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Ein Koffer voller Träume (eBook)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
922 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-8142-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ein Koffer voller Träume -  Hartmut Emrich
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Ein Koffer voller Träume: Gelegentlich muss man sich von Dingen trennen, die man eigentlich nicht mehr braucht, oder nie brauchte, die man sich aber irgendwann einmal anschaffte, weil man der irrigen Meinung war, sie vielleicht einmal brauchen zu können. Sortiert man nicht gelegentlich aus, platzt das Haus aus allen Nähten und man muss sich irgendwann überlegen, ob man nicht eine Lagerhalle anmietet. Als Anlass, um solche Wegwerf-Entscheidungen zu treffen, eignet sich zum Beispiel ganz hervorragend der bevorstehende 60ste Geburtstag, weil dieses Datum wie eine Zäsur für das Leben ist. 60 zu werden, markiert den Übergang vom älteren Mann reiferen Alters zum alten Mann. Das bedeutet, man ist dann wirklich so alt, wie man sich morgens direkt nach dem Aufstehen fühlt, wenn man die 20 Schritte vom Bett zur Kaffeemaschine zurücklegt und sich dabei vorkommt, als würde man die komplette Entwicklung des aufrechten Gangs auf dem Weg vom prähominiden Baumbewohner bis zum Homo Sapiens durchlaufen. Sperrige Gegenstände, wie zum Beispiel längst nicht mehr benutzte Rennräder, mit denen man in den letzten 15 Jahren keinen einzigen Meter mehr fuhr, eignen sich hervorragend, um Platz zu schaffen und sich vor allem von dem schlechten Gewissen zu befreien, das man jedes Mal beim Anblick jenes Rades hat, mit dem man einst ein paar tausend Kilometer fuhr und fit wie der sprichwörtliche Fahrradschuh war. Aber um an das Rennrad heranzukommen, das sperrig und Platz verschwendend auf dem Zwischenboden in der Garage liegt, muss ich erstmal jenen großen uralten Koffer aus dem Weg räumen, der sich seit dem Beginn meiner Lehre in 1978 in meinem Besitz befindet und der mit Erinnerungsstücken bis in jene Zeit vollgestopft ist, als es mich damals vor 27 Jahren ins Rheinland zog. Und der Koffer wurde seit 27 Jahren nicht mehr geöffnet und was ich in 27 Jahren nicht vermisste, oder nicht benötigte, werde ich schwerlich auch in den kommenden Jahren vermissen. Anstatt mein altes Rennrad einer Alternativverwendung zuzuführen, widme ich mich wenige Tage vor meinem 60sten Geburtstag diesem uralten Gepäckstück. Das ist vollgestopft, mit allerlei unnützem Kram, Erinnerungsstücken, Fotoalben, Schnellheftern und anderem Zeug, das sich in meinem Leben ansammelte, seit ich den Koffer im Herbst 1978 mehr oder weniger von einem alten Mann als leeres, aber dreckiges und stinkendes Gepäckstück geschenkt bekam. Dieser Koffer enthält alle Sehnsüchte, Hoffnungen, Fehlschläge und Rückschläge jenes jungen Mannes, der ich einst war. Es ist im Prinzip ein Koffer voller Träume, von denen die meisten in Erfüllung gingen.

1961 im hessischen Vogelsberg geboren, zog es den 17-jährigen nach der Schule ins geschäftige Frankfurt. Nach Ausbildung und Fachhochschule prägten die weiteren Jahre vor allem im Nahen Osten und Afrika die Sicht auf Politik und Gesellschaft. 15 Mal wurde der Wohnort gewechselt und stetige berufliche und private Veränderungen sorgten für eine Festigung der eigenen Person. Seit 1998 wohnt der Autor mit seiner Frau auf den Rheinhöhen gegenüber der Loreley.

1961 im hessischen Vogelsberg geboren, zog es den 17-jährigen nach der Schule ins geschäftige Frankfurt. Nach Ausbildung und Fachhochschule prägten die weiteren Jahre vor allem im Nahen Osten und Afrika die Sicht auf Politik und Gesellschaft. 15 Mal wurde der Wohnort gewechselt und stetige berufliche und private Veränderungen sorgten für eine Festigung der eigenen Person. Seit 1998 wohnt der Autor mit seiner Frau auf den Rheinhöhen gegenüber der Loreley.

Zwischen Ausbildung und Bund


Sommer 1982 - Eigenes Bild, ohne Rechte Dritter


Die Fahrt nach Heidelberg


Heidelberg vom Schloss aus fotografiert.

Eigenes Bild, ohne Rechte Dritter

Autobahn A5 vor der Abfahrt Darmstadt

Mittwoch, der 30ste Juni 1982

Dass die Amerikaner mit ihren Panzern ausgerechnet in einer ewig langen Kolonne über die Autobahn fahren müssen, ist für die Lastwagenfahrer ebenso ein Ärgernis, wie auch für die Autofahrer. Vor allem für solche Autofahrer, deren Sechszylindermotor links ein Leck im Zylinderkopf hat, wodurch der Motor Kühlwasser verliert. Eigentlich wollte er sich längst darum gekümmert haben, aber in den letzten Tagen hatte er viel um die Ohren und dann kam der Anruf von Annas Freundin Elke ja auch sehr überraschend. Die hatte ihm am Montag über seinen jüngeren Bruder eine Nachricht zukommen lassen, dass er die mal anrufen soll. Und angerufen hatte er sie dann gleich gestern Morgen, an seinem zweiten Urlaubstag. Das war, nachdem er bei dem Schrotthändler nach ein paar Ersatzteilen für den Consul suchte und etwas Atmosit zum provisorischen Abdichten des Lecks geholt hatte. Und er hatte die Feststellung getroffen, dass er die Kopfdichtung erneuern muss, was er sich vor dem Rückruf bei Elke eigentlich für heute vorgenommen hatte. Zunächst hatte sich Elke bei ihm wegen Anna erkundigt, aber das war nicht der eigentliche Grund, warum die ihn sprechen wollte. Die wusste bereits von dem Tumor und die wusste, dass Anna wieder zuhause ist und auch, dass Anna jetzt wieder fest mit Holger zusammen ist. Damit haben sie beinahe den gleichen Kenntnisstand und damit wäre der Anruf eigentlich überflüssig gewesen. Und dass er diesen Kenntnisstand hat, ist nicht selbstverständlich. Am Montag war er mit seinem uralten und nur eingeschränkt funktionsfähigen Rennrad in Birstein gewesen - es war der erste Urlaubstag - und er hatte Anna zuhause besucht. Nicht nur, dass man ihr den Kopf kahlschor. Man hat ihr auch über dem rechten Ohr den Schädel aufgebohrt, oder aufgefräst, um einen Tumor von der Größe einer Haselnuss zu entfernen. Es war eine unverbindliche Unterhaltung unter Freunden gewesen und sie hatten beide alle Themen vermieden, die mit jener Zeit zwischen dem Jahreswechsel und dem Muttertag Anfang Mai zu tun hatten. Am liebsten hätte er sie umarmt und nicht mehr losgelassen, aber das Thema ist durch.

Der eigentliche Grund für Elkes Anruf war auch nicht Anna gewesen, das hatte er gestern Morgen schnell erfahren. Elke hatte ein Anliegen, das einen früheren Schulkameraden von ihm betraf. In der Realschule in Birstein war Dieter ein guter Freund von ihm gewesen und wie zu allen anderen ehemaligen Mitschülern hatte er damals nach der Schule den Kontakt verloren und auch nicht wieder gesucht. Er hatte in den letzten vier Jahren viel um die Ohren und nur vage zur Kenntnis genommen, dass Dieter irgendwann einen schweren Verkehrsunfall hatte. Er weiß auch, dass das damals irgendwann in den ersten Monaten nach dem Schulabschluss passiert sein muss. Er hatte keine Ahnung, dass Elke, die jüngere Schwester eines anderen Schulkameraden, eine sehr enge Freundschaft mit Dieter hatte, oder vielmehr noch immer hat. Und das ist auch der Grund für den Anruf gewesen. Elke fragte ihn, ob er sie nach Heidelberg begleiten würde, wo die Dieter in einem Reha-Center besuchen möchte. Und bereits auf dem halben Weg nach Frankfurt, als er zum ersten Mal Kühlwasser nachfüllen musste, fragte sie dann heute Morgen „Sag mal, meinst du, wir können noch in Darmstadt vorbeifahren und die Anna mitnehmen?“

„Anna? Wer ist diese Anna?“ fragte er nach und dachte natürlich im ersten Moment an ’seine’ Anna.

„Die Anna Maier aus Bad Orb. Die kennst du doch, oder? Also die kennt dich auf jeden Fall.“

„Ach so.“ antwortete er skeptisch und hatte dann mürrisch festgestellt „Also ich weiß, wer die ist und dass deren Vater ziemlich reich und in der CDU ist, aber kennen tue ich die nicht wirklich.“ Er hatte sich ein wenig über die Art und Weise geärgert, wie er wieder einmal offensichtlich als Umsonst-Taxi missbraucht werden soll. Auch wenn sich Darmstadt mehr oder weniger direkt auf dem Weg nach Heidelberg befindet, bedeutet jeder noch so kleine Umweg für seinen Motor eine zusätzliche Belastung und es ist nicht anzunehmen, dass Elke oder Anna auch nur in entferntester Form ein Interesse an ihm und seiner Person haben. Die haben offenbar nur auf einen Idioten wie ihn gewartet, den man ausnutzen kann. Aber trotzdem lässt er sich darauf ein und verlässt am Darmstädter Kreuz die Autobahn, auch wenn das bedeutet, dass die langsame amerikanische Militärkolonne, die er jetzt überholt hatte, auf dem weiteren Weg nach Heidelberg wieder von ihm überholt werden muss.


Diese Anna Maier tat so, als ob sie sich bereits eine Ewigkeit kennen würden und als ob sie dicke Freunde wären. Dabei war er der vor zwei Jahren auf einer Silvesterparty in Birstein nur mal begegnet und es hatte seines Wissens noch nicht mal zu einem ’Hallo’ gereicht. Eigentlich kennt er auch Elke kaum besser. Dass sie die jüngere Schwester seines früheren Klassenkameraden Michael aus Unterreichenbach ist, hatte er erst durch ’seine’ Anna erfahren. Er hatte die zuvor gar nicht gekannt und nichts von deren Existenz gewusst. Im Prinzip fährt er jetzt eigentlich mit zwei völlig wildfremden jungen Frauen - die sind beide jetzt gerade so über 18 - mit seinem angeschlagenen Consul nach Heidelberg. Die Beiden unterhalten sich dann auch über Themen, über die er nicht mitreden kann. Es geht dabei hauptsächlich um Pferde und die könnten sich ebenso auf chinesisch unterhalten. Ob es deren Absicht ist, ihn aus der Unterhaltung auszugrenzen, oder ob das einfach nur deren Art ist - beide entstammen Familien der besseren Gesellschaft - ist letztlich gleichgültig. Er versteht auf jeden Fall, dass er für die Beiden kaum mehr als der Chauffeur ist.


Dieter will ihn nicht sehen. Der will niemand mehr von der früheren Schulklasse sehen, weil sich seit seinem Unfall vor dreieinhalb Jahren bisher auch angeblich niemand bei ihm meldete. Was andere ehemalige Mitschüler angeht, kann er das nicht beurteilen, aber in seinem Fall hat der recht. Dieters Unfall war zu einem Zeitpunkt, als er selbst kaum Zeit für sich selbst, geschweige denn für einen früheren Klassenkameraden hatte. Und er muss sich den Vorwurf gefallenlassen, dass ihm Dieters Schicksal damals scheißegal war. Er hatte ja noch nicht mal gewusst, was genau damals geschah und darüber klärt ihn dann Anna auf. Sie sitzen in einem Straßencafé in der Fußgängerzone und warten auf Dieter und Elke, die vermutlich vögeln werden, oder was auch immer man tut, wenn man eigentlich eine Art Beziehung hat, sich aber nur selten sieht. Mit dem Moped gegen einen Lastwagen zu fahren und dann von einem der Räder überrollt zu werden, ist deutlich schlimmer, als sich mit dem Auto zu überschlagen und sich ein paar Knochen zu brechen. Bei Dieter waren es nicht nur Knochen, die brachen. Die Reha - diesen Begriff kannte er bisher noch nicht - dient bei Dieter nicht nur der körperlichen Wiederherstellung.

„Du sprichst nicht viel, oder?“ fragt Anna unvermittelt, während er sich eine weitere Zigarette anzündet.

„Nur, wenn ich weiß, was ich sagen soll, oder wenn ich zu viel getrunken habe.“ antwortet er und weiß nicht, was er von der an und für sich hübschen, aber überheblichen jüngeren Frau halten soll.

„Elke wird in Heidelberg bleiben.“ erklärt die scheinbar zusammenhangslos.

„Ich weiß.“

„Dann könnten wir ja eigentlich nach Darmstadt fahren, oder?“

„Ich war noch nie zuvor in Heidelberg.“ erklärt er, was gelogen ist, denn sie waren in der fünften oder sechsten Klasse einmal mit der Schule hier und hatten das Schloss besichtigt. Aber das ist jetzt seine Art, um Anna deutlich zu machen, dass er nicht auf Knopfdruck funktioniert und nicht nur einfach der Chauffeur Johann von dem Graf Yoster ist. „Wenn ich schon mal hier bin, will ich auch was von der Stadt sehen.“

„Nee, oder? Du willst doch jetzt nicht allen Ernstes wie einer der japanischen Touristen hier herumlaufen?“

„Warum nicht? Schließlich habe ich Urlaub. Und du musst ja nicht mitkommen. Du kannst auch hier auf mich warten, oder du kannst auch mit dem Zug zurück nach Darmstadt fahren. Ich weiß sowieso nicht, warum du mitgefahren bist.“ noch vor ein paar Wochen hätte es ihm vielleicht etwas bedeutet, mit der Tochter eines reichen und einflussreichen Lokalpolitikers nutzlos und ausgenutzt in einem Straßencafé in der Heidelberger Altstadt zu sitzen. Das hätte ihm das trügerische Gefühl gegeben, zu diesen Menschen zu gehören. Aber in den letzten Tagen hatte er viel Zeit damit verbracht, sein bisheriges Leben zu bewerten. Er wird nie einer von denen sein und schon gar nicht einer derjenigen, die wirklich Einfluss und Macht haben und er hat es eigentlich nicht nötig, sich von denen ausnutzen zu lassen.

„Elke und ich sind Freundinnen.“ erklärt Anna, als wäre das eine logische Begründung für deren Anwesenheit in Heidelberg.

„Ich verstehe. Das ist also ungefähr so ähnlich, als ob Elke auf die Toilette pissen geht und du begleitest sie, weil Mädels grundsätzlich nicht alleine zum Pissen auf die Toilette gehen können.“ stellt er fest und gibt eine Beobachtung wieder, die er bereits vor einiger Zeit machte. Zu seiner Überraschung lacht Anna laut auf und sagt dann zustimmend „Ja, so ungefähr.“

„Wie gesagt, kannst du mich auf der Besichtigungstour begleiten, oder es bleiben lassen. Es liegt an dir.“

Autoteilehandel Obernburger - Gelnhausen-Roth

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Erscheint lt. Verlag 19.10.2022
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7549-8142-0 / 3754981420
ISBN-13 978-3-7549-8142-9 / 9783754981429
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