Der Schwur der Königin (eBook)
576 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-3274-8 (ISBN)
Als Prinzessin lernte sie ihre große Liebe kennen. Muss sie sich als Königin zwischen ihrem Herzen und der Krone Spaniens entscheiden?
Spanien, Mitte des 15. Jahrhunderts: Alte Fehden spalten die Königreiche Kastilien und Aragon. Prinzessin Isabella lebt am Hofe ihres Halbbruders Enrique, dem König von Kastilien. Nach einer Tragödie wird sie mit nur siebzehn Jahren zur Erbin des Throns. Nun muss sie über Nacht lernen, als souveräne Herrscherin zu agieren und sich gegen ihre politischen Feinde durchzusetzen. Denn nicht nur der Kampf um die Krone droht ein blutiger zu werden, sondern auch der um ihre große Liebe - den charismatischen Prinzen des verfeindeten Königreiches Aragon ...
C. W. Gortner wuchs in Südspanien auf. In Kalifornien lehrte er an der Universität Geschichte mit einem Fokus auf starke Frauen inder Historie. Er lebt und schreibt in Nordkalifornien. Im Aufbau Taschenbuch ist bereits sein Roman 'Marlene und die Suche nach Liebe' erschienen.
Mehr Informationen zum Autor unter www.cwgortner.com
Prolog
1454
Niemand glaubte, dass ich für Großes bestimmt war.
Geboren in dem kastilischen Ort Madrigal de las Altas Torres als erstes Kind der zweiten Ehe meines Vaters, Juan II., mit Isabella von Portugal, deren Namen ich erhielt, war ich eine gesunde und ungewöhnlich ruhige Infantin. Um meine Ankunft wurde nicht viel Aufhebens gemacht. Sie wurde zwar mit Glockenläuten verkündet, doch es gab nur flüchtige Gratulationen und keine Fanfaren. Mit seiner ersten Frau hatte mein Vater bereits einen Thronfolger gezeugt, meinen Halbbruder Enrique. Und als meine Mutter zwei Jahre nach mir meinen Bruder Alfonso gebar und so die Erbfolge des Hauses Trastámara zusätzlich sicherte, wurde allseits angenommen, dass mir Kloster und Spinnrocken beschieden sein würden, bis man mich zu Kastiliens Vorteil verheiraten konnte.
Doch wie es so oft geschieht, hatte Gott anderes mit mir vor.
Die Stunde, als alles sich änderte, habe ich nie vergessen.
Ich war noch nicht ganz vier Jahre alt. Schon seit Wochen litt mein Vater an einem schrecklichen Fieber und lag die ganze Zeit hinter geschlossenen Türen in seinen Gemächern im Alkazar, dem Palast von Valladolid. Ich kannte ihn kaum, diesen neunundvierzigjährigen König, dem seine Untertanen wegen seiner Art zu herrschen den Spitznamen El Inútil, der Nutzlose, gegeben hatten. Bis zum heutigen Tag kann ich mich an nicht mehr erinnern als an einen hageren Mann mit traurigen Augen und einem wässrigen Lächeln, der mich einmal zu sich in seine Privatgemächer befahl und mir einen nach maurischer Art emaillierten und mit Juwelen besetzten Kamm schenkte. Während ich bei ihm war, stand die ganze Zeit ein kleiner, dunkelhäutiger Fürst hinter dem Thron meines Vaters, die Wurstfinger besitzergreifend auf die Rückenlehne gelegt und die durchdringenden Augen unablässig auf mich gerichtet.
Wenige Monate nach dieser Begegnung hörte ich die Hofdamen meiner Mutter einander zuflüstern, der kleine Fürst sei geköpft worden und sein Tod hätte meinen Vater in untröstliche Trauer gestürzt.
»Lo mató esa loba portuguesa«, sagten die Frauen. »Das war diese portugiesische Wölfin. Sie hat den Konnetabel Luna umbringen lassen, weil er der Liebling des Königs war.« Plötzlich zischte eine von ihnen: »Pst! Das Kind hört zu!« Ihre Köpfe flogen herum, und als sie mich mit weit aufgerissenen Augen auf dem Stuhl im Alkoven nebenan bemerkten, erstarrten sie alle mitten in ihren Bewegungen.
Nur wenige Tage nachdem ich die Hofdamen belauscht hatte, wurde ich eines Nachts aus dem Schlaf gerissen, hastig in einen Umhang gehüllt und durch die Korridore des Alkazar zu den königlichen Gemächern gescheucht. Diesmal führte man mich in eine stickige Kammer, wo Kohlebecken glühten und aus einer Weihrauchwolke der gedämpfte Psalmengesang kniender Mönche an meine Ohren drang. Über mir baumelten an vergoldeten Ketten Kupferlampen, deren öliges Glühen über die versteinerten Mienen der in düsterer Tracht versammelten Granden flackerte.
Die Vorhänge des großen Betts vor mir waren geöffnet worden.
Auf der Schwelle zögerte ich. Instinktiv blickte ich mich nach dem kleinen Fürsten um, obwohl ich längst wusste, dass er tot war. Dann erspähte ich den Lieblingsfalken meines Vaters. An seine silberne Stange gekettet, hockte er im Alkoven. Seine geweiteten Pupillen, von den Flammen beleuchtet, doch unergründlich, richteten sich auf mich.
Wie angewurzelt stand ich da. Mich beschlich eine Vorahnung von etwas Schrecklichem, das ich nicht sehen wollte.
»Geh, mein Kind«, drängte mich meine aya, Doña Clara. »Seine Majestät, dein Vater, verlangt nach dir.«
Ich weigerte mich zu gehorchen. Stattdessen klammerte ich mich an ihre Röcke und verbarg das Gesicht in deren staubigen Falten.
Doch dann näherten sich von hinten schwere Schritte, und eine tiefe Stimme dröhnte: »Ist das nicht unsere kleine Infanta Isabella? Komm, lass dich anschauen, Kind.«
Etwas an dieser Stimme bannte mich, ließ mich aufblicken.
Ein Mann türmte sich vor mir auf, groß und mit tonnenförmiger Brust, bekleidet mit dem dunklen Gewand eines Granden. Sein ziegenbärtiges Gesicht war feist, seine hellbraunen Augen blickten durchdringend. Ansehnlich war er nicht; vielmehr erinnerte er an einen verwöhnten Palastkater, doch sein leicht schiefer, rosiger Mund verzauberte mich, denn er schien allein für mich zu lächeln und eine nur mir geltende Aufmerksamkeit auszudrücken, die mir das Gefühl vermittelte, der einzige Mensch zu sein, den er wirklich sehen wollte.
Er streckte mir eine für einen Mann von seiner Größe verblüffend zierliche Hand entgegen. »Ich bin Erzbischof Carrillo von Toledo«, sagte er. »Kommt mit mir, Hoheit. Es gibt nichts zu fürchten.«
Zögernd ergriff ich seine Hand. Seine Finger waren kräftig und warm. Und als sich seine Hand um meine schloss, fühlte ich mich tatsächlich sicher. Er führte mich vorbei an den Mönchen und dunkel gekleideten Höflingen, in deren unpersönlichen Augen wie bei dem Falken im Alkoven leidenschaftsloses Interesse zu glimmen schien.
Damit ich näher bei meinem Vater stehen konnte, hob der Erzbischof mich auf einen Schemel vor dem Bett. Bei jedem Atemzug des Königs hörte ich ein lautes Rasseln in seiner Brust. Die Haut, die bereits merkwürdig wächsern wirkte, schien ihm förmlich auf den Knochen zu kleben. Seine Augen waren geschlossen, die feingliedrigen Hände über der Brust gefaltet, als wäre er eine Steinplastik auf einem jener aufwendigen Grabmäler, von denen es in unseren Kathedralen nur so wimmelte.
Ich musste wohl einen Laut des Entsetzens von mir gegeban haben, denn Carrillo raunte mir ins Ohr: »Du musst ihn küssen, Isabella. Gib deinem Vater deinen Segen, damit er dieses Tränental in Frieden verlassen kann.«
Obwohl dies das Letzte war, was ich tun wollte, hielt ich die Luft an, beugte mich über meinen Vater und drückte ihm flüchtig die Lippen auf die Wange. Als ich die vom Schüttelfrost eisige Haut berührte, prallte ich erschrocken zurück und hob unwillkürlich die Augen zur anderen Seite des Betts.
Dort bemerkte ich eine Silhouette. Einen schrecklichen Moment lang hielt ich sie für den Geist des toten Konnetabels, der laut meinen Hofdamen rastlos auf Rache sinnend im Palast herumspukte. Doch da flackerte eine Kerze auf, und ihr Schein fiel lange genug auf sein Gesicht, sodass ich meinen älteren Halbbruder, Prinz Enrique, erkennen konnte. Sein Anblick verwirrte mich. Normalerweise hielt er sich doch vom Hof fern, dem er seine geliebte casa real in Segovia bei Weitem vorzog. Wie es hieß, leistete er sich dort eine aus Ungläubigen bestehende Wache und eine Menagerie aus exotischen Raubtieren, die er eigenhändig fütterte. Jetzt war er also im Sterbezimmer unseres Vaters anwesend, gehüllt in einen schwarzen Umhang, das lange, zottelige Haar unter einem scharlachroten Turban verborgen, sodass seine sonderbar flache Nase und die eng beieinanderliegenden Augen hervorstachen und er an einen ungepflegten Löwen erinnerte.
Das wissende Lächeln, mit dem er mich bedachte, jagte mir jäh einen kalten Schauer den Rücken hinunter.
Der Erzbischof nahm mich auf die Arme und trug mich hinaus, als gäbe es in dem Gemach nichts mehr, was für uns noch von Belang wäre. Über seine Schulter hinweg sah ich die Höflinge und Granden sich um das Bett scharen. Der Gesang der Mönche wurde lauter, und Enrique beugte sich beflissen, ja, fast eifrig über den sterbenden König.
In diesem Moment hauchte unser Vater, Juan II., sein Leben aus.
Wir kehrten nicht in meine Gemächer zurück. Fest an die mächtige Brust des Erzbischofs gedrückt, verfolgte ich benommen, wie er meine im Korridor wartende aya gebieterisch zu sich winkte und uns die Wendeltreppe hinunter zum Burghof führte. Der fahle Mond am Nachthimmel vermochte kaum die Wolken- und Nebelschleier zu durchdringen.
Als wir den schützenden Schatten der Festung verließen, spähte der Erzbischof zum hinteren Ausfalltor, ein dunkles viereckiges Portal, das man in die Ringmauer eingelassen hatte.
»Wo sind sie?«, drängte er mit gepresster Stimme.
»Ich … ich weiß es nicht«, stammelte Doña Clara. »Ich habe die Nachricht gesandt, wie Ihr es mich geheißen hattet, und Ihre Hoheit gebeten, hier auf uns zu warten. Hoffentlich ist ihr nichts …«
Er unterbrach sie mit erhobener Hand. »Ich glaube, sie kommen.« Er trat vor. Das flüchtige Klappern leichter Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster näherte sich, und ich spürte, wie er sich anspannte. Mit einem scharfen Geräusch stieß er die Luft aus, als plötzlich mehrere Gestalten, angeführt von meiner Mutter, auf uns zutraten. Sie war blass. Die Kapuze ihres Umhang hatte sich um ihre schmalen Schultern gelegt, doch ein paar schweißnasse kastanienbraune Strähnen waren ihrer Haube entkommen. Ihr folgten ihre portugiesischen Hofdamen sowie Don Gonzalo Chacón, der Erzieher meines einjährigen Bruders, den er in seinen kräftigen Armen wiegte. Ich fragte mich, warum wir uns gerade jetzt, mitten in der Nacht, hier draußen versammelt hatten. Mein Bruder war doch so klein, und es war schrecklich kalt.
»Ist er …?«, keuchte meine Mutter.
Carrillo nickte. Ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle, während ihre einschüchternden blaugrünen Augen mich fixierten, die ich immer noch in den Armen des Erzbischofs lag. Sie streckte die Hände nach mir aus. »Isabella, hija mia.«
Carrillo setzte mich ab. Zu meiner...
| Erscheint lt. Verlag | 1.3.2023 |
|---|---|
| Übersetzer | Peter Pfaffinger |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | The Queen's Vow |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Aragon • Heirat • Kastilien • Königin • Philippa Gregory • Rebecca Gablé • Regentin • Spanien |
| ISBN-10 | 3-8412-3274-4 / 3841232744 |
| ISBN-13 | 978-3-8412-3274-8 / 9783841232748 |
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