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Warum ein roter R4 nicht in eine hellgrüne Schublade passt (eBook)

oder: Wie ein Virus meine Welt veränderte
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
340 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-82563-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Warum ein roter R4 nicht in eine hellgrüne Schublade passt -  Sylvia Furmaniak
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Eine schwere postvirale Multi-Infektion setzt sämtliche Lebenspläne einer jungen Frau völlig außer Kraft. Plötzlich ist sie bettlägerig und auf fremde Hilfe angewiesen. Für sie beginnt ein langer, schmerzlicher Leidensweg, der sie am Tiefpunkt durch eine Nahtoderfahrung führt. Existenzielle Sorgen treiben sie in die zermürbenden Mühlen der behördlichen Bürokratie. Auf der Suche nach Ursachen und Heilung kämpft sie sich über zwanzig Jahre durch den Dschungel fachärztlicher und naturheilkundlicher Diagnosen, Behandlungen und Medikationen. Erst über den Umweg der Corona-Pandemie und die Forschungen zu Long Covid werden ihre Ärzt*innen auf ihre 'richtige' Diagnose aufmerksam: ME/CFS - Chronisches Erschöpfungssyndrom. Diese Erkrankung ist bis dato kaum erforscht und noch nicht behandelbar. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen ... Sylvia Furmaniak beschreibt hier ihre außergewöhnliche Geschichte. Trotz ihres Handicaps wirft sie einen humorvollen und ermutigenden Blick auf die Chancen zu einem erfüllten Leben, einer balancierten Choreografie aus Erfahrungen, Möglichkeiten, Talenten und dem Wunsch nach einer Zukunftsvision. Sie sieht sich als 'Liegende Königin', die immer wieder Frieden und Freundschaft schließt mit ihrer Erkrankung. Durch gelebte Spiritualität und tiefe Verbundenheit mit ihren Mitmenschen und der Natur stellt sie ihr Dasein in einen beglückenden Sinn-Zusammenhang jenseits ihrer körperlichen Möglichkeiten. Denn jedes Leben will authentisch sinnhaft, mutig, wild und zart gelebt sein.

Sylvia Furmaniak (*1968) lebt am Hochrhein und ist glücklich verheiratet. Sie absolvierte an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Daraufhin schloss sie ein Studium als Diplom-Pädagogin an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen ab. In beiden Studiengängen war das Fach 'Theologie' Haupt- bzw. Nebenfach. Sie erkrankte 2004 an einer postinfektiösen Gehirn- und Hirnhautentzündung durch den EBV-Virus, die immer wieder rezidivierte. 2010 schloss sie eine weitere Ausbildung als Heilpraktikerin ab und war trotz ihres Handicaps in eigener Praxis sowie als Diplom-Pädagogin noch eingeschränkt tätig. 2018 mündete die Erkrankung endgültig in eine Bettlägerigkeit. 2022 erhielt sie die Diagnose ME/CFS.

Sylvia Furmaniak (*1968) lebt am Hochrhein und ist glücklich verheiratet. Sie absolvierte an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Daraufhin schloss sie ein Studium als Diplom-Pädagogin an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen ab. In beiden Studiengängen war das Fach "Theologie" Haupt- bzw. Nebenfach. Sie erkrankte 2004 an einer postinfektiösen Gehirn- und Hirnhautentzündung durch den EBV-Virus, die immer wieder rezidivierte. 2010 schloss sie eine weitere Ausbildung als Heilpraktikerin ab und war trotz ihres Handicaps in eigener Praxis sowie als Diplom-Pädagogin noch eingeschränkt tätig. 2018 mündete die Erkrankung endgültig in eine Bettlägerigkeit. 2022 erhielt sie die Diagnose ME/CFS.

Mein roter R4

Reisend die Fülle des Lebens entdecken

Eine Heilerin hat mir einmal gesagt, mein Körper habe in diesem Leben einfach nicht den Charakter eines robusten Mercedes oder eines schnellen Porsche. Damit müsse ich mich eben abfinden. Da ich die ersten Fahrstunden meines Lebens in einem wunderschönen, klapprigen roten R4 absolviert habe, stellte ich mir meinen Körper also ab sofort als R4 vor – einen Retro-Kleinwagen von Renault. Dieses Auto hat einfach Charme. Die Schaltung ist nicht ganz einfach, es ist nicht perfekt, manchmal ist eine Schraube locker und es bleibt auch ab und zu stehen (oder liegen) – wie mein Körper. Aber es hat das gewisse Etwas, es ist individuell, und mein Herz hüpft bis heute höher, wenn ich irgendwo im Balkan oder in Frankreich so einen wunderschönen R4 sehe, vor allem wenn er rot ist.

Diese Autos wurden übrigens von 1961 bis 1992 gebaut. Und allein die Tatsache, dass sie bis heute auf den Straßen zu sehen sind, zeigt doch auch, dass man sie robust und treu nennen darf, eben genau so wie meinen Körper.

***

Mein Sternzeichen ist Schütze, im schamanischen Horoskop bin ich eine Eule, im Tarot ein Eremit und mein Aszendent ist Skorpion.

Tatsächlich habe ich alle dazugehörigen Eigenschaften in mir. Ich liebe die Freiheit und das Entdecken von Neuem, habe Freude an Herausforderungen und entwickle mich durch innere und äußere Grenzerfahrungen. Als Gegenpol brauche ich dafür die Stille, das Wachstum und viel Raum für meine Spiritualität. Es hat mich schon immer beflügelt, neue Länder, Kulturen und insbesondere Klöster zu entdecken und somit meiner Neugiernase viel „frische Luft“ zu gönnen.

Während meines Studiums hatte ich natürlich kaum Geld und so habe ich mich einfach auf mein altes Drei-Gang-Fahrrad gesetzt und bin mit meinem damaligen Partner Jörg auf Entdeckungsreise gezogen. Mit dem Zelt auf dem Gepäckträger sind wir über 2500 Kilometer durch Irland geradelt. Schafe waren unsere Wegbegleiter. Mit Zug und Rad durchquerten wir das faszinierende Skandinavien, dann das herrliche Elsass. Mit dem klapprigen Automatik-Golf von Jörgs Oma tourten wir zwei Monate durch Spanien bis nach Andalusien. Dort lagen wir dann auf der Felsenkante, hielten unsere Köpfe über die tiefe Schlucht und über uns sind riesige Geier gekreist. Ich spüre noch heute den sanften Windhauch ihres Flügelschlags wie über meine Haare streichen.

Jörg und ich teilten zehn schöne Jahre miteinander. Er und seine Familie waren für mich wie eine neue Heimat, als sich meine Eltern dann doch getrennt haben und es kein Elternhaus mehr gab, in das ich zurückkehren konnte. Durch diese neue Verbindung kehrte Ruhe in mein Leben ein.

Eine meiner kraftvollsten Reisen führte mich nach Nepal, gemeinsam mit meinem neuen Partner Jochen. Wir sind über acht Wochen mit dem Rucksack auf einsamen Esel-Pfaden durch den „göttlichen“ Himalaya gewandert. Wenn wir einmal den Weg verloren, was öfter mal passierte, gab es statt der hiesigen roten Streifen des Albvereins auf den Baumrinden die Ausscheidungssekrete der Esel auf den Wegen. Wir folgten also auf gut Deutsch der Eselsscheiße und das führte uns immer ans Ziel. Es war wirklich ein Abenteuer, wir haben auf lebensgefährlichen wackeligen Hängebrücken tiefe Schluchten überquert oder uns mit dem Rucksack auf dem Kopf durch reißende Gebirgsflüsse gequält.

Gleich am ersten Tag lagen 3.500 Steinstufen auf einem Anstieg vor uns. Bereits nach der zehnten Stufe bin ich wie ein kleiner fetter Käfer einfach nach hinten umgefallen. Der schwere Rucksack, die kleine Frau und so steile Treppen, das waren drei Faktoren, die nicht zusammenpassten. Daran musste unbedingt etwas geändert werden. Zuerst gab es zwei geschnitzte Stöcke in die Hand, aber am zweiten Abend war ich trotzdem am Ende meiner Kraft. Kurzerhand fragte ich bei einer nepalesischen Familie, ob ich das Zelt, den Kocher und unser ganzes Essen bei ihnen deponieren könnte. Das Haus war allerdings so klein, dass allein „mein Übergewicht“ beinahe nicht in die winzigen Zimmer gepasst hätte. Dieser Umstand änderte nichts an der Gastfreundschaft dieser Familie, und am Ende unserer Reise wurden wir schon von winkenden Kindern erwartet, die uns freudestrahlend das Gepäck übergeben haben. Sogar unsere T- Shirts sind im Fluss frisch gewaschen worden.

Wir sind bis auf fast 4.800 Meter aufgestiegen, die Atmosphäre in dieser Höhe ist einfach unbeschreiblich. Es wächst kein Gras, nirgends steht noch ein Baum. Überall sehe ich Steine und „höre“ eine abgrundtiefe Ur-Stille, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Es ist jenseits von Worten, ich kann es nicht beschreiben. Ich stehe nur da, laufe weiter, schaue in die große Wirklichkeit, die wie über allem ruht, eben diese unfassbare Stille.

Damals hatte ich bereits viele Jahre meditiert und verschiedene Zeiten in Klöstern verbracht. Am Anfang war es nicht leicht gewesen, spätestens am dritten Tag hätte ich am liebsten meinen Schemel an die Wand geworfen, weil ich nicht mehr sitzen konnte und wirklich jeder Muskel bis zum Zerreißen gespannt war. Später konnte ich Meditation richtig lieben. Und dann, mitten im Himalaya, fand ich mich einfach durch das Laufen in der gleichen inneren Seelenschwingung wieder.

In dieser meditativen und doch so kraftvollen Stille fühle ich eine tiefe Verbundenheit. Alles um mich herum erscheint mir als ein buntes Lebenswunder. Die Farben leuchten noch stärker und der tosende Wind, der die Stille durchdringt, aber keineswegs mit Lärm erfüllt, erinnert an harmonisch klingende Orchesterwerke.

Jetzt, wo wir ohne Zelt und Kochgeschirr unterwegs waren, haben wir jeden Abend an eine der kleinen Hütten am Wegesrand geklopft und gefragt, ob wir dort übernachten könnten. Meist wurde dann für uns auf dem offenen Feuer ein leckeres Mahl gekocht, mit Linsen, Reis, Pilzen und Farn aus dem nahen Wald. Manchmal gab es auch einen Eimer heißes Wasser, den wir uns als Dusche über den Kopf geschüttet haben.

Es glich allabendlich beinahe einem Zauber, die Menschen zu beobachten. Da wurde das kleine Huhn eingefangen und unter einem umgestülpten Korb in Sicherheit gebracht, die Ziege und das Yak an einem Pflock angebunden. Alle Handlungen wurden ohne Hast in Dankbarkeit und Achtsamkeit vollzogen. Das hat mich zutiefst beeindruckt. An den Rändern unserer Wege fanden wir ständig wunderschöne Opfergaben – Butterkerzen, Räucherstäbchen, eine Handvoll Reis mit leuchtenden Blüten. Überall gab es kleine buddhistische Klöster, die bunten Gebetsfahnen sah man schon von Weitem. Die jungen erwachsenen Mönche spielten in ihren roten Roben Fußball. Die Kinder waren tief in ihr Spiel versunken, schlichte Gegenstände aus der Natur, wie ein kleiner Stein oder ein Stock, dienten als Spielzeug. Es herrschte eine wunderbare Harmonie zwischen Natur und Mensch, zwischen Spiritualität und Alltag. Alles wirkte fließend ineinander verwoben.

Der R4 beginnt zu stottern

Dort im Himalaya – irgendwo zwischen den mächtigen Achttausendern – hatte ich meine erste Berührung mit meinem eigenen Tod. Jochen und ich saßen vor unserem Übernachtungshaus auf einer Holzbank mit Blick auf ein wunderschönes Hochtal mit ein paar Einheimischen beim Essen, da musste ich plötzlich anfangen zu niesen.

Ungefähr hundert Mal!

Erst lachten wir darüber, aber als dann meine Atmung immer schwächer wurde, verging uns der Humor. Plötzlich hatte ich keinen Muskel mehr unter Kontrolle. Mein Körper zitterte und zuckte wie wild. Jochen hat sich irgendwann auf mich gelegt in der Hoffnung, dass sich meine Muskeln beruhigen. Ich sah Fratzen an der Wand und irgendwann war uns klar, dass ich einen anaphylaktischen Schock hatte. Wer wusste schon genau, was da in meinem Essen oder Trinken war? Natürlich war weit und breit weder ein Arzt noch eine Klinik.

Ich habe mein Leben nicht mehr in der Hand. Ich habe meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle. Alles, was mir gerade bleibt, ist mein Vertrauen und meine Verbundenheit mit Gott. Ich spüre, dass sich etwas in mir wie in einer anderen Dimension bewegt. Ein Teil von mir ist noch da, in der konkreten Welt. Aber ein anderer Teil rutscht weg, auf eine unbekannte andere Ebene. Etwas in mir „weiß“, dass ich jetzt all meine innere Kraft mobilisieren muss. Der Lichttunnel nähert sich

Irgendwann gebe ich meine Angst auf, lasse den inneren Kampf los. Ich falle in meinen Atem wie beim Meditieren. Einatmen, ausatmen. Vertrauen. Zum ersten Mal verstehe ich, was gemeint ist, wenn man sagt, du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Ich fühle es, fühle die Quelle meines Lebens.

Da ist das Licht, ich habe es geschafft!

Ein paar Tage später konnten wir unsere Reise fortsetzen. Schon nach erstaunlich kurzer Zeit war das existenziell bedrohliche Erlebnis aus meiner Wahrnehmung verschwunden und ich ließ...

Erscheint lt. Verlag 11.1.2023
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie
Medizin / Pharmazie Allgemeines / Lexika
Studium 2. Studienabschnitt (Klinik) Anamnese / Körperliche Untersuchung
Studium Querschnittsbereiche Infektiologie / Immunologie
Naturwissenschaften Biologie
Schlagworte Autobiografie • Chronisches Fatigue Syndrom • Corona • EBV-Virus • long covid • ME/CFS • Nahtoderfahrung • Transgenerationales Trauma
ISBN-10 3-347-82563-2 / 3347825632
ISBN-13 978-3-347-82563-5 / 9783347825635
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