Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Kampf um Lübece Band 3 (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023
480 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7578-6954-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Kampf um Lübece Band 3 - Sigrid Kaßbaum
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Kampf um Lübece, Band 3 Historischer Roman über die Slawen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg im Frühmittelalter

Sigrid Kaßbaum, 1950 in Plön geboren, lebt in Schleswig-Holstein

Zur Vorgeschichte:


Die Brüder Sventipolk und Knut sind 1127 die Erben des Fürsten der Abodriten Heinrich von Lübece. Nach dem Tod ihres Vaters geraten sie in einen Erbschaftsstreit. Sventipolk, der ältere Sohn, versucht Knut von der Herrschaft fernzuhalten. Aber nachdem ihr Cousin Pribislav zwischen den Brüdern vermittelt hat, scheint Sventipolk den Erbanspruch seines Bruders zu akzeptieren.

Knut gibt die Burg Plune auf und ist bereit, über die Ostsee in sein östliches Herrschaftsgebiet zu reisen. Dort will er sich in der Mikilinburg niederlassen. Zusammen mit seiner Frau Geneviève bricht Knut zur Lutilinburg in der Nähe der Ostseeküste auf, während Pribislav in Plune bleibt.

Kapitel 96 Lutilinburg


Mitten in der Nacht erwachte Pribislav von großem Geschrei und Gepolter im Hof, fuhr verschlafen auf und ging hinaus. Geneviève war aufgelöst in den Hof gestürmt. Sie wirkte panisch, ihre wirre Rede war in einem Gemisch aus ihrer französischen Muttersprache und den paar Brocken Slawisch so unverständlich, dass man sie mit einem Schlummertrunk zu Bett nötigte.

Erst Stunden später fasste sie sich so weit, dass sie verständlich mitteilen konnte: „Mein Gatte ist tot.“ Sie war froh gestimmt zusammen mit Knut aufgebrochen und nun völlig durcheinander ohne ihren Mann aus der Lutilinburg zurückgekehrt.

Pribislav stützte sich auf den Tisch und sah Geneviève eindringlich an. Auf alle Fragen, ob er im Kampf getötet worden sei, ob er verunglückt sei, ob er krank gewesen sei, hatte sie immer nur heftig den Kopf geschüttelt und den einen Satz wiederholt: „Mein Gatte ist tot.“

„Wie konnte das passieren?“

Geneviève wich Pribislavs Blick aus und schwieg.

„Als ihr von Plune aufgebrochen seid, war er gesund! Er hatte auch keine Verletzung und wirkte ganz normal. Wie kann er plötzlich tot sein? Was ist passiert?“

Sie stöhnte, legte ihre Hände auf den Mund und schüttelte den Kopf.

„Sprich endlich!“ Pribislav fiel es schwer, an sich zu halten, er rieb seine Hände, um Geneviève nicht an den Schultern zu packen. Stattdessen bemühte er sich, seiner Stimme einen neutralen Klang zu geben. Immerhin hatte sie gerade ihren Mann verloren und seinen Tod offenbar selbst nicht begriffen. Wenn er sie zu sehr bedrängte, verstummte sie vielleicht ganz. „Hast du jemanden beobachtet, der sich ihm feindselig genähert hat?“

„Feindselig?“ Geneviève sah ihn ratlos an. Ihre Augen waren gerötet und verschwollen.

Kannte sie das Wort nicht? Oder wollte sie Zeit gewinnen?

„Hat jemand ihn erstochen?“ Pribislav hob die Hand, als wollte er mit einem Dolch zustoßen, und Geneviève wich entsetzt zurück.

„Nein!“ Sie brach wieder in Tränen aus und verbarg ihr Gesicht in den Händen. Er seufzte, nun würde sie endlos jammern, ohne dass er etwas in Erfahrung bringen konnte.

Auch draußen im Hof, wo er einen Schluck Wasser trank, hörte er ihr lautes Weinen. „Seit wann bin ich so gleichgültig gegenüber solchen Klagen?“, fragte er sich einen Augenblick, dann begannen seine Gedanken wieder um die Frage zu kreisen, wie Knut ums Leben gekommen war.

Alles war doch bestens geregelt. Es erschien ihm undenkbar, dass Sventipolk seinen Bruder hatte ermorden lassen, denn im Streit um die Erbschaft hatten sie sich geeinigt: Sventipolk überließ seinem Bruder Knut die Mikilinburg im östlichen Teil des Abodritenreiches und konnte nun unangefochten in seiner Stadt Lübece herrschen. Allerdings würde er vom Tod seines Bruders profitieren, wenn er Samtherrscher der Abodriten werden wollte.

Pribislav schloss eine natürliche Todesursache aus, selbst die fragwürdige Küche des Herrn von der Lutilinburg ließ er außer Acht, nur eine absichtliche Vergiftung schien ihm denkbar, und Gift einzusetzen traute er vor allem Frauen zu. Geneviève war in seinen Augen verdächtig. Andererseits: Warum sollte sie ihren einzigen Beschützer umbringen? Sie war auf Knut angewiesen, denn Sventipolk hatte stets deutlich gemacht, dass er nichts von ihr hielt.

Aber gelegentlich griffen auch Männer zu Gift. So gesehen, kam selbst der Herr der Lutilinburg, in der Knut und Geneviève ihre Unterkunft gefunden hatten, als Mörder in Frage. Pribislav rief sich den Burgherrn Gero vor Augen. Würde der Mann es wagen, einen der Söhne des berühmten und angesehenen Heinrich von Lübece umzubringen? Einen Sohn seines früheren Herrn? Warum sollte er dessen Tod wünschen?

Pribislav ging auf und ab. Ihm fiel ein, wie ehrfürchtig Gero, selbst ohne großen Einfluss, den mächtigen Holsten Daso bewundert hatte. Dieser Daso von Innien hegte einen tiefen Groll gegen Heinrichs Sippe, weil er von seinem Schwiegersohn Sventipolk brüskiert und beleidigt worden war. Kam er als Anstifter eines Mordes in Frage? Hatte er den schwachen Herrn Gero für seine Pläne benutzt? Aber Daso grollte vor allem Sventipolk und nicht Knut. Das war ein ungelöstes Rätsel, denn welchen Vorteil hätte Daso von Knuts Tod?

Als der Morgen graute, wanderte Pribislav ans Ufer der Insel und sah nach Nordosten. Dort lag die Lutilinburg. Dorthin würde er gleich mit einigen Männern aufbrechen, um den Leichnam seines jungen Cousins zu bergen.

Die Lutilinburg wirkte verlassen. Nur Gänse meldeten lauthals die Ankunft der Fremden, aber niemand erschien zur Begrüßung.

Pribislav blinzelte. Was war hier los? In einem Kräutergarten entdeckte er den gebeugten Rücken einer alten Frau. „Wo sind sie alle, Mütterchen?“, fragte er.

Die Frau richtete sich auf und sah ihn verständnislos an.

„Wo ist Herr Gero? Wo sind die Bewohner dieser Burg?“

Die Bäuerin hob eine erdverkrustete Hand und deutete in die Ferne.

„Wo? Im Wald dort?“

Sie wedelte mit der Hand, als wollte sie sagen, alle seien viel weiter weg.

„Sind sie an der Küste? Kannst du nicht sprechen?“

Sie nickte kurz und wandte sich wieder ihren Pflanzen zu.

Pribislav forderte seinen Knappen auf, einen Blick in die Burg zu werfen. „Wahrscheinlich müssen wir weiter bis an die See. Gero scheint mit seinen Leuten an die Küste gezogen zu sein.“

Der Knappe kam kurz darauf wieder aus der Burg und schüttelte den Kopf. „Von Herrn Gero keine Spur, und von dem Leichnam habe ich auch nichts gesehen.“

Sie zogen an krummen, windzerzausten Eichen vorbei und konnten schon bald das Meer riechen. Als sie die Abbruchkante des hohen Ufers erreichten, blieben sie zwischen den Bäumen stehen und hielten Ausschau. Da entdeckten sie weit draußen in der Bucht ein brennendes Schiff. Pribislav kam bei diesem Anblick eine böse Ahnung. Der Strand war gesäumt von über hundert Menschen, die still zu dem brennenden Schiff hinüberschauten. Kleiner und kleiner wurden die Flammen, bis eine Wolke aus Qualm und Dampf aufzischte, als es halb versank.

„Was glaubt Ihr, Herr, warum sie das Schiff verbrennen?“

„Ich befürchte, dort geht der unter, den wir abholen wollten“, bemerkte Pribislav. „Ich werde mir Herrn Gero vornehmen.“ Er wendete sein Pferd. „Sucht einen Weg nach unten, hier ist das Ufer zu steil.“

Etwas weiter entfernt führte ein Hohlweg an den Strand hinunter. Dort setzte sich seine Truppe in Galopp. Die Zuschauer wurden unruhig, als sie die Reiter herankommen sahen, und eine Reihe Bewaffneter stellte sich ihnen in den Weg.

„Wo ist Herr Gero?“, rief Pribislav in drohendem Ton.

„Herr Pribislav, seid gegrüßt! Warum fragt Ihr so barsch?“ Ein junger Mann, den er nicht kannte, hatte eilig seinen Helm abgenommen, trat vor und streckte ihm die Hand entgegen.

Pribislav blieb auf seinem Pferd sitzen und erwiderte den Gruß nicht. Er deutete mit dem Kopf auf die Stelle, an der das Schiff inzwischen versunken war. „Was hat das zu bedeuten? Was habt ihr da versenkt? Und wer bist du überhaupt? “

Der Mann bekreuzigte sich und sprach mit gedämpfter Stimme. „Wir wollten dem edlen Herrn Knut eine angemessene Bestattung nach Wikingerart gewähren. Und ich bin Geros Sohn Gerald.“

„Nach Wikingerart! Er war ja zeit seines Lebens ein Wikingerkönig!“, höhnte Pribislav. „Als er vor zwei Tagen zur Lutilinburg aufbrach, war er ein gesunder, junger Slawenfürst, ein blühendes Mannsbild. Was habt Ihr getan, dass er jetzt tot ist, Herr...äh... Gerald?“

„Wir haben keine Schuld an seinem plötzlichen Tod! Wir sind ratlos und tief bekümmert.“ Er kehrte die Handflächen mit hilfloser Geste nach außen.

Pribislav zog sein Schwert und richtete die Spitze auf ihn. „Das bezweifle ich! Mir scheint eher, Ihr wolltet mit dieser Verbrennung seines Leichnams auf dem Meer alle Spuren Eurer Tat beseitigen!“

Mit einer kurzen Handbewegung forderte er seine Männer auf, Gerald zu entwaffnen und zu fesseln. Dessen Leute murrten und sprangen ihm zur Seite.

„Wagt es!“ Pribislavs...

Erscheint lt. Verlag 9.5.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Lübeck • Machtpolitik • Mittelalter • Plön • Slawen
ISBN-10 3-7578-6954-0 / 3757869540
ISBN-13 978-3-7578-6954-0 / 9783757869540
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Das Ende der Welt. Roman

von Sabine Ebert

eBook Download (2025)
Knaur eBook (Verlag)
CHF 18,55