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GEFUNDEN im Dickicht der Worte (eBook)

Gedichte
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
69 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-8809-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

GEFUNDEN im Dickicht der Worte -  Liselotte Brand-Cerny
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Gedichte zu lesen ist eine Kunst. Es ist viel mehr als ein oberflächliches Aneinanderreihen von Worten, wo einige davon gar nicht richtig aufgenommen oder sogar überlesen werden. Und das ist schade. Denn der Genuss des Lesens besteht darin, Gedanken und Emotionen aufzunehmen, die dir aus den Zeilen des Gedichts entgegen kommen. Lies es nicht nur, sondern fühle es auch. Löse dich für einen Augenblick vom grauen Alltag. Erstelle in Gedanken ein Bild von dem Geschehen und lass dich davon faszinieren. Mache es zu einem Erlebnis, zu deinem eigenen Erlebnis.

Wer bin ich? Was gibt es da zu sagen? Ich bin bejahrt und bin einfach ICH: Eigenwillig, eine Einzelgängerin und meist eine Perfektionistin. Schon als Kind liebte ich die Schönheit der Worte, die Klarheit der Zahlen und Kreativität. Allerdings konnte ich es damals nicht so genau definieren. Später aber durfte ich all das privat und beruflich erleben und ausleben. Auch jetzt, im Rentenalter, sind alle meine Fähigkeiten noch immer aktiv. Das inspiriert mich auch heute noch zu geistigen Höhenflügen!

Wer bin ich? Was gibt es da zu sagen? Ich bin bejahrt und bin einfach ICH: Eigenwillig, eine Einzelgängerin und meist eine Perfektionistin. Schon als Kind liebte ich die Schönheit der Worte, die Klarheit der Zahlen und Kreativität. Allerdings konnte ich es damals nicht so genau definieren. Später aber durfte ich all das privat und beruflich erleben und ausleben. Auch jetzt, im Rentenalter, sind alle meine Fähigkeiten noch immer aktiv. Das inspiriert mich auch heute noch zu geistigen Höhenflügen!

Irgendwo ist es geschehen




Zu zweit einsam



Sie gehen dahin – sie sind zu zweit,

doch jeder nimmt wahr die Einsamkeit

die sie schwer wie ein Stein erfüllt,

die fast sichtbar sie umhüllt.


Sie haben sich nichts mehr zu sagen,

sie finden es sinnlos, noch zu fragen,

wie es dem andern gesundheitlich geht,

oder wie es bei ihm beruflich so steht.


Erscheint ihm etwas falsch, ist es für sie richtig,

ist ihr etwas ganz egal, ist es ihm sehr wichtig.

Alles geht daneben, was man auch sagt und tut,

man ist voreinander nur noch auf der Hut.


Sie wissen genau, sie sollten sich trennen,

doch will keiner als erster bekennen,

dass es für beide gar nicht mehr stimmt,

man nur dem andern die Freiheit nimmt.


Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit,

bis einer von beiden dazu ist bereit,

den Schlussstrich zu ziehen und zu geh'n,

um nicht mehr einander im Wege zu steh'n.


Die Zeit vergeht



Je älter man wird, umso schneller scheint

die Zeit zu vergehen. Und man meint

das Jahr habe doch eben erst begonnen

und schon ist es unter den Händen zerronnen.


Vorbeigezogen wie ein Fluss.

Ob man nun lachen oder weinen muss?

Lachen, weil wir das Jahr überlebten

oder weinen, weil wir nicht mehr erlebten?


Es liegt in unserem eig'nen Ermessen,

die schönen Stunden nicht zu vergessen,

Unangenehmes zur Seite zu legen,

Erinnerungen wie einen Schatz zu hegen,


an guten Freunden festzuhalten

und unsere Tage so zu gestalten,

dass uns die Dauer von einem Jahr,

länger scheint, als es wirklich war.



Mein eigenes kleines Reich



Da ist ein kleines Arbeitszimmer,

das gehört mir ganz allein,

und ausser meinem Kater 'Wimmer',

darf niemand sonst hinein.


Nur wenig Platz hat dieser Raum,

kann mich da drin kaum drehen,

den meisten braucht der Gummibaum,

denn er muss in der Mitte stehen.


An der Wand eine Arbeitsplatte,

mit Nähmaschine, der Laptop über Eck,

davor ein uralter Stuhl, den hatte

mal irgendwer, er erfüllt seinen Zweck.


Neben der Tür ein Bügelbrett,

der Wäschekorb darunter,

wenn er da hoch beladen steht,

fühl ich mich nicht sehr munter.


Doch blicke ich zum Fenster hin,

vergesse ich alle Enge,

die Orchideen, die da blüh'n,

nehmen dem Raum die Strenge.


Und dort, der Sessel einer Tante,

bedeckt mit einem hellen Tuch,

darüber ihr Foto, wie ich sie kannte,

lächelnd, entspannt, mit einem Buch.


Ganz nah beim Fenster steht der Sessel,

er ist ins volle Licht getaucht,

da steht auch noch der Tante Kessel,

mit Tee, den man zum Lesen braucht.


Und eben hier, an dieser Stelle,

ist er dann, mein Lieblingsplatz,

für meine Energie die Quelle,

für mein Gefühl ein wahrer Schatz.


Dort nehme ich die Gedichte zur Hand,

die Sonne scheint, nichts ist zu hören.

Draussen hängt dann der Spruch an der Wand:

"ich lese Gedichte – also bitte nicht stören"!


Gedanken zum Jahreswechsel



Vor uns das letzte Kalenderblatt –

Wir denken zurück, was alles geschah,

was dieses Jahr uns gegeben hat,

wie es verlief, was man erlebte und sah.


Mal war es Glück, mal Hoffnung, mal Bangen,

man liess von Banalem sich erschrecken.

Und manchmal hatte man auch das Verlangen,

den Kopf tief in den Sand zu stecken.


Doch trifft es nicht nur einen allein,

der ganzen Menschheit geht es gleich.

Man muss mit dem Leben zufrieden sein,

nur dann ist man auch innerlich reich.


Denn jeder Mensch trägt seine Bürde,

der eine weniger, der andre mehr.

Wann sie kommt, die erste Hürde,

weiss keiner genau, sieht niemand vorher.


Er wird die Hürden vielleicht umgeh'n,

wenn einfacher es ihm erscheint,

doch letzten Endes wird er seh'n,

nichts ist so einfach, wie man meint.


Die Hürden gibt das Schicksal vor,

das mit dem Leben uns gegeben,

und nichts bewahret uns davor,

dies Schicksal zu erleben.


Falsch ist es aber, einfach zu denken,

es kommt doch alles wie es muss.

Wir haben die Gabe, ein wenig zu lenken,

und ersparen uns so manchen Verdruss.


Bewundert sei der, der meist ohne zu klagen

- voll des Kummers, des Leids und der Sorgen -

bereit ist, gefasst sein Schicksal zu tragen,

und immer hofft auf ein erträgliches Morgen.


Ein neues Jahr wird uns nun begleiten,

es lässt das alte weit zurück,

und füllt im Lebensbuch die Seiten

mit neuer Hoffnung, neuem Glück.


Wir verstehen sie nicht mehr



Eines Tages musst du sehen,

du kannst ganz einfach nicht verstehen,

was der Sohn, die Tochter denkt,

so sehr sich auch dein Hirn verrenkt.


Er schreit herum, sie schlägt die Tür

und willst Du ein Danke, dann heisst es "wofür?

Schliesslich bist Du ja unsere Mutter!

Also? Gib schon rüber die Butter.

Ich hab's eilig, für Diskussionen null Zeit.

Ich hoffe, die Kleider liegen bereit."


Jetzt ist es genug, jetzt musst du dich wehren

und dem ganzen Gezänk den Rücken kehren.

Hör nicht mehr zu, lass alles liegen,

denk nicht dran, ob sie zu essen kriegen.

Verschliesse für zwei, drei Tage die Ohren

und lasse sie ruhig etwas schmoren.


Sei freundlich, doch lass dich nicht erweichen,

so wirst du sicher am meisten erreichen:

Respekt und "bitte", "danke" sagen,

nicht zu befehlen, sondern zu fragen.

Und sieh, so geht es auf der Welt,

der Friede ist wieder hergestellt.

Vielleicht wird es einmal wieder schlimmer.

Doch wir verlangen ja nichts für immer.



Nie mehr Eier



Ein Single namens Oskar Meier,

der ass für's Leben gerne Eier.

Ob weich, ob hart, ob Spiegelei,

das war ihm gänzlich einerlei.


Er wurde oft auch ausgelacht,

doch hat ihm das nichts ausgemacht.

Am Morgen, Mittag oder Abend

ein Ei - das fand er immer labend.


Er hatte sogar selbst ein Huhn,

das musste weiter gar nichts tun,

als täglich zu legen sein Frühstücksei,

und wenn's gut drauf war, gab es zwei.


Doch einmal ging's im miserabel,

es war zudem auch noch blamabel.

Er sass als Gast am Mittagstisch

und auf dem Teller: Ei und Fisch.

Fisch, den er wie nichts sonst hasste,

und beides umgeben von einer Paste!


Man wollte einen Spass sich machen

und wartete gespannt schon auf sein Lachen,

als er die Hand zum Mund erhob

und eiligst aus dem Zimmer stob.


Dies Menü hat er nie mehr vergessen,

hat niemals mehr ein Ei gegessen.

Das Huhn? Das liess er einfach laufen,

er wird sich jetzt ein Kaninchen kaufen.



Nur nicht so tugendhaft sein



Ein Senior, er hiess Ruedi Glatz,

belegte stets den gleichen Platz.

Ob zu Besuch, ob in der Beiz,

ein anderer hatte keinen Reiz.

Er wollte nur sitzen in der Mitte,

das war bei ihm so Brauch und Sitte.


Denn was da rechts und links gesprochen,

erfüllte ihn dann auch noch nach Wochen,

mit Schadenfreude oder Neid,

oft auch mit echter Heiterkeit.

Er selbst fand diese Eigenschaft,

ganz ehrlich, wenig schmeichelhaft.


Er ging zu einem Psychiater,

und dieser – nun was tat er?

Er sagte ihm, zur Sorge kein Grund,

gar viele Menschen sind so – und

er solle nicht so tugendhaft sein!

Was Besseres fiel ihm wohl nicht ein.


Von da an belegte der Ruedi Glatz,

guten Gewissens den mittleren Platz.


Bernerplatte



Ein Berner namens Fred Kuonen,

der hatte eine Braut.

Am allerliebsten ass er Bohnen,

sie stand auf Sauerkraut.


Ein Teller Bohnen – für ihn das Beste,

saures Kraut war es für sie.

Und sogar am Weihnachtsfeste,

da ass er Bohnen, und was ass sie?


Doch einmal, da fassten sie beide Mut,

und tauschten ganz plötzlich ihr Essen.

Und siehe da, sie fanden es gut

Und assen davon wie besessen.


Sie sahen auf den Teller nieder,

als die Idee er hatte.

"Essen wir doch hin und wieder,

ganz einfach Berner Platte!".

...

Erscheint lt. Verlag 14.1.2023
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Anthologien
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Einsamkeit • Erfolg • Freunde • Glück • Hoffnung • Ziel
ISBN-10 3-7549-8809-3 / 3754988093
ISBN-13 978-3-7549-8809-1 / 9783754988091
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