Der weiße Rabe (eBook)
421 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-8484-0 (ISBN)
Ich lebe mit meiner Familie im Herzen Bayerns und habe mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht, die ich zunächst nur in Schubladen verstaut, aufbewahrte. Bis ich mich eines Tages dazu entschloss, auch andere an meinen Phantastereien Anteil haben zu lassen und inzwischen mehrere davon in Eigenregie als E-Books bei Neobooks veröffentlichte.
Ich lebe mit meiner Familie im Herzen Bayerns und habe mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht, die ich zunächst nur in Schubladen verstaut, aufbewahrte. Bis ich mich eines Tages dazu entschloss, auch andere an meinen Phantastereien Anteil haben zu lassen und inzwischen mehrere davon in Eigenregie als E-Books bei Neobooks veröffentlichte.
1. Verlorene Träume
„Wo steckt diese Straniera schon wieder?! Manu!“, hallte es über den Hof hinweg und Amanoue schlenderte lustlos auf die energische Frau zu.
„Ja, Herrin?“, fragte er in demselben Dialekt und mit demütig gesenktem Blick.
„Wo hast du gesteckt? Ich suche schon seit heute Morgen, nach dir!“, schnauzte die Herrin des Hofes ihn an.
„Isch war im Stall“, antwortete Amanoue achselzuckend.
„So lange?! Du brauchst für alles eine Ewigkeit, Mädchen!“, warf die Bäuerin ihm mal wieder vor und zupfte sofort an seinem Kopftuch herum. „Da sieht man zu viel von deinem Haaransatz! Hast es schon wieder falsch gebunden! Was sollen da die Leute denken, hm?!“
„Welsche Leute?“, kam es zynisch von Amanoue zurück und er wagte es kurz, Falcos Mutter anzusehen. „Hier sind doch immer nur die gleischen!“
„Ach Papperlapapp, widersprich mir nicht, du freches Stück! Los, hilf mir, mit den Gänsen!“, blaffte sie barsch zurück.
Amanoue nahm verständnislos den Kopf zurück. „Und wobei? Isch habe sie schon gefüttert und hinausgetrieben“, antwortete er fast ein wenig schnippisch.
„Ich habe dir gestern Abend gesagt, dass du das eben nicht tun sollst! Aber wie immer, hast du nicht zugehört! Was soll nur aus dir werden?! Eine gute Bäuerin, bestimmt nicht! Na da, hat sich mein Sohn ja was eingehandelt, mit dir“, setzte sie tadelnd nach, drehte sich um und marschierte forsch los. „Na komm schon!“, rief sie auffordernd und Amanoue dackelte ihr hinterher.
Sie gingen zur nahen Wiese, auf der die Gänseschar munter schnatternd graste und die Bäuerin deutete auf die andere Seite. „Na los, treib sie zurück in den Stall!“, rief sie befehlend und breitete selbst die Arme aus. „Husch, husch! Macht, dass ihr reinkommt!“, trieb sie die Tiere energisch vor sich her und Amanoue beeilte sich, einigen Ausbrechern den Weg abzuschneiden.
Auch er wedelte mit beiden Armen dabei und so scheuchten sie die empört schimpfenden Gänse zurück in die Geflügelscheune. „Schließ die Tür, rasch!“, sagte Falcos Mutter, als auch die letzten Nachzügler, die immer wieder versucht hatten zu entkommen, endlich durch das Tor gewatschelt kamen.
„Ist ja gut, warum seid ihr denn heute so aufgeregt?“, sprach Amanoue beruhigend auf die verstört wirkenden Tiere ein, die sich nun eng in einer Ecke zusammendrängten.
„Weil sie wohl schon merken, was ihnen gleich blüht“, meinte eine der Mägde, die bereits im Stall gewartet hatte, mit einem hinterlistigen Grinsen. „Wie viele?“, wandte sie sich an die Hofherrin.
„Fünfzehn! Wir brauchen schon fünf für uns selbst und die anderen kommen auf den Markt“, entschied diese und beide Frauen bewegten sich auf das aufgeregte Federvieh zu. „Was stehst du da, wie angewurzelt, na los hilf uns! Stell dich da drüben hin und pass auf, dass sie nicht entwischen“, forderte sie Amanoue erneut auf.
„Äh, wieso? Was wird das `ier?“, stammelte der nichts Gutes ahnend zurück und die Frauen sahen ihn beinahe verblüfft an.
„Na was wohl? Die werden heute geschlachtet! Deshalb sollten sie ja im Stall bleiben“, erwiderte Sophia, die Magd.
„Wir werden ihnen jetzt die Hälse umdrehen“, meinte nun auch die Herrin wie selbstverständlich und Amanoue starrte sie entsetzt an.
„Wie bitte? Nein, das kann isch nischd, sowas `abe isch noch nie gemacht“, wehrte er mit beiden Händen wedelnd und zurückweichend ab.
„Dann wirst du es eben lernen! Schau zu“, sagte die Bäuerin kalt, packte blitzschnell eine der Gänse hinter dem Kopf, hob sie hoch und wirbelte sie im Kreis herum, bis das Genick des in Todesangst schreienden Tieres knackend brach.
Wäre Amanoues Haut nicht von Natur aus eher von einem dunkleren Ton gewesen, wäre er mit Sicherheit kalkweiß im Gesicht geworden. Mit einem erschrockenen Aufschrei, den er sofort mit einer vor dem Mund geklatschten Hand erstickte, riss er die leuchtend grünen Augen auf und als die Magd bereits eine zweite Gans auf diese Weise tötete, kippte er einfach um und fiel in Ohnmacht.
„Das auch noch! Ist dieses dumme Weibsbild denn zu nichts zu gebrauchen?“, murmelte die Bäuerin genervt und sah zu ihrer kichernden Magd. „Ruf den jungen Herrn, soll der sich um seine zarte Maid kümmern“, sagte sie ohne jedes Verständnis und Sophia befolgte umgehend ihrem Befehl.
Sie holte also Falco und der kam wenig später in den Geflügelstall gehetzt. „Was ist geschehen?“, rief er seiner Mutter zu, die derweil unbewegt zwei weiteren Gänsen den Hals umgedreht hatte.
„Dein Blümchen ist einfach umgefallen, sie taugt einfach zu gar nichts“, antwortete seine Mutter ungerührt, während Falco neben Amanoue in die Hocke ging.
„Und du hast nicht mal nach ihr gesehen?“, blaffte er zurück und tätschelte sanft Amanoues merklich blassere Wangen. „Manu? Liebling? So wach doch auf“, redete er besorgt auf ihn ein und Amanoue öffnete stöhnend die Augen.
Im selben Moment vernahm der jedoch wieder das schrecklich knackende Geräusch aus der anderen Ecke, drehte gerade noch sein Gesicht von Falco fort und erbrach sich in einem heftigen Schwall. „Oh“, war alles, was der `junge Herr´ dazu meinte und ruckte sicherheitshalber ein wenig von ihm weg. „Geht’s wieder?“, fragte er, nachdem sich Amanoue ächzend und gequält schluckend halbwegs aufrichtete.
„Bitte, bring mich hier fort“, flehte er leise schluchzend und Falco nickte seufzend.
„Komm“, versuchte er ihm aufzuhelfen, als es wieder knackte und Amanoue mit einem leisen Aufschrei zusammenfuhr. „Mutter! Kannst du bitte für einen Moment damit aufhören?! Du siehst doch, dass e, äh, sie, das nicht erträgt!“
Die Bäuerin hielt bereits den nächsten Todeskandidaten fest im Griff und sah zu ihnen rüber. „Dann schaff sie hier raus! Mit ihr ist eh nichts anzufangen! Nichts, macht sie richtig und wenn, dann braucht sie dafür eine Ewigkeit!“, schimpfte sie lediglich herüber und es machte `Knack´.
Wieder schluchzte Amanoue, dieses Mal sehr laut, auf und hielt sich mit zusammengepressten Augen die Ohren zu. „Isch `alte das `ier nischd mehr aus!“, rief er nun auf austrisch, Falco hob ihn hoch und trug ihn rasch ins Freie.
„Ist ja gut“, versuchte er ihn zu beruhigen, Amanoue nahm die Hände herunter und sah ihn wütend an.
„Nischds, ist hier gut!“, schrie er Falco beinahe an. „Es ist schrecklisch, hier! Und alle sind nur gemein su mir! Dein Vater sprischt nischd eine Mal mit mir und deine Mutter hat keine freundlische Wort, für misch übrig! Nur Spott und Tadel, kommen von ihr und isch kann ihr nischds rescht machen! Und nun auch noch dies“, beschwerte er sich unter Tränen.
Falco setzte ihn vor dem Haus auf einer Bank ab, setzte sich neben ihn und räusperte sich betreten. „Naja, es ist bald Sankt Martini Tag und da werden ihm zu Ehren eben die ersten Gänse geschlachtet…“
„Aber doch nischd so! Die Tiere haben mir vertraut! Isch habe sie jeden Morgen gefüttert, hinausgetrieben und am Abend sind sie mir gans von selbst wieder in den Stall gefolgt!“, erwiderte Amanoue fassungslos schluchzend.
„Wir sind hier halt auf einem Bauernhof, die Tiere sind zum Essen da“, versuchte Falco ihm erneut klar zu machen.
„Das verstehe ich ja“, antwortete Amanoue schon merklich ruhiger und schluckte nochmals bittere Galle hinunter. „Darum geht es doch auch gar nischd. Sie hätte misch einfach nur vorwarnen können, dann wäre isch nie mit in diese Stall gegangen, verstehst du? Aber sie sieht immer nur über meine Gefühle hinweg, obwohl isch alles versuche, um mit ihr aussukommen! Sogar eure Sprache habe isch gelernt, weil deine Eltern es ja nischd für nötig hielten, mit mir austrisch su reden, was deinem Vater allerdings eh nischd su interessieren scheint! Er behandelt misch wie Luft und ich muss sogar in der Küche am Gesindetisch sidsen, weil er nischd mit mir an eine Tisch speisen möschte“, beklagte er sich weiter.
Falco sah auf seine Hände, die in seinem Schoß lagen und kaute auf seiner Wange herum. „Wir sind hier Fremden gegenüber halt ein wenig distanziert und mein Vater ist eben ein alter, sturer Mann. Aber das wird schon werden…“
„Nein“, schüttelte Amanoue überzeugt den Kopf. „Das wird niemals, was werden, swischen ihnen und mir! Für sie werde isch immer nur `die Ausländerin´, bleiben! So nennen sie misch nämlisch, hinter deine Rücken, wenn sie sisch die Maul über uns serreißen! Falco“, er ergriff dessen Hände, „isch halte es hier nischd mehr aus, bitte, lass uns fortgehen! Und auch die Nächte ohne disch, isch bin so einsam! Jede Nacht, liege isch in diese kalte Kammer und friere! Nischd nur äußerlich, auch hier drin“, beschwor er ihn, sich an die Brust fassend. „Ich habe doch alles getan, was du wolltest! Ich trage Frauenkleider und…“
Falco packte ihn plötzlich an den Oberarmen, schüttelte ihn kurz aber heftig durch und sah sich regelrecht gehetzt um. „Wirst du wohl still sein! Kein Wort mehr! Bist du verrückt? Wenn dich jemand hört“, zischte er ihn leise an.
Amanoue drehte sein schönes Gesicht zur Seite und schloss verbittert die Augen. „Es ist mir egal! Hörst du?“, erwiderte er nun ebenfalls gedämpft und sah ihn wieder an. „Bitte Falco, lass uns von hier fortgehen! Ich halte das nischd länger aus! Immer nur diese Heimlichtuerei, nur schnelle, heimlische Küsse, wenn niemand uns susieht, jede kleine Suwendung von dir, muss isch mir regelrescht stehlen“, flehte er ihn verzweifelt an und Falco nickte leicht.
„Nicht mehr lange, das verspreche ich dir“, erwiderte er...
| Erscheint lt. Verlag | 24.11.2022 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Das Licht von Asconien | Das Licht von Asconien |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | bittersüß • episch • ergreifend • Humor • magisch |
| ISBN-10 | 3-7549-8484-5 / 3754984845 |
| ISBN-13 | 978-3-7549-8484-0 / 9783754984840 |
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