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EXOGEN (eBook)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
400 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9478-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

EXOGEN -  Mäander Visby
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Eine Auslese an seinen Gedichten präsentiert Mäander Visby in seinem Buch EXOGEN. Dabei blickt er zurück auf fünfzehn Jahre Dichtkunst, herausgefiltert aus seinen zahlreichen Dramen und seiner Trilogie DER DICHTUNG ZAUBERISCHE HÜLLE. Das Pendant zu EXOGEN ist der Gedichtband ENDOGEN.

*1985 Thüringen.

*1985 Thüringen.

A


EXOGEN

VON MÄANDER VISBY


ABGESCHÜTTELT

Ohren betäuben stets ringende Hände,

Schnalzende Zungen und beißende Waden,

Rümpfende Nasen und fällige Augen,

Kuppelnde Lungen und sägende Nerven.


Füße vertreten nur fertige Finger,

Selige Arme und kniende Kehlen,

Wagende Hälse und markige Knochen,

Zuckende Achseln und rockige Falten.


Herzen zerreißen gern schleimende Häute,

Raufende Haare und eisige Beine,

Lahmende Ärsche und quatschende Köpfe,

Pinselnde Bäuche und affige Zähne.


Adern verkehren mit schürzenden Lenden,

Speckigen Hüften und spiegelnden Därmen,

Protzenden Muskeln, versagenden Nieren,

Speisenden Röhren und brüchigen Hoden.


Samen genügen schon blitzende Busen,

Schlagende Wimpern und stiftende Lippen,

Backende Hintern, gebärende Mütter,

Jungferne Häutchen und blasende Früchte.


AM ABGRUND

Am Abgrund, mit dem Mute der Bedrängnis,

Wart' ich nur darüber noch hinaus.

Mit einer Angst vor Lähmung und Verhängnis,

Bricht ein Graben auf im Seelenhaus.


Aus großer Höhe wirkt der Abgrund tiefer.

Jenseits scheint so vieles unbeirrt.

Und freiheraus, mit Blick auf Schutt und Schiefer:

Sie ist die, für die ich sterben würd'!


Sie ist es Wert, um jeden Preis der Erde!

Nicht die Erde selbst hat ihren Wert!

Sie macht zu dem mich, der ich durch sie werde,

Während sie mich in den Abgrund zerrt.


AN ALLE HELDEN SCHÖNE GRÜßE

Des Fräuleins farbenfrohes Kleid,

In dieser Sommersonnenzeit,

Betont ihr auf- und niedertreten

Von ihrem nackten Füßen Gang.

Ach, jeder Schritt, ob kurz, ob lang,

Lässt gar die Zeit sich selbst verspäten.


Nun, der Betrachter ist in Eile –

So hieß es in der letzten Zeile

An seinen hübschen Kurzbesuch.

Als dann ihr blanker heißer Rücken,

Sich aufmacht noch derweil zu bücken,

Nach einem dünnen Taschenbuch.


Nennt sich denn heute attraktiv,

Was gestern noch die Zeit verschlief?

Das Denken schützt die Mannsperson,

Von der sie stolz her wiederkehrt,

Und aufrecht ihrer Welt erklärt:

Den Vorzug ihrer Proportion.


Dann, unweit vor ihr, bahnt sich an

Ein Horror für ihr Fußgespann,

Als auf dem Weg ein Glas zerspringt

Und Scherben sich gekonnt verteilen.

Ein Held doch weiß sich zu beeilen,

Dem Lob dafür und Reichtum winkt.


Ganz furchtlos stürzt er zu den Spitzen,

Die kantig scharf gefährlich blitzen.

Er hält noch Ausschau nach ein' Besen,

Als sie kurz vor dem Unglück steht.

Wenn sie den Schritt zu Ende geht...

Ach, wär' da nicht ihr Held gewesen:


Da zieht er aus sein weißes Hemd!

Sein Kopf denkt nur: Ich schäm' mich fremd!

Das schöne Hemd war richtig teuer

Und ist sein liebstes Kleidungsstück.

Die Rettungstat kennt kein Zurück!

Er ginge gar für sie durchs Feuer!


Sein schönes Hemd wirft er aufs Glas.

Das Fräulein, kam stolzierend, sah's

Und sagte, darauf tritt sie nicht,

Denn sie hätt' üble Käsefüße.

Dem Helden zog es ins Gesicht.

An alle Helden schöne Grüße!


AN DAS PUBLIKUM

Leute, Leute, nur nicht hetzen!

Andre mögen auch schon stehen...

Wollen Sie sich wieder setzen

Oder gleich nach Hause gehen?!


Hören Sie die letzten Worte,

Die noch etwas Sitzfleisch haben.

Nein, es gibt nicht viele Orte,

Die so reizend sind für Raben.


So wie der Mensch am Leben hängt,

So hängt gewiss er auch am Tode.

Er lodert und er himmelt an –

Aus ihm wird das, was er nicht kann.

Und keiner, der es ihm verdenkt,

Dass er nur nutzt die neuste Mode.


Der Mensch bleibt dennoch weiter offen,

So wie es seine Art verspricht.

Er könnte nie, er würde nie

Bereuen nur ein Teil Magie,

Von der er selber ist betroffen,

Durch die heraus er förmlich sticht.


Und kauen tut er offenkundig –

Der Mensch mit seiner großen Klappe –,

Damit die sehen, die nichts haben,

Wie spärlich sind der Menschen Gaben,

Wie schwer verdaulich und wie pfundig,

Wie's ist zu fressen als Attrappe.


Ums Fressen geht's schon lang nicht mehr,

Ihr Geier – schäbig – nach dem Aase!

Der Abstrich Eurer Jugend,

Beschmiert der Menschen Tugend

Und zieht das Glück aus dem Verkehr,

Das schlicht zerplatzt wie eine Blase.


Es kann kaum schmerzen unterm Grinsen –

Und wenn es schmerzt, nicht tagelang.

Gegafft wird in die kleinste Lücke –

Und ähnelt sie dir bloß ein Stücke,

Gibt's Erbsen, Bohnen oder Linsen

Und Zwiebeln für den ersten Rang.


Wie hat ein Mensch, wie ich, zu gehen?

Ach, glauben Sie's, ich geh' gebückt.

Ich krieche vor der tristen Welt.

Ein Umstand, der ihr sehr gefällt.

Sie werden eines Tages sehen,

Wie man mich in die Erde drückt.


Ihr habt gelernt euch auszudehnen,

Nicht gegen Strom und Schwall zu fließen.

Die nächste Reise wollt ihr buchen?

Wollt ihr es nicht daheim versuchen?

Denn die sich nach woanders sehnen,

Auf denen soll man Wasser gießen!


Ach, wartet nur ein Weilchen noch,

Bis euch verlässt der eigne Schatten!

Und dann beginnt die Träumerei.

Und euch wird sein nicht einerlei,

Wenn sie erst kommen aus dem Loch,

Aus dem ansonsten flüchten Ratten.


AN EINEM TAG WIE DIESEM (1)

An einem Tag wie diesem,

Zu Zeiten tiefer Krisen,

In einer Welt von Sinnen,

Darf nur das Herz gewinnen!


Auf Straßen voll von Zeugen,

Bei Taten schwer an Folgen,

Im Eindruck rauer Sitten –

Das Herz bleibt unbestritten!


Im Land der großen Denker,

In dieser Stadt – zum Henker –,

An einem Ort im Freien –

Es muss das Herz gedeihen!


Bei allem Wohl und Wehe,

Was immer auch geschehe,

Das Herz, ach, sei gepriesen

An einem Tag wie diesem!


An einem Tag wie diesem,

Im Wäldchen und auf Wiesen,

Am Ufer und auf Bänken

Muss ich noch an dich denken.


Im Wasser und beim Schwimmen,

In einem Meer aus Stimmen,

Beim Rauchen und beim Schreiben

Seh' ich herum dich treiben.


Bei Sonne und im Schatten,

Bei allem, was wir hatten,

Beim Drehen meiner Runden

Bleib' ich an dir gebunden!


Beim Weinen und beim Lachen,

Beim Träumen und beim Wachen –

Stets wird auf dich verwiesen

An einem Tag wie diesem.


AN EINEM TAG WIE DIESEM (3)

An einem Tag wie diesem, auf ein Wiedersehen,

Wenngleich ich kann's, nach all der Zeit, nicht ganz verstehen,

Warum es sollte einen neuen Fall nun geben,

Durch den erneut abrupt sich ändern könnt' mein Leben,

Denn glaubt' ich mich gefestigt und befreit von Lasten.


So schien ich mich geirrt zu haben einmal wieder,

Als plötzlich prasselnd kam ein Regenschauer nieder,

Nachdem die Sonne eben noch durchs Fenster strahlte

Und ich dem Boten teuer einen Brief bezahlte,

Der nicht bestimmt war für den schlichten Haustürkasten.


Ich sah mich erst als Alter Ego von dem Knaben,

Dann aber wollte ich sofort dies Brieflein haben,

Weil mir sehr deutlich zu verstehen gab der Bote,

Wie heikel es doch wär', wenn in die falsche Pfote

Gelangen würde dies sensible Unterlage.


Er ließ, wie üblich, mich auf Bitten unterschreiben,

Und wollt' auch länger nicht auf meinem Grundstück bleiben –

Er lief, als wurd' von der Tarantel er gestochen,

Wobei er einen Tag schon hatte in den Knochen,

Und vor sich haben sollte ewig und drei Tage.


Da hielt ich nun den leichten Brief in beiden Händen,

Besah genau den Umschlag mir und tat ihn wenden,

Wodurch ich mich daran erinnert fühlen musste,

Was einst detailgetreu ich zu berichten wusste,

Als mir mein Bruder einen Brief dergleichen schickte.


Gewiss bin ich mit meinem Bruder so verblieben,

Dass niemals wieder einen Brief er hat geschrieben.

Bis heute? Nein, ich bin geheilt von dem Gedanken,

Der mich so lang verwiesen hatte in die Schranken,

Bis ich nicht weiter als hinaus auf morgen blickte.


Ich ging hinein ins Haus und in mein Arbeitszimmer,

Noch von dem Briefverfasser ohne blassen Schimmer

Und was mich mit der Nachricht alles könnt' erwarten,

...

Erscheint lt. Verlag 20.4.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
Schlagworte Dramen • Gedichte • Komödie • Liebe • Lyrik • Metrum • Parabel • Poesie • Sammlung • Theater
ISBN-10 3-7549-9478-6 / 3754994786
ISBN-13 978-3-7549-9478-8 / 9783754994788
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