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Die Lüge von Feuer und Ewigkeit (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023 | 1., Die Auflage entspricht der aktuellen Auflage der Print-Ausgabe zum Zeitpunkt des E-Book-Kaufes.
640 Seiten
Klett-Cotta (Verlag)
978-3-608-12160-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Lüge von Feuer und Ewigkeit - Thilo Corzilius
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 »Thilo Corzilius wird sie rettungslos in seine Welt entführen.«  Bernhard Hennen Etwas stimmt nicht mit der Welt Amarelle. Die Sterne taumeln. Die Jahreszeiten geraten durcheinander. Das Wetter macht, was es will. Lediglich die Priester eines abgelegenen Klosters scheinen seltsam unaufgeregt. Vier Verbündete sollen in einer verdeckten Expedition Licht ins Dunkel bringen und stoßen auf ein furchtbares Geheimnis ... Die Sturmpriester sind eigentlich ein unbedeutender Orden. Sie leben in einem Kloster am Ende der Welt und pflegen eine Gabe für treffsichere Wettervorhersagen. Doch eines Tages wird ein Graf ermordet, der ausgerechnet das Geheimnis hinter dieser Fähigkeit lüften wollte. Seine Witwe möchte es nun erst recht. Sie stellt eine Expedition zusammen: Eine gescheiterte Ritterin, ein resignierter Spion, eine traurige Attentäterin und ein berühmter Magier. Gemeinsam machen sie sich auf, um der fernen Tempelstadt Kett ihr Geheimnis zu entlocken. Und das Wissen, das sie finden, entpuppt sich tatsächlich als atemberaubend. Doch wie gebraucht man es am besten? Was nützt der Welt und was bringt sie in Gefahr? Und wie groß ist die Versuchung, damit bloß die Lücken und Fehler im eigenen Leben zu tilgen?

Thilo Corzilius, geboren 1986, liebt Regenwetter und schreibt Romane im beschaulichen Münsterland. Mit seinem Roman »Diebe der Nacht«, der bei Klett-Cotta in der Hobbit-Presse erschien, gewann er 2021 den wichtigsten deutschen Fantasypreis, den Krefelder Preis für Fantastische Literatur.

Thilo Corzilius, geboren 1986, liebt Regenwetter und schreibt Romane im beschaulichen Münsterland. Mit seinem Roman »Diebe der Nacht«, der bei Klett-Cotta in der Hobbit-Presse erschien, gewann er 2021 den wichtigsten deutschen Fantasypreis, den Krefelder Preis für Fantastische Literatur.

2. Raurianne


Die Liga der Ritterinnen

Im Tal unter ihr rauschte der Fluss, und darüber hing der Nebel in Streifen. Eiskalt kroch er in die Ritzen und Falten der Kleidung, und Raurianne Bontaire wusste, dass die rosige Morgensonne die Kälte nicht so schnell vertreiben würde. Ihr unterschwelliges Zittern jedoch rührte nicht vom Wetter her. Es war die Aufregung.

Sie blickte zu dem kleinen Lager, das die fünf Novizinnen gestern Abend aufgeschlagen hatten. Jou hatte Kaffee über einem kleinen Feuer gekocht. Ylvie und Suise stützten sich gegenseitig bei ihren Dehnübungen.

»Nirene sei Dank regnet es nicht.« Callice trat neben Raurianne und zurrte eine Lederschiene an ihrem rechten Arm fest. Sie waren enge Freundinnen. Zehn Gradjahre hatten sie sich eine Kammer in der Ordensfestung geteilt. Zehn Gradjahre lang gelernt, geübt, Körper und Geist gestählt – für diesen einen Tag heute.

»Aber bei Regen hätte es nicht so viele Zuschauer gegeben«, entgegnete Raurianne.

Callice boxte ihr auf die Schulter. »Wirst du etwa nervös?«

Raurianne sah sie an. »Du weißt, was geschieht, wenn wir scheitern?«

Doch ihre Freundin musste lachen. »Du alte Schwarzmalerin. Niemand wird scheitern. Das wollen die doch gar nicht. Guck dir an, was für Gurken es im Laufe der Jahre schon durch die Prüfungen geschafft haben. Den meisten von denen können wir locker das Wasser reichen.«

»Lieb von dir. Mir ist trotzdem nicht wohl.«

»Raurianne!«, mahnte Callice. »Du weißt, wie ich dein dummes Gezeter hasse. Ständig und vor jedem Test jammerst du herum – und dann bist du trotzdem wieder die Beste. Niemand kann Tiefstapler leiden.«

»Ist ja schon gut«, sagte Raurianne. Es war besser, das Thema ruhen zu lassen.

»Stell dir einfach vor, wie wir heute Nachmittag in die Liga aufgenommen werden. Wie wir das edelste Zeug essen und den teuersten Wein trinken – so lange, bis uns für die nächsten drei Wochen schlecht ist.«

Raurianne lächelte schief und fuhr sich durch die Haare.

Alle Erwartungen erfüllt, sagte sie sich. Heute Nachmittag.

Die Schritte gepanzerter Stiefel erklangen und kurz darauf ein vernehmliches Räuspern. Die Generalheroldin der Liga hatte das Lager betreten, ihre von Grau durchsetzten Haare flatterten wild. Sie war in den offiziellen Ornat gehüllt: ein verzierter Plattenpanzer mit den übertrieben wuchtigen Schulterstücken, die nur zu offiziellen Anlässen getragen wurden. An ihnen waren mit Nieten und Wachssiegeln heilige Verse über Nirene angebracht. Und über alles fiel der strahlend blaue Waffenrock mit den typischen Wellenlinien, die von einem stilisierten Schwert durchbrochen wurden – den Symbolen der Ritterinnen von Turraix, der fähigsten Kriegerinnen der Welt.

»Novizinnen«, grüßte die Heroldin die Freundinnen knapp. »Es ist so weit. Ich sehe, ihr habt die Nacht gut überstanden. Nichts anderes hatten wir erwartet. Folgt mir bitte. Ich werde euch die letzten Aufgaben stellen, die es vor eurer Ernennung zu Ritterinnen der Liga zu meistern gilt.«

Etwa eine halbe Stunde folgten sie der Heroldin schweigend über schmale Pfade durch den Nadelwald am Berghang, bis sie zu einer Anlegestelle kamen. Die Novizinnen hatten den Ort bereits am Vortag ausgekundschaftet und gerätselt, ob er wohl Teil der Prüfungen sein würde.

Heute Morgen lagen dort fünf schlanke Boote bereit, bewacht von einer weiteren Ritterin im Ornat.

»Ich gehe davon aus, dass ihr die Umgebung kennt«, stellte die Heroldin fest. Es waren ihre ersten Worte seit dem Aufbruch vom Lager.

Die Novizinnen nickten.

»So hört die Aufgaben, nach deren Erfüllung ihr zu Ritterinnen der Liga geschlagen werdet«, verkündete die Heroldin. »Als Erstes werdet ihr den Fluss hinabfahren. Hier im Gebirge gibt es unberechenbare Strömungen, die Geschick erfordern. Außerdem leben hier in den abgelegenen Teilen der Welt … herausfordernde Wesen.«

Wildwasser klang in Rauriannes Ohren nach einer lösbaren Aufgabe.

»Wenn ihr den Bergsee erreicht, werdet ihr schnell die Fichteninsel im Schatten der Burg Angoin ausfindig machen. Dort hat man eure Schwerter hinterlegt – selbstverständlich nicht unbewacht. Gerüstet setzt ihr schließlich von der Insel zur Burg über. Dort erwartet euch die letzte Prüfung unter den Augen der Hochmeisterin und vieler geladener Gäste.«

Alles in Raurianne zog sich zusammen bei dem Gedanken an die Zuschauerinnen.

»Ich wünsche euch alles Glück sowie den Segen Nirenes und ihrer Prophetin«, schloss die Heroldin. »Wir sehen uns bei der Zeremonie.«

Die Freundinnen hatten sich mit den Booten vertraut gemacht. Navigieren, segeln, sich auf dem offenen Meer zurechtfinden – all das hatten sie gelernt. Schließlich musste jede Ritterin zu jeder Zeit in der Lage sein, zurück zur Ordensfestung auf der Insel Coltanne zu finden. Dennoch kostete die Fahrt auf dem Wildwasser am frühen Morgen viel Kraft.

Raurianne versuchte, sich zu beruhigen. Wasser war das Element, dem die Ritterinnen von Turraix ihre Macht verdankten. Dort, wo es Wasser gab, wirkte ihre Magie. Eigentlich war der Ort der Prüfungen hierfür gut gewählt. Ein Fluss, eine Wasserburg, kühle und feuchte Wälder – man bot den angehenden Ritterinnen nahezu perfekte Voraussetzungen. Doch die innere Ruhe und das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten wollten sich nicht einstellen.

Sie waren noch nicht weit gefahren, hatten einige kleinere Stromschnellen passiert und waren lediglich auf eine Gruppe junger Plesiosaren getroffen – doch die Wasserechsen, groß wie Jagdhunde, hatten aus Scheu die Flucht vor den Booten ergriffen.

Dann kam der Strudel.

Die Novizinnen hörten das verdächtige Rauschen bereits seit einiger Zeit. Den Ursprung entdeckten sie allerdings erst nach einer langen Flussbiegung in östlicher Richtung: ein Strudel, der zwischen den steilen Klippen der Schlucht die gesamte Breite des Flusses in Anspruch nahm.

Raurianne steuerte in Richtung Felsen und verkeilte Bootsspitze und Paddel dort. Die Übrigen sammelten sich um sie.

»Der war gestern jedenfalls noch nicht da«, rief Callice.

»Ja«, bestätigte Raurianne. »Den haben sie extra für uns angelegt.«

»Sie haben so viel Heiliges Wasser eingesetzt, nur für uns?« Suise wirkte skeptisch.

Raurianne zuckte die Schultern. »Na ja, ein Strudel, der gestern noch nicht hier war und heute schon? Wo soll er sonst herkommen? Er wird ja nicht hierher gewandert sein.«

Die anderen brummten ihre Zustimmung.

Callice fischte nach einem Birkenast, der vorbeischwamm. »Vielleicht ist es bloß eine Illusion, die uns einschüchtern soll.«

Zum Einschüchtern bedarf es keiner Illusionen, dachte Raurianne, sagte aber nichts, sondern sah dabei zu, wie Callice den Ast nach vorn warf, in eine Strömung, die direkt in den Strudel führte. Der Ast tanzte kurz am Rand des Wassertrichters, dann wurde er mit solcher Gewalt hineingesaugt, dass das verbliebene Laub von seinen Enden gerissen wurde und in die Luft stob.

»Keine Illusion«, murrte Callice.

»Reicht unsere Magie zu fünft aus, um den Strudel anzuhalten?«, wollte Suise wissen, während sie ihr klatschnasses rotes Haar ordnete und zu einem Knoten steckte.

Raurianne und Callice sahen sich an.

»Ganz gewiss«, meinte Letztere.

»Aber dann sind wir ausgelaugt«, gab Raurianne zu bedenken. »Und das ist bloß die erste Aufgabe. Danach müssen wir noch zur Fichteninsel und zur Burg. Und es wird nicht leichter werden.«

Die anderen stimmten zu.

»Hast du einen anderen Vorschlag?« Callice sah an den steilen Felswänden der Schlucht links und rechts empor. »Aussteigen und die Boote tragen – das wird nichts. Wir bekommen die Boote nicht aus dem Fluss.«

»Und wenn wir klettern und die Boote zurücklassen?«, warf Ylvie von weiter hinten ein.

»Dann kommen wir später nicht über den See.« Callice wirkte genervt.

Raurianne musste beinahe lachen. Wenn die Anspannung nun auch bei Callice durchschimmerte, war sie immerhin nicht die Einzige, die sich Sorgen machte.

Was Ylvies Vorschlag hingegen angeht …

»Hat denn jemand gesagt, dass wir die Boote während der Prüfungen bei uns führen müssen?«, fragte Raurianne.

Callice warf ihr einen vernichtenden Blick zu. »Fängst du jetzt auch damit an? Wir können nicht einfach aussteigen und den Strudel umgehen. Wenn wir die Boote...

Erscheint lt. Verlag 18.3.2023
Verlagsort Stuttgart
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Abenteuer • Magie • Tempelstadt • Verbündete
ISBN-10 3-608-12160-9 / 3608121609
ISBN-13 978-3-608-12160-5 / 9783608121605
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