Commissario Paola Rossi (eBook)
354 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-8573-1 (ISBN)
Cinzia G. Agostini lebt mit ihrer Tochter in Berlin. Ihr beruflicher Weg führt sie erst einmal in die Filmbranche, sie arbeitet erfolgreich mit den großen amerikanischen Filmverleihern zusammen. Nach Einzug der Digitalisierung muss sie ihre Firma nach 20 Jahren aufgeben. Der Schock sitzt tief, doch dann krempelt sie ihr Leben noch einmal um. Sie holt ein halb fertiges Manuskript aus der Schublade und schreibt ihren ersten Roman. Mittlerweile hat sie vier Bücher veröffentlicht.
Cinzia G. Agostini lebt mit ihrer Tochter in Berlin. Ihr beruflicher Weg führt sie erst einmal in die Filmbranche, sie arbeitet erfolgreich mit den großen amerikanischen Filmverleihern zusammen. Nach Einzug der Digitalisierung muss sie ihre Firma nach 20 Jahren aufgeben. Der Schock sitzt tief, doch dann krempelt sie ihr Leben noch einmal um. Sie holt ein halb fertiges Manuskript aus der Schublade und schreibt ihren ersten Roman. Mittlerweile hat sie vier Bücher veröffentlicht.
4
Signora Santina Baldini hatte eine unruhige Nacht durchlebt. Immer wieder schreckte sie hoch, drehte sich herum und starrte auf das menschenleere Kissen, neben sich. Sie konnte es noch immer nicht glauben, dass ihr Mann nie mehr mit ihr sprechen und sie nie wieder seine Nähe spüren würde.
Er war nicht mehr da.
Nie mehr.
Für immer aus dem Leben gerissen.
Ausgelöscht!
Sie ging immer und immer wieder den letzten Abend in ihrem Kopf durch. Die letzten Minuten seines Lebens, den Moment, als sein Körper leblos zur Seite fiel und sie gar nicht erfasste, dass er einen Todeskampf durchlebte. Sie zitterte am ganzen Leib.
Ihr kam Commissario Rossi in den Kopf!
Was meinte sie damit, als sie die Wasserflasche von ihr haben wollte? Was hatte die Wasserflasche mit seinem plötzlichen Tod zu tun?
Den Gedanken, dass ihr Mann womöglich vergiftet worden war, versuchte sie weiterhin vehement zu verdrängen. Doch die Realität klopfte unaufhörlich bei ihr an. Je stärker dieses Gefühl in ihr Bewusstsein vordrang, umso mehr überkam sie blanke Angst.
Sie setzte sich aufrecht in ihr Bett.
Der Gedanke schoss ihr mit solch einer Kraft in den Kopf und löste eine Welle von Ohnmacht, Erkennen und plötzlicher Klarheit aus. Ihre Atmung stockte. Ihr Puls raste hoch und sie riss ihre Augen weit auf. Das bisher von ihr Verdrängte wich der unausweichlichen Gewissheit! Ihr Körper bäumte sich auf und sie schrie schrill:
»Er wurde umgebracht! «
Ihr Sohn stürzte durch den lauten Schrei erschreckt in das Schlafzimmer seiner Mutter. Ihre irritiert blickenden Augen ließen ihn einen Schritt zurückweichen. Der geisterhafte Ausdruck ihres Gesichtes ließ ihn erschrecken.
Er lief zu ihr und wollte sie trösten, obwohl er selbst mit den Ereignissen des gestrigen Abends an seine emotionalen Grenzen stieß. Er hatte kaum geschlafen. Das Ganze war ein Albtraum.
Was, wenn sein Vater Opfer eines Verbrechens geworden war? Er sah noch die nachdenklichen Blicke der Polizei. Das verhaltene Sprechen von Commissario Rossi. Doch wer sollte seinen Vater umbringen wollen? In was war sein Vater hineingeraten? Hatte es etwas mit seinem Beruf zu tun?
Es ratterte unaufhörlich in seinem Kopf. Er hatte das Gefühl sein Kopf würde gleich platzen, weil so viele unterschiedliche Gedanken und Fragen in ihm aufstiegen. Immer wieder versuchte er das Gedankenkarussell auszuschalten, doch es gelang ihm nicht.
»Mamma! Ich bin bei dir! «
Er umschloss ihre Hand, zog seine Mutter an sich heran und drückte sie ganz fest.
Seine Mutter fing leise zu schluchzen an. Ihr Körper vibrierte erst ganz zaghaft, doch von Minute zu Minute schaukelte sich ihre Trauer immer höher und ihr Körper reagierte mit heftigen Zuckungen.
Angelo hatte Mühe, seine eigenen Empfindungen zurückzuhalten. Auch er kämpfte mit den Tränen. Ein dicker Kloß machte sich in seinem Hals breit. Er konnte es nicht länger unterdrücken und weinte, seine Mutter fest umklammernd, los.
Hätte Gianni Baldini sehen können, wie beide litten, hätte es ihm das Herz zerrissen.
Beide wogen sich in ihrer Trauer und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie imstande waren miteinander zu sprechen.
Angelo sah seiner Mutter tief in die Augen und versprach ihr:
»Mamma, wir stehen das gemeinsam durch. Das verspreche ich dir! Ich werde dich in allen Belangen unterstützen und dir zur Seite stehen. Papa würde wollen, dass wir uns gegenseitig auffangen und füreinander da sind. Er hat immer alles für uns getan.«
Seine Stimme zitterte. »Ich kann es immer noch nicht glauben, dass er …«, er konnte es nicht aussprechen. So tief saß der Schock. Unbewusst vermied er dieses Wort, denn er wollte diese Endgültigkeit nicht akzeptieren.
Seine Mutter strich ihm über den Kopf und streichelte dabei seine Wange. Ihre Augen trugen einen Schleier aus Tränen, tiefe Furchen zeichneten sich auf ihrem Gesicht ab. Die durchwachte Nacht und das fürchterliche Erlebnis hinterließen Spuren und hatten seine Mutter über Nacht altern lassen.
Er schaute sie besorgt an.
Doch dann bündelte er seine verbliebene Energie, um die Kraft aufzubringen, seiner Mutter den nötigen Trost und Halt zu spenden, die diese Situation abverlangte. Schlagartig wurde ihm bewusst, wie zerbrechlich und kraftlos seine Mutter nun vor ihm saß. Er wollte sie beschützen! Und … er wollte sie nicht auch noch verlieren.
Er liebte sie.
So wie er seinen Vater geliebt hatte.
Er hatte seinen Eltern alles zu verdanken. Sie gaben ihm ein stabiles Elternhaus. Sie unternahmen alles erdenklich Mögliche, um ihm einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Ob als kleiner Junge oder als erwachsener Mann, sie gaben ihm immer das Gefühl stolz auf ihn zu sein.
Sie liebten ihn bedingungslos. Seine Kindheit war von tiefer Liebe, Vertrauen und friedvollem Miteinander geprägt. Und bei Gott, das war für ihn nicht selbstverständlich! Als er in den Kindergarten, später dann in die Schule kam, hatte er das ein ums andere Mal Kinder kennengelernt, die keine so behütete Kindheit erleben durften.
Während seine Mutter stumm über seinen Kopf strich, ihre Atemzüge sich ausgeglichen einpendelten, erinnerte er sich zurück.
Zurück an die Familie seines Vaters.
Sein Vater wuchs als jüngster Sohn mit seinen beiden älteren Geschwistern auf. Seine Eltern, Angelos Großeltern Giuseppina und Maurizio hatten einen Bauernhof in der Region Emilia-Romagna. Sein Nonno, ein Kettenraucher, brach eines Tages tot auf dem Feld zusammen. Angelo hatte ihn nie kennengelernt. Nonno Maurizio wurde lediglich zweiundvierzig Jahre alt und starb an den Folgen eines Lungenkarzinoms.
Angelos Vater war zu diesem Zeitpunkt gerade erst sieben Jahre alt. Die Mutter seines Vaters Nonna Giuseppina stand schlagartig nicht nur allein mit drei Kindern, sondern auch noch vor dem absoluten Nichts. Ein harter Schicksalsschlag! Die Geschwister seines Vaters waren zwar älter, doch traf es sie unvermittelt genauso hart. Der ältere Bruder seines Vaters, Onkel Massimo, war zwölf, die ältere Schwester, Tante Sandra, bereits siebzehn.
Angelos Nonna bekam Hilfe durch ihren Schwager. Er stand ihnen zur Seite und half, wo er nur konnte. Da Nonna Giuseppina nicht wusste, wie es weitergehen sollte, nahm sie dessen Hilfe dankend an. Er gab ihr Geld, um das Haus, in dem sie wohnten, zu bezahlen. Die Familie konnte etwas aufatmen. Seine Nonna nahm eine Stelle als Köchin an und konnte mit diesem zwar bescheidenen Einkommen, ihre kleine Familie über Wasser halten. Die Zeit verging. Seine Schwester Sandra zog mit neunzehn aus und heiratete. Gianni und sein Bruder Massimo verstanden sich nicht sehr gut. Gianni, der am liebsten seine Nase in Bücher steckte und Massimo, der ihn dafür nur belächelte. Grundverschiedener hätten die Brüder nicht sein können.
Gianni litt sehr darunter, dass seine Schwester bereits aus dem Haus war, denn jetzt war nur noch Massimo im Haus. Die Einstellung seines Bruders stand konträr zu seiner und Massimo machte keinen Hehl daraus. Nach dem achten Schuljahr verließ Massimo die Schule und nahm Aushilfsjobs an. Sicherlich unterstützte sein Bruder dadurch die Familie, doch er hatte nicht den Ehrgeiz, mehr aus seinem Leben zu machen. Er interessierte sich für die schönen Seiten des Lebens. Mädchen, Wein und Spaß! Massimo nahm eine Stelle am Strand an und wurde Bademeister. Er kostete ›La Dolce Vita‹ aus. Mit dreiundzwanzig flirtete er mit einer deutschen Touristin und bekam einen Monat später einen Brief aus Deutschland.
Der Flirt hatte Folgen!
Massimo überlegte, was er tun sollte, denn er war noch jung. Es gab viele junge hübsche Touristinnen, die er noch erobern wollte. Doch als Nonna Giuseppina davon erfuhr, stellte sie ihren ältesten Sohn zur Rede und machte ihm klar, dass er sich der Verantwortung stellen müsse.
Sie packte seine Habseligkeiten zusammen und Massimo fuhr nach Deutschland. Dort lebte er nun bereits seit über vier Jahrzehnten.
Das war alles schon so lange her.
Sein Vater war damals neunzehn, als sein Bruder für immer nach Deutschland ging. Er kümmerte sich liebevoll um seine Mutter und legte gleichzeitig ein hervorragendes Abitur hin. Die Universität von Bologna wurde auf ihn aufmerksam und er bekam ein Stipendium. Er begann Rechtswissenschaften zu studieren. Nonna Giuseppina war sehr stolz auf ihn. In jeder freien Minute besuchte Gianni seine Mamma und in den Semesterferien ging er arbeiten. Das spärliche Geld, was er hatte, teilte er sich gut ein und gab auch noch einen Teil seiner Mamma, die ihm ermöglichte seine Talente zu entfalten. Er war ihr so dankbar für alles.
Angelo empfand große Bewunderung für seinen Vater.
Er war ein guter Mensch! Ehrgeizig und ehrlich. Von ganz unten hatte er sich mit Fleiß und Ausdauer nach oben gearbeitet, war sich für nichts zu schade und blieb sich immer treu.
Als Angelo über die Geschichte seines Vaters nachdachte, musste er wieder daran denken, wie gut er es hatte. Er konnte sich in aller Ruhe auf seine Schule konzentrieren. Nach seinem Abitur suchte er sich eine Universität heraus und seine Eltern griffen ihm finanziell unter die Arme. Sein Vater Gianni sagte dann immer zu ihm: »Angelo, mein lieber Sohn, wir sind so stolz auf dich. Konzentriere dich vollkommen auf dein Studium. Wir helfen dir. Genieße deine Jugend, deine Studienzeit. Das Leben wirft dir später noch...
| Erscheint lt. Verlag | 8.12.2022 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Commissario Paola Rossi * Der Verona Krimi | Commissario Paola Rossi * Der Verona Krimi |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | anspruchsvoll • Italien-Krimi • Nachdenklich • packend • Psychothriller • Spannung • Temporeich |
| ISBN-10 | 3-7549-8573-6 / 3754985736 |
| ISBN-13 | 978-3-7549-8573-1 / 9783754985731 |
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