27 Roses (eBook)
282 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-0495-5 (ISBN)
Geboren und aufgewachsen in Hamburg, lebt die Autorin heute mit ihrer Familie vor den Toren der schönen Hansestadt. Schon als Kind las sie begeistert alles, was ihr in die Finger kam und erfüllt sich mit dem Schreiben ihrer Fantasy-Romane einen Herzenswunsch.
(Rot: 0/ Schwarz: 0)
Ich stehe auf einer dunklen Straße. Allein. Es ist totenstill.
Über mir ist nur der schwarze Nachthimmel. Samtig. Endlos. Ich fühle mich verloren unter den Sternen.
Ich sehe Straßenlaternen, doch sie sind aus.
Wo bin ich? Bin ich wirklich allein?
Ich blicke mich um, doch ich kenne die Straße nicht.
Nichts kommt mir vertraut vor, ich finde keinen Anhaltspunkt, wo ich bin. Und warum ich hier bin.
Gänsehaut überzieht meine Arme. Sie schmerzen.
Ich sehe hinunter, doch es ist zu dunkel, um etwas zu erkennen. Das graue Zwielicht verzerrt alles und verschluckt die Schatten.
Etwas streift meine Wange. Sanft. Weich.
Dann kratzt es über meine Haut.
Ich weiche erschrocken zurück, doch wie von selbst findet es seinen Weg in meine Hand. Meine Haut schimmert gespenstisch weiß im Sternenlicht.
Ich erkenne trotz des Zwielichts, was auf meiner Handfläche liegt: Eine schwarze Feder, so groß, dass sie unmöglich einem Vogel gehören kann.
»Klara«, wispert eine Stimme in mein Ohr. Ein eiskalter Schauder rinnt über meinen Rücken. »Du bist es. Tu, was von dir verlangt wird.«
Ich kann sie nicht orten. Sie ist körperlos.
Atem streicht über meinen Nacken.
Mein Unbehagen wächst ins Unermessliche.
»Klara«, wispert die Stimme wieder.
Ich atme tief durch und drehe mich um, bereit, demjenigen ins Gesicht zu sehen, doch hinter mir ist niemand.
Die Feder in meiner Hand wird heiß und schwer.
Ich will sie fallen lassen, doch ich kann nicht. Meine Finger schließen sich immer fester um den Kiel. Das spitze Ende bohrt sich schmerzhaft in meine Handflächen.
Ich bekomme Panik. Mein Nacken prickelt, das Gefühl, dass in der Dunkelheit jemand lauert, wird immer stärker.
Ich will hier weg.
Adrenalin schießt durch meine Adern, doch ich kann mich nicht rühren. Der Schmerz in meinen Armen wird immer schlimmer. Meine Haut brennt wie Feuer.
Was passiert hier?
Ich will schreien, doch meine Kehle ist wie zugeschnürt.
Ein Licht kommt auf mich zu wie ein Zug.
Ich reiße meine Arme hoch und bedecke meine Augen. Ich bin auf den schmerzhaften Aufprall gefasst.
Die Feder in meiner Hand glüht.
Mit einem Ruck fuhr ich aus dem Schlaf hoch. Meine Haare klebten schweißnass an meiner Wange und mein Atem ging stoßweise.
Der Traum hing schwer an mir wie ein Gewicht, das mich nach unten zog.
War es wirklich nur ein Traum?
Er kam mir so real vor, dass ich geschworen hätte, dass es so passiert war.
Wie eine Erinnerung. Wie ein Ereignis, jetzt in diesem Moment, aus dem ich herauskatapultiert worden war.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Die Panik war sehr real. Genau wie der Schmerz in meinen Armen. Es war ein unangenehmes Brennen, das sich von der Schulter bis zum Handgelenk zog, als sei die Haut stark gereizt.
Ich fühlte mich benommen, trotz der Angst. Mein Kopf war schwer, meine Gedanken wie vernebelt.
Langsam beruhigte sich mein Atem wieder, doch ich fühlte mich, als sei ich noch nicht richtig wach.
Ich schüttelte den Kopf und versuchte, den Traum loszuwerden. Und diesen Phantomschmerz gleich mit. Vielleicht hatte ich im Schlaf auf meinen Armen gelegen und jetzt wurden sie wieder durchblutet. Ich hob sie probeweise, doch das ging problemlos und der Schmerz war anders als das Kribbeln, wenn ein Arm einschlief.
Vorsichtig betastete ich meinen linken Arm. Meine Haut fühlte sich heiß an und meine Berührung stach wie Nadeln. Schnell zog ich die Hand zurück.
Es war zu dunkel im Schlafzimmer, um etwas zu sehen. Ich hatte keine Ahnung, wie spät es war. Ich tastete nach meinem Wecker auf dem Nachttisch und drückte den Knopf, der die Beleuchtung aktivierte.
4:26. Die Ziffern wurden an die Zimmerdecke projiziert.
Ich schloss die Augen. Was für eine Uhrzeit.
Was für ein schrecklicher Traum.
Ich sollte versuchen, wieder einzuschlafen. Der Schmerz kam vermutlich von einem eingeklemmten Nerv, weil ich mich wegen des Traumes verkrampft hatte. Das kam von allein und ging sicherlich auch wieder von allein.
Neben mir lag Rickart, ich hörte seinen gleichmäßigen Atem. Gut, dass ich ihn nicht geweckt hatte, um diese Zeit war er noch weniger zu gebrauchen als ich. Deswegen traute ich mich auch nicht, Licht anzumachen. Auf den Streit konnte ich verzichten.
In zweieinhalb Stunden musste ich aufstehen, ich sollte jetzt wieder schlafen. Heute stand eine wichtige Klausur an, für die ich lange gelernt hatte.
Ich rollte mich auf den Rücken und schloss die Augen. Versuchte, den Schmerz zu ignorieren. Ich entspannte mich, so gut es ging, und atmete dagegen an.
Vergeblich.
Meine Arme brannten zu stark, um es zu ignorieren.
Ich wurde immer unruhiger. Da stimmte etwas nicht. Ich musste nachsehen, bevor ich Panik bekam. Nur ein kurzer Blick, um mich zu vergewissern, dass alles okay war und meine Nerven mir einen Streich spielten. Wenn ich mir nichts eingeklemmt hatte, könnte mich trotzdem etwas gestochen haben, etwas Gemeines, das trotz der Kälte draußen überlebt hat. Was konnte das sein, das im November ins Schlafzimmer kroch und mich biss?
Vorsichtig stand ich auf und versuchte, keinen Lärm zu verursachen, um Rickart nicht zu wecken.
Mein Freund lag auf der Seite und atmete ruhig. Ich sah seine Silhouette in der Dunkelheit, außerdem wusste ich immer, wo er lag.
Ich schlich zur Schlafzimmertür und passte auf, dass ich nicht über das hochstehende Dielenbrett stolperte. Das passierte mir ständig.
Es war kalt im Schlafzimmer, obwohl die Heizung lief.
Unsere Dachgeschosswohnung ließ sich nicht richtig aufheizen, das Haus war alt und schlecht gedämmt. Und das trotz der hohen Miete.
Meine Augen waren schlafverkrustet und mir wurde schwindelig, als ich mich durch die Dunkelheit tastete.
Es war stockfinster wie in meinem Traum. Er klebte noch wie Spinnenweben an mir. Das Unbehagen und die Ratlosigkeit waren mit dem Wachwerden nicht verschwunden.
Ich erwartete jeden Moment, die Stimme wieder zu hören. Das Unbehagen kroch über meinen Rücken in meinen Nacken und prickelte dort.
Der Schmerz nahm zu, je mehr Schritte ich machte. Bis zur Tür waren es sieben.
Das lose Dielenbrett knarrte unter meinen Füßen.
Vorsichtig drückte ich die Klinke hinunter und hoffte, dass die Tür nicht quietschte. Langsam zog ich sie auf und schlüpfte durch den Spalt in den Flur. Hier war es noch kälter als im Schlafzimmer.
Bis zum Badezimmer waren es weitere drei Schritte.
Der Schmerz wurde immer unangenehmer, als hätte ich den schlimmsten Sonnenbrand meines Lebens. Die Haut spannte und brannte, der Stoff meines Sleepshirts fühlte sich an wie ein Nadelkissen.
Ich legte die Hand auf den Lichtschalter und zögerte. Ich hatte Angst vor dem, was ich gleich sehen würde. Was, wenn meine Haut rot und geschwollen war? Wenn ich eine allergische Reaktion auf was auch immer hatte?
Was musste ich dann machen?
Die Fliesen unter meinen Füßen waren eiskalt, doch ich merkte es kaum. Der Schmerz wurde immer schlimmer. Die Angst auch. Panik stieg in mir auf, weil ich ahnte, dass das, was ich im Licht sehen würde, schlimm war.
Ich wollte zurück ins Bett, mir die Decke über den Kopf ziehen und aus diesem Traum aufwachen.
Ich konnte nicht, ich war bereits wach.
Das Herz schlug mir bis zum Hals, als ich den Lichtschalter drückte. Für einen Moment sah ich nichts. Das Licht der Deckenleuchte biss sich meine Augäpfel und ich kniff die Augen zusammen.
Ich hasste den Winter. Schon immer. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen der dauernden Dunkelheit. Zwischen Oktober und Februar hatte ich das Gefühl, unter einem schweren schwarzen Tuch zu leben. Heute war der erste November. Der Winter hatte gerade erst angefangen.
Endlich schmerzte das Licht nicht mehr so stark. Ich öffnete die Augen und blinzelte mehrere Male. Meine Netzhäute fühlten sich ausgetrocknet an.
Langsam sah ich an mir hinunter.
Ich schloss die Augen erneut.
Mein Kopf schmerzte höllisch. Offenbar waren meine Augen deswegen nicht in Ordnung und was ich gesehen hatte, war nur Einbildung.
Ich musste noch einmal hinsehen.
Dieses Mal blickte ich in den Spiegel.
Bei meinem Anblick wurde mir schlecht. Ich bekam ein dumpfes Gefühl im Bauch, einen Druck auf den Magen. Dann fühlte ich mich, als sei ich beim Gehen in ein Loch getreten. Ein tiefes Loch. Mein Atem klang unnatürlich laut in meinen Ohren.
Ich verstand nicht, was ich im Spiegel sah. Das ergab keinen Sinn.
Langsam schob ich die Ärmel meines Sleepshirts nach oben. Es war, als wäre das eine fremde Person im Spiegel, die zufällig aussah wie ich. Zumindest größtenteils, denn das da gehörte nicht zu mir.
Ich berührte meine Arme.
Der Schmerz wurde noch...
| Erscheint lt. Verlag | 17.9.2022 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| ISBN-10 | 3-7568-0495-X / 375680495X |
| ISBN-13 | 978-3-7568-0495-5 / 9783756804955 |
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Größe: 781 KB
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