Blut der Mächte: Ein Ende und ein Anfang (eBook)
348 Seiten
Hybrid Verlag
978-3-96741-203-1 (ISBN)
Zara Kent wurde 1987 im schönen Saarland geboren, wo sie auch heute wieder lebt. Sie ist die Jüngste von drei Geschwistern. Der Traum, Autorin zu werden, stand für sie schon sehr früh fest, da sie sich gern in Bücher entführen lässt und es liebt, eigene Welten zu erfinden.
Zara Kent wurde 1987 im schönen Saarland geboren, wo sie auch heute wieder lebt. Sie ist die Jüngste von drei Geschwistern. Der Traum, Autorin zu werden, stand für sie schon sehr früh fest, da sie sich gern in Bücher entführen lässt und es liebt, eigene Welten zu erfinden.
Kapitel 1
~Killian Hollow~
Man sagt, Legenden werden erschaffen. Aber manche Legenden erschaffen sich selbst. Ich lebe in einer Welt, in der genau das jeden Tag zu spüren ist. Oder die Bürde, die solch ein Name auf Schultern legt, die nicht breit genug wirken und es nicht mal sein wollen.
Auch ich trage für unsere Welt einen großen Namen und mächtige Gaben in mir.
»Hör endlich auf zu träumen, Mann!«, brüllt Fin in meine Richtung und lenkt so meine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
»Du solltest das lassen!«, rufe ich zurück. »Die spaßen nicht rum. Wenn sie verbieten, irgendwo hochzuklettern, dann meinen die das auch so. Und erst recht, wenn es um diesen Turm geht.« Verärgert sehe ich mich kurz um — niemand zu sehen — und dann wieder den Turm hinauf, wo Fin auf halber Höhe an den Fugen der Steine hängt. Seine rötlichen Haare hängen ihm ins verschwitzte Gesicht und die Muskeln an seinen drahtigen Armen treten hervor, als er sich erneut ein Stück höher zieht. Fin will nicht aufgeben, endlich irgendwie in Vincents Turm zu gelangen. Und wenn er es über die Fenster ganz oben versucht.
»Sei keine Spaßbremse!« Während Fin schallend lacht, sehe ich zu Bellamy.
Dieser steht in seiner typischen Pose da — verschränkte Arme, finster, desinteressierter Blick — und wirkt in seiner schwarzen Kleidung trotz seines jugendlichen Aussehens wie ein Lehrmeister für Magie, der genau weiß, dass sein Schüler versagen wird.
Sein Kopf ruckt erst jetzt nach oben, den Turm hinauf, was dafür sorgt, dass sein schwarzes längeres Haar etwas zurückfällt. Seine sonst so blauen Augen wirken dunkel, fast schon schwarz und vor allem unergründlich. »Wenn er nicht aufpasst, fällt er gleich«, bemerkt er trocken und mit einer ruhigen tiefen Stimme, die stets irgendwie rau klingt.
Schon interessant, wie unterschiedlich beide zu diesem Gebäude und seiner Geschichte stehen. So versessen Fin darauf ist, den Schutzbann zu überwinden, scheint es Bellamy mehr als egal zu sein.
So als hätte Bellamy es gewusst, flucht Fin, ein erstickter Laut kommt von oben und kurz darauf sehe ich ihn fallen. Ich hebe die Hand, lasse Magie einströmen, einen einfachen Schutzzauber, der erste, den meine Mutter mir beigebracht hat. Um Fin baut sich ein Schild auf, wie eine Blase, sodass er leichtfüßig auf dem Boden landet.
»Nützlicher Kram, der dir da beigebracht wird«, grummelt Fin mehr, als dass er es sagt und blickt missmutig den Turm hinauf.
»Du könntest dich selbst schützen, wenn du endlich mal die Runen beherrschen würdest«, kommentiert Bellamy. »Und dass, obwohl du im ersten Jahr als Wächter tätig bist. Vielleicht sollte ich mich bei der nächsten Mission besser um einen neuen Partner bemühen.«
Und schon geht’s los. Die Grundsatzdiskussion der beiden, was wohl wichtiger ist: seine eigene Körperkraft oder sich der Runen zu bedienen.
»Dann würde dir aber keiner mehr den Arsch so schön retten«, feixt Fin weiter, wobei man ihm anmerkt, dass er mehr um die Lockerheit bemüht ist als eben noch.
Bellamys Braue hebt sich nur minimal und doch sieht man ihm die Worte schon an, die aus seinem Mund kommen. »Eher ist es anders herum. Würdest du den Scheiß richtig lernen.«
»Wieso sollte ich?« Schnaubend richtet Fin sich den Kragen. »Ich bin als Kämpfer bisher auch ganz gut ohne zurechtgekommen.«
»Wenn wir sie nicht bräuchten, gäbe es sie nicht.«
Die beiden diskutieren darüber schon so lange und es endet immer gleich. Dabei sind die Regeln, wie sie sind. Beide sind 20 und Wächter. Was früher ungewöhnlich war, ist heute Normalität. Eintrittsalter war 21 Jahre, zwei Jahre Grundausbildung als Studs, ein Jahr als Anwärter, in dem man sich intensiv auf das Wächterdasein vorbereiten konnte. Und dabei natürlich seine Fraktion wählen, welche Art Wächter man sein will oder passend ist: Kämpfer, Eidwahrer oder Säuberer.
»Ich kann dir ja zeigen, wie gut ich ohne Runen klarkomme«, höre ich Fin noch sagen, ehe er sich vor Bellamy aufbaut, nur um mit gespieltem Ernst mit den Fäusten zu wackeln. »Ich bin ein Kämpfer und trete dir auch als solcher in deinen hübschen Hintern.«
»Hast du meinen Hintern gerade hübsch genannt?« Bellamys Stimme ist das Einzige, das sich verändert hat, während Fin wie ein aufgezogenes Hampelmännchen vor ihm herumzappelt.
Kämpfer. Ja, Fin gehört eindeutig zu dieser Fraktion. Sie bevorzugen Körperkraft, praktische Magie faktisch Null. Die Eidwahrer nutzen Runenmagie, eigene Fähigkeiten und die Waffen gleichermaßen. Einzig die Säuberer nutzen wirkliche Magie, meist passive als aktive. Denn diejenigen, die eine aktive Fähigkeit haben, wie z.B. ein Feuerleger, gehen oft zu den Eidwahrern.
Fin will alle glauben machen, dass er sich nicht gerne mit den Runen auseinandersetzt. Und genau das schmettert Bellamy ihm nun in seiner oft recht kühlen Art an den Kopf.
»Du hast nur Probleme, sie dir zu merken. Das ist es.«
Fins Miene bröckelt endgültig, er hört mit dem Zappeln und gespielten Drohen auf und verengt die Augen. »Wenn ich sie wie Dad auf die Haut ritzen und brennen dürfte, dann müsste –«
»Es ist verboten.« Kurze knappe Antwort, doch der Wanclear löst sich von der Wand und somit seine starre Haltung. Ich seufze, weil ich genau weiß, was Fin sagen wird. Und was dies bei Bellamy normalerweise bewirkt. Fins letztes Argument, jedes Mal.
»Vince hat sie auch nicht gebraucht.«
Dass Bellamy ihm nun nicht an den Hals geht, liegt wohl daran, dass sie Freunde sind. Oder einfach, dass er eine gute Selbstbeherrschung hat. Keine Ahnung wieso Fin dieses Thema jedes Mal ausreizt. Er weiß genau, wie Bellamy zu seinem Vater steht. Fins Verehrung für ihn stößt Bellamy schon immer auf. Und so sind seine Augen noch viel dunkler, als er knurrend vorbringt: »Es ist verboten. Finde dich damit ab und lern endlich die Runen.«
Oh ja, sie sind verboten, weil sie einen Wächter viel zu mächtig werden lassen würden. Sie würden beständig und direkt eine Kraft freisetzen können und vor allem eine stetige Konzentration erfordern. Zumindest ist dies die allgemeine Vermutung. Wirklich eine Erklärung gab es nicht mehr. Es ist mir ganz recht, dass sie verboten sind. Runen auf der Haut, noch so eine Sache, die wohl von Vincent und Mia bei dem großen Kampf zugelassen hatten. Sie änderten überhaupt sehr viel. Nur das junge Eintrittsalter und die verkürzte Ausbildung sind relativ neu.
Tief einatmend blicke ich kurz zum Trainingsplatz, der sich neben den Unterkünften befindet. Der Platz und die längliche Kampfhalle sind verlassen, was um diese Uhrzeit völlig normal ist. Ich erinnere mich an meine erste Zeit hier. Es war die Hölle für meinen Körper.
Auch ich fand das Eintrittsalter zu früh und doch wieder nicht. Gerade jetzt, da die beiden schon Wächter sind und ich nicht. Außenmissionen sind in den ersten beiden Jahren nur bis zur Stadtgrenze erlaubt.
Während die beiden sich ein Blickduell liefern, zieht ein Schmunzeln über meine Lippen und mein Blick schweift grübelnd weiter zur Atriumstür rechts von uns.
Alles in allem war das ein kluger Schachzug. Denn an sich sind es dann vier Jahre Ausbildung. Zwei Jahre direkte und dann weitere zwei als Wächter, in denen man Unterrichtsstunden nachweisen muss. So hat man das Gefühl, starten zu dürfen und wird dennoch geschult. Den Jungspunden wird die Ungeduld genommen.
»Killian, jetzt sag auch mal was dazu!«
Aus meinen Gedanken gerissen starre ich die beiden an. Das Einzige, um mich aus der Situation zu retten, ohne dass ich mich auf eine Seite schlagen muss, ist Ablenkung.
»Seit wann nennst du mich beim vollen Namen? Hast du Fieber? Oder ist das nun neue Mode und ich nenne dich von nun an auch Finlay?«, dabei betone ich das Ende seines Namens; wieso er ihn nicht mag, ist mir schleierhaft. Er klingt besser als mein Name. Finlay Vincent Wilder.
Es wirkt. »Bloß nicht!« Fin boxt mir gegen den Arm, sieht dann zu Bellamy. »Wieso willst du eigentlich keinen Spitznamen?«
Als wäre die Frage mehr als absurd, sieht er ihn mit großen Augen an, dabei rutscht sogar eine Augenbraue in die Höhe. »Was sollte das denn für einen Sinn haben? Außerdem habe ich nichts an meinem Namen auszusetzen.«
Fin packt ihn im Schwitzkasten. »Wir könnten dich den griesgrämigen Bel nennen.«
»Wag es und meine Faust will deiner Nase Gute Nacht sagen«, grummelt Bellamy, während er versucht, Fin abzuschütteln.
»Ach, vielleicht lieber was Zarteres? Der schöne ami, Freund aller Frauen!«, dabei spricht er das Wort ›ami‹ also französisch aus.
Nun hat er es geschafft: Bellamy reagiert endlich. Unsanft landet seine Faust in Fins Magen, kurz darauf rollen sie schon auf dem Boden umher, jeder versucht dem anderen eine zu verpassen.
»Du bist ein dämlicher…«, ächzt Fin, trägt dabei aber ein breites Grinsen, während er Bels Ellenbogen abwehrt.
Wer sie aber kennt, weiß, dass das hier halbherzige Schläge sind. So wütend Fin Bel — jetzt nenn ich ihn wirklich so — auch macht, er würde Fin nie ernsthaft Schaden zufügen. Zumindest nicht beabsichtigt.
»Jungs, solltet ihr nicht längst in euren Zimmern sein?« Die liebliche Stimme von Lexi van Can klingt wie Musik in meinen Ohren. Die Tochter des Leiters kommt lachend auf uns zu. Einige Meter hinter ihr fällt die Tür zu, die zu den Mädchenunterkünften gehört. Nur kurz huscht mein Blick zum Wohngebäude, welches wie ein langes Reihenhaus wirkt, eben mit zwei Eingängen.
Die kurze Distanz zu uns überbrückt sie mit einem so strahlenden Lachen im Gesicht,...
| Erscheint lt. Verlag | 18.4.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Blut der Mächte |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Schlagworte | Blut • Dämon • Dark • düster • Engel • Fantasy • Liebe • Magie • Schwester • Universität • Urban Fantasy • Vampir • Werwolf |
| ISBN-10 | 3-96741-203-2 / 3967412032 |
| ISBN-13 | 978-3-96741-203-1 / 9783967412031 |
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