Kuriose Zeiten - 1999 etc. (eBook)
397 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9471-9 (ISBN)
Stefan Koenig, geb. in Frankfurt am Main, Volontariat als Verlagsredakteur, Studium der Philosophie, Politik-, und Verwaltungswissenschaft in Berlin, Berkeley und Frankfurt am Main, danach freier Journalist, 10 Jahre als Unternehmer in der Erwachsenenbildung tätig mit dem Schwerpunkt Ökologie und Umweltinformatik sowie als Unternehmens-Consultant und seit 1998 als Autor von Sach- sowie Foto- und Kinderbüchern und Romanen tätig, lebt in Laubach.
Stefan Koenig, geb. in Frankfurt am Main, Volontariat als Verlagsredakteur, Studium der Philosophie, Politik-, und Verwaltungswissenschaft in Berlin, Berkeley und Frankfurt am Main, danach freier Journalist, 10 Jahre als Unternehmer in der Erwachsenenbildung tätig mit dem Schwerpunkt Ökologie und Umweltinformatik sowie als Unternehmens-Consultant und seit 1998 als Autor von Sach- sowie Foto- und Kinderbüchern und Romanen tätig, lebt in Laubach.
Kuriose Zeiten - 1999 etc.
Stefan Koenig
Kuriose Zeiten
1999 etc.
Zeitreise-Roman
Band 14
© 2023 by Stefan Koenig
Lektorat:
Markus Bender, Lohra
Mail-Kontakt
zum Autor:
juergen.bodelle@t-online.de
Irgendwie irgendwo irgendwann
Im Sturz durch Raum und Zeit
Richtung Unendlichkeit
Fliegen Motten in das Licht
Genau wie du und ich
Irgendwie fängt irgendwann
Irgendwo die Zukunft an
Ich warte nicht mehr lang
Liebe wird aus Mut gemacht
Denk nicht lange nach
Wir fahren auf Feuerrädern
Richtung Zukunft durch die Nacht
Gib mir die Hand
Ich bau dir ein Schloss aus Sand
Irgendwie irgendwo irgendwann
Die Zeit ist reif für ein bisschen Zärtlichkeit
Irgendwie irgendwo irgendwann
Im Sturz durch Zeit und Raum
Erwacht aus einem Traum
Nur ein kurzer Augenblick
Dann kehrt die Nacht zurück
Irgendwie fängt irgendwann
Irgendwo die Zukunft an
Ich warte nicht mehr lang
Liebe wird aus Mut gemacht
Denk nicht lange nach
Wir fahren auf Feuerrädern
Richtung Zukunft durch die Nacht
Gib mir die Hand
Ich bau dir ein Schloss aus Sand
Irgendwie irgendwo irgendwann
Die Zeit ist reif für ein bisschen Zärtlichkeit
Irgendwie irgendwo irgendwann
Gib mir die Hand
Ich bau dir ein Schloss aus Sand
Irgendwie irgendwo irgendwann
Die Zeit ist reif für ein bisschen Zärtlichkeit
Irgendwie irgendwo irgendwann
Irgendwie irgendwo irgendwann
Irgendwie irgendwo irgendwann
Irgendwie irgendwo irgendwann
Song von Nena, 1984
Es war März und ein Tag wie jeder andere. Mein Tag fängt in der Woche um Viertel vor sieben Uhr an, wenn der Wecker klingelt. An jenem Donnerstag fehlte die Viertelstunde und es war bereits sieben Uhr, weil eines der Kinder am Abend zuvor meinen Wecker in die Hand genommen hatte, um festzustellen, dass der ja noch gar nicht digital sei. War er aber. Jedenfalls wanderte er von Kinderhand zu Kinderhand. Von der sechzehnjährigen Karola zum fünfzehnjährigen Luca bis hin zur sechsjährigen Jenny.
Wer immer am Vorabend am Rädchen gedreht haben mochte, jetzt hatte ich den Salat. Ich hatte es verdammt eilig. Am frühen Morgen sind fünfzehn fehlende Minuten so lange wie die gefühlte Wartezimmerzeit beim Doktor.
Alle schliefen noch selig. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Noch war dieser Märztag trocken, aber in den ZDF-Nachrichten von gestern Abend hatte man Regen angesagt. Als erstes machte ich Emma mit einem sanften Küsschen auf die Stirn wach und bat sie, Karo zu wecken und sich anschließend um Jenny zu kümmern, während ich den schläfrigen Luca ins Visier nahm. Ich weckte ihn das erste Mal um Punkt zwei Minuten nach sieben Uhr. Um diese Zeit drängeln bereits achtzig Prozent unserer Mitbürger vor Badezimmern und begehren Einlass oder befinden sich im Inneren des Badezimmers und ignorieren beharrlich das beharrliche Klopfen. Oder sie setzen in der Küche Kaffee- oder Teewasser auf und vergessen dabei den Herd anzustellen. Die restlichen zwanzig Prozent haben Urlaub oder befinden sich im Stau oder haben sich krankschreiben lassen und schaffen es einfach nicht aus dem Bett. Oder sie befinden sich in der Pubertät.
Ich schaltete die Deckenbeleuchtung in Lucas Zimmer an, aber das Pubertier reagierte darauf nicht, denn es befand sich zu neunzig Prozent unter der coolen Homer-Simpson-Bettdecke, unter der es noch stockduster sein musste. Ich ging nun auf das Bett zu und stolperte dabei über ein unter dem Bett hervorragendes Skateboard. Ich fing mich gerade noch ab und landete mit der rechten Hand jedoch in einer Plastikschüssel, in der sich entweder eine merkwürdig riechende Seifenlauge, garniert mit kleinen Gummistückchen, oder ein mehrere Tage altes Müsli befunden haben musste. Ich verzichtete bei Unterdrückung eines morgendlichen Würgegefühls auf eine Untersuchung und brach den Versuch, bis zu meinem schlafenden Pubertier vorzudringen, vorerst ab.
Stattdessen ging ich zum Fenster, öffnete es, zog den Rollladen hoch und sang dazu so schräg ich nur konnte den Nana-Mouskouri-Song »Guten Morgen Sonnenschein«. Schräg singen kann ich gut. Und Texte verhunzen gelingt mir auch, insbesondere, wenn ich damit Pubertiere ärgern kann. Also sang ich:
Guten Morgen, guten Morgen
Guten Morgen, Lucalein
Diese Nacht blieb dir verborgen
Doch du darfst nicht traurig sein
Guten Morgen, Lucalein
Nein du darfst nicht traurig sein
Und jetzt komm‘, oh Sonnenschein
Weck ihn auf und komm herein
Alles kannst du ja sehen
Auf dieser Erde, auf dieser Erde
Doch nun ist es geschehen
Dass ich auch ohne dich glücklich werde
Die allerschönsten Stunden
In meinem Leben, in meinem Leben
Hab ich heut Nacht gefunden
Du hast geschlafen, so ist das eben
Spätestens bei dieser Strophe wäre ich als Fünfzehnjähriger damals hellwach geworden und hätte neugierig den Kopf aus der großen Homer-Simpson-Windel gewunden. Aber nein, Luca wälzte sich nur von einer zur anderen Seite, und ich hörte aus seiner Richtung ein fernes Murren und Knurren. Wahrscheinlich werde ich für diesen Song später zur Strafe nicht im Altenheim besucht. Oder man enthält mir die Enkel vor. Ich ging in die Küche und begann das Frühstück für uns alle vorzubereiten.
Fünf Minuten später stand ich wieder vor seinem Bett. Diesmal in rutschsicherer Entfernung. Das Pubertier schlief tief und fest. Ich stellte seinen CD-Player an und Xavier Naidoo erschallte mit seichtem Stimmlein »Sie sieht mich nicht«. Das passte irgendwie zur Situation, obwohl ich eindeutig ein Er bin. Aber jetzt wühlte ich mich todesmutig durch fremdes Gelände, durch Bettzeug, schmutzige Wäsche, frische Klamotten und eine Unmenge Magazine und Heftchen, um schließlich am Ende des Dschungels das Pubertier am Ohr zu kitzeln. Das wurde vom Pubertier als akzeptable Weckmethode nicht anerkannt. Es zog sich weiter in seine Bett-Windel zurück. Es war jetzt bereits 7:12 Uhr.
In hilfloser Verzweiflung erging drei Minuten später meine „letzte Aufforderung“, jetzt aber wirklich der Nacht gute Nacht zu sagen und dem Morgen einen guten Morgen zu wünschen. Um 7:17 Uhr erfolgte der dritte Weckversuch mittels Kitzeln der Fußsohle, was sieben tausendstel Sekunden später zur erhofften, explosionsartigen Aktivität des Pubertiers führte. Jetzt zeigte Luca seine sportliche Ader, indem er mit einer einzigen athletischen Bewegung die Decke zurückschlug, aufsprang und mit dem Kissen eine Korbball-Attacke ins Ziel, nämlich gegen meinen Kopf, startete. Aber ich war schneller. Ich gab ihm einen Korb und verschwand mit den Worten: „Das Frühstück steht schon auf dem Tisch und der Bus fährt in achtzehn Minuten.“
Natürlich gab es keine Busverbindung zwischen der Andree Allee 8, wo unser Zuhause war, und der Andree Allee 14, wo die Schule stand. Die eine Minute Gehweg war locker zu Fuß zu schaffen. Aber Luca konnte über meinen Scherz nicht lachen.
Emma und die beiden Mädels saßen derweil beim Frühstück und schauten mich fragend an. „Was ist?“, sagte ich und dachte an mein gerade beendetes Abenteuer.
„Warum hast du die Kochplatte nicht angestellt? Glaubst du, das Wasser wird von alleine heiß?“, fragte Karola.
Diesmal war ich schlagfertig, gestählt durch den Kurztrip in einen versifften Dschungel, und antwortete meiner computerbegabten Tochter, die diesbezüglich stets update war: „Ich dachte, dass du als hochtechnologisch-geschulte MacIntosh-Expertin einen Trick herausgefunden hättest, wie man den Herd automatisch ansteuern kann. Ich war davon ausgegangen, dass du unsere Frühstückszeit samt der Kochzeit des Wasser bereits einprogrammiert hast.“
„Du wirst dich wundern, aber in einigen Jahren funktioniert so etwas wirklich.“
Ich lachte. „Natürlich, du hast ja den Blick in die Zukunft abonniert. Hatte ich total vergessen.“
Emma entschärfte das kurze Wortgefecht und fragte: „Gibt es nicht mal etwas Schönes zu berichten?“
„Das männliche Pubertier hat offene Augen, sagt, man habe es viel zu früh geweckt und verbreitet neben Mundgeruch eine gute Portion schlechte Laune. Es ist also hellwach.“
Emma und Karo schüttelten verständnislos den Kopf, und Klein-Jenny schaute fragend zur Tür. Auch ich schaute hin – und dann begriff ich: Luca hatte sich noch einmal hingelegt. Genervt erschien ich erneut in seinem Zimmer, wagte ein paar Schritte ans Bett, riss die Bettdecke weg und schmiss mit Worten um mich, die keines Autors würdig sind. Das bereits angekleidete Pubertier sprang nun putz-munter aus dem Bett und verließ unter Protest, dass es nicht einmal in Ruhe frühstücken könne, das Haus.
Merkwürdiger Weise ist es noch nie zu spät in die Schule gekommen.
Nachdem die Kids außer Haus und – wie wir hofften...
| Erscheint lt. Verlag | 20.4.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Zeitreise-Roman | Zeitreise-Roman |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Fünferbande • Internet-Geburt • Jahrtausendwende • Kohlblackout • Mittelaltermärkte • Nostradamus • Pubertierpartys • WorldTradeCenter |
| ISBN-10 | 3-7549-9471-9 / 3754994719 |
| ISBN-13 | 978-3-7549-9471-9 / 9783754994719 |
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