Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 662 (eBook)
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-5407-1 (ISBN)
Auf der Verlobungsfeier des Grafen Harro von Schilling mit Ria Derweit kommt es zu einem Eklat. Der Vater der Braut hört zufällig, wie Harros adelsstolze Großmutter sich abfällig über die Verlobung ihres Enkels mit einer Bürgerlichen, der Tochter eines 'ehemaligen Kellners', beschwert. Und dabei hat der mittlerweile millionenschwere Hotelkönig freundlicherweise eingewilligt, der Grafenfamilie ein Grundstück für den Bau eines neuen Hotels abzukaufen, damit Gut Schillinghofen vor dem drohenden Ruin gerettet wird. Jetzt ist alles aus. Doch Ria, die Harro über alles liebt, will das nicht hinnehmen. Sie heckt einen Plan aus, um der alten Dame ein Schnippchen zu schlagen. Es ist ein riskantes Spiel, bei dem sie alles gewinnen, aber auch alles verlieren kann ...
Von schlichter Herkunft
Rias tapferer Kampf um die große Liebe
Auf der Verlobungsfeier des Grafen Harro von Schilling mit Ria Derweit kommt es zu einem Eklat. Der Vater der Braut hört zufällig, wie Harros adelsstolze Großmutter sich abfällig über die Verlobung ihres Enkels mit einer Bürgerlichen, der Tochter eines »ehemaligen Kellners«, beschwert. Und dabei hat der mittlerweile schwerreichen Hotelkönig freundlicherweise eingewilligt, der Grafenfamilie ein Grundstück für den Bau eines neuen Hotels abzukaufen, damit Gut Schillinghofen vor dem drohenden Ruin gerettet wird. Jetzt ist alles aus. Doch Ria, die Harro über alles liebt, will das nicht hinnehmen. Sie heckt einen Plan aus, um der alten Dame ein Schnippchen zu schlagen. Es ist ein riskantes Spiel, bei dem sie alles gewinnen, aber auch alles verlieren kann ...
Der Wind sauste über die Hänge und trieb die Schneeflocken vor sich her.
»Es wird Sturm geben«, murmelte Graf Harro vor sich hin, während er die Skier in den Boden stemmte und die Stöcke in den Schnee stieß, um die Schneebrille besser vor seinen Augen zu befestigen.
Der junge Graf von Schilling war ein begeisterter und geübter Skiläufer. Seine Heimat war Gut Schillinghofen, das in der Nähe von Oberstdorf gelegen war. Die Umgebung von Oberstdorf war ein ideales Skigebiet und leistete somit der Liebhaberei des jungen Mannes Vorschub.
Der Kalender zeigte den vierzehnten März. Eine Woche fehlte also noch bis zum Frühlingsanfang, doch die Schneeverhältnisse waren oberhalb der Tausendmetergrenze idealer als im Winter.
Harro hatte jetzt seine Brille befestigt und warf einen besorgten Blick auf den Himmel. Die Sonne war verschwunden, eine dicke Wolkendecke hatte sie verschluckt.
Ein Schneesturm ist nichts Angenehmes, dachte der junge Mann und zog den Reißverschluss seines neuen Anoraks bis zum Kinn hinauf, sodass die Kapuze fest um den Kopf schloss.
Der Wind war so stark geworden, dass Harro von Schilling sich geradezu gegen ihn lehnen musste, um aufrecht stehen zu bleiben.
Er zog seine Stöcke aus dem Schnee. Um sich die Richtung einzuprägen, warf er einen Blick zu der etwa einen Kilometer entfernten Reiterhütte empor, die sein nächstes Ziel sein sollte. Er war erfahren genug und wusste, dass er bei einem Schneesturm auf den Versuch verzichten musste, das Tal zu erreichen.
Und da ging es schon los.
Die ersten Flocken stoben daher und folgten einander in so dichtem Wirbel, dass Harro kaum die Hand vor Augen sehen konnte.
»Verflixtes Wetter«, knirschte er zwischen den Zähnen und setzte sich in Bewegung. Er ging weit vorgeneigt und mit langen, ausholenden Schritten.
Bei Mama daheim am Teetisch wäre es jetzt gemütlicher, dachte er.
Harro stellte sich das Familienwohnzimmer auf Gut Schillinghofen vor, wo sicherlich zu dieser Stunde im Kamin ein prasselndes Feuer brannte. Sein Vater, Graf Bernhard, würde davorsitzen und eine Pfeife rauchen, während seine Mutter, Gräfin Elisabeth, sicherlich mit einer feinen Handarbeit beschäftigt war.
Die Teestunde war stets die gemütlichste des ganzen Tages auf Schillinghofen. Da war die Familie immer unter sich, und alle Tagesereignisse wurden besprochen.
Graf Harros Gedanken wandten sich wieder dem Schneegestöber zu. Zum Glück kannte er sich hier aus und tastete sich nun an den Stangen entlang, die im Abstand von zehn Metern den Weg markierten.
Immer dichter wurde das Schneetreiben. Schneidend pfiff der Wind.
Da, jetzt stießen Harros Skierspitzen gegen die Türschwelle. Er wäre beinahe mit dem Kopf gegen die Hüttentür gerannt, weil er die Hütte im Schneetreiben tatsächlich nicht gesehen hatte.
Sich mit dem Rücken gegen die Tür lehnend, löste er die Bindung seiner Skier und stellte die Bretter aufrecht gegen die Hüttenwand.
Er wusste, wo der Schlüssel verborgen war. Über der Tür war ein Balken, auf den man hinaufgreifen musste. Dort lag er.
So schnell es seine vor Kälte steif gewordenen Hände in den Fausthandschuhen erlaubten, schob er den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Dann schlüpfte er hinein.
Selbstverständlich war die Hütte nicht beheizt, denn es hielt sich ja zurzeit niemand darin auf. Die Reiterhütte gehörte zum Besitz des Grafen von Schilling. Sie war also keine öffentliche Hütte, obwohl sie jeder in Gebrauch nehmen durfte, der sich in Bergnot befand.
Zuerst einmal machte Harro Licht, denn man konnte bei diesem Schneetreiben draußen nicht die Hand vor Augen sehen.
Dann langte er nach der Flasche Enzian und trank einen Schluck, um sich von innen zu wärmen, ehe er daran ging, ein Feuer anzuzünden.
Um das Feuer in Gang zu bringen, musste er nämlich wieder hinaus und Holz aus dem Schuppen holen.
Graf Harro gab sich einen Ruck und trat hinaus.
Der Wind riss ihm die Tür aus der Hand und schlug sie gegen die Hütte. Und plötzlich war es ihm, als hätte er einen Hilferuf gehört.
Ja, er hatte sich nicht getäuscht. Aus dem dichten Schneegestöber erscholl jetzt wieder ein Schrei.
»Hilfe!«
Ein hoher, spitzer Schrei war es, der für einen Augenblick das Heulen des Sturmes übertönte.
»Das hört sich ganz nach einem Frauenzimmer an«, murmelte Graf Harro zornig vor sich hin.
Die Frau hat wahrscheinlich keine Ahnung vom Skilaufen, dachte er ärgerlich, und nun ist sie bei einem solchen Wetter unterwegs und weiß sich nicht zu helfen. Ein Jammer, dass ich noch einmal hinausmuss!
»Stehen bleiben! Hilfe kommt!«, rief er, so laut er konnte, während er beide Hände als Trichter um seinen Mund legte.
Dann holte er erst einmal das Holz, um das Feuer anzuzünden, denn er sagte sich, dass die Gerettete, wenn er mit ihr zur Hütte kommen würde, sicherlich für Wärme dankbar sein würde.
Das Feuer begann auch sogleich lustig zu prasseln, und zehn Minuten später stand Graf Harro schon wieder auf den Skiern und war, bewaffnet mit einer starken Taschenlampe, von Neuem unterwegs.
»Ich komme!«, rief er. »Bitte, geben Sie ein Signal!«
»Hier«, tönte es schwach von Westen zurück und dann noch einmal lang gezogen: »Hilfe!«
Diesmal musste er ohne die Stangen auskommen, denn die Verirrte befand sich außerhalb dieses Bereiches.
Immer wieder mit der Taschenlampe den Boden ableuchtend, bewegte Graf Harro sich vorsichtig vorwärts. Fast eine halbe Stunde brauchte er, bis er die Verunglückte erreicht hatte.
Sie stand eingeschneit mitten im Schnee. Die Kapuze des Anoraks umgab ihr Gesicht so eng, dass das Haar nicht zu sehen war, und die Hälfte des Gesichts verschwand unter einem gestrickten Gesichtswärmer.
Harro ergriff sie energisch am Arm und zog sie mit sich.
»Bleiben Sie im gleichen Schritt mit mir!«, befahl er. »Nehmen Sie alle Kraft zusammen! Wir müssen die Hütte erreichen, sonst sind wir beide verloren.«
Sie taumelte nur noch und war sichtlich sehr erschöpft. Harro wagte nicht, sie loszulassen. Er fürchtete, sie würde umsinken.
Nach einer Dreiviertelstunde mühsamer Wanderung erreichten sie endlich die Hütte. Ganz allmählich ließ das wilde Schneetreiben nach, und das Licht aus dem Hüttenfenster leuchtete ihnen wie ein Stern.
Harro half dem Mädchen, die Skier abzuschnallen, und befreite sich selber von seinen Brettern. Dann klopfte er ihren Anorak und Skianzug vom Schnee frei.
♥♥♥
Anschließend schob er sie zur Tür hinein, folgte ihr rasch und schloss die Hüttentür.
Als sie mit klammen Fingern den Reißverschluss ihres Anoraks öffnete, quoll eine hellbraune Haarflut darunter hervor, und er sah, dass sie ein bildhübsches Gesicht und blaue Augen hatte.
»Wer sich in den Bergen nicht auskennt und vom Skilaufen nicht genug versteht, sollte nicht allein solche gewagten Touren unternehmen«, sagte er tadelnd.
»Sie halten wohl in sportlicher Beziehung nichts von Frauen?«, fragte sie herausfordernd.
»Nicht, wenn sie sich und andere dabei in Gefahr bringen!«
Harro nahm der jungen Skiläuferin, die vor Kälte mit den Zähnen klapperte, den Anorak ab und wies auf die Ofenbank.
»Setzen Sie sich dort nieder! Ich mache uns einen Grog.«
Wer mag sie wohl sein?, fragte er sich, während er in der kleinen Küche hantierte. Aus Oberstdorf und Umgebung konnte sie nicht stammen, denn dort kannte er jedes hübsche Mädchen. Vielleicht war sie ein Feriengast.
Von der Ofenbank her hörte er ein Niesen.
»Sie haben wohl schon einen Schnupfen?«, fragte er voll spöttischer Teilnahme.
»Mein Skianzug ist ganz nass«, klagte das Mädchen.
»Gehen Sie an den Schrank«, bot er ihr an, »und suchen Sie sich von meinen Sachen etwas heraus! Ziehen Sie sie an, auch wenn sie Ihnen zu groß sind. Dann können wir Ihre Sachen am Feuer trocknen.«
Taktvoll zog Harro die Tür der Küche zu, um sie beim Umkleiden allein zu lassen.
Als er nach vorherigem Anklopfen wieder in das große Zimmer trat, musste er lächeln, so seltsam sah sie aus.
Irgendwo...
| Erscheint lt. Verlag | 6.6.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2018 • 2019 • Adelsromanze • Bestseller • Cora • Deutsch • Doktor • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • E-Books • Familiensaga • feelgood • Fortsetzungsroman • Frauen • Frauenroman • für • Gefühle • Glück • Großdruck • große-schrift • Happy End • Heimatroman • Heirat • Herzschmerz • Hochzeit • Kindle • Klassiker • leni-behrendt • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Märchen • Märchen-Erwachsene • Mira • Modern • Romance • Roman-Heft • romantisch • Romanze • Schicksalsroman • Schmonzette • Schön • Serie • spannend • Wohlfühl • wohlfühlen |
| ISBN-10 | 3-7517-5407-5 / 3751754075 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-5407-1 / 9783751754071 |
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