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Ich geh' nicht mehr zum Arzt -  Monika Timenta

Ich geh' nicht mehr zum Arzt (eBook)

Die Entstehung meiner Iatrophobie
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
440 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-8095-9 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Dem Problem auf der Spur Monika Timenta berichtet in dieser Autobiografie von ihrer persönlichen Hölle, die gleichzeitig eine lebensgefährliche Erkrankung ist: Sie geht seit Jahren nicht mehr zu ärztlichen Untersuchungen, weil ihre Angst davor größer ist als die Furcht vor unbehandelten Krankheiten und den damit verbundenen Risiken. Die Verfasserin erzählt von traumatisch verarbeiteten Erfahrungen während ihrer jahrelangen, oft vergeblichen Suche nach medizinischer und therapeutischer Hilfe für verschiedenste gesundheitliche Beeinträchtigungen. Diese erlebte sie häufig als unzureichende Fokussierung auf das jeweilige gesundheitliche Problem, gefolgt von zahlreichen, teilweise unbegründeten Verdachts- und Fehldiagnosen bis hin zu kontraproduktiven Behandlungen und verdeckt oder offen ausgelebten Aggressionen. Ihre persönlichen Reaktionen auf diese Erfahrungen werden vor dem Hintergrund einer verstörenden Kindheit und ihrer eigenen Krankheits- und Todesangst sehr selbstkritisch, aber auch kritisch beleuchtet - oft mit einer Prise schwarzen Humors. Der Autorin ist darüber hinaus daran gelegen, elementare Patientenrechte zu begründen. Sie fordert alle Beteiligten zur Überprüfung der eigenen Ziele und Normen auf, möchte auf eine konstruktive Umgestaltung des deutschen Gesundheitssystems hinwirken - und strebt letztlich neue Maßstäbe für ein humaneres Miteinander an.

Monika Timenta wurde Mitte der 1960er Jahre in Deutschland geboren. Sie wuchs gemeinsam mit der älteren Schwester in einer ärmlichen und bildungsfernen Familie auf, in der die Eltern ihre eigene Lebensunzufriedenheit und ihren Hass aufeinander mittels psychischer und physischer Misshandlungen an den Töchtern auslebten. Die Autorin war schon als Kind eine Rebellin und sehr kritisch gegenüber sich selbst und anderen, was häufig nicht gerne gesehen wurde und wird. Schon als Jugendliche galt ihr Interesse der Politik, dem sozialen Miteinander, der Philosophie und insbesondere der Ethik. Sie machte gegen den Widerstand ihres Vaters Abitur und nahm schließlich mit Mitte Vierzig ihr seinerzeit abgebrochenes geisteswissenschaftliches Studium erfolgreich wieder auf. Mehrere Erkrankungen, für die sie keine Hilfe fand, traumatisch verarbeitete Erlebnisse in diesem Zusammenhang und der frühe Tod ihrer Schwester führten letztendlich zu ihrer Angst vor Arztbesuchen.

Mir platzt der Kopf


Die Krankheit: Migräne


Gestern hat mich wieder einmal ein so harter Migräneanfall getroffen, dass ich nicht nur den ganzen Tag trotz Tabletten gegen Schmerzen und Übelkeit gekämpft habe, ich aber vor allem wie immer in dieser Situation daran erinnert wurde, wie oft ich diese Erkrankung beziehungsweise die damit verbundenen Symptome ohne Medikamentierung ertragen musste und dabei berufliche oder private Verpflichtungen zu erfüllen hatte. Ich nehme an, dass ich deshalb noch immer – obwohl ich mich heute „schonen“ kann und meine Tabletten es einigermaßen erträglich machen – in Panik verfalle, wenn ich merke, dass ein Anfall kommt. Ich habe diese Erkrankung schon sehr lange und kann mich kaum noch daran erinnern, wie es war, als ich noch nicht unter der Furcht litt, wieder einmal mit schier unerträglichen Schmerzen fertig werden zu müssen. Heute weiß wohl fast jeder, dass Migräne nicht eine vorgetäuschte Unpässlichkeit zur Vermeidung unangenehmer Tätigkeiten ist, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, unter der viele Frauen und auch einige Männer sehr leiden. Ich möchte hier kein Google-Wissen auflisten, sondern schildern, wie sich die Krankheit bei mir entwickelt hat.

Schon in der Grundschulzeit begann meine Migräne-Erkrankung, und obwohl ich diesen Ausdruck damals noch nicht kannte und überhaupt nicht wusste, was eigentlich mit mir los war, kann ich mich noch so gut an einen der ersten Migräneanfälle erinnern, dass es mir in der Rückschau nicht schwerfällt, ihn eindeutig als solchen zu identifizieren. Bis heute begleitet mich diese Krankheit, ich hatte in den verschiedensten Situationen mit ihr zu kämpfen und habe mich von allen Ärzten und Ärztinnen, die ich deswegen aufgesucht habe, im Stich gelassen gefühlt. Dabei wäre es gar nicht so schwierig gewesen, die Ursache für meine Migräne zu finden, so meine ich heute.

Ein Migräneanfall dauert bei mir in der Regel etwa acht bis zehn Stunden. Er kann sich ankündigen oder wie aus heiterem Himmel kommen, jedenfalls gibt es einen Kopfschmerz, der meist einseitig ist und mit „normalen“ Kopfschmerzen sowohl von der Art her als auch vor allem in der Intensität überhaupt nicht zu vergleichen ist. Zu diesem Schmerz kommt ein gesamtkörperliches Unwohlsein. Gleichzeitig stellt sich bei mir dann immer auch eine entsetzliche Angst ein, die man wohl nur als Panik bezeichnen kann. Nach einiger Zeit gesellt sich Übelkeit hinzu, es ist, als ob ich mich wegen der Schmerzen übergeben müsste. Sobald ich mich erbrochen habe, sind die Schmerzen für kurze Zeit etwas besser auszuhalten, bis die nächste Übelkeitsattacke zum nächsten Erbrechen führt. Das geht die ganze Zeit so weiter, entsetzliche Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen (nach einiger Zeit kommt natürlich nur noch gelber Schaum), Anschwellen der Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen… Wenn man es ohne Medikamente aushalten muss, dann ist es wie Folter. Und nichts hilft mir, auch wenn das von anderen Patienten immer wieder beschrieben wird: Ruhe, ein abgedunkeltes Zimmer, ein kalter Waschlappen auf der Stirn, an Schlaf ist ohnehin nicht zu denken. Trotzdem ist das alles besser als das, was ich bei den meisten Migräneattacken tun musste: Ich musste weiter funktionieren. Ich bin mit Migräne zur Schule gegangen, habe Klausuren geschrieben, war Party-Gast oder, schlimmer: Gastgeberin, bin gereist, musste Smalltalk machen – sprich, die meiste Zeit habe ich versucht, die Krankheit zu verstecken und so zu tun, als ob nichts wäre. Als Kind und Jugendliche habe ich meiner Mutter, als die Migräneattacken immer häufiger auftraten, schließlich das eine oder andere Mal gesagt, dass es mir nicht gut geht, und wenn es möglich war, hat sie versucht, mir mit ihren Mitteln zu helfen. Dann lag ich im Bett, auf dem Sofa, manchmal im Liegestuhl auf der Terrasse, in warme Decken gehüllt, einen kalten Waschlappen auf der Stirn. Aber meistens habe ich mich nicht getraut, mich zu schonen, ich habe mich verachtet für meine seltsamen Schmerzzustände oder fühlte mich den Situationen einfach ausgeliefert. Auf jeden Fall war ich in meiner Kindheit nie deshalb bei einem Arzt. Meine Mutter hatte im Übrigen selbst Migräne, und wenn es sie wieder einmal „erwischt“ hatte, dann tat sie mir sehr leid, weil ich wusste, wie es sich anfühlt. Meine Mutter sagte dann oft, ob nun in Verkennung der eigenen Erkrankung oder in der Absicht, mir Angst zu machen: „Ich glaub‘ ich hab‘ einen Hirntumor“ oder auch „Ich krieg‘ einen Schlaganfall“. Der Hinweis auf heftige Schmerzen war schon damals ausreichend, damit ich die gebotene Rücksicht auf sie nahm, die Vorstellung von Hirntumor oder Schlaganfall als mögliche Ursache für diese Schmerzen hätte ich als kleines Kind nicht unbedingt gebraucht. Ich hatte also schon als Kind eine Krankheit, gegen die nichts half, wegen der kein Arzt aufgesucht wurde und deren Symptome ich einfach ertragen und hinnehmen musste. Meine Freundinnen hatten kein Verständnis dafür, weil sie das nicht kannten. Meine späteren Chefs reagierten sehr empfindlich auf Krankmeldungen für einen Tag, und ich versuchte einfach, weiter zu funktionieren und damit zu leben – in ständiger Furcht vor dem nächsten Mal.

Die Migräneanfälle treffen mich unterschiedlich häufig, aber man kann wohl sagen, dass ich bis zum Beginn meiner Wechseljahre im Schnitt vier- bis fünfmal im Monat Migräne hatte, danach wurde es deutlich seltener. Was mir schon bald auffiel, war, dass während der Zeiten, in denen ich „die Pille“ nahm, die Migräneanfälle eigentlich fast ausschließlich während der siebentägigen „Pillenpause“, in der ich dann auch meine Monatsblutung bekam, auftraten, dann aber meist mehrmals in dieser Woche. Während meiner Schwangerschaft hatte ich erst gegen Ende, also kurz vor der Geburt, drei rasch hintereinander folgende, heftige Migräneattacken, die ich in vollem Umfang durchstehen musste, weil ich zum Schutz meines Kindes keine Tabletten nehmen wollte. Das Auftreten von Migräneanfällen hat also höchstwahrscheinlich etwas mit meiner hormonellen Situation zu tun. Allerdings gab es immer auch Verstärker oder Auslöser, wie zum Beispiel schnelle Wetterwechsel. Lange Zeit war ich davon überzeugt, dass die Migräne vor allem durch Schlafmangel ausgelöst wird. Doch mittlerweile, nachdem ich acht Jahre lang keine einzige Nacht mehr durchgeschlafen oder auch nur ausreichend lange geschlafen habe und demzufolge unter chronischer Müdigkeit leide, glaube ich eher, dass die Schlafprobleme und die Migräne dieselbe Ursache (eben die Hormonstörung) haben. Ein weiterer Auslöser, den ich lange Zeit in Verdacht hatte, war die Freude auf oder über etwas, aber das waren sicherlich Zufälle, wie beispielsweise der Umstand, dass ich zu allen meinen Abiturprüfungen glücklicherweise migränefrei war, aber dafür die von uns Schülern organisierte private Abiturfeier wegen eines Migräneanfalls nicht miterleben konnte.

Seit vielen Monaten habe ich immer seltener Migräneanfälle und ich bin überzeugt davon, dass es an dem durch die Wechseljahre sinkenden und vor allem nicht mehr so stark schwankenden Hormonspiegel liegt. Außerdem ist es meinem Mann schon häufiger gelungen, einen Migräneanfall tatsächlich erfolgreich durch Reiki zu behandeln. Es gelingt nicht immer, aber wenn, dann sind wir immer wieder erstaunt darüber. Einmal gelang es mir, einen Migräneanfall zu überwinden, indem ich zwei Stunden lang bei starkem kühlem Gegenwind spazieren ging. Aber die Tabletten, von denen ich befürchte, dass sie mir eine Magenerkrankung bereiten, was mir einmal ein Arzt prophezeite, sind noch immer das Mittel der Wahl.

Zwischen Verstummen und Aufbegehren


AUTOBIOGRAFISCHES: Leben mit der Erkrankung

Ich freute mich schon seit Wochen auf meinen zehnten Geburtstag. Was gibt es Schöneres, dachte ich als Kind oft, als im Juni Geburtstag zu haben? Nicht nur, dass die Geschenke sich damit gleichmäßig auf das Jahr verteilten, es gab dann auch immer schon die ersten Erdbeeren, und meine Mutter machte mir zu Ehren Erdbeerkuchen, den ich sehr liebte. Darüber hinaus war meistens das Wetter schön, und da meine Eltern einen sehr großen Garten und seit kurzem auch ein Gartenhäuschen hatten, bot mir meine Mutter an, mit einigen Mitschülern draußen zu feiern. Den offenen Pavillon habe ich immer vor Augen, wenn eine Migräne kommt, als wäre er fest mit diesem Zustand verbunden, den ich nur „unerträglich“ nennen kann. Ich sehe noch deutlich vor mir, wie meine Freunde, sogar unser damaliger Klassensprecher, in den ich ein bisschen „verknallt“ war, fröhlich und voller Erwartungen auf einen spiel- und spannungsreichen Nachmittag im „Häuschen“, wie meine Eltern sagten, Platz genommen hatten.

Vor dem Spielen gab es leckeres Essen: Meine Mutter hatte nicht nur den obligatorischen Erdbeerkuchen, sondern auch den Schokoladenkuchen, den wir „Kalte Schnauze“ nannten, sowie jede Menge „Götterspeise“ mit...

Erscheint lt. Verlag 12.12.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
ISBN-10 3-7568-8095-8 / 3756880958
ISBN-13 978-3-7568-8095-9 / 9783756880959
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