Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Im Schatten des Weißen Turms (eBook)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
621 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9537-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Im Schatten des Weißen Turms -  Dietmar Lilienthal
Systemvoraussetzungen
8,99 inkl. MwSt
(CHF 8,75)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Kurkölnische Stadt Arwilre 1686: Der Waise Johannes Alden wird im Klosterhof der Weißen Mönche in Arwilre aufgenommen. Unter der Obhut seines Lehrmeisters Vater Achatius lebt er glücklich und zufrieden. Doch nicht alle Mönche sind ihm freundlich gesonnen. Mehrmals sieht sich der Jüngling rätselhaften Vorkommnissen gegenüber. Welche Rolle spielt hierbei der zwielichtige Alchemist Morienus? Als der Pfälzische Erbfolgekrieg ausbricht, gerät das Leben von Johannes in Gefahr. Im Weißen Turm, der neuen Niederlassung der Mönche, spitzen sich die Ereignisse zu. Ein Mord geschieht, und plötzlich stehen Johannes und seine Geliebte Sophia im Mittelpunkt des mysteriösen Geschehens. Arwilre: historische Bezeichnung der Stadt Ahrweiler

Dietmar Lilienthal ist in Ahrweiler im Weißen Turm aufgewachsen. Der promovierte Astrophysiker lebt mit seiner Familie in der Eifel und war beruflich im Management astronomischer Forschungsprojekte der Luft- und Raumfahrt tätig. Die Geschichte seiner Heimatstadt, persönliche Erinnerungen sowie seine naturwissenschaftlichen Interessen bildeten die Grundlage für die fantastische Romangeschichte vor historischem Hintergrund.

Dietmar Lilienthal ist in Ahrweiler im Weißen Turm aufgewachsen. Der promovierte Astrophysiker lebt mit seiner Familie in der Eifel und war beruflich im Management astronomischer Forschungsprojekte der Luft- und Raumfahrt tätig. Die Geschichte seiner Heimatstadt, persönliche Erinnerungen sowie seine naturwissenschaftlichen Interessen bildeten die Grundlage für die fantastische Romangeschichte vor historischem Hintergrund.

Kapitel 1



Jahr des Herrn 1668

Stadtbewohner beschuldigen eine anmutige Jungfrau der Hexerei



Seit Tagen hatte sich im gesamten Flusstal eisiger Herbstnebel festgesetzt, den die Sonne auch zur Mittagsstunde nicht zu durchdringen vermochte. Verborgen im nebligen Dunst umschlossen üppig bewaldete Bergketten das abgelegene Tal. Tief eingegraben in eine schmale Schlucht, rauschte der Fluss zwischen schroff abfallenden Felswänden dahin, seiner Mündung im fernen Rheintal entgegen. Allmählich erweiterte sich das Tal zu einer weiten, beschaulichen Auenlandschaft.

Am nördlichen Rand, eng geschmiegt an die burgenförmig ansteigenden Terrassen steiler Weinberge, lag das mauerbewehrte Arwilre. Auch die hohen Weinbergmauern verblassten hinter einer undurchdringlichen Nebelwand, die dem Betrachter den gewohnten Ausblick auf die malerische Umgebung verwehrte. Mit Anbruch der Abenddämmerung wurde es kälter. Wind kam auf und trieb durch die Straßen dichten Schneegriesel, der sich nach und nach auf die gesamte Stadt mit ihren Türmen und Toren niederlegte. Die Dächer und Zinnen verschwanden im milchigen Dunst, unsichtbar, als ob sie nicht zu dieser Welt gehörten.

In der kleinen Stadt war längst Ruhe eingekehrt. Nicht so im Rathaus am Rande des Marktplatzes. Aus einem der hohen, schmuckvollen Bleiglasfenster drang der warme Lichtschein eines von der Zimmerdecke herabhängenden Kerzenleuchters. Einem spukhaften Schattentanz gleich, bewegten sich im flackernden Licht die dunklen Umrisse mehrerer Personen. Ihre Gesten ließen erkennen, dass eine wichtige Unterweisung im Gange war.

Dort, in der Amtsstube des Rathauses, hatte es sich ein gebieterisch auftretender, betagter Mann auf seinem Stuhl bequem gemacht. Er ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, wer hier das Sagen hatte.

»Es muss jetzt unbedingt etwas geschehen!«, verkündete er mit schneidender Stimme. »Noch können wir alle notwendigen Maßnahmen ergreifen.« Er lehnte sich zurück. Für einen Augenblick genoss er schweigend die furchtsame Hochachtung, die ihm die drei Männer der Stadtwache entgegenbrachten. Ihre Haltung wurde unter seinem Blick noch strammer.

Der Alte war der für die kurkölnische Stadt zuständige landesherrliche Inquisitionskommissar. Die Bewohner von Arwilre nannten ihn in ihrer angsterfüllten Unterwürfigkeit stets Meister Augustin. Im gesamten Umland galt er seit Jahrzehnten als äußerst unnachgiebig und fanatisch. Wann immer die Menschen eine Gelegenheit dazu fanden machten sie einen weiten Bogen um ihn.

Meister Augustin hatte die Siebzig bereits überschritten. Seine auffallend dürre Gestalt wurde durch sein hageres Gesicht betont, aus dem eine herrisch wirkende Hakennase hervorstand. Die wenigen flaumartigen Haare auf seinem länglichen Schädel gaben ihm das Aussehen eines Raubvogels. Meister Augustin verstand es, seinen autoritären Worten durch geschickte Gesten mit seinen schmalen, ungewöhnlich langen Händen widerspruchslosen Nachdruck zu verleihen. In seiner Eigenschaft als Hexeninquisitor bevorzugte er das Tragen eines symbolträchtigen schwarzen Umhangs, der bei allen Menschen in seiner Nähe unterwürfigen Respekt hervorrief. Dies verlieh ihm das Gefühl uneingeschränkter Macht, die er außerordentlich zu schätzen wusste. Er war zutiefst davon überzeugt, im rechten Glauben zu handeln, und wenn jemand der ketzerischen Rede bezichtigt wurde, verfolgte er den Beschuldigten rücksichtslos und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.

Meister Augustin blickte in die Runde, strich sich abwägend über sein glattes Kinn. Dem Kommandanten der Stadtwache, Hauptmann Leonard Lemmens zugewandt, erklärte er eindringlich:

»Die Zeit droht uns davonzulaufen. Wir können uns keine Verzögerung mehr erlauben!«

Der Hauptmann schaute den Inquisitor erwartungsvoll an. Mit seiner hünenhaften Gestalt überragte er nahezu alle Bürger der Stadt, was wohl der Grund dafür war, dass er schon seit vielen Jahren unangefochten sein verantwortungsvolles Amt innehatte. Mit sichtlichem Stolz trug er seine Wächteruniform, ein grobes Lederwams, einen breitkrempigen braunen Hut mit flachen Federbüschen, eine enge Hose sowie hohe Schaftstiefel. Als Zeichen seines Kommandantenrangs ragte ein Kurzschwert aus seinem Gürtel.

Seine beiden Untergebenen, Hanjub und Tönnes, standen hinter ihm. Sie hielten in ihren mit ledernen Handschuhen geschützten Händen bis fast an die Decke des Raums reichende Hellebarden.

Kommandant Lemmens war es gewohnt, noch spät am Abend amtliche Befehle auszuführen. Aber bei der heutigen Aufforderung zu einer sofortigen Unterredung hatte er sich gefragt, welche Angelegenheit denn ausgerechnet jetzt von solcher Eile sei. Die bevorstehenden Anordnungen des Inquisitors versetzten ihn in innere Unruhe.

Meister Augustin fuhr mit seiner Rede fort.

Die drei Zuhörer schenkten ihm ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie blieben weiterhin stramm vor ihm stehen.

»Seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hat die Bewohner von Arwilre nicht mehr solch ein Schrecken vor dem Wirken einer Hexe erfasst, wie in diesen Tagen. Schon vor zwei Wochen berichteten mir in der Residenzstadt Bonn mehrere Ratsherren über das merkwürdige Gerede der Jungfrau Annae Weißgerber. Den Ratsvertretern stand die Sorge deutlich ins Gesicht geschrieben. Sie befürchteten unheilvolle Auswirkungen auf die Stimmung der Stadtbewohner und drängten inständig auf meine inquisitorischen Dienste. Heute Nachmittag hat sich die Angelegenheit weiter zugespitzt. Annae Weißgerber wurde aufs Neue von einer Bürgerin beim Rat denunziert und der Hexerei beschuldigt. Es ist immer die gleiche Klage! Selbst einige Ordensbrüder vergaßen ihre weltabgewandte Zurückhaltung und erklärten mir gegenüber, die Jungfrau sei zwar fleißig und hübsch, verbreite aber angsteinflößende Erzählungen über unglaubwürdige Vorgänge an der kleinen Waldkirche auf der anderen Flussseite. Dieser Ort scheint ja äußerst verrufen zu sein. Nun wird alles noch viel schlimmer! Niemand wird aus dem Geschwätz der Jungfrau klug. Es klingt alles so verrückt und vor allem für leichtgläubige Weiber und Kinder so verstörend, dass immer mehr Menschen sie für eine wirre, vom Teufel besessene Hexe halten. Sie scheint mit Geistern und Dämonen zu verkehren. Was sonst, im Namen des Herrn, soll man von dem Gerede der Jungfrau nur halten?«

Instinktiv fühlte sich der Kommandant durch die Worte des Inquisitors zu einer Antwort aufgefordert. Bevor er sich jedoch äußern konnte, gebot ihm Meister Augustin mit einer herrischen Geste zu schweigen, wünschte er doch keine Unterbrechung seines Gedankengangs. Die Berichte der Ratsherren über die scheinbar unerklärlichen Vorfälle hatten den Inquisitor von Beginn an fasziniert. Brennender Ehrgeiz hatte ihn erfasst, dem Gerede der Jungfrau in allen Einzelheiten nachzugehen und dessen Ursprung zu ermitteln. Nun wollte er sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, auch die Stadtwächter über die Vorgänge ausführlich auszufragen.

»Sage Er mir, Kommandant Lemmens, warum um alles in der Welt ist denn der Ort an der Waldkirche so verrufen?«

Hauptmann Lemmens lag viel daran, jederzeit im rechten Licht zu erscheinen. Er bemühte sich mit Eifer, seine Kenntnisse über den genauen Ablauf der Ereignisse unter Beweis zu stellen.

»Vor etwa zwei Jahren, verehrter Meister Augustin, ist an der kleinen Waldkapelle eine schreckliche Gräueltat geschehen. Ein Reiter war zufällig von seinem Weg in die Stadt abgewichen und an der Kapelle vorübergekommen, sonst wäre die Schreckenstat wohl niemals entdeckt worden. Schon damals war ich Kommandant der Wache und sehe noch heute den verstörten Mann vor mir. Er war ganz blass und stotterte vor Aufregung:

Dort hängt, mit dem Kopf nach unten, die Leiche einer Jungfrau am niedrigsten Ast einer Eiche, an den Füßen festgebunden wie ein Stück Vieh. Ihr Hals ist durchschnitten und ihr Körper schlaff und völlig blutleer!

Allen Zuhörern war ein kalter Schauer den Rücken heruntergelaufen, als sie hörten, dass kein einziger Tropfen Blut der Getöteten auf die Erde geflossen war. Wir haben alles abgesucht, aber das Blut der Jungfrau blieb verschwunden. Niemand konnte sich vorstellen, wer oder was dafür verantwortlich war. Auch die Leiche der Ermordeten wäre bestimmt niemals aufgefunden worden, hätte nicht der Reiter im rechten Augenblick an der Gebetsstätte angehalten, um Gott für seinen Schutz während der langen Reise zu danken. Seit dieser Zeit munkeln alle Bürger der Stadt über den Ort nur noch von der Blutskapelle

Die beiden Stadtwächter nickten bestätigend, was den Kommandanten dazu anspornte, mit seiner Erklärung rege fortzufahren.

»Aber es war noch schlimmer gekommen! Kurze Zeit danach verschwanden in den Wehrbüschen nahe der Kapelle zwei weitere Jungfrauen ohne jede Spur. Viele Bewohner gerieten in Angst. Sie befürchteten, im Lande würden noch immer Gefolgsleute des französischen Kardinals Mazarin herumziehen und junge Frauen missbrauchen, verschleppen oder gar töten. Die meisten Bürger glaubten, der zum Kölner Kurfürsten Maximilian geflüchtete Erzieher und Pate König Ludwigs XIV. halte sich auch weiterhin dort auf. Er bringe nur Unheil. Andere wiederum waren davon überzeugt, den Verschollenen sei etwas Ähnliches wie der Jungfrau an der Blutskapelle widerfahren. Sie argwöhnten gar, das Los, Opfer marodierender Banden zu werden, sei gnädiger. Jedenfalls blieben die vermissten Jungfrauen unauffindbar und man hat niemals wieder etwas von ihnen gehört. Einige besonders furchtsame Bewohner beharrten auf ihrer Meinung, die...

Erscheint lt. Verlag 1.5.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Ahrtal-Kurköln • Alchemie • Astronomie • Geschichtsroman • Homunculus • Kriminalgeschichte • Liebesgeschichte • LudwigXIV.-Erbfolgekrieg • Ouroboros • Paracelsus
ISBN-10 3-7549-9537-5 / 3754995375
ISBN-13 978-3-7549-9537-2 / 9783754995372
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)
E-Book Endkundennutzungsbedinungen des Verlages

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Verlier dein Leben. Oder dein Herz

von Brooke Fast

eBook Download (2025)
Bramble eBook (Verlag)
CHF 14,65
Roman

von SenLinYu

eBook Download (2025)
Forever (Verlag)
CHF 24,40