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Dante A. und Antipasti -  Herbert Mamat

Dante A. und Antipasti (eBook)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
374 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-1060-4 (ISBN)
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10,99 inkl. MwSt
(CHF 10,70)
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Dante A. und Antipasti - das vierte Abenteuer eines deutschen Professors und des römischen Kommissars Settembri. Zwei farbige Asylanten wurden ermordet, und da scheint es eine Verbindung zum großen Dichter Dante Alighieri zu geben. Dante A. und Antipasti - ein Kriminalroman mit ein wenig Philosophie und mit Einblicken in römisches Leben und Essen. Und mit zornigen Kommentaren zum Krieg in der Ukraine.

Herbert Mamat lebt in Essen und immer wieder auch in Italien. Bisher 23 Veröffentlichungen, u a. einige pädagogische Bücher, sechs Romane, zwei Bände mit Aphorismen, fünf ABC-Büchlein für kleine und große Leser und zuletzt drei große Märchenbücher für Erwachsene.

Rom, Dienstag, 30. August


Ukraine-Krieg (Rapport und Kommentar):

Widerwärtig die Lügen und widerwärtig, die daran glauben! Heute sind 188 Tage vergangen seit dem unsinnigen und barbarischen Überfall Putins auf die Ukraine. 188 Tage, und an jedem einzelnen wurde gemordet und gestorben. Und alles begleitet von einem irren Lügengestammel des Kremlfürsten und vom Beifall seiner Claqueure, die ihm alles nachbeten. Es ist wie immer in der Geschichte: Wenn der Diktator die Bösen und die Dummen hinter sich hat, dann ist er nicht mehr zu bremsen.

Nein, es war kein wirklich ersprießliches Abendessen! Marzia war beleidigt, und Flavia wickelte sorgfältig die Schinkenscheiben von den beiden Melonenschiffchen, die Giuliana, meine liebe Frau, ihr auf einem unserer besonders schönen Teller serviert hatte. (Wir benutzen gern ausgesuchtes und wertvolles Porzellan! Man sollte sich, wo immer es geht, mit Schönheit umgeben! Billiger Ramsch begegnet einem sowieso auf Schritt und Tritt!) Und meiner Giuliana sah ich es an, dass sie sich den Abend harmonischer vorgestellt hatte! Sie kann es aber auch nicht lassen, sich familiäre Harmonie zu wünschen und an familiärer Harmonie zu arbeiten. Andererseits – Mütter sind so! Sie sind immer so. Und Kinder bleiben Kinder. Wahrscheinlich bleiben sie das für ihre Mütter auch dann noch, wenn sie selbst schon wieder Eltern oder sogar Großeltern sind. Da gibt es immer noch etwas zu erziehen. Und das kommt natürlich nicht immer gut an!

Nun sind meine beiden Töchter, die in Wirklichkeit nur Stieftöchter sind, mich aber papà nennen, was ich sehr zu schätzen weiß (Ich erinnere mich noch genau, wie tief gerührt, wie voller Freude ich war, als ich zum ersten Mal dieses papà hörte!), nun sind die beiden noch keineswegs Großeltern, nicht einmal Eltern. Beide sind noch unter dreißig, und Marzia, zwei Jahre jünger als ihre Schwester Flavia, ist frisch verliebt. Verliebt in einen Mann, der zehn Jahre älter ist, geschieden, ohne festen Beruf und heftig illustriert, das heißt von oben bis unten bemalt mit bunten Bildern, die vermutlich in fünfzig Jahren mal verschwinden, mal auftauchen werden, je nachdem wie seine bunte Haut dann Falten schlägt.

Ja, ich gebe es gern zu: Ich finde diese Malereien absolut scheußlich! Vielleicht bin ich auch einfach bloß intolerant. Aber ich meine tatsächlich, sie seien so eine Art Intelligenzindikator: Viel Farbe, viel Beschränktheit! Ja, ja, es soll auch bemalte Professoren geben! Aber ist das wirklich ein Beweis gegen meine Einschätzung dieser scheußlichen Unsitte? Die Geschmäcker sind verschieden, sagt man. Stimmt natürlich! Der eine genießt Kaviar (Ich nicht!!), der andere Bratkartoffeln, der eine trinkt Champagner, der andere Bier vom Fass. Und das ist auch gut so! Aber das heißt doch nicht, finde ich, dass man jede Vorliebe für tolerierbaren, vielleicht sogar für guten Geschmack halten muss! Es gibt ihn, den schlechten Geschmack! Oh ja, es gibt ihn! Der illustrierte Beni ist ein Beispiel! Er ist auch ein Beispiel für einen Schwätzer. In alles mischt er sich ein; zu jedem Thema gibt er seinen Senf dazu; überall glaubt er, prächtig informiert zu sein. Dabei ist er bloß peinlich. Oft weiß ich wirklich nicht, was ich zu seinen Tiraden sagen soll. Zur großen Gruppe der Einfältigen gehören ganz gewiss diejenigen, die glauben, alles besser zu wissen. Beni ist Mitglied dieser Gruppe.

Meine süße Giuliana, die schönste Römerin aller Zeiten, hält diese Liaison für eine Mesalliance. „Der Kerl ist mir ein Gräuel!“ sagt sie mit schöner Deutlichkeit. „Das Kind rennt in sein Unglück!“

Wahrscheinlich hat sie Recht. Mir ist dieser Beni auch ziemlich unsympathisch. (Wahrscheinlich ist der Name eine Koseform von Benito. Benito! Was haben sich seine Eltern dabei bloß gedacht!) Marzia sollte sich an einen solchen Menschen nicht binden. Aber das muss sie selbst herausfinden. Das muss ihre eigene Entscheidung sein. Welche Tochter hört in Liebesdingen auf die Mutter? Eltern sollten sich mit ihren Ratschlägen grundsätzlich zurückhalten. Das weiß jeder. Aber das ist verdammt schwer! Man liebt doch sein Kind! Man will es doch vor jedem Schaden bewahren! Man will doch, dass es glücklich wird! Was soll man tun, wenn man mit gutem Grund befürchtet, dass es in sein Unglück rennt? Aber den Rat, den man seinen erwachsenen Kindern gibt, kann man genauso gut dem Mond vorsingen!

Giuliana weiß, was richtig ist. Wie alle Mütter. Sie glaubt felsenfest daran, dass es ihre Pflicht, aber auch ihr Recht ist, der Tochter zu sagen, was sie zu tun und zu lassen hat. Und da hält sie sich auch nicht zurück. Natürlich kann das nicht gut gehen. Marzia setzt ihr finsterstes Gesicht auf. Du hast ja keine Ahnung! heißt das. Und: Halt dich da raus! Und: Ich weiß am besten, was für mich gut ist! Ich fürchte allerdings auch, dass meine Frau das Kind nicht überzeugen wird. ‚Das Kind‘ habe ich gesagt! Typisch! Im Grunde denke ich ja nicht anders als Giuliana, nur halte ich mich geschickter heraus aus dieser Sache mit Beni. Geschickter oder feiger. Allerdings bin ich überzeugt, dass Marzia schließlich doch das Richtige tun wird. Sie ist klug, und wahrscheinlich wird sie ihrer Mutter in drei Tagen oder in drei Wochen Recht geben. Jetzt aber zieht sie zunächst einmal eine Schnute! Und Giuliana sagt mir später: „Du liegst falsch mit deiner Zurückhaltung, mein Lieber! Der Rat der Älteren ist wie ein Stück einer Torte, die süß ist und satt macht!“ Na ja!

Und Flavia wickelt sorgfältig die Melonenstücke aus dem Schinken. Dann faltet sie die Schinkenscheiben peinlich genau auf ihrem Teller zusammen. Einmal, zweimal.

„Kann ich dir meinen Schinken anbieten?“ fragt sie mich. „Ihr Germanen seid doch begeisterte Schinkenesser.“ Das ist eine der kleinen Boshaftigkeiten, die wir regelmäßig austauschen.

„Vergiss nicht“, antworte ich, „dass euer Parmaschinken nicht nur bei uns in Deutschland, sondern in der ganzen Welt berühmt ist! Und auch die römischen Hausfrauen kaufen ihn wie verrückt. Frisch und dünn geschnitten. Und habe ich nicht kürzlich gesehen, wie du fast in den Kühlschrank gekrochen bist, um eine Scheibe zu klauen? Gib es nur zu: Du bist inzwischen doch auch schon eine Halbgermanin!“

Das alles sage ich aber schon mit vollem Mund, was natürlich nicht besonders fein und vorbildlich ist. Der Schinken ist aber auch zu köstlich! Jetzt lachen meine Mädchen wieder. Die Missstimmung ist vergessen. So ziemlich! Giuliana zieht immer noch ihre Stirn kraus. Flavia hat die Melonenschiffchen in kleine pezzi geschnitten und aufgegessen. Auch Marzias Teller ist leer.

„Gehören Melonen eigentlich zum Obst?“ fragt Giuliana. „Nein!“ ruft Marzia. „Melonen sind Gemüse!“ „Falsch!“ behauptet Flavia. „Melonen sind Obst!“ Schaut doch einfach ins Internet! schlage ich vor. Das Internet weiß alles. Na, fast alles. Übrigens - wie wäre es jetzt noch mit ein wenig Weißbrot und einer Scheibe Pecorino? frage ich. Melone als Antipasto ist prima, macht mich aber nicht satt. Alle sind begeistert von diesem Vorschlag; die Laune steigt; die Mädchen springen auf, um Weißbrot zu rösten und Pecorino zu schneiden.

Wir Eltern bleiben sitzen, nippen an unserem Wein, einem Weißen aus Lazio, schweigen, müssen dann lachen. „Ja, ja, ich weiß es!“ sagt Giuliana schließlich. „Ich kann es nicht lassen, gute Ratschläge zu geben.“ Ratschläge, die du für gut hältst! antworte ich. „Aber glaubst du denn, dass dieser Beni der rechte Schwiegersohn wäre?“ No, non lo credo! gebe ich zu. Das heißt sinngemäß: Nö, das glaube ich keineswegs! Aber die Erfahrung haben vor dir schon unzählige Mütter gemacht: Verbote sind sinnlos, Ratschläge werden nicht gehört, und besonders ernsthafte Bitten vergiften bloß das Klima auf besonders subtile Weise. Nein, mein Schatz, ich kann diesen Kerl auch nicht leiden. Aber Marzia kennt nun unsere Meinung. Sie hält uns nicht für blöd, und sie wird gewiss ins Grübeln kommen. Wir sollten uns also in der nächsten Zeit zurückhalten, sonst wird sie sich von uns zurückziehen.

„Du bist gescheit wie immer“, lobt mich meine Frau ein wenig ironisch (Sie liebt es, ironisch zu sein, wenn ich ihr oberlehrerhaft komme! Das ist auch ganz richtig so!), und mit einem Lächeln, das mir allerdings ein wenig unfroh scheint, fügt sie hinzu: „Mein Kopf sagt mir das ja auch, aber mein Herz stellt sich quer. Sie ist doch mein Kind, und sähe ich sie weinen, würde mich das ganz unglücklich machen.“

Marzia sucht also noch nach einem Partner fürs Leben, Flavia dagegen hat ihn schon gefunden. Sie ist seit zwei Jahren verheiratet. Mit Giacomo. Das ist ein lieber Kerl, aber er ist ein wenig langweilig. Vielleicht liegt das auch an mir. Er hat ungeheuren Respekt vor meinem Professorenstatus, was aber völliger Quatsch ist. Ich halte...

Erscheint lt. Verlag 4.1.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
ISBN-10 3-7568-1060-7 / 3756810607
ISBN-13 978-3-7568-1060-4 / 9783756810604
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