der Riese, was er da gerade getan hatte. Er hatte ihr widersprochen. Er, der Heizer und Handlanger. Furcht stieg in ihm auf und er begann leicht zu zittern. Allerdings so unmerklich, dass es keinem Menschen aufgefallen wäre. Kate aber, mit ihren Hexensinnen, musste es bemerkt haben. Sie musste einfach.
Als diese ihren Blick auf den Boden richtete, hatte sich Ox bereits innerlich auf einen Wutausbruch ihrerseits eingestellt. Schließlich hatte er schon mehr als einmal mitbekommen, was passierte, wenn man Kate reizte oder sie sich aufregte und wütend wurde.
Nur die Baronin konnte sie dann noch stoppen. Aber die war nicht hier und er stand Kate allein gegenüber. Da würde ihm auch all seine Kraft nicht helfen. Er spannte sich an und wartete darauf, dass sie ihren Hexenstab in die Luft hob.
Doch Kate blieb ruhig. Lange blickte sie auf den Boden, hob dann ihren Kopf und sah ihm fest in die Augen. Schließlich sagte sie nur: »Ist ja gut, Ox. Es ist nur so, dass …«. Sie sprach nicht weiter. Ihm kam es vor, dass sie nach Worten suchte, um ihren Satz zu beenden.
Aber Ox hatte nicht die Geduld, zu warten, bis sie wieder sprach. Also fragte er: »Hrr?«
Kate seufzte. »Ich fürchte, über kurz oder lang müssen wir unseren Dampfflügler aufgeben. So schwer es mir fallen wird.« Dann starrte sie wieder auf den Boden.
»Das ist nur eine Flaute,« sagte Ox, »es kommen auch wieder bessere Zeiten.«
Kate hob erneut den Kopf und es stahl sich fast so etwas wie ein Lächeln auf ihre Gesichtszüge. »Deinen Optimismus möchte ich haben.«
Der Hüne packte sie an den Armen, schüttelte Kate ein kleines bisschen, es sollte wohl eine Umarmung andeuten, aber nie hätte er es gewagt, sie wirklich in den Arm zu nehmen, und sagte dann lachend: »Du weißt doch … beschränkter Intellekt, kindliches Gemüt.«. Und er lachte laut.
Kate lachte nicht, sondern schüttelte nur belustigt den Kopf und meinte zu ihm: »Und jetzt lass mich los, Ox. Du brichst mir noch alle Knochen.«
Sein Lachen brach abrupt ab und sofort entließ er Kate aus seinem Griff. Diese kam unsanft auf dem Gehweg auf, denn unwissentlich hatte er sie nicht nur leicht geschüttelt, sondern auch noch etwas in die Höhe gehoben.
»Tschuldigung.«, murmelte er, während sich Kate die schmerzenden Arme rieb. Dann standen beide da und schwiegen.
Nervös spielten Ox Finger an seinen Hosenträgern, während er überlegte, was er nun tun sollte. Schließlich kam ihm eine Idee. Eine Ablenkung musste her. Er würde sie einfach auf andere Gedanken bringen.
*
»Was macht denn eigentlich die Hexengesellschaft?«, fragte er und bereute in diesem Moment seine Entscheidung, jene Frage gestellt zu haben.
Kates Augen funkelten und ihre Mundwinkel verzogen sich. Ärgerlich beantwortete sie seine Frage: »Ach Gott … die Baronin ist ja völlig durch den Wind. Seit sie wieder mit diesem Van Houten zusammen ist, da läuft alles aus dem Ruder. Ihre neueste Verrücktheit: Ein Wohltätigkeitsbasar. Stell dir das mal vor! Ein Basar! Für wohltätige Zwecke! Von uns Hexen!«
»Öh …«, sagte Ox und vor seinem geistigen Auge begannen sich Bilder zu formen: Warzengesichtige Hexen, in Kittelschürzen, die mit Kuchentabletten auf einem Feld herumliefen und Menschen versuchten, ein Stück davon zu verkaufen. Direkt vor ihm manifestierte sich eine dicke Hexe mit einem Buckel auf dem Rücken, die ihm mit den Worten: »Na? Ein Piccolöchen?«, ein Glas vor das Gesicht hielt. Eine andere mit zwei Köpfen, davon einer hässlicher als der andere, schubste diese aus dem Weg und schüttelte eine Tasse vor ihm herum. »Ach was. Der Herr mag doch lieber einen Kaffee, so wie er aussieht. Aber draußen nur Kännchen.«, sagte sie.
Ox schüttelte wild den Kopf und die Bilder verschwammen wieder. Entgeistert sah er Kate an. »Davon hast du gar nichts erzählt?«
Sie rollte mit den Augen. »Unsere Hexengesellschaft ist ein Geheimbund. Was für einen Sinn hat ein Geheimbund, wenn man jedem davon erzählt?«
Er dachte nach. Er dachte sogar angestrengt nach. Und er dachte minutenlang nach. Kate legte den Kopf schief und sah ihn mit einer Miene an, die aussagte: »Na? Kommt da noch was?«. Und schlussendlich erwiderte er: »Jo.«
Kate schloss langsam die Augen und zählte innerlich bis 10. Das schien auch Ox zu bemerken, denn er schob noch ein »Macht Sinn.«, hinterher.
Erneut seufzte sie und hielt sich innerlich vor Augen, dass eine Unterhaltung mit dem Riesen in den meisten Fällen langsam und schwierig war. Dann sagte sie: »Dass du den Kaiser auf seinen Ausflügen bewachst, das weiß ja auch keiner.«
Ox lachte. »Nein, das weiß keiner.« Und wieder begann er zu überlegen. Dann zählte er an seinen Fingern ab: »Außer der Kaiser … Sherlock Holmes, Watson, Moriarty, Van Houten …«.
Kate versuchte, ihn in der Aufzählung zu bremsen und sagte hastig: »Ja.«
Doch der Hüne fuhr fort und bewegte dabei weiter seine Finger zählend auf und ab: »Seraphina, die Baronin, ein paar alte Kumpel, Wiesel …«
Erneut versuchte Kate, den Redefluss des Riesen zu unterbrechen. Doch ihr, nun schon energischer ausgesprochenes »Ja!«, hatte auch diesmal keine Wirkung.
»Die Harfenjule, der eiserne Gustav, der Hauptmann von …«, sprach Ox weiter und Kate platzte der Kragen.
Laut rief sie: »Ja doch! Noch genauer brauchen wir es nicht!«
Ox verzog in diesem Moment die Mundwinkel. Beleidigt sah er sie an und murmelte: »Ja dann eben nicht, pööh!«
Dann drehte er sich um und tat so, als müsse er am Dampfflügler arbeiten.
Wieder schloss Kate die Augen, atmete mehrmals ein und aus. Ihre Finger glitten zu ihrem Hexenstab und am liebsten hätte sie Ox einen Fluch an den Po gehext. Dann aber meditierte sie kurz, um sich zu beruhigen.
Ja, er hatte nun einmal ein kindliches Gemüt und irgendwie, auf eine ganz bestimmte Art und Weise, aber sicher nicht die Weise, die manche sich jetzt denken würden, hatte sie den großen Kerl auch lieb.
Sie ließ ihren Hexenstab wieder los und sagte, so sanft sie es eben hinbekam: »Entschuldige bitte, Ox. Es tut mir leid.«
Dieser hatte nun allerdings seine Trotzphase eingenommen und sagte nur: »Hrr. Hrr.«
Nun wurde Kate doch ärgerlich und sie schalt ihn: »Oh nein, das machst du nicht mit...
| Erscheint lt. Verlag | 11.1.2021 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7526-4055-3 / 3752640553 |
| ISBN-13 | 978-3-7526-4055-7 / 9783752640557 |
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