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ENDOGEN (eBook)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
400 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9477-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

ENDOGEN -  Mäander Visby
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Eine Auslese an seinen Gedichten präsentiert Mäander Visby in seinem Buch ENDOGEN. Dabei blickt er zurück auf fünfzehn Jahre Dichtkunst, herausgefiltert aus seinen zahlreichen Dramen und seiner Trilogie DER DICHTUNG ZAUBERISCHE HÜLLE. Das Pendant zu ENDOGEN ist der Gedichtband EXOGEN.

*1985 Thüringen.

*1985 Thüringen.

A


ENDOGEN

VON MÄANDER VISBY


ABSCHIED

Der Abschied fühlt sich schrecklich an.

Ich weiß, er ist für immer.

An Rückkehr glaube ich nicht dran,

Denn Hoffnung macht's nur schlimmer.


Die Koffer sind schon längst gepackt.

Und nichts ist hinterlassen.

Die Uhr schlägt im Minutentakt.

Den Zug bloß nicht verpassen!


Dein Bild ist nach wie vor präsent.

Es kommt mir stets entgegen.

Im Flur, der Tod und Leben trennt,

Kann ich mich kaum bewegen.


Ich winke. Und ein letzter Blick

Sieht dich zu meiner Linken.

Es bricht mein Herz, mir mein Genick,

Im Abschied zu versinken.


ALLES ODER NICHTS

Willst du kämpfen oder sterben?

Was liegt dir denn an dieser Welt?

Willst du von der Menschheit erben,

Wenn diese von dir gar nichts hält?


Alles oder nichts! Doch nur zu zweit,

Wenn die eine endlich mir verzeiht!

Ach, muss ich erst im Sterben liegen,

Um, Liebchen, dich zurückzukriegen?!


AMOK

In meinem Kopf, die Mädchen, werd' ich nicht mehr los.

Sie wandern stets umher.

Mein Kopf ist mir so schwer.

Die Last ist viel zu groß.


Auf meinem Weg, die Mädchen, sind zu weit gegangen.

Sie laufen und sie fragen.

Ob sie zurück sich wagen?

Wir spielen doch nur Fangen.


Und jene Mädchen, mit der List in dem Gesicht,

Die mich nicht recht verstehen

Und mich glatt übersehen,

Die nehm' ich in die Pflicht!


Die Mädchen, die ich richte, schicke ich zurück

Auf eine sichre Seite,

Wo suchen sie das Weite.

So logisch ist Physik!


Was ist denn Trug und was real, ihr Fabelwesen?

Die Kluft ist ganz schön klein.

Sie sollte gar nicht sein.

Das ist bald nachzulesen!


Die Mädchen in dem Raum verschließen sich vor Bange.

Doch ich brech' auf die Tür!

Ich nehme einfach mir

Den Reif, das Tuch, die Spange!


Zum Abschied noch ein Kuss auf eine schlichte Weise.

Und wer sich dann beklagt,

Dem sei erneut gesagt:

Dir Mädchen, gute Reise!


Des Fuhrmanns neuer Auftrag ist indes erstellt:

Es ist der Fahrtenschein.

Wie sollte es auch sein?

Bezahlt mit Taschengeld.


Nun, was der Mensch nicht hört im Leid,

Im Zorn, in Liebe, Lust, im Neid:

Tja, dieser Ruf nach Schutz und Halt.

Und so verliert sich die Gestalt...


Der unbeherrschten Lebewesen,

Die kaum nur einmal dagewesen

Und kurz und knapp an denen brechen,

Die Seelen schlicht mit Nadeln stechen.


AN ALLE

An alle, die verblieben sind:

Ich komm' nicht mehr zurück!

Der Mensch benimmt sich wie ein Kind

Und ist vor lauter Habsucht blind,

Dass er das größte Kuchenstück

Verwechselt mit dem höchsten Glück.


Wo ich jedoch von nun an bin,

Wird nicht im Leben dran gedacht,

Wie man am besten macht Gewinn.

Hier legt man Wert auf Kunst und Sinn –

Vom eignen klugen Geist entfacht

Und von der eignen Hand vollbracht.


AN EINEM TAG WIE DIESEM (2)

An einem Tag wie diesem, einmal mehr,

Als aus dem Nichts, so schien mir, kam daher

Ein Brief – ich hielt zuerst ihn nicht dafür –,

Der rutschte durch den Schlitz an meiner Tür

Und fiel zu Boden, wie ein Brief so fällt,

Den lustlos man, phlegmatisch überstellt,

Was eben nicht der Sache wird gerecht –

Als wär' per se gleich jede Nachricht schlecht.


Ich ging zur Tür, besah den Frevel mir

Und war erstaunt, entzückt von dem Papier,

Als mit dem Fuß ich schob es hin und her

Und dacht' dabei: In Teufels Namen wer

Verschickt solch schönen Brief denn heute noch?

Ich hielt kurz inne, griff dann aber doch

Nach diesem Stück, was mir ins Auge stach

Und über das ich mir den Kopf zerbrach.


Ich schaute mir den Brief genau nun an.

Ich wog ihn in der Hand und roch daran.

Ich fühlte ihn und schätzte sein Gewicht.

Ich hielt ans Fenster ihn ins Sonnenlicht.

Ich kam zum Schluss: Der Brief ist weder schwer

Noch reich gefüllt. Vermutlich ist er leer,

Dacht' ich, und man erlaubt sich einen Scherz,

Durch den, nebst Kopf, auch brechen soll mein Herz.


Ich bückte mich und lugte durch den Schlitz,

Hielt Ausschau nach dem Ursprung für den Witz –

Dem Schurken, Unhold, der dahintersteckt,

Oh, der den Brief zu feucht hat angeleckt,

Ja, viel zu schwammig meinen Namen schrieb

Und seinen Namen, wohl bedacht, verrieb,

Wodurch ich wusst' zwar, dass für mich war er,

Doch nicht erkannte, wo er stammte her.


Durch meinen Kopf ging dies und das und der.

Und wieder fragt' ich mich: Zum Teufel wer

Versendet denn solch schönen Brief noch heut'

Und hat nicht Kosten oder Müh' gescheut,

Wobei – was für das Posthorn wirklich zählt –

Das Porto und der Stempel hat gefehlt –

Verständlich, wenn da wär' nicht der Verstand,

Für den die Nachricht liegt nicht auf der Hand.


Die Nachricht liegt beim Worte aus dem Mund,

Für das zu schreiben braucht es keinen Grund.

Selbst wenn da einer wie die Feuerwehr

Zum Einsatz kommt geflogen wie ein Speer,

Und helfen will, indem er auf bloß blitzt,

Statt Wasser Öl durch einen Türschlitz spritzt

Und hofft, er hätt' ein Wunder hübsch vollbracht,

Obwohl dies einzig Wut in mir entfacht.


Was nach dem Feuer leuchten wollt' mir ein:

Verfasser muss auch Überbringer sein!

Sonst hätt', so dacht' ich, wär' die Eigenart,

Er an dem Porto nicht gezielt gespart.

Und falls er kommt von etwas weiter her –

Aus Moskau, Kairo oder sur la mer –,

Dann ist gewiss er hier noch in der Stadt,

Wo er es abgesehen auf mich hat.


So nahm nun die Schimäre ihren Lauf:

Ich riss mit meinem Zeigefinger auf

Den Brief – wie eine Klinge vom Barbier,

Geschärft – und das Kuvert warf ich von mir,

Worauf ich hielt – gefaltet und geknickt –

Ein Blatt – hätt' doch ein Kärtchen er verschickt –

Allein, das zog ich aufrecht, drehte quer,

Las einen Satz und warf es zum Kuvert.


Und wieder schreib' ich einen Brief an dich,

Verschließe ihn und sende ihn an mich,

Weil dich der eine Teil von mir vermisst

Und du der andre Teil noch immer bist,

Der vor dem Schreck sogar zurück nicht schreckt

Und wie ein Dorn der Rose in mir steckt –

An einer Stelle, die zu jenen zählt,

Mit der ein Mensch herum sich lange quält.


Doch auch der Teil, wohin der Schmerz nicht führt,

Bleibt von der andren Pein nicht unberührt:

So fühlt er mit, ist ständig auf der Hut,

Als wär' der Teil sein eignes Fleisch und Blut –

Nicht wie ein Vater, auch nicht wie ein Sohn.

Wer kennt sich besser als ein Zwilling schon?

Wer weiß denn jemals mehr von wem Bescheid?

Wer meint zu spüren eines andren Leid?


Wer kann erahnen heut' noch, was es heißt

Zusammen – in der Tat – zu sein geschweißt?

Alleine sind die Menschen doch gefühlt,

Verschlossen, wertlos, schwach und unterkühlt,

Als wären, was sich Herz und Köpfchen nennt,

Auf eine Meile von dem Leib getrennt,

Der weder sieht noch riecht und hört,

Tagtäglich aber auf die Sinne schwört.


Mein eigner Leib jedoch spielt da nicht mit,

Auch wenn er wie kein zweiter Körper litt.

So zeigt im Einklang er sich mit dem Geist,

Was Anstand, Klugheit und Gefühl beweist.

Er zweifelt nicht, solang' der Bund besteht,

Selbst wenn die heile Welt zu Grunde geht,

Ja, wenn die Menschheit sich in Stücke reißt,

So bleiben wir einander fest verschweißt.


Dein Brief ist da. Ich öffne ihn für dich.

Was dich nicht stört, ist kein Problem für mich.

Ich lese ihn. Ich lese ihn dir vor.

Du bist gespannt, ich weiß. Du bist ganz Ohr.

Ich spüre dich in mir. Du willst hinfort.

Mein Bruder, du bist sicher an dem Ort!

Denn sollt' ich lassen wieder dich aus mir,

So wirst du schädlich sein und schaden dir.


Du hilfst mir mehr, wenn du verborgen bleibst!

Du hilfst der Welt, wenn du nie wieder schreibst!

Dir kann geholfen werden, wenn du ruhst!

Ich kann dir helfen, wenn du gar nichts tust!

Wir können helfen, wenn wir werden blind!

Wir werden helfen, wenn wir einsam sind!

Uns wird geholfen, wenn die Welt verroht!

Uns hilft wohl letzten Endes nur der Tod!


Ich falte das Papier – wie immer schief –,

Greif' nach dem Umschlag und zerreiß' den Brief.

Es soll nichts deuten auf dich, Bruder,...

Erscheint lt. Verlag 20.4.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
Schlagworte Dramen • Gedichte • Komödie • Liebe • Lyrik • Metrum • Parabel • Poesie • Sammlung • Theater
ISBN-10 3-7549-9477-8 / 3754994778
ISBN-13 978-3-7549-9477-1 / 9783754994771
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