Perfides Spiel (eBook)
350 Seiten
Irresistible Reads Press (Verlag)
978-0-00-007644-1 (ISBN)
Schauplatz dieses dramatischen Mystery-Krimis ist die idyllische Stadt Sanremo an der italienischen Riviera. Nicht gerade ein Ort, um Mord, Korruption und politische Intrige zu finden. So dachte zumindest Nico Moretti, ein Rechtsanwalt, als er seine Praxis in der Großstadt aufgab, um ein ruhigeres Leben an der Küste zu genießen. Aber fast über Nacht werden er und seine beherzte Freundin, Susanna, zu Hauptverdächtigen in einem Doppelmordfall abgestempelt. Um ihre Unschuld zu beweisen, sehen sie sich gezwungen, die Schuldigen selbst ausfindig zu machen. Doch je mehr sie versuchen, sich zu entlasten, umso mehr werden sie von unerklärlichen Geschehnissen belastet. Verfangen in einem nimmer endenden Psychoterror, greifen sie verzweifelt nach Strohhalmen. Ihr Schicksal als Opfer eines Justizirrtums scheint unabwendbar. Wer steckt hinter diesem perfiden Spiel?
Rezension von amara: Einfach großartig!
Von der ersten Zeile an hat mich das Buch gefesselt. Die Geschichte ist schlüssig, man kann alles sehr gut nachvollzihen und nachfühlen. Von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Die Sprache ist sehr gut, sehr reich an Adjektiven, was das Lesen unheimlich bereichert und spannend macht. Die Protagonisten sind interessant, auch als Persönlichkeiten, sie haben so gut zu einander gepasst. Ich werde sicherlich später das Buch noch ein Mal lesen!
"Ein Tagebuch? Das hört sich nicht nach ihr an."
"Warum nicht?"
"Nun ... na ja, bei reiflicher Überlegung: ja, warum nicht?" Elise blickte in Richtung ihrer Schwester. "Weißt du etwas darüber, meine Liebe?"
"Nein, mir gegenüber hat sie nie so etwas erwähnt. Aber du kennst sie. Sie mag ... mochte Geheimnisse. Das lag ein bisschen in ihrer Natur."
''Ihre Natur?'' sagte ich. ''Meines Erachtens sind es in der Regel stille, eher verschlossene, sensible Personen, die ihre Gedanken einem Tagebuch anvertrauen. Passte Denise in diese Kategorie?"
Sie lächelte schwach. "Nein, ich denke nicht. Sie war voll des blühenden Lebens. Aber ... sie hatte eine ernste Seite im Innersten."
"Philosophisch," fügte Florence hinzu.
"Ja, eine philosophische Seite."
"Wie Sie Denise beschreiben," sagte ich, "muss es einige Romanzen in ihrem Leben gegeben haben."
Elise setzte ihre Tasse hin. "Ich nehme es an, aber sie sprach kaum über ihre Männerbekanntschaften."
Ich ließ die Aussage in der Luft hängen. Ein alter psychologischer Trick aus der Befragungstechnik im Gerichtssaal. Der Befragte fühlt sich gezwungen, seine Aussage fortzusetzen oder zu ergänzen. Elise ging darauf ein.
"Natürlich gab es Jungs. Sie war jung, hübsch, lebenslustig. Warum nicht? Jungs von der Schule jedoch. Später, als sie zur Universität ging, brachte sie keine mehr mit nach Hause."
"Fanden Sie das nicht seltsam?"
"Ja, vielleicht. Aber ich bohrte nie. Wenn Denise mich etwas wissen lassen wollte, würde sie es sagen. Wenn nicht, konnte sie ausgesprochen wortkarg sein."
"Wie war es mit der älteren Generation?"
"Ich verstehe nicht."
"Ältere Männer. Stand sie vielleicht eher auf reifere Männer?"
"Ältere Männer?"
"Um die fünfzig vielleicht?"
Elise hielt eine Hand vor dem Mund und lächelte verlegen. "Mon Dieu, Monsieur, sie war erst dreiundzwanzig."
"Was spielt das für eine Rolle, Elise?" sagte Florence. "Denise war weder Jungfrau noch naiv. Wenn so ein Mann betucht war und sie gut behandelte, warum nicht?"
"Florence!"
"Sei nicht so blauäugig, Elise. Schau mal die jungen Spunde heutzutage an. Was können die einer Frau wie ihr bieten? Die meisten sind ..." sie unterbrach sich mitten im Satz. "Na ja, du weißt, was ich meine."
"Ich weiß es nicht," sagte Elise pointiert.
Ich wandte mich an Florence. "Wissen Sie von einem solchen Mann? Hat sie vielleicht von jemandem gesprochen? Oder einen Namen genannt?"
Bevor Florence antworten konnte, fuhr Elise dazwischen. Ihr Blick war scharf. Sie sagte: "Dies sind keine absichtslosen Fragen, Monsieur. Worauf wollen Sie hinaus?"
"Es ist vorstellbar, dass dieser Mann den Behörden in ihren Ermittlungen behilflich sein könnte," sagte ich und kam mir vor wie ein Cop im Fernsehen.
"Aber Sie wissen nicht einmal, ob er überhaupt existiert, nicht wahr?"
"Nein. Aber es gibt Hinweise. Man hat einiges an teurem Schmuck, sowie Designer-Kleider, hauptsächlich Abendgarderobe und Cocktailkleider, bei ihr gefunden. Und einige Tausend Euro in Noten. Können Sie das erklären?"
"Absolut nicht ... du Florence?"
"Ich bin baff."
"Sie hatte kein eigenes Geld, nehme ich an?"
"Kaum. Sie hatte ein Stipendium für die Universität und jobbte ein wenig wie alle Studenten, habe ich mir sagen lassen. Und ich gab ihr ein monatliches Taschengeld."
Florence stand auf und schenkte uns Kaffee nach. Sie war nachdenklich dabei. Anschließend sagte sie zu mir:
"Nun, da wir darüber sprechen, Monsieur, erinnere ich mich doch an einen Abend, als sie mal bei mir übernachtete. Und das ist noch nicht so lange her. Sie kam auf einen Abstecher von Sanremo. Denise philosophierte gern, und ich bin eine gute Zuhörerin. Wir sprachen über Gott und die Welt, und sie brachte das Thema auf Liebe und Familie. Ihre Augen leuchteten freudig, vielleicht glücklich auf, und sie sagte, dass sie denke, den Mann kennen gelernt zu haben, mit dem sie ihr Leben verbringen könnte. Ich denke, sie meinte damit, 'einen Mann zu heiraten.' "
"Sie hat keinen Namen genannt? Einen Wohnort? Details?"
"Ich erinnere mich nicht so genau. Ehrlich gesagt, ich habe damals der Sache keine Bedeutung beigemessen. Sie war immer ein wenig impulsiv, auch auf ihre Art romantisch. Schnell das Gute in einem Menschen sehen. Aber jetzt ...?"
"Sie hat Ihnen gegenüber nie einen solchen Mann erwähnt?" fragte ich Elise.
"Vielleicht ... in gewisser Weise vielleicht ... aber nein, ich erinnere mich leider nicht."
Also Sackgasse.
Ich stand auf. Es war Zeit zu gehen. Hier würde ich nichts mehr erfahren.
''Haben Sie vielleicht ein neues Foto von Denise?" fragte ich.
Florence holte eines in einem Rahmen.
"Kann ich ihm dieses geben?" fragte Florence Elise.
"Sie bekommen es wieder," sagte ich. "Ich mache mir eine Kopie und schicke Ihnen das Original zurück. D'accord?"
Elise nickte.
Es war ein Porträt, das ihre Schönheit und – durch ihre blitzenden Augen – ihre Persönlichkeit in allen Nuancen einfing. Eine Frau in ihrer Blüte, die gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde. Welch ein Verlust! Welch eine Katastrophe!
In dem Augenblick spürte ich den Drang, ihren Mörder nicht nur zu finden, sondern auch höchst persönlich an die Justiz zu liefern. Egal wer immer er ist. Egal, was immer ich dafür tun musste.
Der Verkehr auf der Rückfahrt in die Stadt war zähflüssiger geworden, der abendliche Berufsverkehr hatte eingesetzt. Ich fuhr in Richtung Universität. Wie die meisten Universitäten heute platzte sie aus allen Nähten, sogar der Parkplatz um diese Uhrzeit war überfüllt.
Es dauerte ein Weilchen, bis ich endlich Denises Studienleiter fand. Ich musste mich durchfragen. Was schwierig genug war, denn der akademische Tag war beendet, die Büros waren geschlossen. Aber einige Seminare liefen noch, und das war meine Rettung. Man rief ihn über Handy an.
Er war, wie sich herausstellte, auch der Rugby-Coach, und ich fand ihn auf dem Spielfeld, wo er eine größere Gruppe Spieler trainierte. Er trug einen Jogginganzug, war groß gewachsen und etwa Ende Dreißig.
"Hallo," sagte er und lächelte mich freundlich an. "Sie suchen mich?"
Ich stellte mich vor und gab ihm meine Karte. Wieder benutzte ich als Vorwand Denises Nachlass. Dann stellte ich ihm einige Fragen zu ihr und ihren Leistungen.
Er musterte mich argwöhnisch. "Hören Sie," fuhr er mich an. "Sie können diese Art Information vom Sekretariat der Fakultätsleitung erhalten." Sie sehen doch, ich bin mitten im ..."
"Denise wurde brutal ermordet," fiel ich ihm scharf ins Wort. "Ich bin hier zur Unterstützung der Ermittlungen. Von der italienischen Seite." Ich wollte es so anklingen lassen, als ob ich mit den Bullen zu tun hätte. "Soll ich berichten, dass Sie sich in einer Morduntersuchung unkooperativ erwiesen haben?" fügte ich hinzu.
Er gab nach. "Oh, okay, jetzt verstehe ich. Nun ...?"
"Sie war in der Gastronomie in Sanremo tätig. Hatte das etwas mit der Universität zu tun - irgendwie?"
"Ja, sie hatte ein Feldprojekt dort."
"Wer hat Sanremo ausgewählt?"
"Sie selbst. Sie wählte das Projekt und den Ort aus."
"Ist das üblich?"
"Sagen wir – es ist nicht unüblich bei Semesterprojekten. In diesem Fall legte sie mir ihren Vorschlag vor und ich genehmigte es."
"Sie arbeitete in einem Gastronomiebetrieb. Ist das auch üblich?"
"Ja. Fast alle Studenten in solchen Projekten haben Trainee-Jobs. Um praktische Erfahrungen zu sammeln, verstehen Sie. Sie hat sich beworben bei ... bei ... ich habe den Namen des Lokals vergessen."
"Nicht von Bedeutung ... wie werden diese Art Projekte finanziert?"
"Tja, das ist immer ein bisschen heikel. Ich habe ein Budget für solche Dinge. Sie bekam daraus einen Zuschuss. Was sie noch brauchte, musste sie selbst beisteuern. Das ist der übliche Weg heutzutage. Auch deswegen hatte sie einen Job angenommen."
"Sind diese Projekte bei Ihnen zeitlich begrenzt?"
"Ja, ein Maximum von drei Monaten. Aber sie bekam eine dreimonatige Verlängerung aufgrund eines italienischen Sprachkurses, den sie dort machte."
"Sechs Monate ist eine lange Zeit der Unterbrechung für ihr Studium, meinen Sie nicht?"
Er schüttelte den Kopf. "Sie hatte nicht unterbrochen. Das Projektziel bestand darin, Theorie mit Praxis zu ergänzen und ihre Sprachkenntnisse fachlich zu vertiefen."
Das ließ ich mir durch den Kopf gehen. Es hörte sich ziemlich fadenscheinig an.
"Nun," sagte er und begann sich wegzudrehen, "wenn das alles ist ..."
"Noch nicht ... die Art, wie Denise umgebracht wurde, lässt nicht ausschließen, dass eine Affekthandlung vorliegt. Wie war es hier mit Männerbekanntschaften? Vielleicht können Sie mir ein paar Hinweise geben?"
Er blickte mich spöttisch an. "Denise wohnte hier auf dem Campus, aber ich habe sie selten mit Männern gesehen."
"Sie hatte keinen regulären Begleiter?"
"Nicht, dass ich wüsste."
"Frauenbekanntschaften?"
Er lächelte verlegen, als ob ich gerade einen peinlichen Witz erzählt hatte. "Wollen Sie damit andeuten, dass sie lesbisch war?" sagte er.
Ich erwiderte nichts.
"Nun, sie war keine Einzelgängerin," fuhr er fort. "Sie war eher eine sehr private Person. Aber nicht verschlossen, möchte ich hinzufügen. Nein, sie war beliebt. Aber ... aber sie legte Wert auf Abstand."
Ich fragte mich, ob wir von derselben Denise sprachen. Ich konnte die Ironie in meiner Stimme nicht verbergen. "Wollen Sie damit sagen, dass sie in einem luftleeren Raum gelebt hat?"
Für einen kurzen...
| Erscheint lt. Verlag | 1.6.2017 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| ISBN-10 | 0-00-007644-9 / 0000076449 |
| ISBN-13 | 978-0-00-007644-1 / 9780000076441 |
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