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Von Vallstedt nach Amerika -  Heinrich Jonas Gudehus,  Hermann Kuhr

Von Vallstedt nach Amerika (eBook)

Meine Auswanderung nach Pennsylvania im Jahre 1822 und meine Rückkehr ins Braunschweigische 1825 - Mit Gudehus' Biografie von Hermann Kuhr
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
276 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-6675-5 (ISBN)
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(CHF 2,90)
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Goodbye Vallstedt! Im Jahre 1829 veröffentlichte der Lehrer Gudehus einen Reisebericht über seine missglückte Auswanderung in die USA. Es ist ein lebendig geschriebenes, leicht lesbares und unterhaltendes Lehrstück zu den Beziehungen zwischen unserer Geschichte und der der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Ursachen des Gegenwärtigen zu kennen, war für die Planung der Zukunft schon immer von Nutzen. Grund genug also, Gudehus' Buch für heutige Lesegewohnheiten ein wenig aufzufrischen und nach rund 200 Jahren nochmals herauszugeben. Den Menschen Gudehus beschreibt uns eindrucksvoll der Archivar Hermann Kuhr in seiner im Jahre 2001 erschienenen Biografie. Das Landeskirchliche Archiv Wolfenbüttel hat dankenswerterweise die Erlaubnis gegeben, Kuhrs Arbeit in diesem Buch als Ergänzung aufs Neue zu veröffentlichen.

Heinrich Jonas Gudehus (1776-1831), geboren im Braunschweigischen in Seinstedt nahe Börßum, Lehrer in Essehof, Remlingen, Vallstedt und Hohenassel

3
Seereise von Hamburg nach Philadelphia


Wir holen die Vallstedter Jungs aus Bassenfleth ab – Es geht endlich aufs offene Meer – Die »Ocean« gewinnt die Wettfahrt mit anderen Schiffen – Widrige Winde zwingen zu 14 Tagen Warten im Ärmelkanal – Hitze, Regen, Flaute – Die Vallstedter Jungs wenden sich gegen mich – Andere Passagiere behandeln uns schlecht – Schauspiel der Naturschönheit – Piraten – Neptunstaufe – Fischfang auf See – Land in Sicht – Gesundheitskommision an Bord – Endlich in Philadelphia

Während der ganzen Zeit unsers Aufenthalts in Hamburg hatten wir östlichen Wind gehabt und ich war auch darüber oft sehr verdrießlich gewesen, dass wir diesen zur Seereise so guten Wind nicht nutzen konnten. Jetzt sah ich nach der Windfahne und bemerkte, dass wir Westwind hatten, hörte auch bald, dass die Matrosen am vorigen Tage die »Ocean« bis Cuxhaven größtenteils hatten bugsieren müssen. Wir verließen nun unter Begleitung unseres Wirts Hamburg und begaben uns zu der Wohnung Kapitän Fokkes auf dem Hamburger Berge. Dort fanden sich auch die anderen Passagiere ein. Um sechs Uhr abends bestiegen wir ein Blankeneser Fischerboot im Hafen von Altona. Die Fahrt ging dann sehr langsam vonstatten, weil uns der Wind gerade entgegenkam und beständig laviert werden musste. Deswegen kamen wir auch erst des Nachts um 12 Uhr bei der »Ocean« an, auf die wir nun umstiegen. Wir waren alle müde und sehnten uns nach Schlaf. Die Kajüten-Passagiere, vier an der Zahl, fanden ihre Schlafstelle bereit. Wir Passagiere im Mitteldeck mussten uns behelfen, so gut wir konnten und lagerten uns auf die Bettstücke, die meine Frau herbeiholte. Abgesehen davon schliefen wir dann doch alle sehr gut.

Am anderen Tage wurden für die übrigen Mitteldecks-Passagiere Hängematten in Ordnung gebracht. Für mich aber und meine Frau baute der Schiffszimmermann eine am Boden des Schiffs befestigte ordentliche Bettstelle. Dann fuhren wir nebst dem Kapitän und einigen Passagieren in einer Schaluppe auf der Elbe nach Bassenfleth, einem Dorfe nahe bei Stade, zu dem Lotsen Müller, wo unsere beiden Vallstedter logierten. Die Leute hatten dort sehr große Obstgärten, besetzt mit den Obstbäumen der besten Art und einer Menge Kirschbäume, die mich in Erstaunen setzten. Alle hingen so voll von reifen Kirschen aller Art, dass sie sich beugten. Hier war es eine Lust, Kirschen zu essen und wir taten uns sämtlich gütlich daran. Dann suchten uns die gastfreien Leute noch eine ganze Menge der besten Sorten aus, wovon jeder von uns sein Taschentuch und andere Behälter füllte. Die beiden Vallstedter hatten bei ihrer Abfahrt vom Kapitän Fokkes drei Taler Taschengeld geliehen und für sechs Taler sich ein Gewehr gekauft. Müller verlangte für eine 14 Tage lange Kost und Logis der beiden sieben Taler. Ich hatte also hier wieder für meine Vallstedter Landsleute 16 Taler zu bezahlen, worüber ich, wie leicht nachzuvollziehen sein dürfte, im höchsten Grade verdrießlich war, was ich aber, weil es nichts nutzte, mir nicht weiter merken ließ. Erst des Abends spät fuhren wir wieder zur »Ocean« und nahmen die beiden Vallstedter mit. Wegen widrigen Windes konnten wir mit der »Ocean« leider immer noch nicht abfahren und lagen weiter vor Anker. Währenddessen erlebten wir auf dem Schiff den ersten Sturm, der so heftig war, dass fast alle Passagiere, die zum ersten Male zu Schiff waren, vor der Zeit seekrank wurden. Ich indessen blieb davon so weit verschont, dass ich mich zumindest nicht erbrechen musste. Am 15. Juli bekamen wir den nötigen Fahrtwind. Unser Lotse Müller kam früh an Bord und wir segelten endlich aufs Meer. Wir kamen an diesem Tage noch so weit in die Nordsee, dass unser Lotse entlassen wurde. Dieser war ein sehr geschickter Mann. Bei seiner Entlassung sangen wir das Lied »Nun danket alle Gott«.

Nun sahen wir die Küste von Holland, welche wir aber bald wieder aus den Augen verloren. Der Wind war sehr günstig und wir hatten, da mehrere Schiffe zugleich mit uns abgesegelt waren, das Vergnügen, den Wetteifer der Befehlshaber derselben anzusehen, denn der eine wollte noch schneller segeln als der andere. Unser Kapitän schien am Anfang nicht daran teilnehmen zu wollen, und mehrere Schiffe waren bereits ziemlich weit vor uns. Ein Engländer aber, der noch zurück lag, holte uns ein und segelte keck neben unserem Schiffe vorbei. Da aber das Schiff dem unsrigen den Wind entzog, ehe es vor uns kam, und das englische Schiffsvolk laut darüber lachte und spottete, so wurde Kapitän Fokkes ärgerlich. Er ließ nun mehrere bis dahin müßige Segel in Tätigkeit bringen und sagte: »Teufel, ek will dieh!« Die Engländer, welche einige Büchsenschüsse weit vor uns gekommen waren, strengten sich zwar gewaltig an, vor uns zu bleiben, aber mit jeder Minute sahen wir, dass wir ihnen näher kamen. Nach etwa 15 Minuten war unsere »Ocean« rechts neben dem englischen Schiff und raubte ihm den Wind dermaßen, dass alle seine Segel erschlafften. Alles, was auf der »Ocean« Atem hatte, klatschte in die Hände, um die Engländer für ihren vormaligen Jubel zu bestrafen. Unsere Matrosen hielten auch ein Tau in der Hand und winkten aus Spott den Engländern, es anzufassen, wenn sie mit uns fortwollten. Nun hatten unsere Schiffer Genugtuung und dies ermunterte sie alle, zu versuchen, ob wir nicht noch an demselben Tage alle die Schiffe, welche mit uns zugleich in die Nordsee gegangen waren, wieder einholen könnten. Wirklich waren sie nach etwa drei guten Stunden schon alle wieder eingeholt und gegen Abend waren wir schon so weit voran, dass wir nicht ein einziges derselben mehr sehen konnten. So schnell segelte die »Ocean«.

Am zweiten Abend nach unserer Abfahrt von Cuxhaven sahen wir das Feuer auf den britischen Leuchttürmen, welches uns ein herrliches Schauspiel gewährte, und weshalb wir alle erst nach Mitternacht zu Bette gingen. Am nächsten Morgen in der Frühe sahen wir rechts vor uns die englische und links die französische Küste. Jetzt kamen wir in den großen, 90 deutsche Meilen langen Kanal, der England von Frankreich trennt. Beide hohe und steile Ufer schienen uns sehr nahe zu sein, als wir uns in der Mitte zwischen denselben befanden. Es kam mir unglaublich vor, als Kapitän Fokkes uns sagte, dass dieser Kanal an seiner schmalsten Stelle, wo wir uns gerade befanden, dennoch sieben Meilen breit sei. Das französische Seeufer ist abwechselnd rötlich und gelb, das englische aber eine ganze Strecke hin schneeweiß. Je weiter wir in den Kanal hinein kamen, desto breiter wurde er, die Ufer entfernten sich immer mehr, bis sie sich endlich ganz verloren. Kaum waren wir allerdings in den Kanal gekommen, als wir widrigen Wind bekamen. Es wurde daher beständig laviert, weshalb wir 14 Tage lang im Kanal bleiben mussten, ehe wir in den großen Atlantischen Ozean gelangten. Während dieser Zeit fingen wir oft Fische mit der Angel und die Schiffsleute schossen mit der Harpune und anderen Instrumenten Makrelen, an denen wir oft eine herrliche Mahlzeit hatten. Wir trafen dort viele englische Fischer, die ihren Fang nach Hamburg zum Verkaufe bringen, und einem von solchen gab der Kapitän Briefe an seine Frau und den Kaufmann Behrend Rhode in Hamburg, den Eigentümer der »Ocean«, mit.

Beim Eingang in den Atlantik hatten wir in der Nacht ein sehr starkes Gewitter, welches nicht nur uns alle aus dem Schlafe erweckte, sondern auch in nicht geringe Besorgnis und Furcht versetzte. Das erste Mal bekam ich richtige Angst, denn das Schiff bewegte sich so ungeheuer stark, dass wir in unserem Bette bald auf dem Kopfe, bald auf den Füßen standen, wobei mir so übel wurde, als ob ich mich erbrechen sollte. Deswegen stieg ich aus dem Bett, um aufs Verdeck zu gehen, konnte aber die Treppe nicht finden, weil ich alle Augenblicke von einer Seite zur anderen taumelte. Endlich gelang es mir, die Treppe zu erreichen und aufs Verdeck zu kommen, wo ich den Kapitän selbst kommandieren hörte. Ich fragte ihn sogleich, ob wir wohl außer Gefahr wären? »Jawohl!«, antwortete er mir, »Das ist ein herrliches Wetter. Es geht, als wenn`s geschmiert wäre. Das Schiff segelt in einer Woche 14 deutsche Meilen. Steigen Sie nur wieder hinunter zu Ihrer Frau und sagen Sie ihr, dass wir nichts zu fürchten hätten. Wenn wir nur immer solches Wetter behielten«, setzte er noch hinzu, »dann würden wir Amerika bald erreichen«. Aber es währte dies herrliche Wetter kaum noch eine Stunde, dann legte sich der Sturm nicht nur, sondern es wurde auf mehrere Stunden eine völlige Windstille. So munter unser Kapitän um Mitternacht war, so mürrisch war er am Morgen, als seine »Ocean« ganz stille und ruhig lag. Die Matrosen aber lachten heimlich wie die Schelme, denn da diese Leute alle ein gewisses Geld für die Monate bekommen, die sie zu Schiff sind, so wünschen sie auch, dass jede Fahrt möglichst lange dauern möchte. Während der ganzen Reise auf der See hatten wir überhaupt nur sehr wenig guten Wind. Weil wir mitten im Sommer diese Reise machten, so traf es sich, dass wir oft zwei Tage lang eine völlige Windstille...

Erscheint lt. Verlag 15.11.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
ISBN-10 3-7568-6675-0 / 3756866750
ISBN-13 978-3-7568-6675-5 / 9783756866755
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