TRAUMhafte GESCHICHTEN (eBook)
185 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9184-8 (ISBN)
Wer bin ich? Was gibt es da zu sagen? Ich bin bejahrt und bin einfach ICH: Eigenwillig, eine Einzelgängerin und meist eine Perfektionistin. Schon als Kind liebte ich die Schönheit der Worte, die Klarheit der Zahlen und Kreativität. Allerdings konnte ich es damals nicht so genau definieren. Später aber durfte ich all das privat und beruflich erleben und ausleben. Auch jetzt, im Rentenalter, sind alle meine Fähigkeiten noch immer aktiv. Das inspiriert mich auch heute noch zu geistigen Höhenflügen!
Wer bin ich? Was gibt es da zu sagen? Ich bin bejahrt und bin einfach ICH: Eigenwillig, eine Einzelgängerin und meist eine Perfektionistin. Schon als Kind liebte ich die Schönheit der Worte, die Klarheit der Zahlen und Kreativität. Allerdings konnte ich es damals nicht so genau definieren. Später aber durfte ich all das privat und beruflich erleben und ausleben. Auch jetzt, im Rentenalter, sind alle meine Fähigkeiten noch immer aktiv. Das inspiriert mich auch heute noch zu geistigen Höhenflügen!
SIMONS PARADIES
Josef und Anna Moosbacher, Gutsbesitzer
Simon und Philipp, Zwillingsbrüder
das Gesinde des Gutshofs
Laura, Malerin
DA gab es in einem fruchtbaren Land mit Bergen, Wäldern, Wildwassern, Flüssen und Seen den wohlhabenden Gutsbesitzer Josef Moosbacher mit seiner Frau Anna.
Die Moosbachers, wie sie allgemein genannt wurden, waren weit herum bekannt – nicht nur ihrer ertragreichen Felder, saftigen Weiden und des grossen, gesunden Viehbestandes wegen. Nein, sie waren auch bekannt für ihre Rechtschaffenheit, ihre Güte und ihre Fähigkeit, ihr Gesinde so zu behandeln, dass keiner freiwillig das Gut verliess.
Streng war er, der Moosbacher, aber gerecht. Er wurde 'Meister' genannt, seine Frau Anna war die 'Meisterfrau'.
Alle Knechte, Mägde oder Taglöhner bekamen einen rechten Lohn, genügend Freizeit, und etwas, das zu dieser Zeit absolut unüblich war: jeder hatte eine - wenn auch nur kleine - eigene Kammer. Bei Fehlern war er nachsichtig, wenn sie nicht allzu oft geschahen. War aber jemand bei der Arbeit schlampig und unzuverlässig, dauerte es nicht sehr lange, bis er vom Hof gewiesen wurde.
Beide halfen oft und gerne bei Problemen auf Nachbarshöfen – manchmal mit Geld, manchmal genügte auch nur ein Zuhören.
Das Wohnhaus, die Ställe, das Land, alles war sauber und gepflegt. In der Nähe des Wohnhauses gab es noch ein kleines hübsches Blockhaus für zufällige Gäste, wie es sich auf dem Land so ergeben kann. Vor dem Haus standen wunderschöne Kastanienbäume, unter denen im Sommer an einem langen Tisch die Mahlzeiten eingenommen wurden.
Das kleine, etwas abseits liegende Häuschen und das angrenzende Blumengärtchen sahen aus wie in einem Märchen. Und eben um dieses Märchenhafte rankt sich eine Legende. Nur wenige wussten, dass es die reine Wahrheit war. Und von denen lebt heute niemand mehr. Doch einer von ihnen hat die Geschichte niedergeschrieben.
JOSEF und Anna Moosbacher waren bereits seit 12 Jahren verheiratet und hatten sich schon damit abgefunden, kinderlos zu bleiben. Doch eines Tages, es war wie ein kleines Wunder, erfuhr Anna von ihrer Schwangerschaft. Alle waren ganz aus dem Häuschen, selbst das Gesinde.
Als dann die Wehen einsetzten und der Arzt und die Hebamme eintrafen, versammelten sich alle, sofern sie eine Arbeit liegen lassen konnten, in der Küche und warteten. Bei jedem noch so leisen Stöhnen der Meisterfrau zuckten sie zusammen.
Damals gab es noch keine Ultraschalluntersuchungen und erst während der Geburt wurde bemerkt, dass nicht nur ein Kleines nach draussen drängte, sondern anschliessend an dessen Geburt noch ein zweites erschien. Auch wenn sie im allerersten Moment ein wenig erschraken, waren Josef und Anna doch überglücklich.
Die in der Küche Versammelten atmeten erleichtert auf, als sie den ersten Schrei des Neugeborenen hörten. Als sie dann aber gar deren zwei schreien hörten, waren sie ausser Rand und Band und klatschten in die Hände und stampften mit den Füssen auf den Boden bis der Meister aus der Schlafkammer kam, und mit einem Lächeln um Ruhe bat.
Sie schwiegen darauf hin, blieben aber dort stehen und warteten weiter. Sie wollten die Kleinen sehen. Nach einiger Zeit durften immer zwei und zwei die Kammer betreten, um die Kleinen zu bestaunen. Auf Zehenspitzen schlichen sie hinein und betrachteten sie. So schöne Kinder hatten sie noch nie gesehen.
SIMON, der Erstgeborene, der einmal den Hof übernehmen sollte und Philipp, sein Zwillingbruder, nur zwei Minuten später geboren, entwickelten sich prächtig. Sie ähnelten einander, wie es eben nur bei Zwillingen möglich ist. Beide hatten sie kastanienbraune, gelockte Haare. Nur durch ihre Augenfarbe konnten sie voneinander unterschieden werden. Simon hatte türkisfarbene Augen wie der nahe gelegene See. Philipp dagegen dunkelgrüne Augen wie der Wald am Seeufer.
Alle hatten das Gefühl, als sei Simon der Ruhigere von beiden, im Gegensatz zu seinem Bruder, der ein richtiger Wildfang war. Nach einiger Zeit aber war es für alle erkennbar, dass Simon ein ganz spezielles Verhalten an den Tag legte. Er quengelte nie, plapperte nie, er lachte nie und immer schien er über etwas nachzudenken. Doch er lernte ebenso schnell sprechen wie Philipp. Er sagte bitte, danke, guten Morgen oder gute Nacht und grüsste, wenn Besuch kam. Sonst aber sprach er nie. Mit niemandem.
Hin und wieder aber konnte Simon über etwas das er sah, ganz leicht lächeln und seine Augen konnten leuchten, so wie die Seeoberfläche leuchtet, wenn sie von der Sonne beschienen wird. Und dann sah er so glücklich aus. Vielleicht war da irgendetwas, das niemand ausser ihm sehen konnte. Besonders Blumen hatten es ihm angetan. Jedes kleinste Blümchen, das er finden konnte, grub er aus und setzte es in die entfernteste Ecke von Mutters Garten, wo ihm ganz sicher nichts passieren konnte.
Kaum dreijährig, verbrachte er viel Zeit zwischen all diesen Blumen, jätete, entfernte welke Blüten und Blätter und seine Mutter behauptete stets, er spräche mit den Blumen. Und alle glaubten zu sehen, wie sich Blüten und Knospen Simon zuwandten, wenn er in der Nähe war.
SEINE Eltern liebten ihn abgöttisch. Für sie war er ein Geschenk besonderer Art. Auch das Gesinde war ganz vernarrt in den kleinen Simon und oft gruben sie für ihn kleine Blümchen aus, nur um das Leuchten seiner Augen zu sehen. Hin und wieder musste sie der Meister ermahnen, ihre Arbeit deswegen nicht zu vernachlässigen. Aber er lächelte dabei.
Philipp war manchmal ein wenig eifersüchtig, schien sich doch immer alles um seinen Bruder zu drehen. Und trotzdem, auch er liebte ihn, ging auf die Suche nach ihm, wenn er nirgends zu sehen war. Er konnte überall sein. Bei den Kaninchen, bei den Hunden, manchmal auch im Stall bei den Kühen, bei denen sogar Philipp noch ein wenig ängstlich war.
Hatte er ihn dann gefunden, nahm Simon seine Hand und führte ihn meist zuerst zu Mutters Blumengarten, um ihm ein frisch gesprossenes Pflänzchen zu zeigen. Philipp ging gerne mit, denn auch er hatte Freude an den Blumen im Garten. Erst danach kam Simon mit ins Haus.
EINES Nachts, die beiden waren nun ungefähr vier Jahre alt, träumte Philipp von Simon. Es war ein Traum, den er nie mehr vergessen sollte. Es war einer von vielen, die nachher noch folgten. In diesem Traum sassen alle im Hof beim Mittagessen und Simon sprach und lachte und erzählte von den Blumen und den Schmetterlingen und den vielen Insekten, die dort herumflogen. Und dann verblasste der Traum. Philipp wusste nicht, dass auch seine Eltern und das Gesinde den gleichen Traum hatten, denn sie sprachen nicht darüber.
Der Traum war so schön, aber auch sehr traurig. Warum durfte Simon im wahren Leben nicht auch so sein? Erst als Philipp ein wenig älter war, erzählten sie einander von ihren Traumerlebnissen. Denn immer wenn Simon besonders glücklich oder traurig war, hatten alle den gleichen Traum. Und immer konnte er sprechen und lachen und seiner Freude oder seiner Trauer Ausdruck verleihen. So, als ihm ein Hündchen zulief, als sich eine grosse Igelfamilie in Mutters Garten einquartierte, als er Vögel sich in einer Regenpfütze baden sah…
NICHT lange nach dem ersten Traum nahm Vater Josef den kleinen Simon bei der Hand und ging mit ihm zu einem etwas entfernt liegenden Stück Wiese und sagte: "Hier wird dein eigener Garten entstehen." Er begann umzugraben und Simon stand dabei, sah zu und strahlte.
Dann brachte der Vater Blumensamen nach Hause und zeigte ihm, was er damit machen muss. Anschliessend kam noch ein kleines Gartenhäuschen und ein noch kleineres Gewächshäuschen dazu. Zu allerletzt wurde alles mit einem weissen Zaun eingegrenzt und so war Simons eigener kleiner Garten fertig. Die Igelfamilie zog ohne sein Zutun in seinen Garten um. Und das Hündchen war ohnehin immer dabei.
Stundenlang konnte sich Simon dort aufhalten und kam nur ins Haus, wenn er Hunger hatte oder Schlafenszeit war. Manchmal, wenn er tagsüber müde war, schlief er einfach in seinem Häuschen. Schon vor längerer Zeit hatte er sich dazu einen Strohsack erbettelt.
Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, dass er niemals die Schule wird besuchen können und viele – vor allem die Ärzte – meinten, er sei geistig behindert. Doch das war er nicht und weder die Eltern, noch das Gesinde und schon gar nicht Philipp glaubten es. Im Gegenteil.
PHILIPP ging nun zur Schule und es machte ihm Spass. Er bedauerte es nur, dass Simon nicht auch dabei sein konnte. Jeden Tag setzte er sich zu Simon und erklärte ihm, was er gelernt hatte und welche Aufgaben er machen musste. Und Simon lernte von ihm. Er lernte ebenso schnell lesen und rechnen wie Philipp und konnte ebenso schön schreiben.
Nur, er sprach einfach nicht. Philipp 'vergass' manchmal sein Lesebuch bei ihm und dann versuchte Simon, laut daraus zu lesen. Das klang dann beinahe ebenso fliessend wie bei anderen Kindern seines Alters.
Unterdessen war Simon fest in sein Häuschen gezogen. Da er nun dort auch einen Ziehbrunnen hatte und ein Toilettenhäuschen, war er fast unabhängig.
JAHR um Jahr ging so vorbei und Philipp hatte nicht mehr so viel Zeit, sein Wissen an Simon weiterzugeben. Denn er musste neben der Schule auch noch auf dem Hof helfen. Auch wenn da genug Leute waren, wollte sein Vater, dass er alles wusste und konnte, um den Hof einmal richtig weiterführen zu können. So bekam Simon immer alle Schulbücher und Hefte vom Vorjahr. Und er arbeitete sich alleine durch den Lehrstoff und es...
| Erscheint lt. Verlag | 28.2.2023 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Anthologien |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Freude • Glück • Paradies • Seele • Träume • Zauber |
| ISBN-10 | 3-7549-9184-1 / 3754991841 |
| ISBN-13 | 978-3-7549-9184-8 / 9783754991848 |
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