Danke Delphi! (eBook)
240 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-8920-3 (ISBN)
Jürgen H. Ruhr wurde im Norden Duisburgs geboren und verbrachte dort und in dem nahen Dinslaken seine Kindheit und Jugend. Schon früh begann er mit dem Schreiben und verfasste kleine Geschichten, Gedichte und später umfassendere Romangeschichten. In den späteren Jahren veröffentlichte er seine Kurzgeschichten in Zeitschriften. Es folgte eine Zeit der Selbständigkeit in der EDV Branche und der Umzug nach Mönchengladbach, wo er heute noch lebt und sich ausschließlich dem Schreiben widmet.
Jürgen H. Ruhr wurde im Norden Duisburgs geboren und verbrachte dort und in dem nahen Dinslaken seine Kindheit und Jugend. Schon früh begann er mit dem Schreiben und verfasste kleine Geschichten, Gedichte und später umfassendere Romangeschichten. In den späteren Jahren veröffentlichte er seine Kurzgeschichten in Zeitschriften. Es folgte eine Zeit der Selbständigkeit in der EDV Branche und der Umzug nach Mönchengladbach, wo er heute noch lebt und sich ausschließlich dem Schreiben widmet.
Das Orakel
„Maaannniii.“
Wenn meine liebe Ehefrau Anna mir so kam, dann wusste ich, sie wollte wieder einmal etwas von mir. Meistens ging es um Dinge, die mich eine Stange Geld kosteten und die wir uns auf keinen Fall leisten konnten.
Schon gar nicht in unseren jungen Jahren, der gerade erst bezogenen eigenen Wohnung und einer nicht einmal ein Jahr zurückliegenden Hochzeit. Auch hätte ich mir gewünscht, mehr zu verdienen, doch als Fachmann für Paketdienstleistungen - manche Menschen nannten uns einfach nur ‚Paketzusteller‘ - war mein Gehalt nicht allzu üppig.
Meine blonde Fee hatte leider schon einen Monat nach unserer Hochzeit aufgehört zu arbeiten, da sie der Meinung war, dass ihre Aufgabe jetzt darin bestand, sich um die Wohnung und das Baby zu kümmern.
„Welches Baby?“, fragte ich sie damals. „Wir haben gar kein Baby. Und wenn es nach mir geht, möchte ich mich auch noch nicht mit einem Kind belasten.“
„Ein Baby ist keine Belastung, Manfred“, belehrte mich mein Schatz. „Ein Baby ist eine Bereicherung. Ein Sinn des Lebens. Und eines Tages werden wir auch ein Baby haben. Alle meine Freundinnen haben eins.“
„Ja und die meisten von denen sind entweder geschieden, oder heirateten gar nicht erst“, murrte ich. „Ein Baby braucht Aufmerksamkeit und kostet viel Geld. Und ich will erst einmal mein Leben genießen. Du doch auch, oder?“
Anna nickte und warf die blonden, schulterlangen Haare zurück. „Das lasse ich mir auch nicht verbieten.“ Dann überlegte sie einen Moment. „Aber man sollte sein Leben auch mit einem Baby genießen. Der Mann kann ja auch ein paar Aufgaben übernehmen und auf das Kind aufpassen. Warum soll ich das immer machen?“
„Wir haben doch noch kein Baby“, erinnerte ich und fügte hinzu: „Und ich soll dann auf das Kind aufpassen, damit du was machen kannst?“
„Na, zum Beispiel auf Partys gehen. Das machen meine Freundinnen auch so.“
„Aber wer passt auf deren Kinder auf, wenn deine Freundinnen doch alleinerziehend sind?“ Ich fand die Diskussion ziemlich unsinnig, da wir ja noch nicht einmal ein Kind hatten.
„Die Eltern, also die Großeltern der Babys. Die sind immer ganz stolz darauf.“
Ich machte ihr dann klar, dass das ja vielleicht bei einigen Eltern ihrer Freundinnen zutreffen könnte, doch weder meine, noch ihre Eltern bereit wären, auf unser Kind aufzupassen, während wir uns auf Partys herumtrieben.
Meine blonde Anna verzog sich schmollend ins Schlafzimmer und schloss die Tür ab. „Du liebst mich halt nicht mehr“, rief sie noch, bevor die Tür krachend ins Schloss fiel.
„Maaannniii.“
„Was ist denn mein Schatz?“
„Komm doch mal in die Küche.“
„Warum?“
„Ich will dir was sagen.“
Nun lag ich bequem auf der Couch und genoss meinen Feierabend, indem ich mir kleine Filmchen im Internet ansah. Die eiskalte Flasche Bier war fast leergetrunken und ich hatte so gar keine Lust, mich hoch zu quälen und in die Küche zu gehen. „Kannst du nicht ins Wohnzimmer kommen? Und bring mir doch bitte noch ein Bier mit.“
Eine Weile herrschte Schweigen. „Nein, kann ich nicht. Komm doch in die Küche, Manni.“
Ich seufzte, aber noch gab ich nicht auf. Obwohl mir eigentlich klar sein musste, dass ich über kurz oder lang meine gemütliche Position würde aufgeben müssen. „Warum kannst du denn nicht ins Wohnzimmer kommen?“
„Weil ich dir was zeigen will.“
„Ich dachte, du wolltest mir etwas sagen.“
„Ja, das auch. Und es ist sehr wichtig.“
Fast wäre ich von der Couch gefallen. Meine blonde Ehefrau würde mir doch jetzt nicht mitteilen wollen, dass sie schwanger war?“ Zwei Sekunden später stand ich in der Küche vor ihr. Anna hatte auf dem Tisch eine Zeitung ausgebreitet und blickte ernst auf eine der Seiten.
„Was ist los, Anna? Was wolltest du mir sagen oder zeigen?“ Ich hielt die Luft an. Wenn sie jetzt schwanger war, dann musste ich meinen Traum von dem BMW begraben. Und ich hatte mir schon genau überlegt, wie lange ich sparen musste, um genug Geld für die Anzahlung zu haben. Die Kreditraten später würden zwar einen tiefen Einschnitt für uns bedeuten, doch der BMW war es wert. Ein wenig Angst hatte ich nur vor dem Gespräch, in dem ich Anna von meinem Traumwagen erzählen würde. Andererseits - ich war ja der Ernährer der Familie und ich verdiente das Geld. Also, warum sollte ich ihr überhaupt von dem Wagen erzählen? Zumindest bevor ich ihn gekauft hatte.
„Hier, nun schau doch mal, Maaannniii.“ Sie sah mich aus ihren blauen Augen an, klimperte mit den falschen Wimpern und tippte auf die Zeitung ohne groß hinzusehen.
„Neue DHL Packstation“, las ich laut vor und fragte mich, was mein Schatz daran so großartig fand, dass sie mich von der Couch holen musste.
Doch in diesem Moment bekam ich einen leichten Schlag vor den Kopf. „Nicht dieser Artikel, du Dummkopf“, fauchte Anna. „Der hier: Große Kirmes am Wochenende. Und das Wochenende haben wir jetzt. Maaannniii? Ich möchte morgen mit dir zur Kirmes gehen. Da habe ich mich immer so drauf gefreut.“
„Ja, als du ein kleines Kind warst“, knurrte ich. „Schon mal darüber nachgedacht, was das kostet? Allein eine Fahrt auf der Achterbahn schlägt mit gut und gerne sieben Euro zu Buche. Willst du mein Geld für so einen Scheiß ausgeben?“
„Das ist kein Scheiß, Manfred.“ Anna war von ihrem verlockenden ‚Maaannniii‘ zum strengen ‚Manfred‘ zurückgekehrt. „Ich fahre für mein Leben gern Achterbahn. Und Autoscooter und Geisterbahn und Karussell und ...“
„Ja, ja, ist ja gut“, unterbrach ich sie. Wenn Anna einmal anfing etwas aufzuzählen, fand sie so schnell kein Ende mehr.
„Gönnst du deiner kleinen Frau denn nicht ein kleines bisschen Spaß? Ich rackere mich den lieben langen Tag ab und darf nicht ein kleines bisschen Spaß haben? Wenn ich das vor der Heirat gewusst hätte.“
„Dein kleines bisschen Spaß wird uns wieder einmal ein Vermögen kosten. Außerdem bin ich es, der sich abrackert. Tag für Tag die schweren Pakete schleppen. Oft in den obersten Stock ohne Aufzug. Und was tust du dagegen schon?“
„Ich halte die Wohnung sauber, Manfred. Für dich. Damit du es gut und gemütlich hast, wenn du nach Hause kommst. Du und deine paar Pakete. Mach doch erst einmal die Arbeit einer Hausfrau, dann wirst du ganz anders reden.“
„Wir können ja tauschen“, schlug ich vor, doch Anna wandte sich ab und schmollte.
Ich dachte inzwischen an das morgige Fußballspiel im Fernsehen, ein kühles Bier und eine Riesentüte Chips. Etwas über fünf Minuten hielt ich es aus, dann gab ich mich geschlagen. „Na gut“, murmelte ich. „Gehen wir morgen auf die Kirmes.“
Anna drehte sich um, jubelte und fiel mir um den Hals. „Du bist der beste Manni, den ich habe“, lächelte sie und gab mir einen Kuss auf die Wange.
‚Ja und ich hoffe, der einzige‘, erwiderte ich in Gedanken, sprach es aber nicht aus. Schließlich wollte ich Anna nicht verärgern.
Ich hatte gehofft, am Samstag wenigstens lange ausschlafen zu können, doch Anna wusste meine Hoffnung zunichte zu machen. Schon um sieben Uhr morgens schüttelte sie mich an der Schulter, bis ich knurrend reagierte. „Was ist los, Schatz? Brennt das Haus? Oder willst du so früh schon Sex?“ Ich grinste und wollte mich zur Seite rollen, um weiterzuschlafen.
„Aufwachen, Schlafmütze. Heute geht es auf die Kirmes!“
„Oh Anna, das weiß ich doch. Jetzt lass mich noch etwas schlafen, es reicht doch, wenn ich während der Woche immer früh aufstehen muss. Und alle vierzehn Tage auch samstags“, fügte ich hinzu, damit sie nicht vergaß, dass ich auch an den Wochenenden arbeiten musste.
„Aber heute gehen wir auf die Kirmes, Manfred“, beharrte meine blonde Frau. „Wie kannst du da so ruhig schlafen?“
„Weil wir erst heute Nachmittag dorthin gehen?“, fragte ich vorsichtig. „Warum soll ich um sieben Uhr morgens aufstehen, wenn ich erst um fünf Uhr nachmittags zur Kirmes gehe? Und jetzt gib Ruhe, damit ich noch ein oder zwei Stunden schlafen kann.“
Anna kroch leise murrend aus dem Bett und kurz darauf hörte ich die Dusche rauschen. Ich stülpte mir das Kopfkissen über den Kopf und war gerade eingeschlafen, als wieder etwas an meiner Schulter rüttelte. Dann wurde das Kopfkissen weggezogen. „Manni?“
„Hmm?“
„Ich habe Hunger, ich will frühstücken.“
„Dann tu das doch.“ Ich versuchte, das Kopfkissen wieder an mich zu nehmen, doch Anna hielt es fest.
„Ich will aber frische Brötchen, Manni.“
„Du weißt doch, wo die Bäckerei ist, kauf dir doch ein paar.“
Irgendetwas kitzelte an meinem Ohr und unwillig versuchte ich die Fliege oder was immer es war, mit der Hand zu verscheuchen. „Manni? Kannst du nicht die Brötchen holen? Wir frühstücken dann auch zusammen.“ Jetzt bohrte sich ein Finger in mein Ohr. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Knurrend erhob ich mich und stolperte ins Bad.
Die Brötchen waren pappig, hatten aber ein kleines Vermögen gekostet. Ich legte sie ein paar Minuten auf den Toaster, so dass sie überhaupt genießbar wurden. Anna saß derweil am Küchentisch und lackierte sich die Fingernägel.
„Welche Farbe findest du für die Kirmes schöner, Manni?“, fragte sie schließlich und hielt mir zwei unterschiedlich lackierte Finger hin. „Glaubst du, das Rosa würde zum Autoscooter passen?“
„Schwarz, Anna. Nimm schwarz. Denn die Mengen, die wir an Geld auf deiner Scheißkirmes lassen werden, können einen nur...
| Erscheint lt. Verlag | 29.1.2023 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Familienfeier • Hund • Kurzgeschichten • Reise |
| ISBN-10 | 3-7549-8920-0 / 3754989200 |
| ISBN-13 | 978-3-7549-8920-3 / 9783754989203 |
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