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Das Blut des silbernen Wanderers (eBook)

Halvor

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
664 Seiten
Tschök & Tschök GbR (Verlag)
978-3-7546-1018-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Blut des silbernen Wanderers -  Jona Dreyer
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»Ich gebe dich nicht auf. Niemals. Wenn man jemanden wirklich liebt, wird einem die Last nicht zu schwer.« Halvor war einst der Größte und der Mächtigste von allen. Aber als er den Mann, den er liebt, endgültig an einen anderen verliert, gibt er alles auf: seine Macht, sein Königreich und sogar seinen Namen. Als einsamer Wanderer zieht er fortan durch die Nordinsel seines zerfallenden Königreichs, bis er auf eine Gruppe von Rebellen unter einem Anführer trifft, der allen nur als der schwarze Ronin bekannt ist. Fasziniert von diesem schließt er sich der Gruppe an, die für die Unabhängigkeit der Nordinsel kämpft. Doch es geht um weit mehr als das: Es entbrennt ein erbitterter Kampf um Liebe, Freiheit und Vergebung, denn der Wanderer trägt seine Vergangenheit und einen grausamen Fluch wie eine unsichtbare Last mit sich. Kann Ronin ihm helfen, diese zu schultern? Oder wiegt all das, was bereits geschehen ist, am Ende doch zu schwer? DAS BLUT DES SILBERNEN WANDERERS ist ein Spin-Off aus ANEIRYN und kann unabhängig davon gelesen werden. Vorkenntnisse aus ANEIRYN sind zwar durchaus hilfreich, aber nicht erforderlich zum Verständnis des Romans.

»Fantasie ist wie ein Buffet. Man muss sich nicht entscheiden - man kann von allem nehmen, was einem schmeckt.« Getreu diesem Motto ist Jona Dreyer in vielen Bereichen von Drama über Fantasy bis Humor zu Hause. Alle ihre Geschichten haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Die Hauptfiguren sind schwul, bi, pan oder trans. Das macht sie zu einer der vielseitigsten Autorinnen des queeren Genres.

»Fantasie ist wie ein Buffet. Man muss sich nicht entscheiden – man kann von allem nehmen, was einem schmeckt.« Getreu diesem Motto ist Jona Dreyer in vielen Bereichen von Drama über Fantasy bis Humor zu Hause. Alle ihre Geschichten haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Die Hauptfiguren sind schwul, bi, pan oder trans. Das macht sie zu einer der vielseitigsten Autorinnen des queeren Genres.

Prolog


Du hast wirklich Talent, Halvor.« Der Mann lächelte, als er das kleine Schnitzkunstwerk betrachtete, das der Junge so eben fertiggestellt hatte. Erstaunlich filigran hatte er einen Kamm aus einem Tierknochen geschält, reich verziert mit den traditionellen Mustern ihres Volkes, ein Zinken wie der andere.

»Danke! Es hat wirklich viel Spaß gemacht. Was kann ich als nächstes tun?« Halvor ließ die Beine von der Werkbank baumeln. Er hasste seine Beine. Sie waren lang und ungelenk wie Storchenstelzen und gehorchten seinem Willen nicht immer so präzise wie seine Finger, die es vermochten, kleine Kunstwerke zu erschaffen, Heilkräuter zu pflücken, ohne deren Blätter zu beschädigen und einem Vogelkind den gebrochenen Flügel zu schienen.

»Sachte, sachte!«, mahnte Norian lachend, sein Onkel, in dessen Werkstatt er genau so gern herumlungerte wie in dem Kräuterlager des heilkundigen Selvor oder dem Waffenlager Berons, der ihm zeigte, wie man Wild jagte, Spuren las und imaginäre Feinde bekämpfte, von denen sich nie einer in ihr Dorf verirrte. »Kaum hast du eine Sache fertig, denkst du schon an die nächste. Deine Wissbegier in allen Ehren, aber du vergisst darüber, deinen Erfolg zu genießen. Nimm deinen Kamm in die Hand.« Er reichte ihn ihm zurück. »Befühle ihn. Mustere ihn. Sieh dir an, was du geschaffen hast. Und bei allen Ahnen und Göttern, kämme dir dein zerzaustes Silberhaar damit, denn du siehst furchtbar unordentlich aus. Deine Mutter wird schimpfen, wenn sie dich so sieht.«

Etwas widerwillig und mit einem frechen Grinsen kämmte sich Halvor die Knoten aus der schulterlangen, silbernen Mähne. Bis vor Kurzem hatten seine Haare noch fast bis zu seinem Hintern gereicht, aber dann hatte seine Mutter die Nase voll davon gehabt, ihm ständig Kletten und Laub aus den Längen bürsten zu müssen, und kurzen Prozess gemacht. Obwohl Halvor es hasste, gekämmt zu werden, hatte er lautstark protestiert und sogar ein paar eitle Tränen vergossen, was die anderen Jungen im Dorf dazu angetrieben hatte, ihn auszulachen und mit Schmährufen zu belegen.

»Mach’ dir nichts daraus«, hatte Beron ihn getröstet, »eines Tages stellst du sie alle in den Schatten und dann bist du derjenige, der über sie lacht.«

Halvor glaubte nicht so recht daran, dass das jemals passieren würde, aber dennoch verbiss er sich umso mehr in alles, was er angriff, je mehr die anderen Jungen ihn foppten und herumschubsten. Er hatte sich vorgenommen, so viel wie möglich zu lernen. Das Handwerk, die Kräuterkunde, die Kriegskunst. Selbst für die Politik interessierte er sich, insofern das in dem Horizont seines winzigen Dorfes möglich war. Jeder hier in Alva konnte etwas, aber Halvor wollte derjenige sein, der alles konnte. Er stieß sich von der Werkbank ab und sprang auf den Boden. Noch war er jugendlich und ungelenk, jedoch hochgewachsen wie alle Männer in seiner Familie. Er würde seine Seele für ein breiteres Paar Schultern verkaufen, aber wenn er seinen Vater und seinen Bruder ansah, beide von stattlicher Statur, konnte er durchaus noch hoffen. »Ich muss gehen«, sagte er, »die Mutter wartet sicher schon. Ich komme morgen wieder. Überleg’ dir etwas Neues für mich.« Er wartete nicht, bis der Onkel sich verabschiedet hatte, bevor er die Werkstatt verließ.

Draußen war es noch hell. Es war Sommer und die Sonne brauchte beinahe bis Mitternacht, um hinter dem Horizont zu verschwinden. Wer das Finster der Nacht bevorzugte, hatte keine Freude an diesen wenigen Monaten. Alle anderen aber begaben sich ins Freie und nutzten jeden Lichtstrahl, als könnten ihre Körper Vorräte davon für den Winter anlegen.

»Halvor!«, rief eine Frauenstimme, noch bevor er über die Türschwelle trat. »Da bist du ja endlich. Wo sind Balian und dein Vater?«

»Fischen«, antwortete er kurz angebunden und trat ins Haus. Von der Bettstatt, etwas erhöht am Kopfende der hölzernen Kate, blickte ihm seine Mutter entgegen, halb liegend, halb sitzend, die Augen tief in dunklen Höhlen. Halvor erkannte, dass ihr feuchte Strähnen ihres Haars in der Stirn klebten und die Glieder zitterten. »Geht es dir wieder schlecht?«, fragte er besorgt und tauchte, ohne auf ihre Antwort zu warten, einen Lappen in den Wassereimer am Hauseingang und wrang ihn aus.

»Es geht schon«, beschwichtigte sie, nahm den kühlen Lappen aber dankbar entgegen und tupfte sich damit die Stirn. »Ich bin nur ein wenig müde.«

Halvor wusste, dass das gelogen war. Seine Mutter fieberte wieder. Man nannte sie die einzige kranke Alvaea und er hasste es, wenn die Leute das taten, denn oft klang es regelrecht abfällig. Gewiss, sein Volk, die Alvaei, war besonders. Sie waren anders. Was beim Rest der Welt in ein kümmerliches Leben von achtzig, höchstens einhundert Jahren zusammengerafft war, konnte sich bei ihnen bis auf das Zehnfache und mehr ausdehnen. Sie wurden alt. Sehr alt. Und das normalerweise bei bester Gesundheit. Natürlich konnten auch Alvaei krank werden oder sich verletzen, aber zumeist genasen sie schnell, auch weil sie über das Wissen und die Mittel verfügten, Krankheiten zu behandeln und zu heilen wie niemand sonst. Aber gegen das Leiden seiner Mutter schien kein Kraut gewachsen zu sein und kein heilendes Wasser aus der tiefen Quelle des Gesteins zu sprudeln. Selvor und Paega, die Heilkundigsten in Alva, hatten einmal die Vermutung angestellt, dass zwei Naturen in seiner Mutter gegeneinander ankämpften. Dass zweierlei Blut ihren Körper dazu brachte, sich selbst zu bekämpfen. Menschliches Blut und Alvaei-Blut. Es gab Gerüchte, dass die Mutter seiner Mutter keine von ihnen gewesen war. Halvor wusste jedoch nicht, ob das stimmte, denn wann immer er danach fragte, wurde er getadelt und fortgeschickt, um etwas Sinnvolleres zu tun.

»Soll ich Paega holen?«, fragte er schließlich und ließ es möglichst beiläufig klingen. Seine Mutter schämte sich heimlich für ihre Schwäche und lehnte Hilfe häufig ab, obwohl sie sie nötig hätte.

»Nicht nötig«, antwortete sie erwartungsgemäß, »aber würdest du das Feuer unter dem Kessel schüren und die Grütze anwärmen und dann deinen Bruder und deinen Vater suchen?«

»Natürlich«, gab er zurück und machte sich an die Arbeit. Sorgfältig legte er frische Holzscheite auf die Feuerstelle und fächelte ihnen ein wenig Luft zu. Seufzend blickte er in den Kessel. Er hasste Grütze, aber das behielt er für sich, um seine Mutter nicht zu kränken. An manchen Tagen war sie aufgrund ihrer Schwäche überhaupt nicht fähig, etwas zu kochen, und dann mussten sie mit Brotresten, getrocknetem Fleisch und Käse vorliebnehmen. An den hohen Feiertagen lud sein Onkel Norian Halvor und seine Familie zu sich ein; dann gab es Fleisch und gesottenes Gemüse und sogar einen Becher Honigwein für ihn. Als das Feuer hoch genug loderte, aber nicht zu hoch, damit das Abendessen nicht verbrannte, während er seinen Vater und seinen Bruder suchte, machte er sich auf den Weg.

Er nahm an, dass er die beiden an dem Flusslauf vorfinden würde, der an der Siedlung vorbeiführte, wo sie Bachforellen fingen. Er hoffte, dass sie dabei Erfolg gehabt hatten, denn die Fische wären eine nette Ergänzung zu dem Einheitsbrei im Kessel.

»Halvor!«, rief plötzlich jemand seinen Namen und er fuhr herum.

Es war Beron, der waffen- und jagdkundige Mann, der ihm vom Eingang seines Hauses her winkte.

Einen Moment zögerte Halvor noch, denn schließlich hatte er eine Pflicht zu erfüllen, aber wann immer Beron ihn zu sich rief, konnte er nicht widerstehen. Er mochte den Mann und er liebte die Geschichten, die der ihm zu erzählen hatte. Beron schien so viel zu wissen und auf beinahe jede Frage eine Antwort zu haben. Wie fast immer gab er also seinem Drang nach und schlenderte hinüber zu seinem Freund. »Was gibt es?«, fragte er ihn neugierig.

»Ich habe etwas aus der Stadt für dich mitgebracht«, verkündete Beron, aber dann hielt er inne: »Hast du denn gerade etwas zu tun? Ich will dich nicht von deinen Pflichten abhalten.«

»Nein«, log Halvor, weil er Angst hatte, dass Beron ihn seiner Wege schicken würde, ohne ihm vorher zu verraten, was er für ihn hatte.

»Dann komm mit.«

Seine Gewissensbisse bekämpfend folgte er dem anderen ins Haus.

»Heute waren Händler da aus der Stadt Farolaín, die auf der anderen Seite des Meeres liegt«, wusste Beron zu berichten. »Sie hatten tumbrische Schmiedekunst dabei. Feinste Schwerter, Pfeilspitzen und Dolche.«

Halvor horchte auf und sein Körper spannte sich vor Aufregung an. Was mochte Beron ihm mitgebracht haben? Vielleicht Spitzen für seine Pfeile oder ein Schnitzmesser?

»Du kannst dir sicher vorstellen, dass ich nicht widerstehen konnte«, erklärte der Freund lächelnd und seine sturmgrauen Augen blitzten. Halvor fand Beron schön mit seinem welligen, braunen Haar, aber nicht so wie man jemanden schön fand, den man begehrte, sondern wie einen, den man aus der Ferne bewunderte und zu seinem Vorbild erkor. Beron war etwa im Alter seines Vaters, aber wo der Vater kühl und streng war, war Beron warmherzig und verständnisvoll. Es gab Tage, an denen Halvor sich wünschte, dass Beron sein Vater wäre und nicht Balian der Ältere mit seinen stahlblauen Augen, der seinem erstgeborenen Sohn offen den Vorzug gab.

»Was hast du alles gekauft?«, wollte Halvor wissen.

»Nun.« Beron führte ihn zu dem langen, massiven Tisch in der Mitte des Hauses, auf dem seine Errungenschaften ausgebreitet lagen. »Da hätten wir einmal ein klassisches, tumbrisches Langschwert.« Mit einer stolzen Geste wies er auf die Waffe, was eigentlich gar nicht nötig wäre, denn sie war...

Erscheint lt. Verlag 1.12.2022
Reihe/Serie Inselreich-Saga
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Elben • Enemies Lovers • Fantasy • gay fantasy • gay romance • Historischer Liebesroman • Historischer Roman • König • Liebesroman • Mittelalter • Prinz • Ritter • Romance
ISBN-10 3-7546-1018-X / 375461018X
ISBN-13 978-3-7546-1018-3 / 9783754610183
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