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Out Of Order (eBook)

Am anderen Ende der Welt
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
365 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9281-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Out Of Order -  Anna Hochhalter
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Die zwanzigjährige Isa, eigentlich Luisa, bricht aus der rheinland-pfälzischen Schuhstadt Pirmasens ans andere Ende der Welt aus. Weg von ihrer Familie und weg von dem Druck, eine sinnvolle Richtung nach dem Schulabschluss einschlagen zu müssen. Ein Jahr lang will sie ganz klassisch als Backpackerin durch Australien reisen. Völlig naiv und unvorbereitet stolpert sie dabei rastlos von einer amüsant absurden Situation in die nächste, erlebt wilde Begegnungen mit Mensch und Tier und dreht Loopings auf einer chaotischen Emotionsachterbahn. Wie lange dauert nochmal ein Jahr am anderen Ende der Welt?

Anna Hochhalter, geboren am 16.08.1984 in Sibirien und ab 1990 aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt und arbeitet in Hamburg. Es ist das erste Buch der studierten Künstlerin, staatlich anerkannten Erzieherin und leidenschaftlichen Weltenbummlerin.

Anna Hochhalter, geboren am 16.08.1984 in Sibirien und ab 1990 aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt und arbeitet in Hamburg. Es ist das erste Buch der studierten Künstlerin, staatlich anerkannten Erzieherin und leidenschaftlichen Weltenbummlerin.

2. Marie



Außentemperatur -48 °C. Höhe 11.277 m. Geschwindigkeit 924 km/h. Zwischen mir und meiner Familie liegen bereits Tausende von Kilometern und dabei bin ich noch nicht einmal richtig am anderen Ende der Welt angekommen. In ein paar Stunden werde ich in Singapur landen, wo ich mir im Bad eines Hotelzimmers einen Haufen nasses Klopapier ins Gesicht drücken werde, damit meine Nase endlich aufhört zu bluten.

„Du siehst ein bisschen aus wie ein Schwein!“, wird Marie lachen.

„Haha, sehr witzig. Pass auf, sonst fange ich gleich zu grunzen an!“, werde ich entgegnen und mir neues Papier von der Rolle abwickeln.

„Das hört gleich auf. Ist sicher vom Druck. Oder von der Klimaanlage im Flugzeug.“

Und wenn das mit dem Nasenbluten endlich abgehakt ist, werden wir das Hotel verlassen und durch das nächtliche Singapur streifen. Wir werden seine Lichter bewundern und uns bei unseren Streifzügen an den rissigen Fassaden orientieren. Aber noch sind wir in der Luft. Noch schläft Marie im Sitz neben mir. Und ich bin froh, dass sie nicht so schnarcht wie der Typ zu ihrer Linken. Meine Kopfhörer habe ich bereits bis zum Anschlag aufgedreht und dennoch betten sich die Schnarchgeräusche als parallele Soundebene in meine Musik ungefragt ein. Einen Moment lang verliere ich mich im Rhythmus seines sich hebenden und senkenden dicken Bauches. Ich wünschte, ich könnte auch einfach einschlafen, aber ich bin hellwach. Mir fällt Maries Pferd Heidi ein, das sie in Stuttgart schweren Herzens zurücklassen musste und von dem sie mir, noch ehe sie sich neben mich setzte, angefangen hat zu erzählen. Wie ich reist auch Marie alleine. Wie ich ist auch sie gerade erst zwanzig geworden. Frisch das Abi in der Tasche. Und wie ich, und das ist wirklich ein ungewöhnlicher Zufall, steuert sie in Singapur dasselbe Hotel und in Sydney dasselbe Hostel an. Ich habe nichts mit Pferden am Hut. Wenn ich es mir recht überlege, finde ich sie sogar irgendwie gruselig. Maries Pferd ist rotbraun? Karamell? Kupfer? Es ist orange. Ich stelle mir vor, wie Heidi mit ihrem orangenen Schwanz erfolglos Fliegen weg zu wedeln versucht und wie sie erfolgreich streng nach Heu riecht. Bei dem Gedanken an Heu und Fliegen fangen meine Omastützstrümpfe unter der Jeans sofort wieder an zu jucken. Vielen Dank auch! Ich kratze an den Waden, aber es hilft nicht. Das Kratzen verstärkt das Jucken sogar noch mehr. Die Dinger zwicken in den Kniekehlen und nerven mich schon seit … eigentlich seitdem ich sie aus der Tüte gezogen habe. Ich verrenke mich in meinem Sitz, mache ein Bein lang und versuche den Strumpf irgendwie durch die Hose hindurch zu greifen, um ihn etwas hochzuziehen. So richtig will das jedoch nicht klappen. Auch das Bein zu wechseln bringt nichts.


„Was macht du da?“, fragt mich Marie.

„Was? Ich will diese dämlichen Strümpfe hochziehen … oder noch besser ausziehen! Die sitzen aber so fest, dass ich da nicht richtig rankomme. Es geht weder hoch noch runter. Ich halte es nicht mehr aus mit diesen Dingern!“

„Die Thrombosestrümpfe von deiner Mutter?“

„Jaaa“, seufze ich.

„Zeig mal her!“, fordert mich Marie auf und ist keine Sekunde später dabei, an meinem Bein zu hantieren. Sie hebt meinen Fuß zu sich auf den Schoß, wodurch ich hart in meinen Sitz zurückfalle. Während sie versucht, mein Hosenbein hochzukrempeln, halte ich dagegen. Zwecklos. Ich schäme mich für dieses grässliche Beige.

„Stell dich nicht so an. Halt du die Jeans und ich ziehe an dem Strumpf.“

Naserümpfend und mit hochrotem Kopf, jedenfalls fühlt er sich so an, folge ich der Anweisung meiner Sitznachbarin. Tatsächlich bewegt sich der Strumpf nach unten. Bis zum Knöchel klappt es sogar richtig gut. Nur das letzte Stück, die Ferse ist schwierig. Zu eng. Zu gerafft. Umständlich ziehen wir in Teamwork den Stoff Millimeter für Millimeter ab. Was für ein befreiendes Gefühl! Wie leicht sich mein Bein im Vergleich zum anderen nun bewegen kann. Beinah schwerelos. Wie dankbar es für die wiedergewonnene Freiheit ist. Dasselbe versuchen wir nun mit dem anderen Bein. Erneut hakt es an der Ferse. Und diesmal sitzt das letzte Stück Stoff einfach viel zu fest.

„Mein Gott, deine Fersen scheinen echt asymmetrisch zu sein. Die hier ist definitiv dicker als die andere!“

„Die ist einfach nur schon geschwollen von dem ganzen Zerren und Drücken und Schieben“, wehre ich mich. Abgesehen davon. „Welcher Mensch ist schon symmetrisch?!“

„Ok, ich ziehe einfach mal mit Kraft und du hältst dagegen! Vielleicht geht´s so. Ist ja nur noch ein kleines Stück.“


Ich lasse mich darauf ein. Die Idee macht Sinn. Der Strumpf bewegt sich erst langsam, spannt sich dann aber unter Maries Ziehen immer weiter an, bis er abrupt und unkontrolliert über die Ferse rutscht und mit den letzten Zentimetern seiner Spitze den Bauch ihres schnarchenden Sitznachbarn peitscht. Während wir in der Bewegung erstarren, hustet dieser kurz durch einen Schnarcher auf, um dann seine Position zu wechseln und wieder tiefer in den Schlaf zu fallen. Wir hingegen fallen in ein ausgiebiges Kichern, das erst abklingt, als es ein Meer an Lachtränen freigibt.

„Pack die Dinger bloß so weit wie möglich weg!“

„Wenn ich könnte, würde ich sie sofort aus dem Flugzeugfenster schmeißen!“

Aber meine Handtasche sollte vorerst als So-weit-wie-möglich reichen. Als ich sie öffne, entdecke ich Vikis Päckchen, das ich im Flugzeug aufmachen sollte. Daran habe ich irgendwie gar nicht mehr gedacht. Ich hole das Päckchen hervor, stecke die Strümpfe mechanisch in die Tasche und verstaue diese wieder unter dem Sitz vor mir. Nachdem ich behutsam das Band löse, entfalte ich ebenso behutsam eine Papierkante nach der anderen. Das ist ein Buch. Ich blättere durch die Seiten. Ein Notizbuch. Auch eine Karte ist dabei.


Liebe Isa,

Dieses Notizbuch ist nicht für dich, sondern für mich, damit ich all deine Abenteuer lesen kann, wenn du wieder da bist. Komm ja nicht zurück, bevor das Buch nicht voll ist! Genieß jeden Moment! Hab dich lieb, deine Viktoria.


***


Meine Nase hat endlich aufgehört zu bluten. Ich wische mir das letzte bisschen Rot aus dem Gesicht. Den Rest erledigen leichtes Make-up und Mascara. Obwohl die Uhr gegen Mitternacht läuft oder gerade, weil die Uhr gegen Mitternacht läuft, wollen wir keine Zeit verlieren. Der Zwischenstopp in Singapur gibt uns nur eine Nacht und einen halben Tag, um in die Stadt einzutauchen. Mit einem Stadtplan in der Hand streunen wir in den lebendigen Straßen umher, begutachten die Melange an verkommenen und modernen Gebäuden, Menschen mit milchigen Plastiktüten, den mehr oder weniger regen Rollerverkehr. Die Luft ist stickig, feucht, heiß. Sie wiegt schwer in unseren Lungen und auf unserer Haut. Sie ist so körperlich. So einnehmend. Sie fordert unseren Atem heraus. Auf der Suche nach einem Restaurant biegen wir in eine weitere Seitenstraße ein. Ja. Die Straßen leben wirklich. Sie sind dreckig, durchwoben von einer eingefärbten Nässe, in der sich bunt blinkende Lichter spiegeln, und sie riechen nach gammeligem Parfum. Ich bin begeistert! Genau das wollte ich! Das Neue, das Fremde! Und jetzt bin ich mittendrin.

Mittlerweile haben wir Mitternacht weit hinter uns gelassen. Wir sitzen draußen in irgendeiner unbestimmten Ecke an einem wackeligen Aluminiumtisch, der definitiv schon bessere Zeiten gesehen hat und warten auf unser Essen. Ich wundere mich, ob er dem Gewicht gefüllter Teller überhaupt standhalten kann. Neben uns stehen noch drei solcher Tische. An einem davon sitzt ein Mann, ein Einheimischer. Keine Touristen weit und breit. Darauf haben wir geachtet. Ob das eine gute Idee war, bin ich mir nicht ganz sicher. Ich blicke zur Glasvitrine, die das sonderbare Innenleben des Lokals freilegt. Der Laden sieht stark heruntergekommen und improvisiert aus. Nicht gerade einladend. Aber etwas anderes konnten wir nicht finden. Jedenfalls nicht in dieser Gegend hier, wo auch immer wir uns gerade befinden.


„Ich traue denen kein Stück über den Weg! Wieso starren die uns überhaupt die ganze Zeit an?“, sage ich zu Marie und „Noch nie einen Touri gesehen oder was?“ zu den drei Ratten in der Kanalrinne neben uns.

„Naja, ich denke, die wissen einfach ganz genau, dass wir gleich etwas Leckeres zu essen bekommen. Die liegen auf der Lauer.“

„Meine Güte, haben wir uns vielleicht eine Ecke ausgesucht! Ich habe beim Essen noch nie Ratten unter meinen Füßen gehabt. Da! Jetzt glotzt die mich schon wieder so verdächtig an! Komm ja nicht auf dumme Gedanken! Ich werde bestimmt nichts mit euch teilen. Da könnt ihr Gift drauf nehmen. Am besten Rattengift!“

„Habt ihr das gehört!“, raunt nun auch Marie die Ratten an. „Seht euch lieber vor!“


Die Fliegengittertür wird knarrend aufgestoßen und fällt, als der Kellner mit unserem Essen auf die Straße hinaustritt, hinter ihm wieder zu. Er stellt die Nudelsuppe vor mich hin und das Reisgericht vor Marie. Wir tauschend die Teller, denn ich hatte das Reisgericht und Marie die Suppe bestellt. Beide Gerichte sehen herrlich aus. Sie duften wunderbar gegen das Straßenparfum an. Unvermittelt schreit der Kellner etwas, das wir nicht verstehen, in Richtung Fliegengittereingangstür. Offensichtlich hat er unsere drei pelzigen Musketiere entdeckt. Im nächsten Augenblick erscheint ein älterer Mann mit einem Besen in der Hand und geht schimpfend auf die Ratten los. Marie und ich tauschen belustigte Blicke aus. Es ist zu köstlich, wie der Mann im fleckigen, hellblauen T-Shirt versucht, die Ratten, die beinah so...

Erscheint lt. Verlag 18.3.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Comic / Humor / Manga Humor / Satire
Schlagworte Abenteuer • Australien • Backpacking • Humor • Reisen • Roadtrip • Selbstfindung • Wegfindung • Weltreise
ISBN-10 3-7549-9281-3 / 3754992813
ISBN-13 978-3-7549-9281-4 / 9783754992814
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