Das Berghotel 289 (eBook)
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-4401-0 (ISBN)
Allen Unkenrufen zum Trotz ist Franzi mit ihrem Hundefriseur 'Pfotensalon' extrem erfolgreich. Seit sie vor drei Jahren ihren Freund inflagranti mit ihrer besten Freundin erwischt hat, hat sich die junge St. Christopherin ganz ihrer Leidenschaft für die flauschigen Vierbeiner gewidmet. Denn ausgerechnet an jenem verhängnisvollen Tag hat sie einen ausgesetzten Welpen gefunden und zu sich genommen. Aus dem kleinen Fellbündel ist ein riesiger, ausgewachsener Hund geworden, der Franzi seit jeher ein treuer Begleiter ist.
Nach der herben Enttäuschung hat die junge Frau ein großes Vertrauensproblem. Sie lässt kaum noch jemanden an sich heran, und Männer schon gar nicht. Einzig ihrem Balou vertraut Franzi blind.
Als eines Tages ein Hotelgast mit seiner kleinen Hündin den Salon betritt, ist Franzi verzaubert. Alexander Weinschrot ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und Kunstliebhaber, der große Literaten zitiert und ihr unzählige Rosen schenkt. So einen gut aussenden und kultivierten Mann hat Franzi noch nie kennengelernt. Ausgerechnet bei ihm wirft sie ihre Ängste über Bord und öffnet sich - Stück für Stück. Ganz zum Leidweisen von Hedi Kastler, die dem Städter nicht über den Weg traut. Und auch Franzis Nachbar Tobi ist dieser Schönling ein Dorn im Auge ...
Treuer Balou
Wenigstens auf ihren flauschigen Begleiter kann sich Franzi immer verlassen
Von Verena Kufsteiner
Allen Unkenrufen zum Trotz ist Franzi mit ihrem Hundefriseur »Pfotensalon« extrem erfolgreich. Seit sie vor drei Jahren ihren Freund inflagranti mit ihrer besten Freundin erwischt hat, hat sich die junge St. Christopherin ganz ihrer Leidenschaft für die flauschigen Vierbeiner gewidmet. Denn ausgerechnet an jenem verhängnisvollen Tag hat sie einen ausgesetzten Welpen gefunden und zu sich genommen. Aus dem winzigen Fellbündel ist ein riesiger, ausgewachsener Hund geworden, der Franzi ein treuer Begleiter ist.
Nach der herben Enttäuschung hat die junge Frau ein großes Vertrauensproblem. Sie lässt kaum noch jemanden an sich heran, und Männer schon gar nicht. Einzig ihrem Balou vertraut Franzi blind.
Als eines Tages ein Hotelgast mit seiner kleinen Hündin den Salon betritt, ist Franzi verzaubert. Alexander Weinschrot ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und Kunstliebhaber, der große Literaten zitiert und ihr unzählige Rosen schenkt. So einen gut aussenden und kultivierten Mann hat Franzi noch nie kennengelernt. Ausgerechnet bei ihm wirft sie ihre Ängste über Bord und öffnet sich – Stück für Stück. Ganz zum Leidweisen von Hedi Kastler, die dem Städter nicht über den Weg traut. Und auch Franzis Nachbar Tobi ist dieser Schönling ein Dorn im Auge ...
Warm und golden fiel das Sonnenlicht zum Fenster herein in die rustikale Bauernstube und auf den reichlich gedeckten Esstisch, auf dem frischgebackenes Krustenbrot, hausgemachte Marmeladen und Käse, Honig sowie Eier von Höfen aus der Region standen.
»Hier, für dich, mein Herzerl.« Sepp hatte liebevoll ein Semmel mit Butter und Honig für seine Franzi gestrichen und reichte ihr jetzt den Teller.
Franzi strahlte übers ganze Gesicht, als sie die Semmelhälfte sah. Sepp hatte mit dem Messer ein Herz in die Butter geritzt.
»Wie lieb. Ich dank dir.«
Über dem Tisch ergriff sie seine Hand, ihre Finger verschränkten sich ineinander. Verliebt sahen sie einander in die Augen. Franzi war es ganz warm ums Herz. Sepp war wahrlich ihr Traummann. Schon auf dem Gymnasium hatte sie den feschen Großbauernsohn aus der Ferne angehimmelt. Nie hätte sie geglaubt, dass er sich ausgerechnet für sie interessieren würde, immerhin waren viele Madeln ganz verrückt nach ihm gewesen.
Doch auf dem Maturaball hatte er Franzi zum Tanz aufgefordert, obwohl sie sich in ihrem dunkelgrünen, etwas steifen Second-Hand-Kleid und mit den Locken, zu denen ihre Tante Sissi ihr die dunkelbraunen Haare eingedreht hatte, wahrlich nicht wie eine Schönheit gefühlt hatte. Den ganzen Abend waren sie zu Walzer- und Polka-Klängen über die Tanzfläche gewirbelt, während ihre Freundinnen neidisch zugeschaut hatten.
»Du gefällst mir schon lang«, hatte er ihr ins Ohr geraunt, nachdem er an der Bar zwei Rote Spritzer bestellt hatte. Sie wusste es noch, als wäre es gestern gewesen. Wie verrückt hatte ihr Herz damals gepocht. Und auch jetzt schlug es höher, wenn sie ihm in die grauen Augen blickte. Vier Jahre war das nun schon her, und noch immer schwebten sie miteinander im siebten Himmel.
»Was grinst du denn so wie ein Honigkuchenpferd?«, fragte Sepp belustigt.
»Ach, ich hab nur grad gedacht, wie glücklich ich bin.« Sie ließ seine Hand los und biss genussvoll in ihr Semmel. Da fiel ihr etwas ein. »Oh, ich hab dir ja das Neueste noch net erzählt! Die Anneliese hat's mir gestern gesagt. Sie und der Martin werden heiraten! Er hat ihr einen Antrag gemacht, und freilich hat sie Ja gesagt.« Und bedeutungsschwer fügte sie hinzu: »Die zwei sind ja jetzt auch schon fast seit vier Jahren ein Paar.«
Aufmerksam schaute Franzi ihn dabei an und hätte am liebsten seine Gedanken gelesen. Wann würde er ihr endlich einen Heiratsantrag machen? Irgendwann würde er sie ganz sicher fragen. Immerhin waren sie füreinander bestimmt. Heirat, zwei Kinder, ein Hund ... So malte sich Franzi ihre Zukunft aus.
»Die Anneliese«, wiederholte er und verdrehte die Augen. »Na, ob das bei denen hält?«
Sanft stieß sie gegen seinen Oberarm.
»Jetzt sei halt net so. Ich glaub, die zwei sind wirklich glücklich zusammen.«
Von Anfang an hatte Sepp kein Geheimnis daraus gemacht, dass er nicht viel für ihre beste Freundin mit dem flammend roten Haar übrighatte. Franzi wusste gar nicht genau, was er gegen die Anneliese hatte, aber es beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, denn auch Anneliese schoss immer wieder Spitzen gegen den Sepp ab, wenn die zwei Madeln sich über ihre Freunde unterhielten. Gern hätte Franzi öfter mal ein Doppel-Date veranstaltet und wäre mit dem Sepp, der Anneliese und deren Partner, dem Martin, ins Kino oder tanzen gegangen. Schade, dass ihr Freund und ihre beste Freundin nicht gut miteinander auskamen.
»Na ja, die Zeit wird's zeigen«, meinte Sepp nur. Dann fuhr er Franzi zärtlich mit der Hand durch ihr dunkles Haar. »Kann ja net jedes Paar so ein Traumpaar sein wie wir beide.«
Sie musste lachen. »Das ist wohl wahr.« Sie schob sich den letzten Bissen in den Mund und leerte den restlichen Kaffee mit einem Zug. Bedauernd seufzte sie dann. »Ich muss jetzt leider auch schon los, sonst komm ich zu spät.«
»Ach, so früh heut?« Sepp schaute auf die Uhr.
»Aber ja, ich hab's dir ja erzählt. Der Joschi spannt uns Serviererinnen allesamt für den Großputz ein. Wir haben verprochen, heut früh da zu sein, damit alles erledigt und blitzeblank ist, bevor der Ochsenwirt nachher öffnet.«
Franzi arbeitete als Serviermadel im Ochsenwirt, dem Gasthaus drüben in St. Christoph. Von Mayrhofen, wo der Sepp seinen Hof hatte und wo sie heute wie so oft übernachtet hatte, war es ein Stückerl bis dorthin. Mit dem Auto war die Strecke innerhalb kürzester Zeit bewältigt, mit dem Radl war man aber doch eine Weile unterwegs. Bei Schlechtwetter war es manchmal lästig, den Weg zwischen den Dörfern mit dem Fahrrad zurückzulegen, doch Franzi hätte freilich noch viel größere Unannehmlichkeiten auf sich genommen, um bei ihrem geliebten Sepp sein zu können. Und heute, bei diesem schönen Wetter, machte es ihr ohnehin nichts aus.
Sie gab ihrem Freund zum Abschied ein Busserl.
»Ich kann's kaum erwarten, wenn wir uns heut Abend wiedersehen.«
Er lächelte. »Wir zwei werden uns einen richtig schönen Abend machen«, versprach er ihr.
Als sie das Bauernhaus verließ und sich auf ihr Radl schwang, fühlte sie sich bis in die Fingerspitzen erfüllt von Glück. Sepp war genau der Richtige für sie, daran hatte sie keinerlei Zweifel.
***
Tief und genussvoll atmete Franzi die frische Landluft ein, die nach Wald und Wiesen duftete. Kräftig trat sie in die Pedalen. Statt der Landstraße zu folgen, auf der die Autos von Mayrhofen hoch nach St. Christoph fuhren, hatte sie sich für einen schmalen Pfad entschieden, der sich zwischen Feldern und Weiden hindurch schlängelte.
Die Natur erstrahlte in voller Pracht. Bäume und Gräser leuchteten in allen erdenklichen Grün-Nuancen. Duftende Wiesenblumen blühten zu beiden Seiten des Weges. Glücklich ließ Franzi den Blick schweifen. Sie liebte ihre Heimat, das schöne Zillertal, aus ganzem Herzen. Hier fühlte sie sich wirklich daheim, nirgendwo anders wollte sie leben. Der Anblick der Berge, die sich schroff vor dem azurblauen Himmel erhoben, war ihr so vertraut wie ihr eigenes Herz.
Die Armbanduhr, die sie stets trug, rutschte ihr vom Handgelenk nach vorne bis auf die Hand, mit der sie den Lenker hielt. Das zierliche, goldene Schmuckstück erinnerte sie an ihre Oma, die ihr nicht nur diese Uhr, sondern auch das alte Bruchsteinhaus vererbt hatte, in dem Franzi größtenteils aufgewachsen war. Ihre Eltern, die in Wien lebten, hatten sich nie sonderlich gut um sie gekümmert. Doch Franzi hatte es an nichts gefehlt; sie hatte bei ihrer geliebten Omi im Zillertal gewohnt und war in diesem Paradies glücklich gewesen. Seit ihre Großmutter von ihr gegangen war, trug Franzi die Armbanduhr immer bei sich, um ihrer zu gedenken.
In diese Gedanken war sie versunken, als sie den Weg entlang radelte. Doch als ein Geräusch die friedliche Stille durchschnitt, hielt Franzi inne. Sie blieb stehen, stellte die Füße auf dem Boden ab und lauschte. Hatte sie sich das etwa nur eingebildet? Das hatte ja beinahe so geklungen, als hätte ein kleines Kind geweint. Franzi hielt den Atem an und hörte ganz angestrengt hin, doch jetzt konnte sie nichts mehr vernehmen. Nur das Zwitschern der Vögel und das sachte Rauschen des Windes, der durch die Gräser strich, waren zu hören.
Sie schaute über die weiten, sachte geschwungenen Wiesen. Da war gar nichts Ungewöhnliches. Nichts, was das Geräusch erklärt hätte, das sie zu hören geglaubt hatte. Schulterzuckend wollte sie weiter radeln. Sicherlich hatte ihr die Fantasie da nur einen Streich gespielt.
Doch kaum hatte sie die Füße wieder auf den Pedalen, hörte sie es erneut. Das war eindeutig ein leises Wimmern gewesen! Erschrocken sprang Franzi vom Rad, ließ es einfach fallen und schaute...
| Erscheint lt. Verlag | 31.1.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Das Berghotel |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen-Krimi • alpen-roman • Arzt • Baccara • Bastei • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Familiensaga • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Hedwig Courths Mahler • Heimat • Heimatromane • hermann-broch • Historical • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • Mira • Modern • Roman-Heft • romantisch • Schwarzwald • Serie • steingruber • Toni-Hüttenwirt • waidacher |
| ISBN-10 | 3-7517-4401-0 / 3751744010 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-4401-0 / 9783751744010 |
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